Spyderco Military Titan (C36GTIP)

Das Spyderco Military ist ein stattlicher Folder mit einem militärisch-nüchternen Design ohne dabei martialisch zu wirken. Das erste Military wurde der Öffentlichkeit 1996 präsentiert und bis heute ist es im weltweiten Messermarkt ein fester Begriff. Es ist eines der erfolgreichsten Modelle von Spyderco und ist in den 19 Jahren seiner Modellgeschichte in zahlreichen Varianten entstanden.

Die überwiegende Zahl der Military Modelle wurde mit Griffschalen aus G-10 oder – bei limitierten Auflagen – mit edlen Carbon Griffen ausgestattet. Heute soll das Augenmerk einem limitierten Sondermodell mit einer Kombination aus G-10 und Titan Griffschalen gelten.

Bevor es in die Details des Spyderco Military Sondermodells geht, hier einige Daten und Eigenschaften des Messers in der Übersicht.

Hersteller: Spyderco Inc., USA
Modell/Herstellungsjahr: Military; SKU: C36GTIP, Produktionsjahr 2010
Bauform: Klappmesser mit Einhandbedienung, nicht WaffG §42a konform
Abmessungen: 10,2 cm; 24,1 cm; 14,0 cm (Klingenlänge; geöffnet, geschlossen)
Materialien: Klingenstahl CPM M4, Griffschale vorn: G-10.

Spyderco Military Titan und Carbon-Griffschale an der Vorderseite      Die Klinge des Spyderco Military Titan

Tatsächlich gibt es diese Mischform: Das Military mit der SKU C36GTIP besitzt an seiner Vorderseite eine Griffschale aus schwarzem G-10 und das stabile Rückgrat des Messers wird von einer 3,6 mm starken Titan Platine gebildet. Die SKU (SKU = Stock Keeping Unit) ist ein internes Kürzel von Spyderco, dass als alphanumerische Produktkennzeichnung oder wie der Name wörtlich sagt als Lagernummer dient. Die SKU aller Military Modelle  beginnt mit „C36“, die folgenden Buchstaben können Hinweise auf das verwendete Griffmaterial, den Klingenstahl oder andere Besonderheiten einer Baureihe geben. Auch bei diesem Messer gibt Aufschluss über einige Details: „G“ steht für G-10, „TI“ für Titan und das abschließende „P“ zeigt, dass es sich um eine Klinge mit Glattschliff handelt („Plain Edge„).

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Spyderco military Titan & Sondermodelle

Wie bei erfolgreichen Modellen üblich, produziert Spyderco von Zeit zu Zeit kleine Sonderauflagen, die sich durch eine gegenüber der Serie unterschiedliche Materialwahl bei Griffen oder Klinge auszeichnen. Diese Serien werden „Sprint-Run“ genannt, das ein Synonym für einen begrenzten Produktionszeitraum und eine limitierte Anzahl von Messers darstellt. Eine weitere Variante von limitieren Sonderauflagen bringt Spyderco als „Exclusives“ heraus, dabei handelt es sich um Sprint-Runs, die aber in Zusammenarbeit mit einem externen Auftraggeber entstehen und von diesem in den Handel gebracht werden. Ein langjähriger Partner von Spyderco für solche „Exclusives“ ist die Firma Knifeworks und auch dieses Military geht auf jene Kooperation zurück. Die Firma Knifeworks wurde 1998 von Roger Claunch in Columbia, LA gegründet und ist heute einer der größten Online-Händler für Messer in den USA.

Nachdem Spyderco in der Zeit zwischen 2005 und 2009 vier verschiedenen Sondermodelle des Military erfolgreich am Markt plazieren konnte, wurde im Januar 2010 ein „Knifeworks Exclusive“ angekündigt. Obwohl zunächst keine Details hinsichtlich Materialien oder Auflage bekannt gegeben wurden, spekulierte die Messerszene nach dem Erfolg des C36TIP natürlich mit einem Sondermodell auf Titan Basis. So kam es auch: Spyderco kündigte eine Auflage von 500 Exemplaren des Messers mit einer Klinge aus CPM-M4 Stahl für den Frühsommer 2010 an. Im Gegensatz zu den Serienmodellen mit Linerlock entschieden Spyderco und Knifeworks einen Framelock als Verriegelungssystem einzusetzen. Zur damaligen Zeit bezeichnete Spyderco das Framelock als „Reeve Integral Lock“ und erwies damit dem Hauptprotagonisten dieses Verriegelungssystems, dem Messermacher Chris Reeve die Ehre. Mittlerweile hat sich in der gesamten Messerszene aber die Bezeichnung Framelock durchgesetzt.

Für das exklusive C36GTIP erhielt Knifeworks in kürzester Zeit zahlreiche Vorbestellungen, so dass lange vor Erscheinen des Messers die angekündigte Auflage von 500 Stück Käufer fanden. Vermutlich hätte das Interesse der Messerfreunde sogar noch eine größere Auflage gerechtfertigt aber vor dem Hintergrund hoher Produktionskosten wollten die Macher das Risiko offenbar klein halten. Der damalige Subskriptionspreis von 299,95 Dollar machte das Military nicht gerade zu einem Schnäppchen aber trotzdem standen die Fans Schlange. Die Auslieferung ließ auf sich warten. Der Mai verging ebenso wie der Juni. Die Vorbesteller begannen unruhig zu werden und während ungeduldige Zuschriften in Foren kursierten stieg der Preis des Messers im „After-Sales-Market“ unaufhaltsam an. Bald wurden 350, 400 und sogar 500 Dollar für ein vorbestelltes C36GTIP gefordert und nicht selten auch bezahlt.

    C36GTIP-04   C36GTIP-05

Eine schwierige Geburt

Der Sommer kam während die Fangemeinde auf das Messer wartete und schließlich wurde es Herbst. Natürlich war inzwischen offenkundig, dass es bei der Produktion dieses Modells zu Schwierigkeiten gekommen sein musste. Spyderco hielt sich mit Informationen zurück aber nachdem alle Baugruppen und Materialien für dieses Messer bereits erfolgreich in Serie produziert wurden, war der CPM-M4 Klingenstahl schnell als Ursache ausgemacht. CPM ist ein Trademark des amerikanischen Stahlherstellers „Crucible Industries“ und steht für „Crucible Particle Metallurgy„. Mit diesem Kürzel werden alle pulvermetallurgischen Stähle versehen, wobei die nachfolgende Produktbezeichnung für den Stahltyp also die Zusammensetzung des Stahls dient. M4 ist ursprünglich ein klassischer rostfreier Werkzeugstahl und wurde für Schneideaufgaben in Industriemaschinen eingesetzt. Auffällig für einen Messerstahl sind die relativ hohen Anteile an Wolfram und Molybdän mit einem Anteil von jeweils 5,50 Prozent (Datenblatt CPM-M4). Die Kombination mit jeweils 4 Prozent Chrom und Vanadium und einem Kohlenstoffgehalt von 1,42 Prozent lässt einen harten, zähen und sehr schnitthaltigen Klingenstahl entstehen. Die pulvermetallurische Variante von Crucible trägt die Bezeichnung „CPM Rex M4 HC“ und die Eigenschaften übertreffen den alten M4 durch die wesentlich feineren Carbide nochmals deutlich.

So vielversprechend die Eigenschaften dieses Klingenstahls sind, so problematisch scheint die Fertigung der Klingen zunächst zu sein. Die Temperaturen beim Härten und Anlassen müssen sehr präzise eingehalten werden und schon kleine Abweichungen können eine komplette Charge ruinieren. Die mehrmonatige Verzögerung im Herstellungsprozess lässt vermuten, dass Spyderco einige Rückschläge bei der Produktion des C36GTIP schultern musste.

Endlich! Im Oktober 2010 beginnt die Auslieferung der vorbestellten C36GTIP Military und die Messerfreunde sind euphorisch. Der Klingenstahl hält was er verspricht, mit einer Härte von etwa 62 HRC (CPM M4 erlaubt bis zu 64 HRC) ist die Military Klinge nicht nur extrem scharf sondern auch erfreulich schnitthaltig. Nach langer Wartezeit wird das Messer ein Erfolg und ist heute ein gesuchtes Sammlerstück. Die Preise für ein neuwertiges Exemplar betragen im privaten Onlinehandel 350 Euro und mehr (2015).

C36GTIP-03

Spyderco Military

In der Praxis

Das Military Sondermodell leistet im Alltag gute Dienste. Die Klinge mit 3,7 cm am Klingenrücken für einen großen Folder relativ schmal und ein ansatzfreier  Flachschliff über das gesamte Blatt verleihen dem Messer gutes Handling selbst bei feinen Schnitten. Die geschliffene und nutzbare Schneide ist 9,40 cm lang; der CPM M4 Stahl kann mühelos auf die Schärfe eines Rasiermessers geschliffen werden und macht dieses Military zu einem wahren Schneidteufel.

Der Framelock verriegelt das Messer sicher und ist auf der Innenseite mit einer Edelstahlplatte verstärkt, so dass kein Verschleiß am Berührungspunkt des Titanrahmens mit der Klingenwurzel entstehen kann. Dass Öffnen des Messers ist durch das mit 14 mm Durchmesser recht groß gewählte Spyderhole einhändig möglich, ebenso kann das Messer mit einer Hand geschlossen werden. Der Clip aus Edelstahl ist ausreichend groß und stabil, um das Military sicher in der Tasche zu halten. Bei diesem Modell ist der Clip nicht umsetzbar, das Messer muss also Tip-down getragen werden. Linkshänder müssen das Messer beim aus der Tasche nehmen zunächst drehen, um es einhändig öffnen zu können.

Die Griffe des Spyderco Military besitzen an den Außenkanten eine deutliche Fase, so dass auch bei längerer Benutzung keine Druckstellen an Findern oder Handballen entstehen. Durch seine Größe passt dieses Messer gut in große Hände, der 14,0 cm lange Griff stellt selbst Pranken mit Handschuhgröße 11-12 genügend Platz zu Verfügung. Die Daumenrampe liegt zwischen Spyderhole und Klingenachse und ist durch ihre feine Riffelung ausreichend rutschsicher. Die Mechanik des C36GTIP ist sehr stabil, an keinem Bauteil ist Spiel feststellbar und die Klinge ist ordentlich zentriert. Die Verarbeitungsqualität gibt keinen Anlass zur Kritik.

Seit fast vier Jahren ist das Spyderco Military c36GTIP nicht nur eines meiner liebsten Begleiter im Alltag, es dient bei Reviews häufig auch als Referenzmesser in Sachen Handlage, Stabilität und Schneidleistung. Der Klingenstahl hat bisher alle Anforderungen des Alltags unbeschädigt überstanden und sich widerstandsfähig und zäh gezeigt. Die Schnitthaltigkeit ist ausgezeichnet, das Messer wurde bisher nur einmal geschärft. Erstaunlicherweise gehört der CPM M4 Stahl zu den eher selten anzutreffenden Klingenstählen aber aufgrund seiner Eigenschaften ist er mittlerweile im Bereich des Timber-Sports weit verbreitet.

Wer gerne ein großes Einhandmesser mitführt, die Geduld aufbringt nach diesem Modell Ausschau zu halten und sich vom Preis nicht abschrecken lässt, ersteht mit dem Spyderco Military C36GTIP ein praxistaugliches Messer mit vielen Qualitäten.


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