Darrel Ralph Custom Knives – Gunhammer & AXD

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Darrel Ralph Gunhammer

Darrel Ralph ist sicherlich nicht der bekannteste Messermacher Amerikas aber auf jeden Fall einer der kreativsten Köpfe der Szene. Sein handwerkliches Können wird weltweit geschätzt und die Qualität seiner Messer ist jetzt schon legendär. Die Folder und Balisong aus der Werkstatt von Darrel Ralph zeigen die unverwechselbare Handschrift ihres Erbauers und haben sich in den letzten Jahren einen festen Platz in der Champions League der Messer erworben. Aufwändige Verarbeitung bester Materialien, kreative Designs und höchste Qualitätsansprüche verbinden sich bei Darrel Ralph zu Messern mit akuter Suchtgefahr.

Der Firmensitz von Darrel Ralph liegt in der texanischen Kleinstadt Forney knapp 40 Kilometer östlich von Dallas. Darüber hinaus findet man nur wenig Infos zu Darrel Ralph im Internet, er ist kein Showman der Szene.


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Der Markt für hochwertige Messer hat sich in den letzten Jahren weltweit und insbesondere in den USA stark gewandelt. Die frühere Einzelfertigung in reiner Handarbeit hat sich bei den Custom Knife Makern in Richtung „industrialisierter Messerherstellung“ entwickelt. Darrel Ralph gehört in diesem Bereich zu den Pionieren aber auch andere bekannte Messermacher, z.B. Brian Tighe oder Todd Begg sind diesen Weg gegangen.

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Größenvergleich: Gegen das mächtige Gunhammer links wirkt das Trigger Maze fast wie ein Spielzeug

 

Handgemachte Messer oder Serienfertigung?

In den letzten Jahren haben sich die Gepflogenheiten in der Messerszene stark verändert? Früher stellte ein „Custom Knife Maker“ oder „Messermacher“ handgearbeitete Unikate her. Sich als Kunde sich ein Custom zu bestellen hieß, dass eine Absprache zwischen Kunde und Messermacher über das Design und die zu verwendeten Materialien getroffen wurde. Die eindeutige Definition von „Custom“ lautete „Einzelstück“. In der Regel wurde das komplette Messer in Handarbeit vom Messermacher allein hergestellt, wobei es damals bereits unterschiedliche Auslegungen drüber gab, wie hoch der Anteil eingesetzter Maschinen bei der Herstellung durch den Messermacher sein durfte, damit das Endprodukt noch als „Custom Knife“ bezeichnet werden konnte. Puristen duldeten den Begriff „Custom Knife“ nur, wenn auch die Klinge vom Messermacher selbst hergestellt, also eigenhändig geschmiedet und gehärtet wurde.

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In Standardausführung besitzen die Messer von Darrel Ralph Klingen aus S35VN von Crucible Steel

Im Laufe der Jahre wurde eben angesprochene enge Auslegung allmählich weiter gefasst, so dass gewisse Vorarbeiten, wie z.B. das Schmieden eines Rohlings für die Klinge, durchaus an Spezialisten oder spezialisierte Betriebe delegiert werden darf. Hauptsache der Messermacher setzt das Messer selbst zusammen und übernimmt das Finish mit abschließender Qualitätskontrolle. Darrel Ralph stattet seine Topmodelle mit Damast Klingen aus und greift dafür auf das Produkt eines Spezialisten zurück. Die Damastklingen für Gunhammer und Co. werden ausschließlich mit handgeschmiedeten Damast von Chad Nichols hergestellt.

Diskussionen über die Grenzen zwischen Handarbeit und Serienfertigung kann man übrigens wunderbar beim Thema mechanische Uhren verfolgen, im Sinne von „was ist ein Manufakturwerk und was nicht?“. Ebenso wie beim Thema der Custom Knives verschwimmen hier die Grenzen, was richtig oder falsch Handarbeit oder Serienmodell ist. Ob ein Messer als Custom oder gepimptes Serienmodell anzusehen ist, muss jeder Kunde am Ende des Tages mit sich selbst ausmachen.

Natürlich gibt es diese ursprüngliche Herstellung von Messern, diesen gemeinsamen Prozess zwischen Kunden und Messermacher und somit diesen Begriff „Custom Knife“ auch heute noch. Aber er rückt mehr und mehr in den Hintergrund, stattdessen treffen wir auf ein buntes Kaleidoskop an Begrifflichkeiten. „Semi Custom“, „Mid Tech Knife“, oder auch „Kleinserie“ sind einige dieser Begriffe und die Werbestrategen sind im Erfinden neuer Wortkonstruktionen nie verlegen. Die Begriffe „Custom“, „Semi-Custom“ und „Mid-Tech“ dienen, mangels klarer Definition – nur dazu, ein Produkt mit dem Hauch besonderer Exklusivität zu umgeben. Die tatsächlichen Produktionsschritte werden nur noch selten offengelegt, woraus sich ein üppiger Nährboden für Spekulationen und Gerüchte ergibt.

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Das Trigger Maze ist das Einstiegsmodell von Darrel Ralph

 

Nach diesem kleinen Exkurs in Sachen handgemachten Messern und „Custom Knives“ zurück zu  Darrel Ralph. Als einer der ersten verabschiedete er sich von der Herstellung echter Unikate und wandte sich der Produktion standardisierter Modelle zu. Diese beruhen auf einem Grundmodell, das er mit technischen und/oder optischen Variationen immer wieder produziert. Dadurch hat Darrel Ralph praktisch die Quadratur der Kreis verwirklicht: Ein „Custom Knife“ als Markenprodukt. So verbindet er den Wiedererkennungswert einer Marke mit dem Nimbus eines Unikats.


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Viele Messer von Darrel Ralph sind „Assisted Opener“, besitzen also eine Öffnungshilfe die aktiv wird, wenn die Klinge ein paar Winkelgrade aus dem Detent bewegt wird. Praktisch gesehen eine Halbautomatik, die vor allem von Kunden in den USA geschätzt wird. Natürlich kann man jedes Messer bei  Darrel Ralph auch ohne diesen Mechanismus bestellen.

Darrel Ralph produziert einerseits für den freien Verkauf über seine Website und anderseits auf Kundenbestellung. Ein Teil der Messer geht an autorisierte Online-Händler oder werden auf  Shows verkauft, z.B. auf der Blade Show in Atlanta.

Die Eckpfeiler des Sortiments von Darrel Ralph sind:

  • Trigger Maze“ das Einsteiger-Modell von Darrel Ralph.
  • AXD“, mit 4″ Klinge und in der „XXL“ Version mit 5.5″ Klinge
  • Gunhammer“, der Name ist Programm!
  • Madd Maxx“, ein martialischer Folder mit Stilett-Design.
  • Venturi„, das Balisong von Darrel Ralph.

 

Darrel Ralph Trigger Maze

Das Trigger Maze ist nahem am  Serienmodell ohne große Möglichkeiten zur Individualisierung, gelegentlich taucht eine Variante mit farbig anodisierten Griffschalen auf.

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Bei vielen Anbietern wäre dieses Messer schon das Topmodell

Andere Klingenformen oder -Längen gibt es nicht. Deshalb und weil es das günstigste Messer im DDR („Design Darrel Ralph“) Sortiment ist, stellt es quasi den Einstieg in den Darrel Ralph Messer-Kosmos dar. Beim Trigger Maze um eine Titan Framelock Konstruktion mit 3,5 Zoll Klinge. Das Messer ist als Flipper konzipiert. Die beiden Titan Griffschalen sind mit aufwendigen Fräsungen versehen.

 

 

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Der Clip des Trigger Maze zeigt das Crusader Cross

Auf dem Taschenclip findet sich das inoffiziellen Markenzeichen von Darrel Ralph, das „Crusader Cross“.  Auch auf der Achsschraube findet sich dieses Symbol, dass ein schönes Stilelement im Vergleich zu einer schnöden Achsschraube darstellt. Das offizielle Markenzeichen ist das „DDR“ Logo auf der Klinge. Der Clip fungiert gleichzeitig als Überdehnschutz (overtravel stop) für den Lock Bar.

 

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Darrel Ralphs Trigger Maze ist ein halbautomatischer Flipper

 

Auch das Trigger Maze ist ein „Assisted Opener“. Bei diesem Mechanismus wird eine Feder oder ein flacher Federstab beim Schließen der Klinge vorgespannt. Hebt man die Klinge über den Flipperhebel oder den Daumenpin ein paar Millimeter an, entlädt sich die Federspannung und schleudert die Klinge mit Vehemenz in die offene Endposition.

 

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Die Titangriffschalen besitzen aufwändig gefräste Strukturen

 

Darrel Ralph Gunhammer

Dieses Messer ist eine deutlich wuchtigere Erscheinung als das  Trigger Maze. Es hat eine vier Zoll Klinge, Framelock und sogenannte „3D Titangriffe“. Die Griffschalen sind nicht flach, sondern leicht bauchig und geben dadurch die Anmutung einer dreidimensionalen Konstruktion.

Die Titangriffschalen sind goldfarben anodisiert und die Seite die dem Lock Bar gegenüberliegt hat ein Inlay aus Carbon. Für das „Gunhammer“ bietet Darrel Ralph die größte Auswahl an Klingenformen und -längen. Die Standard Klingenformen lauten „Torpedo“, „Bowie“, „Radian“, „Tanto“ und ganz neu „RanTo“, eine Verschmelzung der „Radian“ und der „Tanto“ Form. Klingen für das „Gunhammer“ können in 3 ½ Zoll oder 4 Zoll Länge bestellt werden.

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Darrel Ralphs Gunhammer – Bitte Sonnenbrille aufsetzen!

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Selbst der kleine Kicker ist aufwändig gearbeitet

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Die Klinge des Gunhammer wird in Handarbeit satiniert

Das abgebildete „Gunhammer“ ist ein besonders schönes und aufwändiges Unikat, es wurde von Darrel Ralph 2014 hergestellt. Ein Messer von Darrel Ralph zu ergattern kann eine Geduldsübung sein, vom allem vor und während der großen Knife Shows in den USA. Üblicherweise sind seine Messer schon vor der Ausstellung im Internet zu sehen; viele Käufer lassen es sich nicht nehmen, ihr Messer direkt bei Darrel Ralph auf der Show abzuholen. Neben dem sehr auffälligen Griffdesign ist es vor allem die Klinge, die dieses Exemplar besonders macht. Darrel Ralph nennt dieses Klingen-Design „2H Grind“, mit dem er nur seine Show-Messer ausstattet. Dabei handelt es sich um eine spezielle Variante der Bowie-Klinge, deren Form deutlich ausgeprägter als bei einer „normalen“ Bowie-Klinge ist.

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Darrel Ralph AXD

Last but not least das „AXD“!  Dieses Modell hat einen enormen Bekanntheitsgrad erlangt, nachdem es einen Auftritt im Film „The Expandables“ mit Jason Statham hatte.

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Ein AXD von Darrel Ralph mit 5.5 Zoll Klinge

Nachdem auch Steven Tyler, der Sänger der Rockgruppe „Aerosmith“ in einem Video mit dem „AXD“ herumspielte, bekam das Messer zusätzlich nochmals Aufmerksamkeit in einer gänzlich anderen Zielgruppe.  Diese Unterstützung benötigt das „AXD“ von Darrel Ralph nicht wirklich, denn es ist auch ohne Hollywood Glamour eine spektakuläre Erscheinung. Besonders in der hier gezeigten Variante mit 5 ½ Zoll Klinge. Das Griffdesign mit seinen gefrästen „Schuppen“ setzt  Assoziationen zu den „Alien“ und „Predator“ Filmen frei, auch viele Balisong Designs von Darren Ralph besitzen Anklänge von Sience Fiction oder Fantasy Filmen.

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Eindrucksvoll ist die detailreiche Bearbeitung des Titan Griffs

 

 Darrel Ralph Venturi

Wer das Glück hat in einem Land zu leben, in dem das Balisong nicht geächtet oder verboten ist, darf sich auch in dieser Messerkategorie an den Werken von Darrel Ralph erfreuen. Wie beim Gunhammer und beim AXD haben auch fast alle seine Balisong einen Touch von Star Trek und würden jedem Klingonen bestens zu Gesicht stehen. Leider kosten diese Messer aber auch fast so viel wie die Enterprise…

Darrel Ralph Venturi V8

Darrel Ralph Venturi V8, Bildrechte: Thomas Schoke

Die Balisong von Darrel Ralph tragen traditionell den Namen „Venturi„. Lange hat Darrel Ralph an einem System getüftelt, um dem Problem der sich ständig lösenden Achsschrauben bei diesem Messertyp zu begegnen. Vor allem im Balisong Sport werden die Achsschrauben mittels Loctite eingeklebt aber diese Lösung war für Darrel Ralph nie eine Option. Stattdessen kommt sein NLT („No-Loc-Tite“) genanntes System ohne Klebstoff aus und erlaubt zusätzlich den Swing des Messers individuell einzustellen, ohne dass die Griffe horizontales Spiel entwickeln.


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Sein aktuelles Balisong Modell, das Venturi V8, kann man auch mit kugelgelagerten Griffen bestellen. Doch damit nicht genug: als einziger Hersteller (soweit mir bekannt) gewährt Darrel Ralph bei seinen Balisong sogar einen lebenslangen, kostenlosen Reparatur Service, sollten die Achsschrauben einmal  defekt oder verschlissen sein. Etwas Geduld sollte man allerdings mitbringen wenn man ein Venturi erwerben möchte – die Wartezeit auf diese Messer kann viele, viele Monate betragen.

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Der Größenvergleich mit dem Trigger Maze zeigt die Größe des AXD eindrucksvoll

Die zu Beginn aufgeworfene Frage, ob es sich bei den Produkten von Darrel Ralph und anderen Hightech Schmieden noch um Customs oder um individualisierte Kleinserienmesser handelt, lässt sich auch jetzt nicht schlussendlich beantworten. Unabhängig einer Definition bleiben die wahren Werte der Messer von Darrel Ralph bestehen: hohe Kreativität im Umgang mit Formen und Materialien, kompromisslos hohe Qualität und uneingeschränkte Praxistauglichkeit

-stefan, -tom


Alle genannten Marken, Logos und Namen sind Eigentum der jeweiligen Inhaber.

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