Kampfmesser von James Williams – Sakimori, Shinbu, Hisshou

Hisshou, Kampfmesser von CRKT designed von James Williams

Hisshou, Kampfmesser von CRKT designed von James Williams

In den letzten Jahren hat sich der Trend verstärkt, dass sich Design und Stil vieler neu vorgestellter Messer immer weniger unterscheiden. Der Zeitgeist diktiert die Entwicklung, firmenspezifische Details und Originalität treten zunehmend in den Hintergrund und lassen die Messer immer uniformer werden. Glücklicherweise gibt es noch Ausnahmen. Drei Kampfmesser, die James Williams entwickelt und CRKT produziert hat, gehören ohne Frage zu dieser Gruppe. Dass CRKT drei Kampfmesser produziert, die alle Elemente japanischer Tradition besitzen und zudem noch im oberen Preissegment angesiedelt sind, macht diese Messer von vornherein zu etwas besonderen. Die Messer sind spannend aber noch spannender ist ihre Entstehungsgeschichte. Am spannendsten aber sind die Einblicke in die Geschichte, Entwicklung und vielen Hintergründe, die James Williams im KnifeBlog Interview gewährt.

Die Firma CRKT aus Oregon hat ein breites Angebot von Messern und deckt so ziemlich jedes Spezialgebiet ab. Jagdmesser, Gentleman Folder, Fischermesser und ein großes Angebot von taktischen Messern haben CRKT in den letzten Jahren eine solide Position auf dem amerikanischen Messermarkt gesichert. Dabei deckt CRKT hauptsächlich das Segment um und unter 100 Dollar ab, deutlich weniger Messer finden sich in höheren Preiskategorien. Eher selten findet man bisher Messer von CRKT im exklusiven Bereich der hochwertigen und hochpreisigen Serienmesser, also in der Preisregion von 250 Dollar und aufwärts.

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Vor einiger Zeit besuchte ich eine Messerausstellung und – wie eingangs erwähnt – besitzt der überwiegende Teil der Serienmesser ähnliche Features und den gleichen Stil. Kleine Messer mit militärischer Optik, DLC-beschichteten Klingen und martialisch anmutenden Design liegen im Trend und an jedem Stand. Natürlich gibt es an diesen Messern grundsätzlich nichts zu kritisieren, viele werden mit höchster Präzision aus besten Materialien hergestellt und können jede Menge Spaß machen. Gerade als sich Ermüdung breit machen will…

Sakimori, Shinbu und Hisshou

… blitzt in einer der hinteren Ecken eine Klinge auf! In einer Vitrine auf einem Sockel aus Ebenholz thront ein Kurzschwert im japanischen Stil. Ein Wakizashi? Hier, auf einer deutschen Messerausstellung? Das ist so ungewöhnlich, dass dieses Messer sofort mein Interesse weckt! Beim näheren Hinsehen wird klar, es handelt sich um ein modernes Messer aber weder um eine Replik noch um eine antike Waffe. Beim näherkommen wird klar, dort liegt nicht nur ein Messer hinter Glas, sondern deren drei. Die Messer unterscheiden sich weder in Form oder Machart, sondern nur durch ihre Größe.

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Sakimori, Shinbu und Hisshou (v.o.n.u.)

Das längste der drei Messer trägt den Namen Hisshou („Sicherer Sieg“) und passt mit einer Klingenlänge von 33 cm perfekt in die Sollmaße eines traditionellen japanischen Wakizashi. Die Klingen dieser Kurzschwerter maßen ein bis zwei Shaku (Shaku, Längenmaß von ca. 30 cm). Wakizashi waren im japanischen Feudalsystem ausschließlich Edelleuten und Samurai zugeordnet. Das traditionelle Langschwert, das Katana, durften hingegen nur Samurai tragen und üblicherweise trugen Samurai zusätzlich auch ein Wakizashi.

Die beiden kleineren Messer sind das Shinbu oder Shinbotu („Göttliche Tapferkeit“) und das kleine Sakimori („Edler Verteidiger“). Letzteres besitzt mit einer Klingenlänge von ungefähr 14,6 cm schon EDC-taugliche Abmessungen und entspricht in seiner Größe dem japanischen Kaiken. Diese kurzen Dolche mit Klingenlängen bis etwa 16 cm dienten als Allzweckmesser und wurden oft verborgen unter der Kleidung getragen. Mönche trugen häufig ein Kaiken unter ihrem Gewand, gelegentlich führten sogar Frauen ein solches Messer mit sich.

Verarbeitung

Nimmt man eines der drei Messer in die Hand fällt sofort auf, dass es sich um bestens verarbeitete und solide Kampfmesser mit einem guten Schuss japanischer Messerbaukunst handelt. Wie bei den Originalen aus vergangenen Jahrhunderten besteht der Griff aus einer Unterlage von Rochenhaut, um die Wicklungen aus schwarz gefärbten Kordeln kunstvoll gebunden und verknotet werden. Vom ersten Moment an ist klar, diese Messer sind keine Schaustücke oder Repliken – es sind kompromisslose und mit höchster Qualität gefertigte Kampfmesser.

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CRKT Shinbu, auch Shinbotu („Göttliche Tapferkeit“)

Die nächste Überraschung lässt nicht lange auf sich warten, zu jedem Messer gehört eine passgenaue Kydex-Scheide. Jetzt wird es richtig spannend: ein Kampfmesser nach traditioneller japanischer Machart aber mit einer modern-nüchternen Kydex-Hülle statt der obligatorischen Holz-Scheide. Nach dem ersten Erstaunen ist schnell klar, hier liegt weder eine Nachlässigkeit noch ein geplanter Stilbruch vor. Bei der Konzeption dieser  Messer wurde nichts dem Zufall überlassen und das komplette Messer-Ensemble folgt einem präzisen Plan.

Historische Originale

Bevor wir einen kleinen Exkurs zu japanischen Blankwaffen machen, müssen wir den Begriff „Tantō“ klären damit keine Missverständnisse entstehen. Heute bezeichnet „Tanto“ eine Klinge mit zwei in einem Winkel zusammen treffenden Schneiden. Tatsächlich aber ist „Tantō“ ein generischer Begriff für ein einseitig geschliffenes, leicht gebogenes japanisches Kampfmesser mit einer Länge unter 1 Shaku, also knapp 30 cm. Auf die Interpretationen des Begriffs „Tanto“ wird James Williams im Knife-Blog Interview detailliert eingehen.

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American Tanto

Variante der „American Tanto“ Klinge

Die Klingenform aller drei Messer orientiert sich an der klassischen japanischen „Shobo zukuri“ Klinge. Der Klingenrücken besitzt über den größten Teil der Klinge die gleiche Stärke, erst kurz vor der Spitze verjüngt sich die Klinge. Die Gratlinie („Shinogi“) liegt weit oben am Klingenrücken („Mune“) und der Klingenschliff ist über die gesamte Länge der Schneide gleich ohne Absätze („Yokote“) oder Winkel. Durch die hohe Gratlinie, den Flachschliff und den stabilen Klingenrücken stellen „Shobo zukuri“ Klingen einen perfekten Kompromiss aus Gewicht, Stabilität und Durchschlagskraft dar. Die Formgebung der „Shobo zukuri“ Klinge wird oft mit dem Blatt einer Schwertlilie verglichen, daher findet man vor allem eim englischen Sprachraum häufig die Bezeichnung „Iris Leaf“  Die Entwicklung der „Shobo zukuri“ Klinge liegt rund 800 Jahre zurück und fällt in Muromachi-Zeit, einer Phase des Umbruchs und gewaltsamer Veränderungen im japanischen Feudalsystem.

Links zum weiterlesen

Kurzübersicht japanische Klingentypen
Muromachi-Zeit
Japanische Tantō Messer

 

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Klingen & Klingenstahl

Zurück zu Sakimori, Shinbu und Hisshou! Form und Ausführung aller drei Klingen sind völlig einheitlich: Biegung, Schliff und die in Längsrichtung fein satinierte Oberfläche sind identisch. Die beiden kurzen Blutrinnen nahe der Klingenwurzel entsprechen jeweils einem Drittel der Klingenlänge. Hinsichtlich ihrer technischen Daten unterscheiden sich die drei Messer vor allem durch ihre Größe, darüber hinaus gibt es viele Gemeinsamkeiten. Dass alle drei Messer in Deutschland aufgrund ihrer Größe unter das Trageverbot gemäß WaffG §42a fallen, versteht sich fast von selbst.

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Die Klinge des kleinen „Sakimori“ ist aus dem seltenen Werkzeugstahl „O-1“ hergestellt, bei den beiden anderen Messern kommt der Schwertstahl „YK-30“ zum Einsatz. „O-1“ wird in der heutigen Messerszene nicht von vielen Herstellern eingesetzt, hat aber eine eingeschworene Fangemeinde. Jay Fisher, ein bekannter Custom Knife Maker aus New Mexico schwört auf O-1 und auch die kleine Edelschmiede Bushmonkey Knives verwendet keinen anderen Klingenstahl. „O-1“ hebt sich von der Masse der heutigen Klingenstähle durch seinen niedrigen Gehalt an Chrom und Vanadium ab.

Der technische Unterschied zwischen O-1 und YK-30 ist marginal. Beide werden von mehreren Firmen in Japan, China und den USA angeboten und wie bei Werkzeugstählen üblich, können die Produkte unterschiedlicher Hersteller auch sehr unterschiedlich ausfallen. Daher sind für den populären YK-30 in der Tabelle typische Mittelwerte angegeben. Im AISI Standard entspricht YK-30 des Herstellers Daiko im wesentlichen O-2.

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Trotz des auffallend geringen Anteils an Chrom sind O-1 und YK-30 hochglänzend und rostträge aber beide Eigenschaften standen nicht im Mittelpunkt der Entwicklung. Die Klinge eines Kampfmessers muss vor allem bruchsicher, verschleiß- und abriebfest sein sowie eine hohe Zugfestigkeit besitzen. Im Gegensatz zu Allzweckmessern werden diese Klingen oft mit Torsionskräften belastet und ihre Schneiden treffen mit hoher Energie auf einen Widerstand. Hochmoderne pulvermetallurgische Stähle wie S35VN oder Elmax übertreffen O-1 und YK-30 zwar in Sachen Schnitthaltigkeit und Härte, im Kampfeinsatz wären sie bei den vorliegenden Klingenlängen jedoch nicht ausreichend bruchsicher.

 

Zubehör

Die bereits erwähnten Kydex-Scheiden sind qualitativ sehr hochwertig. Die Klingenform ist exakt herausgearbeitet, die Ränder sind verschweißt und sauber geglättet. Das ist heute leider keine Selbstverständlichkeit mehr. Die Scheiden sind so gebaut, dass der Griff knapp zwei Finger tief in der Scheide verschwindet. Durch den sich dadurch ergebenden breiten oberen Abschluss der Scheide, sitzt sie rutschsicher im Hosenbund. Messer und Scheide liegen auf diese Weise eng am Körper an und zeichnen sich kaum ab. Die Kydex-Scheiden sind werksseitig mit einer Gürtelaufname ausgestattet, diese lässt sich jedoch leicht demontieren.

Optional kann ein Tek-Lok montiert werden, die  Hohlnieten der Kydex-Scheide sind millimetergenau für eine diagonale Montage angebracht. Der Halt der Messer in der Kydex-Scheide ist bemerkenswert gut, obwohl sich das Messer leicht ziehen lässt, fällt es selbst dann nicht heraus, wenn man Scheide und Messer mit Griff nach unten kräftig schüttelt. Ein kleines aber erfreuliches Feature ist eine im oberen Bereich der Scheide angebrachte Schraube, über die sich die Zugkraft zum ziehen des Messers individuell anpassen lässt.

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Alle drei Messer werden – für Kampfmesser eher unüblich – in dekorativen und sehr aufwändig gestalteten Präsentationsboxen aus Holz geliefert. Eine rote Samteinlage nimmt das Messer auf. Auf der Holzbox prangen  die Namen des jeweiligen Messers auf Englisch und Japanisch in großen, goldenen Lettern.

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Die Gesamtlänge von unter 29 cm inklusive Scheide macht das Sakimori zu einem tauglichen EDC.

Fazit

Die drei Kampfmesser von James Williams gehören mit zum Besten, was ich in der Messer Welt in den letzten Jahren gesehen habe. Qualität und Verarbeitung befinden sich auf höchsten Niveau. Trotz der Nähe zu traditionellen japanischen Waffen glänzen die Messer mit praxisorientierten, pfiffigen Detaillösungen.

Das Design ist gelungen, es ist absolut authentisch und harmonisch. Alle technische Anforderungen wurden kompromisslos umgesetzt und die Praxistauglichkeit zeigt sich im Video von James Williams. Die Qualität der Kydex-Scheiden ist exzellent und übertrifft viele Mitbewerber deutlich, die Präsentationsboxen sind das Tüpfelchen auf dem „I“. Man muss nicht unbedingt in den Krieg ziehen, um diese Messer lieben zu lernen!

Sakimori, der „Edle Verteidiger“ ist der perfekte Begleiter im Alltag, Shinobu nimmt man mit, wenn das Terrain etwas gröber wird und Hisshou ist das Messer der Wahl wenn es einmal hart auf hart geht.

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CRKT Sakimori, der perfekte Begleiter im Alltag.

Für das Gebotene ist der Preis von knapp 1.000 Dollar für alle drei Messer nicht zu hoch. Das zeigt sich auch daran, dass der „First Production Run“ längst ausverkauft ist. Auf dem „After-Sales-Market“ sind die Messer zur Zeit ausgesprochen rar und werden gelegentlich mit satten Preisaufschlägen angeboten. Ob die Produktion dieser Messer zukünftig weitergeführt wird, konnte mir CRKT auf Anfrage nicht beantworten.

Weiter geht es in Teil 2 – James Williams im Knife-Blog Interview!



Alle genannten Marken, Logos und Namen sind Eigentum der jeweiligen Inhaber.


Bildnachweis:

Alle in diesem Artikel abgebildeten Fotos und Grafiken sind Eigentum des Autors. Das „Cutting video“ stammt von James Williams bzw. CRKT

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One thought on “Kampfmesser von James Williams – Sakimori, Shinbu, Hisshou

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