Cold Steel stürzt sich auf CRKT

Nach der Blade Show, wenn sich der Stress etwas gelegt hat, bringen alle Firmen ihre neuen Modelle auf den Markt. Die Händler füllen ihre Lager, die Kunden stürzen sich auf neue Messer und der Dollar rollt. Friede, Freude, Eierkuchen. Nicht so in diesem Jahr! Präsentierte sich die Messerwelt auf der Blade Show noch als große Familie, haben jetzt die Anwälte das Wort.

Wir kennen es seit Jahren aus der Smartphone Szene. Hersteller A verklagt jeden, der es wagt ein Smartphone zu bauen und wird am Ende selbst von allen verklagt. Zwar gab es in der Messerszene schon des öfteren juristische Auseinandersetzungen aber was zur Zeit passiert, dürfte recht einmalig sein.

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Was ist passiert? Am 03. Juni 2015 hat Cold Steel beim zuständigen Bundesgericht eine Klage gegen seinen Konkurrenten CRKT eingereicht (Case 2:15-cv-04166). Gegenstand der Klage ist eine angebliche Verbrauchertäuschung von CRKT in Werbeaussagen zu den Verriegelungssystemen mehrerer CRKT Folder.

Hintergrund. In den letzten Jahren hat CRKT eine Reihe von Patenten angemeldet. Einige Patente beziehen sich auf Öffnungsmechanismen (OutBurst®, Fire Safe®), andere haben besondere Lösungen bei Verriegelungssystemen von Klappmessern zum Inhalt. Zwei davon sind das LAWKS® bzw. AutoLAWKS®, die ich schon im Artikel über CRKT Anfang April 2015 beschrieben habe. Die Abkürzung LAWKS® steht für „Lake and Walker Knife Safety“ und bezeichnet ein System, bei dem ein zusätzlicher Pin den Liner bei geöffneten Messer so blockiert, dass die Klinge nicht versehentlich entriegelt werden kann. Das LAWKS® ist ein manuelles System, das von Hand aktiviert und deaktiviert wird, AutoLAWKS® hingegen aktiviert den Sicherheitspin automatisch.

CRKT rüstet zahlreiche Messer mit diesem Systemen aus, unter anderem die Modelle Thunderbolt Hissatsu 2 Folder, M4, Folding Razel, Fire Spark und M16. CRKT bewirbt beide Verriegelungssysteme mit den Worten: „LAWKS® macht aus ihrem Folder ein virtuelles Fixed“ (frei übersetzt) und hebt in weiteren Aussagen den Gewinn an Sicherheit gegen das unbeabsichtigte Einklappen der Klinge hervor.

CRKT LAWKS Zeichnung

Bild 1: Die Funktion des LAWKS von CRKT

Die Klage. Normalerweise würde man einen Patentstreit nach dem Muster „du hast meine Ideen geklaut“ erwarten. In der bereits angesprochenen Smartphone-Szene drehen sich die Klagen seit Jahren fast ausschließlich um Patentverletzungen durch Konkurrenten. Cold Steel geht einen anderen Weg, mangels eigener Patente nimmt man die Werbeaussagen von CRKT zum Ziel.

Cold Steel begründet seine Klage auf der Feststellung, dass die Klinge eines mit LAWKS® ausgerüsteten Messers versagt, wenn man genügend Druck auf die Klinge ausübt. In der Klage heißt es unter anderem: „Wir sind ein Volk von Menschen, die ihre Messer benutzen […] Kunden haben ein Recht auf ehrliche Werbeaussagen“.

Rechtliche Substanz. Die Klage von Cold Steel steht vermutlich auf wackeligen Beinen. CRKT hat zwar in mehreren Werbeaussagen die Formulierung „…verwandelt ihren Folder in ein virtuelles Fixed Blade“ verwendet aber in diesem Zusammenhang keine Aussagen zur Belastbarkeit der Klingenarretierung gemacht. Genau da setzt aber Cold Steel mit seiner Klage an und argumentiert: „…dass trotz LAWKS® kein größerer Kraftaufwand benötigt wird, um das Lock gewaltsam zu überwinden“ und der Vergleich mit einem Fixed daher eine irreführende Verbrauchertäuschung sei.

Was geschah dann? Bei Bekanntwerden der Klage rieb sich die Messerszene erst einmal kollektiv die Augen – einen Tag nach der Blade Show setzten die Reaktionen ein. Ein Shitstorm mit einer Mischung aus Zorn, Spott und Häme ergoss sich über Cold Steel und die negative Reaktion der User zwang Cold Steel Boss Lynn C Thompson zu einer öffentlichen schriftlichen Erklärung.

In dieser Erklärung versucht Lynn C Thompson die Klage zu rechtfertigen und gibt dabei eine Reihe abenteuerlicher Begründungen zum Besten:

  • In den 35 Jahren seiner beruflichen Laufbahn habe er (Lynn C Thompson), immer das Wohl der Verbraucher und die Sicherheit seiner Messer im Auge gehabt…,
  • Cold Steel habe immer versucht, die Grenzen der Festigkeit von Klappmessern zu verbessern und Millionen Dollar (!?!) in die Erforschung von Verriegelungssystemen investiert,
  • Da Cold Steel die Finger seiner Kunden liebt könne man nicht still sitzen, wenn Konkurrenten leere Versprechungen zu den Eigenschaften ihrer Messer abgeben.

Wer den ganzen Text lesen möchte, findet die Stellungnahme von Lynn C Thompson unter http://www.coldsteel.com/crkt_lawsuit.aspx . Meine erste Frage an Lynn C Thompson wäre, warum das Millionen-Dollar-Engagement nur zu einer einzigen Neuentwicklung und einem einzigen Patent seitens Cold Steel geführt hat.

Was steckt dahinter? Wie bereits geschildert, CRKT hat in den letzten Jahren „seinen Claim“ mit einer Reihe von Patenten abgesteckt. Das nimmt den Konkurrenten die Möglichkeit, technisch ähnliche Systeme zu verwenden, ohne an CRKT Lizenzgebühren zu zahlen. Also versucht man, die Patente auf dem Klageweg zu eliminieren.

Wird das klappen? Vermutlich nicht. Die Chancen von Cold Steel muss man als eher gering einstufen. Hauptsächlich wird eine angebliche Werbeaussage von CRKT attackiert, die so überhaupt nicht geäußert wurde. Dass ein Richter das Patent von CRKT annulliert ist ausgeschlossen, eine Verurteilung wegen Verbrauchertäuschung aber nicht unmöglich.

Was wird Cold Steel erreichen? Ein juristischer Sieg ist unwahrscheinlich und der Schuss dürfte nach hinten losgehen. Cold Steel möchte sich als Anwalt der Kunden seiner Konkurrenz präsentieren. Dass diese Strategie sehr clever ist, darf man bezweifeln, denn zwischen den Zeilen unterstellt Cold Steel allen Besitzern der CRKT Messer, nicht genug Sachverstand zur Beurteilung der technischen Lösungen zu besitzen. Kein guter Versuch um in der Szene zu punkten! Viele Messerfreunde haben wenig Verständnis für an den Haaren herbeigezogenen juristischen Hick-Hack und Cold Steel hat bereits eine Flut von negativen Reaktionen kassiert. Gut möglich, dass die Geschichte juristisch im Sande verläuft und mit einem massiven Image-Verlust für Cold Steel endet.



Alle genannten Marken, Warenzeichen, Logos und Namen sind Eigentum der jeweiligen Inhaber.


Bildnachweis:

Alle in diesem Artikel abgebildeten Fotos und Grafiken sind Eigentum von CRKT, USA.