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Die Spyderco Story – eine amerikanische Erfolgsgeschichte

Alles begann mit einem alten Bäckerauto. Innerhalb eines Jahrzehnts wurde aus dem Kleinhandel mit Werkzeugen wurde einer der größten und bekanntesten Hersteller von Serienmessern. Mitte der 1970er Jahre erwarb das Ehepaar Gail und Sal Glesser einen ausrangierten Lieferwagen für Backwaren, bauten diesen zu einem Wohnmobil um und fuhren mit dem Gefährt zu Flohmärkten und Verkaufsausstellungen in halb Nordamerika. Wen würde also wundern, dass das erste Produkt der Firma Spyderco überhaupt nichts mit Messern zu tun hatte.

Dieses erste Produkt begründete einen neuen Zweig im Geschäft der Glessers, nun wurde nicht nur Elektronik- und Bastlerbedarf angeboten, sondern ein selbst entwickeltes Produkt hergestellt und verkauft. „Portable Hand“ nannte sich diese Entwicklung und bestand aus einer dreiarmigen Vorrichtung, die mit Federklammern kleine Gegenstände zuverlässig halten konnte. Elektroniker setzen solche Halterungen gerne ein, wenn Lötarbeiten an Platinen oder der Zusammenbau feinmechanischer Geräte mehr als zwei Hände notwendig machen. Die Form der „Portable Hand“ mit ihrer Tischbefestigung und den drei Halterungen hatte etwas spinnenähnliches, wurde „Spider“ (Spinne) genannt und begründete später den Firmennamen Spyderco (Spyder Company).

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So geht das Jahr 1976 vorbei. Eine Show jagt die nächste und bald kann der Lieferwagen gegen ein Motorhome ausgetauscht werden. 1978 lassen sich Gail und Sal Glesser in der Kleinstadt Golden im Bundesstaat Colorado nieder. Die Hauptstadt von Jefferson County liegt in einem Tal rund 20 Kilometer westlich von Denver am Fuß der Rocky Mountains.

Spyderco Triangle Sharpmaker

Bild 2: Spyderco Triangle Sharpmaker

Inzwischen hatte sich die Produktpalette von Sal Glesser von Elektronik und Bastlerbedarf auf allerlei nützliche Helfer in Haus und Garten erweitert. Das Schärfen von Messern stellt viele Menschen vor Probleme und Sal begann mit der Entwicklung eines Schärfsystems, mit dem jedermann auch ohne Fachkenntnisse umgehen können sollte. Dies war die Geburtsstunde des „Triangle Sharpmaker“ und fast zeitgleich wurde die Firma Spyderco angemeldet.

Auf den Ausstellungen verkauften sich Taschenmesser aller Art gut, also lag es für Sal Glesser nahe, im nächsten Schritt ein eigenes Messer zu entwerfen. Nachdem die Entwürfe gezeichnet und optimiert waren musste ein Hersteller gefunden werden. Nach knapp zwei Jahren war es soweit, das erste Spyderco Messer erschien 1981 und trug den Namen „Worker“ (Arbeiter). Hergestellt wurde der „Worker“ in Seki, Japan obwohl auf der Vorderseite der Klinge stolz „Spyderco, USA“ stand.

Der „Worker“ brachte einige Neuerungen mit, die die Messerwelt in den folgenden Jahren stark beeinflussen sollten. Zwei unterschiedliche Klingentypen standen für das Messer zur Auswahl: die herkömmliche Klinge mit glatten Flachschliff und eine Klinge mit Wellenschliff. Dieser Klingentyp war bis zum Erscheinen des Worker Brot- oder Steakmessern vorbehalten, bei Taschenmessern war die Verwendung des Wellenschliffs eine Innovation. Sal Glesser nannte diesen Klingentyp „SpyderEdge„. Dabei handelt es sich um einen einseitigen Wellenschliff bei dem auf zwei kleine, kurze Wellen eine tiefere und längere Welle folgt. SpyderEdge Klingen wurden in den ersten Jahren fast zu einem Markenzeichen von Spyderco, nahezu von jedem Modell mit Glattschliff wurde auch eine Variante mit SpyderEdge herausgebracht.

Spyderco Worker C01

Bild 3: Spyderco Worker C01

Die zweite Neuerung war der Taschenclip. Ob der Taschenclip vor Erscheinen des „Worker“ tatsächlich niemals aufgetaucht war, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Sal Glesser nimmt die Erfindung des Taschenclips für sich in Anspruch und hat dies auch auf Zertifikaten bei späteren Serien des Workers geäußert. Ein Patent auf den Taschenclip im allgemeinen besitzt Spyderco aber nicht. Die dritte Neuerung war die inzwischen zum unverkennbaren Merkmal der Messer von Spyderco gewordene Bohrung in der Klinge. Dieses „Spyderhole“ genannte Loch dient ursprünglich als Ansatzpunkt für den Daumen, so dass das Messer mit einer Hand geöffnet werden kann.

Spyderco Military mit der charakteristischen SpyderEdge

Bild 4: SpyderEdge im Schattenriss an einem 1996er Military

 

Alle Innovationen, die Sal Glesser mit dem „Worker“ in die Messerwelt einbrachte wurden nicht nur gängige Stilelemente sondern breitflächig als technische Lösungen und Design-Elemente akzeptiert und übernommen. Bis heute (Juni 2015) besitzt Spyderco 58 Patente mit Bezug auf Design, Aufbau und technische Lösungen von Messern. Viele Patente nennen Sal Glesser als Erfinder (Inventor), andere stammen von Messermachern bzw. Mitarbeitern der Firma. Fast alle großen Namen der Messerszene finden sich in den Patentanmeldungen wieder: Bill Moran, Robert Lum oder Bram Frank sind nur einige davon.

Entgegen der landläufigen Meinung besitzt Spyderco kein Patent für das Spyderhole! Diese technische Lösung wurde beim Patentamt wegen zu geringer Innovation und Signifikanz nicht angenommen. Außerdem waren Messer mit gelochten Klingen schon lange im Einsatz (z. B. bei Käsemessern), so dass keine geistige Urheberschaft vorliegen konnte. Daraufhin hat Spyderco die runde Bohrung als Trademark eintragen und schützen lassen. Das erklärt, warum viele andere Firmen, u.a. Benchmade oder Byrd Knives, bei ihren Messern ein ovales Loch verwenden können, ohne dass Lizenzgebühren fällig werden oder rechtliche Auseinandersetzungen stattfinden.

Spyderco Military Titan

Bild 5: Das Spyderhole ist Erkennungsmerkmal und eingetragenes Warenzeichen von Spyderco

Auch das Bezeichnungssystem von Spyderco für seine Messermodelle ist schon in diesem frühen Tagen der Firmengeschichte entstanden. Sal Glesser prägte den Begiff Clipit für sein Klappmesser mit Taschenclip, um diese spezielle technische Innovation herauszuheben. Seitdem tragen die Folder von Spyderco das „C“ von „Clipit“ als ersten Buchstaben der Modellbezeichnung. Im Spydie-Jargon heißt die Modellbezeichnung „SKU“, eine Abkürzung für „stock keeping unit“ also letztlich eine Lagerplatznummer. Die nachfolgende zwei- oder dreistellige Zahlenkombinationen gibt bildet praktisch die Zeitschiene der Entwicklung. Zuerst entstand Modell 01, dann Modell 02 und so weiter. Diese Ordnung ist weitgehend aber nicht grundsätzlich stringent, denn besonders markante Zahlen (z.B. 100) wurden früher, später oder noch gar nicht vergeben. Bei anderen Modellen gab es mehrjährige Entwicklungs- bzw. Produktionsverzögerungen, so erschien das Modell Tusk (C06) erst im Jahr 2014.

Bild 6: Das Spyderco Tusk mit der SKU C06 erschien erst 2014

Bild 6: Das Tusk mit der SKU C06 erschien erst 2014

Trotzdem hilft die Spyderco SKU in der Regel, um ein unbekanntes Messer auf der Zeitachse grob zuzuordnen. Nach Erscheinen des „Worker“ mit der SKU C01 folgte wenige Monate später das Modell C02 mit dem Klarnamen „Mariner“. Für einige Jahre brachte Sal Glesser etwa jedes Jahr ein neues Modell auf den Markt. Das „Hunter“ (C03) und das „Executive“ (C04) erschienen 1983, ein Jahr später folgte das Standard (C05). Die Preise der Messer waren damals ausgesprochen moderat, die Listenpreise betrugen zwischen 30$ und 50$, die Straßenpreise lagen zumeist zwischen 50% und 65% der Listenpreise.

In den folgenden Jahren nahm die Entwicklung neuer Messermodelle immer mehr Fahrt auf. Mit dem „Police“, C07 gelang Spyderco der endgültige Durchbruch auf dem amerikanischen Messermarkt. Das Police wurde innerhalb kürzester Zeit ein Verkaufsschlager und wird in einer modernisierten Variante auch heute noch produziert. Heute lässt sich die Zahl der Erfolgsmodelle von Spyderco kaum noch aufzählen; Delica (C11), Endura (C11), Military (C36) und Para-Military (C81) sind Spyderco Modelle, die jeder Messerfreund kennt. Viele Messer, die Spyderco im Laufe seiner Firmengeschichte hergestellt hat, wurden nach wenigen Jahren wieder vom Markt genommen. Gelegentlich wurden und werden von solchen Modellen limitierte Sondereditionen aufgelegt. Diese kurzzeitig verfügbaren Sondereditionen nennt Spyderco „Sprint-run“. Im Gegensatz zu den nur über einen kurzen Zeitraum produzierten Messern gibt es eine kleine Anzahl von Modellen, die seit langen Jahren im Angebot sind. In dieser Gruppe finden sich erstaunlich viele Messer aus der Anfangszeit von Spyderco. Die bereits erwähnten Modelle Endura, Delica, Police und Military gehören dazu.

Spyderco Police CF

Bild 7: Spyderco Police mit Griffschalen aus Carbon

In seiner Firmengeschichte hat Spyderco mit vielen Messermachern und Beratern aus dem militärischen Bereich zusammengearbeitet. Die Namensliste liest sich wie das Who-is-Who der weltweiten Messerszene. Bob Terzuola, Bob Lum, Frank Centofante, Eduard Bradichansky, Ed Schempp und Michael Walker sind nur einige der ganz großen Namen. Viele Modelle von Spyderco entstanden in Zusammenarbeit mit Messermachern und Designern aus aller Welt. In der „Ethno-Serie“ zum Beispiel finden sich Messer mit traditionellen afrikanischen und asiatischen Formen. Auch viele europäische Messermacher entwickelten mit und für Spyderco Messer, deren Formgebung jeweils typische Elemente des jeweiligen Messermachers besitzt. Peter Herbst, Laci Szabo, Fred Perrin und Sacha Thiel gehören neben vielen anderen in diese Gruppe.

Hinsichtlich der Kooperation zwischen einem großen Hersteller und Messermachern bzw. externen Beratern bei der Entwicklung eines neuen Messermodells war Spyderco Vorreiter. Viele Firmen sind dem Beispiel von Spyderco gefolgt und heute sind solche Kooperationen eher die Regel als die Ausnahme.

Der Firmensitz von Spyderco Inc. befindet sich noch immer in Golden, Colorado. 1998 wurden am Stadtrand neugebaute Geschäfts- und Produktionsräume bezogen. Im Jahr 2000 wurde Sal Glesser auf der Blade Show in die Hall of Fame des Blade Magazine aufgenommen. Bis heute ist er der Mann hinter Spyderco, auch wenn die Geschäftsführung inzwischen auf seinen Sohn Eric übergegangen ist.


Alle genannten Marken, Warenzeichen, Logos und Namen sind Eigentum der jeweiligen Inhaber.

Bildnachweis:

Die Bilder bzw. Grafiken 2,3,6 sowie das Spyderco Logo am Kopf der Seite sind Eigentum von Spyderco Inc., USA,
alle anderen in diesem Artikel abgebildeten Fotos und Grafiken sind Eigentum des Autors

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