Messerfakten statt Gerichtsakten: das „Shizuka noh Ken“ von CRKT

CRKT Logo Primary UseKurz nach der Blade Show 2015 wurde bekannt, dass Cold Steel seinen Konkurrenten CRKT verklagt hat. Die Klage wendet sich gegen Werbeaussagen von CRKT zu ihrem patentierten Verriegelungssystem LAWKS. Rechtsstreitigkeiten zwischen Konkurrenten können viele Ursachen haben, daher liegt es nahe, ein Messer mit dem LAWKS-System einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Mit der Funktion des Verriegelungssystems, den Hintergründen seiner Entwicklung, der Praxistauglichkeit und der Frage, ob hinter dem Streit mehr als nur heiße Luft steckt, befasst sich das Review des taktischen Folders Shizuka noh Ken von CRKT.

CRKT Shizuka noh Ken

CRKT Shizuka noh Ken

Stellen wir den Rechtsstreit zunächst einmal hinten an und betrachten ein Messer, das mit dem LAWKS System ausgestattet ist. Die Abkürzung steht für Lake and Walker Knife Safety. Es wurde von Ron Lake und Michael Walker ertwickelt, die Rechte wurden später von CRKT übernommen und zum Patent angemeldet (U.S. Patent 5.596.808). Mit Ron Lake und Michael Walker hat CRKT zwei ganz große Persönlichkeiten der Messerszene mit im Boot. Ron Lake ist seit 1971 selbstständiger Messermacher (http://www.lakeknives.com), mit Michael Walker verbindet ihn nicht nur eine langjährige Freundschaft sondern auch gemeinsame geschäftliche Unternehmungen. Beide betreiben – neben vielen anderen Aktivitäten – die Firma Lake & Walker Bullfrog® Knives.

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Das Shizuka noh Ken ist ein Folder im militärisch-taktischen Stil, den der Designer James Williams für CRKT entwickelt hat. Der Name „Shizuka noh Ken“ bedeutet sinngemäß übersetzt „unsichtbare Klinge“ und spielt auf die – für ein Kampfmesser – geringe Größe der Klinge an. Wie alle Messer von James Williams zeigt auch das Shizuka noh Ken viele Merkmale japanischer Messerkunst, die teilweise als Design-Elemente und teilweise als technische Lösungen in die Konstruktion einfließen.

James Williams gehörte viele Jahre verschiedenen Sondereinheiten des US-Militärs an und hat im Einsatz umfangreiche Erfahrungen mit Messern aller Art gemacht. Diese Erkenntnisse, seine Studien vieler asiatischer Kampftechniken und der dabei eingesetzten Waffen fließen heute in seine Entwürfe ein. Vor einigen Monaten habe ich ein Interview mit James Williams über seine japanischen Kampfmesser und die Philosophie hinter den Entwürfen geführt. Dabei hat sich James als sehr interessanter Gesprächspartner und Freund von klaren Worten erwiesen. Während viele Interviews nicht über ein paar branchenübliche Allgemeinplätze hinauskommen, sprach James offen über seine Messer, seine Motive und Gedanken sowie die Anforderungen, die er selbst an seine Messer stellt.

Das Interview in voller Länge: James Williams im Knife-Blog Interview

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Das Shizuka noh Ken ist ein ganz in Schwarz gehaltener Framelock Folder mit einer bei Messern dieser Größe ungewöhnlichen Klinge. „Modified Tanto“ nennt CRKT diese Klingenform und der Begriff „Tanto“ bezieht sich dabei auf traditionelle japanische Klingen und nicht auf die heute populäre „American Tanto“ Klinge.

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Die technischen Daten des Shizuka noh Ken im Überblick:

Messertyp: Manuelles Einhandmesser mit Framelock, nicht WaffG §42a konform
Hersteller: CRKT, Oregon, USA. Ordernummer: 2926
Klingenform: Modified Tanto mit Flachschliff und Fehlschärfe auf dem Klingenrücken
Finish: Schwarz beschichtet zur Erhöhung der Korrosionsbeständigkeit
Klingenstahl: AUS-8A, 57-59 HRC
Klingenlänge: 92,0 mm (3.625″),
Klingenstärke: 3,81 mm (0,150″) an der Klingenwurzel
Klingenarretierung: Framelock mit zusätzlichen LAWKS System
Gesamtlänge: 209,55 mm (8,25″)
Grifflänge: 11,57 mm (4,55″)
Griffmaterial: Vorderseite G-10, Rückseite 420J2 Stahl
Gewicht: 119,0 Gramm (4,2 oz.)

Die Familie der „AUS“ Stähle entstammt der japanischen Industrienorm (JIS). AUS-4 bis AUS-10 sind hochlegierte Stähle und werden bevorzugt für Messer und Schneidwerkzeuge in Industriemaschinen eingesetzt. In Europa sind die Stähle nach AUS-Norm in den vergangenen Jahren als „zweitklassig“ oder gar „minderwertig“ in Verruf geraten. Zu Unrecht wie ein Blick auf die Legierung und die Eigenschaften zeigt. AUS-8 bzw. AUS-8A bestehen aus 3% Kohlenstoff, 14% Chrom, 0,15% Vanadium, 0,1% Molybdän, 1,9% Silizium, 0,5% Mangan und geringen Mengen an Nickel, Phosphor, Schwefel und Kupfer. Alle Prozentangaben stellen Mittelwerte dar, denn AUS-8 wird von verschiedenen Herstellern produziert und jeder hat seine spezielle Rezeptur. Betrachtet man die Werte objektiv, sieht man sich mit einem ordentlichen Werkzeugstahl der Mittelklasse gegenüber.

AUS-8 wird oft mit 8A verwechselt, das mag ein Grund für manch negative Beurteilung sein. Auch die Stahltabelle auf der Website von Böker enthält diesen Fehler! 8A ist ein Stahl nach AISI Norm und hat nichts mit dem japanischen Werkzeugstahl AUS-8 zu tun, die Legierungen unterscheiden sich deutlich.

Das Shizuka noh Ken ist von seinen Abmessungen eher ein kleiner Folder. Innerhalb der CRKT Produktlinie ist das Messer als kleinere Version des Otanashi noh Ken etabliert. Im Gegensatz zu vielen anderen taktischen Foldern lässt sich das Shizuka noh Ken unter jeder Kleidung unauffällig tragen. Die Gesamtlänge des geschlossenen Messers beträgt 11.5 cm, es ist 1,08 cm breit und es wiegt 119 Gramm. Das Öffnen geschieht über eine kleine oben auf die Klinge geschraubte Platte, die den gleichen Zweck erfüllt wie beidseits der Klinge angebrachte Thumb Studs. Diese Konstruktion erlaubt das Öffnen mit der linken oder rechten Hand, der Framelock befindet sich wie üblich auf der rechten Seite des Messers und bevorzugt Rechtshänder. Trotzdem ist das Shizuka noh Ken beidhändig gut bedienbar.

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Die eingeklappte Klinge wird von einem Detent Ball sicher festgehalten, nach dem Öffnen rastet der Framelock straff ein und verriegelt die Klinge spielfrei. Ein nagelneues Shizuka noh Ken benötigt etwas Zeit, bis es richtig eingelaufen ist und das Öffnen und Schließen weich vonstatten geht. Wenn die Klinge geöffnet und durch den Framelock verriegelt ist, kann das LAWKS System aktiviert werden. Dieses besteht aus einem kleinen Hebel an der rechten Seite, der auf der Klingenachse drehbar ist und dabei zwei Endanschläge kennt. Schiebt man den Hebel nach vorn, wird der Lock-Arm des Framelock blockiert, so das sich die Klinge durch Druck auf den Lock-Arm nicht mehr entriegeln lässt. Der Gedanke dahinter ist, dass bei großen Druck während des Gebrauchs des Messers oder im Kampf die Klinge ungewollt – etwa durch Verdrehen in der Faust – entriegelt werden könnte. Davor schützt das LAWKS System, denn vor dem Entriegeln der Klinge muss erst der kleine Hebel wieder zurückgezogen werden.

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LAWKS entriegelt

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LAWKS verriegelt

Dieses Feature, das zusätzliche Sicherheit gegen das versehentliche Entriegeln des Framelock bietet, hat CRKT mit den Worten „LAWKS lässt aus ihrem Folder ein virtuelles Fixed werden…“ beworben. Wegen dieser Aussage zog Cold Steel mit dem Argument vor Gericht, das LAWKS würde die Stabilität der Konstruktion nicht erhöhen. Soll heißen: die Kraft, bis das Framelock überlastet wird und nachgibt, bleibt trotz LAWKS gleich. Interessanterweise hatte aber genau das niemand behauptet – Cold Steel zieht letztlich gegen eine Aussage vor Gericht, die sie ihrem Kontrahenten selbst in den Mund gelegt haben.

Das zeigt die Absurdität des Rechtsstreits. LAWKS ist ein zusätzliches Feature, dass man nach dem Öffnen des Messers aktivieren kann oder nicht. Für das Öffnen eines Briefes oder Päckchens benötigt man das LAWKS wohl eher nicht, beim längeren Arbeiten mit dem Messer macht es Sinn, das ungewollte Entriegeln mit dem kleinen Sicherheitshebel zu verhindern. Letztlich ist es eine Option, die jeder Messerfreund nach seinen Gusto einsetzen kann.

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Die Klinge des CRKT Shizuka noh Ken ist perfekt zentriert

In der Praxis macht das Shizuka noh Ken eine gute Figur. Die Klinge wirkt durch die Fehlschärfe auf dem Klingenrücken schmaler, als sie in Wirklichkeit ist. Der ausgeprägte weil hoch angesetzte Flachschliff erfüllt den gleichen Zweck. Das Messer ist ein kleiner Schneidteufel und zeigt sich im täglichen Einsatz sehr viel praxistauglicher als der erste optische Eindruck vermuten lässt. Tatsächlich geht die Klingenform auf eine historische Klinge Japans zurück. Die Osaraku Zukuri Klinge stammt aus dem 16. Jahrhundert und wird Takeda Shingen, einem Kämpfer und Anführer der Samurai zugeschrieben. Charakteristisch für diese „Tantō“ Klinge ist eine über fast zwei Drittel der Klingenlänge ansteigende Schneide.

IMG_0724Die Konstruktion des Shizuka noh Ken ist sehr stabil. Die solide Grundplatte aus Stahl, ein einziger langer Spacer aus G-10 und die G-10 Griffschale bilden einen soliden Verbund. Die Verarbeitung gibt keinen Anlass zu Kritik, alle Oberflächen, Kanten und Rundungen sind sauber und gleichmäßig bearbeitet. Werkzeugspuren sind nicht sichtbar, alle Bohrungen sind präzise gesetzt und die Schraubenköpfe stehen nicht hervor. Das Messer kann mit zwei Torxschraubendrehern komplett zerlegt werden. Die Klinge ist perfekt zentriert, leichtgängig und sitzt spielfrei auf der Klingenachse.

Das Taschenclip ist als Deep Pocket Clip ausgeführt. Egal ob man das Shizuka noh Ken in der Hosentasche oder am Rucksack führt, es schaut nicht hervor und ist nur durch den Clip sichtbar. Der Clip ist ausreichend straff, um das Messer sicher an seinem Platz zu halten.

 

Fazit

Das Shizuka noh Ken protzt nicht mit edlen Materialien oder einem Hightech Klingenstahl. Es ist bodenständig, sehr gut verarbeitet, solide und für seine Größe ein ausgesprochen vielseitiges Messer. Die geringe Breite und das moderate Gewicht machen es zu einem idealen Backup, egal ob man es am Körper, im Stiefel oder am Rucksack trägt.

Das LAWKS sollte man bei hartem Einsatz aktivieren, damit die Klinge nicht versehentlich entriegelt wird und die eigenen Finger verletzt. Der Listenpreis beträgt in den USA 140 Dollar, die Straßenpreise liegen erheblich darunter. In Deutschland werden zur Zeit knapp 150 Euro verlangt, der Import des Messers aus den USA macht also absolut Sinn. Für alle, die sich an der Philosophie hinter dem Shizuka noh Ken und seinem Style begeistern können gilt: klare Kaufempfehlung!


Alle genannten Marken, Warenzeichen, Logos und Namen sind Eigentum der jeweiligen Inhaber.

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