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Messerstähle und Werkzeugstahl nach AISI Norm

Bezeichnungen für Messerstähle sind das A & O im Vokabular des Messerfreundes. Kaum eine Diskussion, in der nicht Begriffe wie D2, 1.1248 oder Aogami Super Blue durch die Gegend fliegen. Die deutschen Stähle, die mit ihrer DIN-Nummer bezeichnet werden, sind im Sprachgebrauch der Messerwelt weniger verbreitet als die amerikanischen Bezeichnungen nach AISI Norm (AISI-SAE tool steel grades). Da neben deutschen und amerikanischen Bezeichnungen für Stahlsorten auch noch japanische, chinesische, umgangssprachliche und herstellerspezifische Bezeichnungen wild vermischt sind, ergibt sich ein nahezu babylonischer Wirrwarr aus Sprachen, Normen, Standards und Handelsmarken.

Die Abkürzung AISI geht auf den amerikanischen Branchenverband der Stahlerzeuger, das „American Iron and Steel Institute“ zurück. Das „AISI“ ist nicht nur Branchenverband und Lobbyist, sondern legt auch Standards und Bezeichnungen fest. Diese Aufgabe obliegt in Deutschland dem herstellerunabhängigen „Deutschen Institut für Normung“ (DIN) in Berlin.

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Spezielle Messerstähle kennen wir erst seit kurzer Zeit, bis vor wenigen Jahren wurden nahezu alle Stähle zur Anwendung in Industriemaschinen entwickelt. Messerstahl ist gesamtwirtschaftlich nur ein unbedeutender Nebenzweig und niemand investierte größere Summen zur Optimierung von Messerstählen. In der Industrie werden Stähle zum Schneiden oder Zerspanen von Werkstoffen eingesetzt, dies hat zu zwei Hauptgruppen geführt: Hochgeschwindigkeitsststahl (High Speed Steel oder HSS) und Werkzeugstahl (Tool Steel). Ausführliche Informationen zu Messerstahl finden sich im Artikel „Messerstahl – ein kleines Kompendium„.

High Speed Steel findet man klassischerweise bei Bohrern, Fräsen und Sägeblättern, selbst heute steht auf den Stahlbohrern im Baumarkt die Abkürzung „HSS“. Werkzeugstahl umfasst ein noch größeres Anwendungsgebiet und beinhaltet hauptsächlich Stähle, die zum Schneiden, Sägen oder Spalten von Holz, Papier, Metallen, Kunststoffen und weiteren Werkstoffen eingesetzt werden.

Bereits ab den 1940er Jahren wurden Stähle zur industriellen Anwendung optimiert, trotzdem gehen auch heute noch die Rezepturen vieler Werkzeugstähle auf diese Zeit zurück. Klassische Werkzeugstähle, die sich hervorragend für Messer eignen sind A2, A10 oder O-1. Bei Stählen nach der AISI-Norm steht der Buchstabe für Herstellungstechniken oder Verwendungseigenschaften: Stähle der „A“ Gruppe werden an der Luft gehärtet (Air Hardening), Werkzeugstahl der Kategorie „O“ wird mittels Öl (Oil) gehärtet.

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Aus dem Werkzeugstahl M4 lassen sich sehr zähe und widerstandsfähige Messerstähle herstellen.

Messerstähle nach AISI Norm (AISI-SAE tool steel grades):

  • W – Wasser gehärtet
  • A – Luft gehärtet
  • O – Öl gehärtet
  • S – Stähle mit hoher Zähigkeit (Shock resistant)
  • D – Stähle mit hohem Kohlenstoff- und Chromgehalt (Durable)
  • T – High Speed Steel auf Wolfram Basis (Tungsten)
  • M – High Speed Steel auf Molybdän Basis
  • H – Stähle, die bei hoher Hitze eingesetzt werden können (Heat resistant)
  • F – Wasser gehärtete Stähle hoher Härte auf Wolfram Basis
  • L – Nicht rostträge Stähle (Carbon Steel)

Nicht alle Stahltypen der AISI Norm haben sich in der Messerszene durchgesetzt, einige sind seit über sechzig Jahren im Gebrauch und werden bis heute für hochwertige Messer eingesetzt. Einer der bekanntesten Werkzeugstähle ist D2, kaum ein anderer Messerstahl wird von so vielen Herstellern verwendet. D2 Stahl liegt weder hinsichtlich Härte, Zähigkeit oder Schnitthaltigkeit in der jeweiligen Spitzengruppe, dafür hat dieser Stahl keine Schwächen. Es sind die hervorragenden Allround-Eigenschaften, die D2 zu einem der besten Messerstähle gemacht haben.

Pulvermetallurgische Messerstähle

Etwa um die Jahrtausendwende begann der Siegeszug der pulvermetallurgischen Stähle. Dabei handelt es sich in den meisten Fällen nicht um neue Rezepturen, sondern klassische Werkzeugstähle wie M4 oder D2 werden nur einem neuen Herstellungsprozess unterzogen. Sehr viele PM-Stähle werden von dem amerikanischen Hersteller Crucible Industries unter der Handelsmarke CPM (Crucible Particle Metallurgy) hergestellt. Der pulvermetallurgische D2 Stahl trägt dann den Namen CPM-D2 und unterscheidet sich hinsichtlich des Kohlenstoffgehalts oder dem Anteil der Legierungselemente nicht (oder kaum) vom traditionellen D2 Stahl. Bei M4 und anderen pulvermetallurgischen Messerstählen funktioniert die Namensgebung ähnlich.

An manchen Stellen verschmelzen Bezeichnungen auf der Grundlage der AISI-Norm mit Markennamen bzw. Handelsmarken eines Herstellers und erschweren den Überblick. Ein Beispiel ist der K110 Stahl von Böhler, eine Eigenmarke, deren Zusammensetzung sich von klassischen D2 Stahl nicht oder nur minimal unterscheidet.

Pulvermetallurgische Messerstähle: Elmax an diesem ZT 560

Zero Tolerance ZT 560 mit Klinge aus Elmax Stahl

Viele andere Messerstähle sind nur unter einem Markennamen bekannt, dazu gehören die zur Zeit populären Stähle S30V und S35VN von Crucible Steel oder Elmax von Böhler-Uddeholm. Elmax, im Industriebereich wird er meistens unter der Bezeichnung „Elmax Superclean“ angeboten, ist ein pulvermetallurgischer Stahl der ursprünglich für Industrieanwendungen und Medizintechnik entwickelt wurde. Erst später zeigte sich seine Qualität als Messerstahl.

Die heute am häufigsten verwendeten Werkzeugstähle nach AISI Norm sind der bereits erwähnte D2 und der M4 Stahl. Während D2 ein Allrounder ist, der vom Karambit über Outdoor-Messer bis zu Kampfmessern eingesetzt wird, ist M4 ein hoch belastbarer Stahl (high impact steel). Diese Messerstähle wurden ursprünglich für Werkzeugmaschinen mit hoher Schnittleistung und hohem Krafteinsatz entwickelt. Diese Eigenschaften prädestinieren M4 als Klingenstahl für Timbersport, Äxte, Tomahawks sowie Outdoor-und Survival-Messer. Andere Messerstähle, die vor oder während des 2. Weltkriegs als Werkzeugstahl entwickelt wurden, spielen heute nur noch untergeordnete Rolle. Einzig der Werkzeugstahl O-1 hat als Messerstahl für spezielle Klingen bis in die heutige Zeit überlebt. Aufgrund seiner hohen Zähigkeit wird er gerne für lange Klingen eingesetzt. Seine geringe Rostträgheit ist allerdings ein Manko, dass viele Kunden heute nicht mehr hinnehmen möchten.


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