Spartan Blades Akribis Folder

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Spartan Blades Akribis

Der amerikanische Hersteller Spartan Blades ist in Europa noch nicht sehr bekannt, hat aber trotzdem in den letzten Jahren eine eingeschworene Fangemeinde gewinnen können. In den USA ist Spartan Blades inzwischen eine feste Größe und wurde vor allem durch seine zahlreichen Messer mit feststehender Klinge bekannt. Spartan Blades galt daher jahrelang als „Fixed Blade Company“ bis plötzlich überraschend ein Folder angekündigt wurde.

Spartan Blades LLC hat seinen Firmensitz in Aberdeen, North Carolina, USA in der Nähe des großen Armeestützpunkts Fort Bragg. Curtis Iovito und Mark Carey haben Spartan Blades nach Beendigung ihrer aktiven Militärlaufbahnen gegründet. Iovito und Carey blicken auf eine lange aktive Zeit bei Spezialeinheiten der US Armee zurück. Während ihrer Dienstzeit haben Curtis Iovito und Mark Carey bei vielen Sondereinsatzkommandos und Spezialkräften gedient. Über Erfahrungen mit Messern und deren Anwendung dürften also beide zur Genüge verfügen.


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Schon im aktiven Dienst stellte Curtis Iovito Einsatzmesser für Mitglieder seiner Einheit in Handarbeit her. Nach ihrer Dienstzeit gründeten beide eine Firma für Entwicklung und Vertrieb von militärischen Ausrüstungsgegenständen und Schutzwesten. Ihre Liebe zu hochwertigen Einsatzmessern ließ die Firmengründer niemals los und sie beschlossen, sich der Entwicklung und Herstellung von hochwertigen Messern zu widmen. Der Leitspruch von Spartan Blades ist genauso simpel wie anspruchsvoll: “Spartan Blades wurde gegründet um die bestmöglichen Einsatzmesser herzustellen“.

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Spartan Blades Akribis mit Carbon Griffschalen

Spartan Blades fertigt seine Messermodelle in Kleinserien mit einem hohen Anteil an Handarbeit. Materialwahl, Verarbeitung und die Qualität der Messer liegen auf höchstem Niveau und stehen den Produkten bekannter Custom Schmieden in nichts nach. Allerdings unterscheidet sich die Philosophie von Spartan Blades wie eingangs erwähnt deutlich. Verzierungen, Damastklingen oder Zierrat jeglicher Art findet man an den Messern von Spartan Blades nicht. Stattdessen liegt der Schwerpunkt auf Gebrauchsfähigkeit, Belastbarkeit, Widerstandskraft und Zuverlässigkeit. Spartan Blades wirbt damit, dass alle Messer vollständig in North Carolina gefertigt werden. Die Lederscheiden werden ebenfalls in den USA von ehemaligen Armee Angehörigen hergestellt. Aufträge in Billiglohnländer vergibt die Firma nicht.

Akribis kommt aus dem griechischen und bedeutet Genauigkeit oder Präzision (Ακριβής). Unabdingbare Eigenschaften für einen guten Folder. Das Akribis gehört mit seiner 3,5″ Klinge und dem stabilen Titan Frame nicht zu den kleinen Messern. Das Design des Messers zeigt nüchterne, klare Formgebung ohne dabei auch nur im Geringsten langweilig zu sein.

Spartan Blade Akribis

Die technischen Daten des Spartan Blades Akribis im Überblick:

Messertyp: Einhandmesser mit Framelock, nicht WaffG §42a konform
Klingenform: Drop Point mit Flachschliff und sehr hoher Gratlinie
Beschichtung: Tungsten DLC (Black) oder Zirkoniumnitrid – ZrN – (Flat Dark Earth)
Klingenlänge: 89 mm,
Klingenstärke: 3,18 mm an der Klingenwurzel
Klingenstahl: CPM S35VN von Crucible Steel Corp., 58-60 HRC
Gesamtlänge: 216 mm
Griffmaterial: Carbon oder G-10
Gewicht: 149 Gramm

Das Akribis wird mit zwei verschiedenen Klingenbeschichtungen angeboten. „Meteorite Grey“ nennt Spartan Blades seine Zirkoniumnitrid Beschichtung. Zirkoniumnitrid ist ein sehr harter und spröder gelbbrauner Feststoff mit kubischer Kristallstruktur. Die zweite Variante wird „Tungsten DLC“ genannt und steht für eine schwarze DLC Beschichtung. Beide Beschichtungen werden im PVD Verfahren („Physical vapor Deposition“) aufgetragen, dabei wird die negativ geladene Klinge in einer Vakuumkammer mit positiv vorgeladenen Molekülen „beschossen“. PVD erzeugt sehr langlebige und abriebfeste Beschichtungen. Die Verfahrenstechnik ist aufwändig und treibt deshalb den Preis des Produkts nach oben.


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Für das Messer kann der Kunde zwischen zwei verschiedenen Griffmaterialien wählen: Schwarzes G-10 und Carbon Griffschalen bietet Spartan Blades für das Akribis an. Beide Griffschalen sind mit Zirkoniumnitrid Klinge oder der schwarzen „Tungsten DLC“ Klinge zu bekommen (Tungsten ist der amerikanische Begriff für Wolfram). Alle Fotos in diesem Review zeigen ein Messer mit Carbon Griffschalen und der „Meteorite Grey“ Beschichtung .

Spartan Blade Akribis

Klingenstahl

Beim Klingenstahl macht Spartan Blades keine Kompromisse. S35VN ist zur Zeit einer der besten pulvermetallurgischen Stähle und eine Weiterentwicklung des sehr erfolgreichen Klingenstahls S30V. Beide Stähle werden von Crucible Steel in Syracuse, New York hergestellt. Wieder einmal war es der allgegenwärtige Chris Reeve, der in den Jahren 2001 und 2002 gemeinsam mit den Ingenieuren von Crucible und anderen Messermachern den S30V entwickelte. Das Ziel war, einen pulvermetallurgischen Klingenstahl zur Serienreife zu bringen, der die Nachteile des damals gebräuchlichen CPM440V eliminierte. CPM440V besitzt ein kritisches Temperaturverhalten, so dass schon geringe Abweichungen von den Sollwerten beim Abkühlen oder Anlassen die Klingen unbrauchbar machten. Die von CPM440V und anderen pulvermetallurgischen Stählen der damaligen Zeit erreichbare Rockwell Härte betrug nur etwa 55 – 56 HRC, ein Wert, der heute nicht mehr als Verkaufsargument zu verwenden ist. Außerdem sollte der neue Stahl bessere Schnitthaltigkeit und eine Härte von mindestens 58 HRC besitzen. All diese Forderungen wurden mit S30V erfüllt und in den Folgejahren trat dieser Stahl einen wahren Siegeszug bei nahezu allen namhaften Messerherstellern an.

Im Jahr 2009 brachte Crucible Steel eine Weiterentwicklung von S30V auf den Markt. Der neue Stahl mit dem Namen S35VN ist keine komplett neue Rezeptur sondern eine Weiterentwicklung mit leichten Modifikationen. Der Hauptunterschied zu S30V ist ein Anteil von 0,5 Prozent Niob, einem selten vorkommenden Schwermetall mit der Ordnungszahl 41. Durch den Niob Anteil lässt sich eine feinere Metallstruktur erreichen, wodurch sich verbesserte Werte für Abriebfestigkeit, Schnitthaltigkeit und Bruchfestigkeit ergeben. Auch die Korrosionsbeständigkeit fällt ein wenig besser aus als bei S30V. Heute wird S35VN außer von Spartan Blades auch von Rick Hinderer, Chris Reeve, Darrel Ralph, Microtech und Pro-Tech aber auch von Großserienherstellern wie Böker, Zero Tolerance und Spyderco eingesetzt.

Spartan Blade Akribis

Design und technische Lösungen

Das Akribis wirkt im geöffneten wie im geschlossenen Zustand modern, sachlich und harmonisch. Der Rahmen des Akribis ist aus zwei Stücken Titan gefräst (6AL-4V). Alle Titan Oberflächen sind anodisiert und zeigen einen dunklen Bronzeton. Beide Titanhalbschalen weisen mit 3,2 Millimeter die gleiche Stärke auf. Spartan Blades verwendet keine Spacer zwischen den Griffschalen sondern ein einteiliges, sich über die gesamte Länge des Griffs erstreckendes Zwischenstück aus schwarzen G-10.

Die Handlage des Folders ist ausgezeichnet (Handschuhgröße 10). Auch wenn man das Messer längere Zeit sehr fest hält, etwa zum kürzen eines kräftigen Astes, bilden sich keine Druckstellen und man kann lange ermüdungsfrei arbeiten. Der Griff ist mit einer Länge von gut 126 mm so groß, das man den Daumen auf das Jimping legen kann während das Griffende immer noch aus der Faust heraus schaut. Dadurch liegt das Messer sehr sicher in der Hand und man hat gute Kontrolle über die ausgeführten Schnitte.

Der Zeigefinger liegt in einer etwa 5,5 mm tiefen Mulde an der Unterseite. Diese geringe Aussparung reicht, um den Messergriff sicher zu halten. Ebenfalls in dieser Mulde liegt die Entriegelung des Framelock. Da die Lockbar an keiner Stelle aus dem Rahmen hinausragt, kann das Messer kaum versehentlich entriegelt werden. Die Carbon Griffschalen bieten durch ihre glatte Oberfläche nicht so viel Halt wie ein Griff aus aufgerauten G-10. Hier sollte jeder Käufer seine persönliche Priorität setzen und sich für ein Plus an Optik oder ein Plus an Griffigkeit entscheiden. Beide Carbon Griffschalen sind mit jeweils drei Torx-Schrauben auf dem Titanrahmen fixiert. Das Messer kann ohne Spezialwerkzeug vollständig zerlegt werden.

Spartan Blade Akribis

Als Klingenform hat Spartan Blades eine klassische Drop-Point Form gewählt; die Klingenstärke liegt mit 3,30 Millimeter an der breitesten Stelle im alltagstauglichen Bereich. Fast über das gesamte Blatt weist die Klinge einen leichten Hohlschliff auf, an der Klingenunterseite sieht man bei geöffneten Messer kein Ricasso. Der Daumenpin ist beidseitig angebracht, so dass sich das Messer auch mit der linken Hand bequem öffnen lässt.

Mit Gravuren geht Spartan Blades sparsam um. Dem Zeitgeist zum Trotz sind die knappen Informationen eingestanzt und nicht „gelasert“. Auf der linken Klingenseite steht kurz vor dem Daumenpin „S35VN“; auf der gegenüberliegenden Seite findet sich nur die Herkunftsangabe „U.S.A.“

Der Taschenclip besteht vollständig aus Titan und besitzt in Längsrichtung eine Aussparung in Form eines Pfeils. Das Pfeilsymbol taucht im Logo von Spartan Blades auf, das zwei gekreuzte Pfeile, einen Dolch und den Helm der Soldaten von Sparta zeigt. Der Clip ist üppig dimensioniert, mit 70 Millimetern Länge (nutzbar 60 mm) und einer Breite von 10 mm an der breitesten Stelle hält er das Messer sicher in der Tasche. Der Akribis Folder kann nur Tip-up getragen werden.

Spartan Blade Akribis

Entstehungsgeschichte

Interessante Messer haben meistens auch eine interessante Geschichte. Nicht anders ist es beim Akribis Folder. Fast zwei Jahre lang mussten die Fans von Spartan Blades vom ersten Gerücht bis zu Präsentation des Messers warten. Wie viele Entwürfe gezeichnet, wie viele Prototypen gebaut, verändert und wieder verworfen wurden ist nicht bekannt. Laut Spartan Blades waren es nicht viele, sondern sehr viele. Beim Wunsch einen perfekten Folder auf den Markt zu bringen, ließen sich Curtis Iovito und Mark Carey nicht treiben. Immer wieder suchten sie den Austausch mit den Größen der Branche und wieder einmal war es der allgegenwärtige Chris Reeve, der den beiden Entwicklern mit Rat und Tat zur Seite stand.

Chris Reeve war es auch, der schon zu Beginn der Entwicklung den Rat gab: „…don’t hurry a Folder!“, was soviel bedeutet wie: „schludere niemals bei der Entwicklung eines Folders“. Um einen wirkungsvollen Schutz des Titanframes zu gewährleisten, erwarb Spartan Blades eine Lizenz für den „Lock Bar Stabilizer“ von Rick Hinderer. Diese Vorrichtung soll dem Framelock des neuen Folders größere Stabilität und Lebensdauer verschaffen. Der „Lock Bar Stabilizer“ ist ein mechanischer Stopper der dafür sorgt, dass der Framelock nicht versehentlich zu weit nach außen gedrückt werden kann


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Bei dieser Entwicklungsgeschichte hätte man befürchten können, das Spartan Blades lediglich ein von Chris Reeve entworfenes Messer produziert aber diese Befürchtung bestätigte sich nicht. Der Akribis Folder ist definitiv kein Kuckuckskind und besitzt die typische Handschrift eines echten Spartan Blades Messers. Beim Design gelingt Iovito und Carey ein echter Spagat: der Akribis Folder hat eine eindeutig militärische Anmutung, verzichtet aber auf martialische Attribute jeglicher Art. So ist dieser Messer einerseits voll einsatztauglich und andererseits ein unauffälliger Begleiter im zivilen Alltag.

Spartan Blade Akribis

Qualität, Verarbeitung und Praxis

Dass Akribis liegt mit Preisen von 445 Dollar für das Modell mit G-10 Griffschalen und 490 Dollar mit Carbon Griffschalen im oberen Drittel des Marktes für Serienmesser. Viele Hersteller in dieser Liga produzieren kontinuierlich Top-Qualitäten – die Messlatte liegt also hoch. Aller Skepsis zum Trotz: Spartan Blades kann bereits mit seinem ersten Folder das Niveau der Konkurrenz erreichen.

Das Akribis gibt sich hinsichtlich Materialwahl, Verarbeitung und Justage keine Blöße. Die Klinge läuft sanft, spielfrei aber sehr leichtgängig und ist perfekt zentriert. Die Oberfläche des Titans offenbart auch bei 15-facher Vergrößerung keine Bearbeitungsspuren, die Anodisierung der Titanbauteile ist extrem gleichmäßig. Die Zirkoniumnitrid Beschichtung der Klinge erweist sich in der Praxis als sehr abriebfest und stellt viele Messer der Konkurrenz diesbezüglich in den Schatten. Der Framelock verriegelt satt, fast meint man eine Tresortür in Schloss fallen zu lassen.

Das Akribis vermittelt Solidität, Zuverlässigkeit und Belastbarkeit. Es wirkt wertig und sieht dabei auch noch gut aus. Mängel konnte ich an diesem Messer, trotz „akribischer Suche“ nicht finden. Dass dieses Messer allen im täglichen Leben vorkommen Aufgaben gewachsen ist, muss man ebenso wenig erwähnen wie den perfekten Klingenschliff.

Fazit

Referenzklasse! Einer der drei besten Folder, die ich jemals in der Hand hatte.

 

Spartan Blade Akribis


Alle genannten Marken, Warenzeichen, Logos und Namen sind Eigentum der jeweiligen Inhaber.

Bildnachweis:

Alle in diesem Artikel abgebildeten Fotos und Grafiken sind Eigentum des Autors.

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