Vergleichstest 2015 – 12 Neck Knives – Teil 2

Nach es im ersten Teil des Vergleichstests um die kleinen Neckies ging, befasst sich der zweite Teil mit Neck Knives deren Gesamtlänge 145 mm oder mehr beträgt. Wieder werden sechs Messer von sechs verschiedenen Herstellern vorgestellt und einige davon dürften relativ unbekannt sein. Am Start sind Neck Knives von Cold SteelEickhorn, Hogue Knives, Krypteia, Real Steel und Spartan Blades. Auch bei diesen Modellen können alle Leser auf Facebook ihren persönlichen Favoriten küren.

Für alle, die den ersten Teil des Vergleichstests noch nicht gelesen haben, hier noch schnell ein paar Infos in Kürze:

Jedem Messer werde ich meine persönliche und höchst subjektive Bewertung mit auf den Weg geben aber anschließend kann jeder Leser seinen eigenen Favoriten wählen. Als Novum wird es in der Facebook-Gruppe „Messerfreunde“ eine Abstimmung geben, bei der jeder Leser seinen persönlichen Testsieger wählen kann. Drei Tage lang wird die Umfrage nach Erscheinen des zweiten Teils zur Stimmenabgabe bereit stehen.

Wer noch kein Mitglied dieser Gruppe ist, kann sich in Facebook noch rechtzeitig bei „Messerfreunde international“ anmelden.

Die Abstimmung soll am Tag nach Erscheinen dieses Artikels beginnen!

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Neck Knives sind ideale Backup-Messer

Alle Maße und Gewichte der Messer habe ich selbst ermittelt, die Hersteller geben auf ihren Webseiten zum Teil leicht abweichende Werte an. Abweichungen können sich aber auch durch Lanyards oder Griffwicklungen mit Paracord ergeben.

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Cold Steel Mini Tac Tanto

Das Cold Steel gehört in die Klasse der preisgünstigen Neckies und ist das billigste Messer des heutigen Vergleichstests. Der Listenpreis beträgt in Deutschland 49,90 Euro.

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Beim Mini Tac von Cold Steel kann die Materialwahl nicht überzeugen

Gesamtlänge mit Scheide: 185 mm
Gesamtlänge Messer: 170 mm
Klingentyp: Tanto, Flachschliff, Plain Edge
Länge der Klinge: 90 mm, Schneide: 92 mm
Klingenstärke: 2,6 mm,
Gewicht gesamt: 133 g, Gewicht Messer: 76 g
Klingenstahl: AUS-8, Beschichtung: ohne
Grifflänge: 80 mm, Griffmaterial: G-10 Griv-Ex Imitat
Material der Scheide: Secure-Ex (ohne Spezifikation)
Tragemöglichkeiten: Stiefel, Gürtel. Als Neckie aufgrund des  Gewichts eingeschränkt.
Website des Herstellers: Cold Steel Mini Tac Tanto

Das Gewicht des Cold Steel Mini Tac ist mit 132 Gramm ohne Kugelkette sicherlich am Rand dessen, was man den ganzen Tag um den Hals tragen möchte. Es ist das schwerste Messer des heutigen Vergleichstests (Kombination aus Messer und Scheide) und bringt gut 20 Gramm mehr auf die Waage als das zweitschwerste Messer. Der Gewichtsunterschied scheint nicht gewaltig zu sein, macht sich in der Praxis aber deutlich bemerkbar.

Das Griffmaterial ist ein G-10 Imitat, das von Cold Steel mit der Bezeichnung Griv-Ex vermarktet wird. Es handelt sich um ein Plastik auf Polymerbasis was angesichts der niedrigen Preise für G-10 erstaunt. Hier wurde offenbar mit sehr spitzen Bleistift gerechnet. Ähnliches gilt für den Klingenstahl AUS-8A, der typisch für preiswerte Messer aus chinesischer Produktion ist. Die Scheide besteht aus einem „Secure-Ex“ genannten Plastik, das mit Sicherheit bei kalten Temperaturen nicht an die Bruchfestigkeit von Kydex heranreicht. Das Messer rastet vernehmlich in die Scheide ein und sitzt für ein Neckie zu fest; die Kugelkette wird den Kräften beim Ziehen des Messers nicht lange gewachsen sein.

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Die Verarbeitung des Messers ist befriedigend und geht in diesem Preissegment in Ordnung. Der Griff des Cold Steel Mini Tac Tanto besitzt tief konturierte Fingermulden für Zeige- und Mittelfinger wirkt aber scharfkantig. Der Griff ist lang genug, dass Zeige- Mittel- und Ringfinger ausreichend Platz finden. Trotzdem kann die Handlage nicht überzeugen, die Ergonomie des Griffes ist schlechter als der optische Eindruck vermuten lässt. Das Jimping auf dem Klingenrücken ist sehr grob strukturiert und bietet kaum Grip.

Fazit: Die Materialqualität ist selbst in diesem Preissegment unter Durchschnitt, die Verarbeitung hat etwas Großseriencharme geht aber insgesamt in Ordnung. Die Scheide ist qualitativ unterdurchschnittlich, das Messer sitzt außerdem zu fest. Die Handlage ist befriedigend, ein spezielles Lanyard-Hole fehlt.

Kaufempfehlung: Nein
Preis-Leistungs-Index: 3- („noch befriedigend“)


Eickhorn Para-1

Die Name Eickhorn wird heute nicht mehr unbedingt mit Messern auf höchsten Qualitätsniveau und perfekter Einsatzfähigkeit in Zusammenhang gebracht. Das Para-1 allerdings besitzt genau diese Eigenschaften und hat das Potential positiv zu überraschen!

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Mit dem Para-1 schickt Eickhorn einen potentiellen Testsieger ins Rennen

Gesamtlänge mit Scheide: 185 mm
Gesamtlänge Messer: 180 mm
Klingentyp: Drop-Point, Flachschliff, Plain Edge
Länge der Klinge: 84 mm, Schneide: 84 mm
Klingenstärke: 2,7 mm,
Gewicht gesamt: 78 g, Gewicht Messer: 43 g
Klingenstahl: 1.4110, Beschichtung: ohne
Grifflänge: 86 mm, Griffmaterial: ohne
Material der Scheide: Kydex
Tragemöglichkeiten: Neckie, Gürtel, Stiefel (mit zusätzlicher Befestigung)
Website des Herstellers: Eickhorn Para-1

Das Eickhorn Para-1 wurde von Tony Lennartz entwickelt und vereint alle Eigenschaften, die ein erstklassiges Backup-Messer benötigt. Mit der Gesamtlänge von 180 mm ist das Para-1 für ein Neckie recht groß aber gleichzeitig ist es auch sehr flach und leicht. Selbst unter einem Sommerhemd ist das Messer kaum auszumachen. Mit einer Wicklung aus Paracord steigt das Gewicht des Messers zwar um etwa 10 Gramm, dafür besitzt es dann eine ausgezeichnete Handlage. Der Zeigefinger ruht in der Griffmulde, der Daumen findet Platz auf dem Klingenrücken und das lange und gut konturierte Jimping gewährt sicheren Grip. Das Griffende des Messers ist ebenfalls grob geriffelt und stützt sich wirkungsvoll am Handballen ab.

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Die Kydex-Scheide ist sehr flach und gut verarbeitet. Das Para-1 Neck Knife sitzt sicher und lässt sich leicht ziehen. Die Verarbeitung des Messers ist ausgezeichnet, die Klinge gleichmäßig und über die gesamte Länge sehr scharf geschliffen.

Kaufempfehlung: Ja
Preis-Leistungs-Index: 1 („sehr gut“)


Real Steel Cormorant

Mit seinem Modell Cormorant hat Real Steel auf Anhieb ein interessantes Neck Knife auf die Beine gestellt. Im Gegensatz zu vielen anderen RSK Modellen ist das Cormorant ein seltener Gast auf dem Gebrauchtmarkt, offenbar gibt es gute Gründe, sich von diesem Messer nicht zu trennen.

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Das Real Steel Cormorant gehört in die Oberklasse der Neck Knives

Gesamtlänge mit Scheide: 177 mm
Gesamtlänge Messer: 165 mm
Klingentyp: Drop-Point, Flachschliff, Plain Edge
Länge der Klinge: 78 mm, Schneide: 80 mm
Klingenstärke: 3,6 mm,
Gewicht gesamt: 104 g, Gewicht Messer: 74 g (einschl. Paracord)
Klingenstahl: CPM 154, Beschichtung: ohne
Grifflänge: 85 mm, Griffmaterial: Paracord
Material der Scheide: Kydex
Tragemöglichkeiten: Neckie, Gürtel, Stiefel (mit zusätzlicher Befestigung)
Website des Herstellers: RSK Cormorant

Das Cormorant wird in drei Versionen angeboten, satiniert, mit Stonewash-Finish oder mit einer taktisch-schwarzen Klinge. Die Paracord Wicklung ist ein guter Kompromiss aus Handling und Gewicht. Wer es etwas robuster mag, kann bei Real Steel Titan-Griffschalen als Zubehör ordern.

Der Klingenstahl lässt aufhorchen: CPM-154 ist die pulvermetallurgische Variante des bewährten 154CM und gehört in die Oberklasse der Messerstähle. Das Klingenblatt des Cormorant ist für ein Necki recht hoch und mit 3,6 Millimeter Klingenstärke auch nicht gerade filigran. Das Gewicht des Messers liegt trotzdem noch für ein Neck Knife im grünen Bereich aber das Cormorant schlägt bereits die Brücke zu einem regulären Fixed.

Der Zeigefinger ruht in einer großen geriffelten Fingermulde, die restlichen Finger finden Halt am Griff. Die Paracord-Wicklung füllt die Hand soweit aus, dass sich eine gute Handlage ergibt. Einzig das Jimping auf dem Klingenrücken könnte ein wenig weiter in Richtung Klingenspitze reichen. Aufgrund der tiefen Fingermulde und der sich daraus ergebenden Abgrenzung zur Schneide liegt das Real Steel Cormorant gut und sicher  in der Hand.

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Die Kydex-Scheide ist passgenau gefertigt, das Messer rastet nicht ein sondern wird – genau wie das Eickhorn Para-1  – über Friktion in der Scheide gehalten. Zum Ziehen des Messers ist nur wenig Kraft nötig. Die Verarbeitung von Messer und Scheide ist ohne Tadel, die Klinge ist symmetrisch geschliffen und über die gesamte Länge gleichmäßig scharf.

Fazit: Mit einem Preis von knapp 100 Dollar ist das Cormorant ein faires Angebot. Materialien und Verarbeitung liegen auf hohem Niveau. Die Praxistauglichkeit des Cormorant ist hoch, man kann es als den Allrounder unter den Neck Knives bezeichnen. Da auch die Optik des Messers gelungen ist, und vor allem in der satinierten Version sehr edel wirkt, geht der Daumen eindeutig nach oben.

Kaufempfehlung: Ja
Preis-Leistungs-Index: 2 („gut“)

Hogue Knives – EX-F03

Die Bezeichnungen der Messer bei Hogue sind sachlich und wenig spektakulär; auf Assoziationen mit gefährlichen Tieren oder finsteren Mächten verzichtet Hogue traditionell und bietet sein Neck Knife unter der technischen Bezeichnung „EX-F03“ an.

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Allen Elishewitz ist mit dem Hogue EX-F03 ein sehr charakteristischer Entwurf gelungen

Gesamtlänge mit Scheide: 160 mm
Gesamtlänge Messer: 140 mm
Klingentyp: Clip-Point, Hohlschliff, Plain Edge
Länge der Klinge: 55 mm, Schneide: 55 mm
Klingenstärke: 3,75 mm,
Gewicht gesamt: 110 g, Gewicht Messer: 62 g (einschl. Lanyard)
Klingenstahl: 154CM, Beschichtung: ohne
Grifflänge: 85 mm, Griffmaterial: Paracord
Material der Scheide: Kydex
Tragemöglichkeiten: Neckie, Gürtel
Website des Herstellers: Hogue Knives Ex-F03

Das Understatement bei der Namensgebung setzt sich bei den Gravuren auf der Klinge fort, rechts neben dem Logo von Hogue nur der Name „Elishewitz„; links die Schriftzüge „Hogue“ und „USA“. Custom-Knifemaker Allen Elishewitz ist der Designer hinter den Messern des Familienunternehmens Hogue wobei Messer nur einen Teil des Sortiments stellen. Ursprünglich hat Hogue seine Wurzeln im Zubehörbereich für Waffen und Sicherheitsausrüstung.

Mit dem EX-F03 ist Allen Elishewitz ein bemerkenswertes Design gelungen, mit fließenden Formen und einer rigorosen Skelettierung hat er eine sehr eigenständige Kreation präsentiert. Der Griff ist schmal aber hoch mit sehr gut kontrierten Fingermulden für Zeige- und Mittelfinger. In Längsrichtung liegt das Hogue sehr sicher in der Hand aber der schmale Griff erhöht aber die Tendenz das Messer nach links oder rechts zu verkanten. Darunter leidet die Haptik nicht; das Hogue EX-F03 ist ein Messer, das man gerne in die Hand nimmt und das einen hohen „Spielfaktor“ hat.

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Die Scheide des Hogue EX-F03 ist für ein Neck Knife wuchtig, dafür passt das Messer links- und rechtsherum hinein,

Die Kydex-Scheide von Hogue gehört zu den besten in diesem Test, sie ist von hoher Materialqualität, sehr gut verarbeitet und perfekt angepasst. Außerdem bringt das Hogue Neckie noch ein echtes Alleinstellungsmerkmal mit: es lässt sich links- und rechtsherum in die Scheide einführen. Dafür ist die Scheide auffällig breit und das Messer sollte als Neckie oder am Gürtel getragen werden. Im Stiefel ist die breite Scheide vermutlich erst ab Schuhgröße 63 gut zu tragen…

Hergestellt werden die Produkte von Hogue Knives ausschließlich in den USA, daher muss bei der Gewichtung des Verkaufspreises der Verzicht auf Billiglohnländer in Anrechnung gebracht werden. 154CM als Klingenstahl, der mit einer speziellen Kältetechnik bearbeitet wird, eine in allen Punkten perfekte Verarbeitung des Messers und ein kreatives Design steht ein Listenpreis von 79 Dollar gegenüber. In Deutschland ist das EX-F03 für rund 95 Euro erhältlich.

Fazit: Die 79 Dollar ist das Hogue EX-F03 allemal wert, selbst die gut 90 Euro für deutsche Kunden sind noch angemessen. Die leicht kippelige Handlage ist der einzig mögliche Kritikpunkt an diesem Neck Knife, dafür besitzt es viele gute Eigenschaften. Ein Hingucker ist es allemal. Das Hogue kratzt nachdrücklich am Podest!

Kaufempfehlung: Ja
Preis-Leistungs-Index: 1 („sehr gut“)


Spartan Blades Enyo

Die Messer von Spartan Blades haben in den letzten Jahren viel Aufmerksamkeit erregt und sind inzwischen fest im Markt etabliert. Handwerkliche Qualität und exzellente Verarbeitung werden heute mit Spartan Blades in Verbindung gebracht und nicht ohne Grund ist der Akribis Folder das einzige Messer, das ich bisher mit dem Prädikat „Referenzklasse“ bewertet habe.

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Das Enyo von Spartan Blades besitzt viele interessante Design-Elemente

Gesamtlänge mit Scheide: 174 mm
Gesamtlänge Messer: 158 mm
Klingentyp: Drop-Point, Flachschliff, Plain Edge
Länge der Klinge: 68 mm, Schneide: 70 mm
Klingenstärke: 4,75 mm,
Gewicht gesamt: 111 g, Gewicht Messer: 80 g (einschl. Lanyard)
Klingenstahl: CPM S35V, Beschichtung: Tungsten DLC (Black) oder ZrN (Flat Dark Earth)
Grifflänge: 90 mm, Griffmaterial: ohne
Material der Scheide: Kydex
Tragemöglichkeiten: Neckie, Gürtel, Stiefel
Website des Herstellers: Spartan Blades Enyo

Schon auf den ersten Blick präsentiert sich das Enyo als optischer Leckerbissen. Die Skelettierung legt eine Assoziation zu Katzenaugen nahe, die Form ist harmonisch mit einem Touch Star Wars. Enyo ist in der griechischen Mythologie die Göttin des blutigen Kampfes, nach Homer Seite an Seite mit Kriegsgott Ares kämpfend. Das Neck Knife von Spartan Blades lässt keinen Zweifel an der Intention seiner Macher.

Der Griff ist nur schwach konturiert und auch die Mulde für den Zeigefinger ist nicht so tief wie bei vielen anderen Neckies. Der Griff gehört mit 3/16″ (ca. 4,75 mm) nicht zu den schmalsten im Testfeld aber eine wirklich solide Handlage will beim Enyo nicht glücken. Der Daumen findet Platz auf dem deutlich abgestuften Klingenrücken aber dann stützt sich das Messer nicht mehr optimal gegen den Handballen ab. Selbst ein Abrutschen des Zeigefingers in die Schneide lässt sich nicht ausschließen, wenn man in einer Vorwärtsbewegung abrupt auf ein Hindernis trifft. Die Handlage des Enyo ist problematisch.

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Die Verarbeitungsqualität hingegen überzeugt auf der ganzen Linie. Höchste Präzision bei allen Kanten, Rundungen und Flächen sowie Gleichmäßigkeit und Oberflächenbeschaffenheit der Beschichtung sind erstklassig. Die Kydex-Scheide ist ein schönes Beispiel, wie eine optimale Scheide für ein Neckie aussehen muss: sie muss das Messer sicher halten, es ohne großen Kraftaufwand freigeben und dabei so klein und leicht wie möglich sein.

Für das Enyo sind in Deutschland rund 160 Euro auf den Tisch zu legen. Das ist für ein Messer dieser Größe kein Pappenstiel aber der Gegenwert in Form von Materialqualität und Verarbeitung ist ordentlich. Auch Spartan Blades fertigt nicht in Billiglohnländern, daher gelten die gleichen Bewertungsmaßstäbe wie beim Hogue.

Fazit: Das Enyo ist ein hochwertiges Neck Knive mit spannenden Design-Elementen. In Sachen Ergonomie und Handlage ist aber noch deutlich Luft nach oben. In meine Hand passt dieses Messer nicht aber das ist kein KO-Kriterium, möglicherweise passt es für die Hände anderer Messerfreunde perfekt. Einen grundsätzlichen Design-Fehler hat das Enyo jedenfalls nicht – die Kaufempfehlung erfolgt trotzdem nur mit Einschränkung.

Kaufempfehlung: Jein (abhängig von der individuellen Handlage)
Preis-Leistungs-Index: 2 („gut“)

Krypteia Sigrun (Limited Edition)

Und noch ein Ami könnte man denken aber Krypteia ist Multi-Kulti im allerbesten Wortsinn. Hinter einer nach ihrem Web-Auftritt US-amerikanisch wirkenden Firma steht ein Knifemaker mit griechischen Wurzeln und Wohnsitz in Island. Die kulturelle Vielfalt spiegelt sich auch im Namen des Neck Knife: Krypteia geht – sehr frei nach Platon – auf militärische Spezialeinheiten in Troja zurück und Sigrun ist eine Walküre aus der nordischen Mythologie.

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Die Cerakote Beschichtung des Krypteia Sigrun macht es unverwechselbar

Gesamtlänge mit Scheide: 173 mm
Gesamtlänge Messer: 152 mm
Klingentyp: Drop-Point, Flachschliff, Plain Edge
Länge der Klinge: 57 mm, Schneide: 62 mm
Klingenstärke:  4,7 mm,
Gewicht gesamt: 107 g, Gewicht Messer: 79 g
Klingenstahl: O-1, Beschichtung: Cerakote mit Camouflage Pattern
Grifflänge: 93 mm, Griffmaterial: ohne
Material der Scheide: Kydex
Tragemöglichkeiten: Neckie, Gürtel, Stiefel
Website des Herstellers: Krypteia Sigrun Limited Edition

Sigrun ist aber auch der Name der Ehefrau von Knifemaker Evangelos Tsagkouros wodurch uns klar wird, warum es ihn nach Island verschlagen hat. Cherchez la femme! Die kleinen Geschichten hinter einem Messer finde ich immer sehr reizvoll aber auch das Messer selbst geizt mit Reizen nicht.

Als Klingenstahl begegnet uns bei Krypteia der seltene O-1 Werkzeugstahl, der aus unerfindlichen Gründen aus der Mode gekommen ist. O-1 gehört genau wie M4 zu den besten Klingenstählen für Messer, wurde aber vom „ewig-pulvermetallurgischen-Zeitgeist“ und dem geschickten Marketing einiger großer Stahlhersteller hinweg gerafft (Siehe auch: Messerstahl – ein kleines Kompendium).

Klinge und Griff des Krypteia Sigrun sind mit Cerakote beschichtet. Das keramikbasierte Cerakote gehört aktuell zu den werkstofftechnisch besten Beschichtungen für Messerklingen. Es ist abriebfest, sehr hart und besitzt eine hohe Abriebfestigkeit ohne dabei eine Neigung zum Abbröckeln bei mechanischer Beanspruchung zu besitzen. Cerakote lässt sich, wie jedes andere keramische Material auch, beliebig einfärben und sogar ausbessern oder komplett erneuern. Soviel Gutes hat seinen Preis: Cerakote-Beschichtungen treiben den Preis eines Messers spürbar nach oben.

Die Verarbeitung des Neckies von Krypteia liegt auf höchstem Niveau, es ist eher als Semi-Custom denn als Serienmesser einzustufen. Das Design ist unspektakulär aber funktionell, die Handlage des Messers ist ausgezeichnet. Der Anschliff der Klinge ist der beste im gesamten Testfeld, absolut symmetrisch, winkelstabil und über die gesamte Länge scharf wie ein Rasiermesser.

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Ein Wermutstropfen bringt das Krypteia Sigrun allerdings mit: die Materialqualität der Kydex-Scheide ist gut, die Verarbeitung kann jedoch mit der Qualität des Messers nicht mithalten. Zwar passt das Messer in die Scheide und sitzt sicher aber eine perfekt angepasste Kydex-Scheide sieht anders aus. Schade aber in diesem Preissegment gibt es kein Pardon: ein Punkt Abzug ist unvermeidlich!

Dass es ein Semi-Custom dieser Qualität nicht zum halben Preis gibt ist klar! Gut 180 Euro muss man in Deutschland für das Krypteia Neck Knife in der Limited Edition lockermachen. Preislich geht es also nicht spartanisch sondern eher walkürenhaft zu. Aufgrund der aufwändigen Verarbeitung und der erstklassigen Materialien geht der Preis dennoch absolut in Ordnung.

Fazit: Das Krypteia Sigrun hat einen Podestplatz sicher. Die farbenfrohe Camouflage Optik mag nicht jedermanns Sache sein aber das Messer gibt es auch in gedeckten Tönen. Die Qualität des Messers und der Cerakote Beschichtung herausragend, die Handlage bestens und es eignet sich gleichermaßen als Backup-Messer und als EDC. In Sachen Scheidenbau hat Krypteia noch Luft nach oben.

Kaufempfehlung: Ja
Preis-Leistungs-Index: 2 („gut“)

 


Finale !

Dieser Test hat sowohl erwartete wie auch unerwartete Ergebnisse gebracht. Viele Messer in den unteren Preisklassen konnten nicht überzeugen, die Ausnahme in diesem Punkt stellt das Mini II von Real Steel dar. Auch wenn chinesische Hersteller den Preisvorteil geringer Arbeitskosten haben dürfen wir nicht vergessen, dass auch die meisten anderen preisgünstigen Messer in China gefertigt werden aber von deutlich schlechterer Qualität sind.

Die positive Überraschung des Vergleichstests war für mich das Eickhorn Para-1. Ohne Frage ein Messer für das Siegerpodest! Zu bereitwillig haben wir vergessen, dass gute Messer nicht zwangsläufig von amerikanischen, italienischen oder chinesischen Firmen kommen müssen sondern dass „Made in Germany“ auch bei Messern einmal Weltruf genoss.

Die Preisoberklasse hat sich keine Blöße gegeben: die Messer von Spartan Blades und Krypteia können sich bei Material und Verarbeitung leicht absetzen. Extrema Ratio und Hogue haben Neckies mit sehr kreativen Design präsentiert und sind die Platzhirsche im preislichen Mittelfeld.

Während des Schreibens hatte ich Zeit mich mit den vorgestellten Messern ausgiebig zu beschäftigen. Trotzdem fällt  es schwer, die Podestplätze zu vergeben. Die Abstände zwischen allen Plätzen sind knapp:

1. Krypteia Sigrun

2. Eickhorn Para-1

3. Real Steal Mini 127 / 2

ganz knapp gefolgt von Hogue EX-F03 und Real Steel Cormorant.

Habe fertig!


Fast alle Messer dieses Vergleichstests wurden von Joe’s Messershop zur Verfügung gestellt.  Vielen Dank an Joe für die freundliche und unbürokratische Unterstützung!

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Alle genannten Marken, Warenzeichen, Logos und Namen sind Eigentum der jeweiligen Inhaber.

Bildnachweis:

Alle in diesem Artikel abgebildeten Fotos und Grafiken sind Eigentum des Autors.