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Neckie für feindliches Umfeld: DPx Heat Hiker

DPx kommt gerne wortgewaltig und martialisch daher und nie bleibt ein Zweifel, dass Messer auch Waffen sind. Gern stellt man eine verbale Nähe zu Militär, Sondereinsatzkommandos und Kampfeinsätzen her. Entsprechend deutlich ist die Namensgebung der Messer. Unter der Bezeichnung HEST (Hostile Environment Survival Tool), also „Überlebenswerkzeug für feindliche Umgebung“, werden Fixed und Folder für Militäreinsätze und den „gewalttätigen Alltag“ angeboten. Das neue Neck Knife DPx Heat Hiker gehört in die Sparte HEAT (Hostile Environement At-Hand-Tool) , was sich mit Bereitschaftswerkzeug für feindliche Umgebung übersetzen lässt. So viel Säbelrasseln macht neugierig: hält das Hiker was DPx verspricht oder soll nur (wieder einmal) Messermurks verbal aufpoliert werden?

Das DPx Neckie hört auf den Namen „DPx Heat Hiker“ und wird in mehreren Varianten hergestellt. Skelettiert mit stonewashed oder satinierter Oberfläche oder mit schwarzer Keramikbeschichtung. Unter weiteren Namen werden Messer mit sehr ähnlichen Abmessungen und identischer Klingenform mit verschiedenen Griffschalen und Klingenstählen angeboten. Insgesamt elf Produkte bilden die HEAT-Serie. Für das Review habe ich ein Hiker, also die skelettierte Variante, aus S30V Stahl mit stonewash Finish ausgewählt.

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Sofort fällt eine große Ähnlichkeit zwischen dem DPx Hiker und dem EX-F03 von Hogue Knives auf. Beide Messer besitzen eine ähnliche Klingenform und zeigen auch bei Umriss und der radikalen Skelettierung optische Übereinstimmungen. Der Preis des DPx Heat Hiker liegt allerdings deutlich über dem des Hogue: es ist mit einem Listenpreis von 156,25 Dollar fast auf den Cent genau doppelt so teuer. Im Neckie Vergleichstest 2015 konnte das Messer von Hogue die Messerfreunde allerdings nicht überzeugen, es konnte in der Abstimmung nur den drittletzten Platz unter den getesteten zwölf Neck Knives erringen. Ob das DPx Heat Hiker mit dem gleichen Konzept und besseren Klingenstahl mehr Käufergunst ergattern kann, wird sich noch zeigen müssen.DPX 04Das DPx Hiker gehört mit einer Länge von 158 mm zu den großen Neck Knives, dafür hält sich das Gewicht mit 2,15 amerikanischen Unzen (knapp 61 g) im Rahmen. Geliefert wird das Messer mit einer Kydex-Scheide.

DPx Heat Hiker – Technische Daten

Messertyp: Fixed Blade, in Deutschland §42a WaffG konform
Klingenform: modifizierte Drop-Point mit Flachschliff und hoher Gratlinie
Finish: Stonewashed
Klingenstahl: CPM S30V, auf 60 HRC gehärtet
Klingenlänge:  61 mm
Länge der Schneide: 62 mm
Klingenstärke: 4,0 mm an der Klingenwurzel und dem Griff
Gesamtlänge: 158 mm
Grifflänge: 97 mm
Griffmaterial: ohne
Gewicht: 61 g ohne Kydex-Scheide

Der erste Kontakt mit dem DPx Heat Hiker gestaltet sich positiv. Das Messer ist sehr sauber verarbeitet, das Stonewash-Finish ist gleichmäßig und optisch ansprechend. Die Oberfläche des Neckies vermittelt ein angenehmes Handgefühl, da alle Kanten weich abgerundet sind. Besonderheit und optisches Alleinstellungsmerkmal des DPx Heat Hiker ist ein in die Unterseite des Griffs eingearbeiteter Karabiner, der das Befestigen des Messer an Schlaufen und Ösen der Ausrüstung ermöglichen soll. Ebenfalls einen sehr guten Eindruck macht die mitgelieferte Kydex-Scheide, sie ist solide, gut verarbeitet und absolut passgenau.

Das Paracord besitzt eine Sollbruchstelle, um das Würgen des Messerträgers zu unterbinden

Die Handlage des DPx Heat Hiker ist für ein Messer dieser Größe gut. Zwar füllt der skelettierte Griff die Hand durch seine flache Struktur nicht aus aber der Griff ist lang genug, um allen Fingern ausreichend Platz zu gewähren (Handschuhgröße 10). Das Neck Knife liegt gut in der Hand, die Form des Griffes lässt eine sichere und unverkrampfte Fingerhaltung zu. Übt man Druck beim Schneiden aus, macht sich der Karabinerhaken unter Ringfinger und kleinen Finger nicht unangenehm bemerkbar, vermindert allerdings etwas die Griffsicherheit. Unbeabsichtigtes Einklappen des Karabinerarmes gegen den Federdruck ist bei erhöhtem Kraftaufwand oder im Kampfgetümmel nicht auszuschließen.

Jedes Details eines Messers, das Griffsicherheit oder Ergonomie mindert und dadurch seine Handhabung oder sogar die Sicherheit negativ beeinflussen kann, gehört kritisch auf den Prüfstand. Der Karabinerhaken am DPx HEAT Hiker gehört in diese Kategorie. Der Sinn dieses Features hat sich mir während des Gebrauchs des Messers nicht erschlossen. Wo und vor allem warum sollte man das Messer mittels des eingebauten Karabiners befestigen? An einer Öse am Rucksack, einer Schlaufe des Gürtels oder an einem anderen Teil der taktischen Ausrüstung? Normalerweise verfügen taktische Rucksäcke genau wie Westen und Hosen über zahlreiche Ösen und Schlaufen, an denen sich ohnehin zahlreiche Karabinerhaken befinden und einen Karabiner in einer anderen einzuhaken, ist weder notwendig noch sinnvoll. Neben den ergonomischen Einschränkungen führt der integrierte Karabinerhaken gegenüber einem geschlossenen Rahmen außerdem zu verminderter Stabilität des skelettierten Rahmens.

Ein weiteres Fragezeichen hinterlässt der Karabinerhaken im praktischen Einsatz. Nehmen wir an, man befestigt das Messer an einer Öse des Schultergurtes, weil man zum Klettern, laden der Waffe oder aus anderen Gründen beide Hände braucht. Will man das Messer nun wieder in die Hand nehmen, greift man unweigerlich in die Schneide des Messers, denn es hängt mit der Schneide nach unten im Gurt. Vor allem im Dunkeln, beim Laufen oder im Kampf steigt das Risiko, sich an seinem eigenen Messer zu verletzten.

Abgesehen von der Tatsache, dass dieses Konstruktionsprinzip keinerlei Vorteil bietet, würde sich weder ein erfahrener Outdoor-Sportler noch ein Soldat ein Messer mit offener Klinge an Ausrüstung oder Kleidung hängen. Zu groß wäre die Gefahr, bei einem Sturz sich selbst, einen Kameraden oder einen eventuellen Retter mit seinem Messer zu verletzen. Zum Schluss bleibt die Kernfrage, warum die Scheide des Messers nicht in geeigneter Position an der Ausrüstung befestigt und das DPx Heat Hiker einfach in die Scheide gesteckt wird?

DPX_10Die Verarbeitung des DPx HEAT Hiker kann, wie eingangs erwähnt, überzeugen. Es gibt nichts zu bemängeln. Der Klingenstahl gehört zur derzeitigen Oberklasse, der Schliff des Messers ist gleichmäßig und winkelstabil. Das kleine Neckie ist scharf und ermöglicht eine ausreichend präzise Schnittführung. Die Kydex-Scheide gehört qualitativ in die Topklasse, Material, Verarbeitung und Passgenauigkeit sind hervorragend. Das Neck Knife rastet vernehmlich in die Scheide ein, sitzt spielfrei aber sicher und kann ohne Kraftaufwand gezogen werden.

Der Listenpreis von gut 150 Dollar ist ambitioniert, denn in dieser Liga muss sich das DPx HEAT Hiker unter anderem mit dem Spartan Blades Enyo oder dem Krypteia Sigrun messen. Das Enyo wird mit qualitativ hochwertigen Beschichtungen (ZrN oder PVD) versehen, das Semi-Custom von Krypteia mit einer aufwändig gestalteten Cerakote Beschichtung. Beide Neck Knives sind ebenfalls aus besten Materialien gefertigt und machen optisch richtig was her – an diesem Punkt kann das Hiker nicht mithalten. Im Preisvergleich mit dem Hogue  EX-F03 verliert das DPX HEAT Hiker gegen einen sehr ähnlich aufgebauten Konkurrenten, der mit vergleichbaren Materialien, einer ebenfalls exzellenten Kydex-Scheide und deutlich günstigeren Preis punktet.

Fazit

Das DpX Heat Hiker erreicht nur eine Bewertung von 50/100 PunktenDas DPx HEAT Hiker hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Auf der Habenseite steht ein solides und grundsätzlich brauchbares Neckie aus guten Materialien, negativ fallen der hohe Preis und der fragwürdige Karabiner ins Gewicht. Beides lässt keine Kaufempfehlung zu, im hart umkämpften Markt der hochwertigen Neck Knives fällt das DPx HEAT Hiker deutlich hinter Produkte der Konkurrenz zurück.


Alle genannten Marken, Warenzeichen, Logos und Namen sind Eigentum der jeweiligen Inhaber.

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