Netter Falter – Das Benchmade BM51 Morpho

morphoSeinen Namen verdankt das Balisong Modell 51 von Benchmade – wen wundert’s – einem Schmetterling. Der blaue Morphofalter mit seinen blau glänzenden Flügeloberseiten ist der Namensgeber dieses Messers. Das BM51 ist ein eigenständiges Modell und lässt sich keiner Baureihe zuordnen, unterscheidet sich also auch in diesem Punkt von der langjährigen Benchmade Tradition, eine Baureihe (zum Beispiel 4x) über viele Jahre zu entwickeln und zu erweitern. Das Morpho ist in gewisser Weise ein Nachfolger der langjährigen Erfolgsmodelle aus der 40er Serie, obwohl sich beide Konstruktionen gravierend unterscheiden. Um Entstehung und Philosophie des Morpho verstehen zu können, muss man ein wenig in die Firmengeschichte von Benchmade abtauchen.

Die Entstehungsgeschichte der BM51 Morpho ist sehr eng mit dem Tod der 40er Serie von Benchmade verknüpft. Die Modellcharakteristik der 40er Serie geht bis auf die Anfangstage von Benchmade in der Roswell Street zurück und umfasste mehr als zwanzig Modellvarianten des legendären Balisong BM42. Die Modellvarianten der 4x Serie unterschieden sich teilweise durch die Klingenform, teilweise durch die Anodisierung der Titangriffe was zu blauen und violetten Farbvarianten führte. Sollte es jemals ein Messer gegeben haben, das wie kein anderes für die Firma Benchmade steht, so ist es ohne Frage das BM42.


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Wer sich wundert, auf einem deutschen Blog von einem deutschen Autor eine Story über ein Balisong zu lesen, kann hinsichtlich des Verdachts möglicher Rechtsverletzungen beruhigt sein. Details stehen im Artikel „Die ganze Welt der Messer…“ vom Oktober 2015.

Nachdem Benchmade Im Sommer 2009 relativ kurzfristig angekündigt hatte, die Modellreihe 4x in Kürze einstellen zu wollen, schüttelte die Balisong Szene in kollektiver Ungläubigkeit den Kopf. Viele Messerfreunde haben diese Entscheidung von Benchmade bis heute nicht verstanden. Unter Balisong Fans ist unumstritten, dass Messer der Serie 4x die besten Balisong waren, die jemals in Serie gebaut worden sind. Übertragen auf die Automobilszene könnte man die Entscheidung der Produktionseinstellung allenfalls mit der Ankündigung von Porsche vergleichen, die Modellreihe 911 einstellen zu wollen. Lange Rede, kurzer Sinn, dass Benchmade Modell 42 war rund zehn Jahre lang das Balisong schlechthin. Es war der Platzhirsch im Balisong-Markt  und wurde von Messerfreunden in aller Welt hoch geschätzt.

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Urversion des Benchmade Modell 42

Allen Protesten zum Trotz stellte Benchmade die Produktion der 40er tatsächlich im letzten Quartal 2009 ein. Im Laufe des Jahre begann die Erprobung von potentiellen Nachfolgern, eines davon ist das BM51. Das BM42 und das BM51 sind dabei allerdings so unterschiedlich, dass man allerdings nicht ernsthaft von einem Nachfolger sprechen kann. Da ein Balisong im wesentlichen nur aus drei Bauteilen besteht (zwei Griffe, eine Klinge), führt bereits eine kleine Änderung an einer Komponente zu einem Produkt mit völlig anderen Eigenschaften.

So auch bei diesem Modellwechsel. Die Hauptunterschiede liegen beim Griffmaterial und dem Aufbau der Griffe. Während beide Halbgriffe beim 42er aus je einem Stück Titan gefräst und mit den sechs charakteristischen Bohrungen im Griff versehen wurden, bestehen die Griffe des Modells 51 aus dünnen Platinen aus Titan und Griffschalen aus G-10.

Das Motiv, die massiven Titangriffe durch eine materialmäßig abgespeckte Version aus Titanplatinen und G-10 zu ersetzen, kann nur im kaufmännisch-wirtschaftlichen Bereich liegen. Ohne Frage war hochwertiges Titan in den Jahren nach dem Millennium durch die erhöhte Nachfrage auf dem Weltmarkt deutlich im Preis gestiegen. Der Preis der Messer aus der Modellreihe 4x stieg dadurch zwangsläufig mit und war vermutlich dem Konkurrenzdruck von Jahr zu Jahr weniger gewachsen. Werfen wir einen Blick auf die Specs des blauen Falters.

Die technischen Daten des Benchmade BM51 im Überblick:
Messertyp: Balisong, in Deutschland als verbotener Gegenstand eingestuft, Besitz nur mit behördlicher Genehmigung!
Klingenform: Benchmade nennt es Drop-Point aber die Silhouette entspricht einer Spear Point Form
Finish: satiniert
Klingenstahl: D2, auf 60 – 62 HRC gehärtet
Klingenlänge: 108 mm
Länge der Schneide: 62 mm
Klingenstärke: 2,5 mm an der Klingenwurzel
Gesamtlänge: 238 mm
Grifflänge: 137 mm
Griffmaterial: Schwarze G-10 Schalen auf Titan-Platinen
Gewicht: 98 Gramm mit Taschenclip

Benchmade Morpho Prototype 02Die Optik des Messer stellt sofort die Assoziation zum eingangs erwähnten Morpho Falter her. Der bläuliche Schimmer der anodisierten Titanplatinen als Äquivalent zu den leuchtend blauen Flügel des leibhaftigen Falters. Für ein „erwachsenes“ Balisong ist das Morpho mit seiner Gesamtlänge von knapp 24 Zentimetern eher klein. Manchmal werden Butterflymesser auch als „29er“ bezeichnet, was einen Hinweis auf die Standardlänge dieses Messertyps gibt. Der Begriff „29er“ ist universell, daneben gibt es eine amerikanische Firma die Balisong herstellt und den Firmennamen „29“ trägt.


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Bei keinem anderen Messertyp ist das Handling so entscheidend wie bei einem Balisong. Die Gebrauchsfähigkeit des Messers steht und fällt mit dem Handling und Kompromisse sind kaum möglich. Entweder das Messer hat gute Balance und flippt oder es taugt nur für die Vitrine. Ein Messer mit zu hohem oder zu niedrigen Gewicht oder schlechter Balance birgt das Risiko, sich bei der erstbesten Gelegenheit eine ansehnliche Schnittverletzung zuzufügen.

Das Handling des BM51 wird durch sein niedriges Gewicht bestimmt. Werte unter 100 Gramm sind in der Balisong Welt die absolute Ausnahme, viele Messer sind deutlich schwerer. Butterflymesser zwischen 130 und 150 Gramm gelten als normalgewichtig, Messer mit höherem Gewicht stellen die Schwergewichte dar. Die Action eines Balisong wird maßgeblich vom seinem Gewicht bestimmt. Die Rotation der Griffe erzeugt Fliehkräfte, je höher die bewegte Masse, desto höher die Kräfte, desto höher wird die Bewegungsgeschwindigkeit der Griffe in der Rotationsbewegung. Die Technik eines Balisong ist einerseits denkbar simpel, praktisch muss man aber fast ein halbes Physikbuch auswendig lernen, um das Verhalten dieser Messer einigermaßen zu verstehen. Die Physik eines Balisong beginnt ganz harmlos mit positiver und negativer Beschleunigung, also Geschwindigkeitsänderungen pro Zeitintervall. Gut, wer bei den Grundlagen der Integralrechnung nicht gerade Kreide holen war… Noch komplizierter wird es bei Berechnung von Einflüssen der Masseträgheit, der Kreiselkräfte und der Präzession eines Kreisels. Wie gesagt, steht alles im Physikbuch und bei Wikipedia.

Benchmade Morpho Prototype 03Warum der Physikkram wichtig ist? Weil du ein Balisong besser handhaben kannst, wenn die physikalischen Grundlagen und Zusammenhänge verstanden worden sind. Dann wird schnell klar, warum ein Messer mit gerade einmal 150 Gramm Gewicht, machtvoll aus der Hand fliegt, wenn man versucht, gegen die Gesetze der Physik zu arbeiten. Das wird mal ein schönes Thema für einen sehr, sehr trockenen, theoretischen Artikel.

Also, die Handhabung beruht im wesentliche auf drei Grundlagen: Länge, Gewicht und Masseverteilung. Diese Eckdaten entscheiden über die Balance des Messer und sein Handling, die Summe beider Werte sind das Maß für die Freude bei der Handhabung. Die vierte Komponente ergibt sich aus der konstruktiven und technischen Qualität der Lager zwischen Klinge und Griffen. Einfache Regel: ja besser die verbauten Lager hinsichtlich Gleiteigenschaften und je geringer das axiale Spiel ist, desto besser das Balisong. All diese Faktoren hat Benchmade gut unter einen Hut gebracht und ein absolut gebrauchsfähiges Butterflymesser präsentiert.

Das geringe Gewicht lässt relativ langsame Bewegungen des Griffes zu, was Anfängern tendenziell entgegen kommt. Dafür schränkt es die Geschwindigkeit mancher Moves etwas ein. Beim Chaplin, einem Move bei dem das geöffnete Messer um einen Finger kreist, macht sich das niedrige Gewicht aber keineswegs negativ bemerkbar.


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Ein Feature hat Benchmade von der Modellreihe 4x zum Morpho hinüber gerettet: den federunterstützten Verriegelungshebel. Wie bei Balisong üblich, werden beide Griffstücke am unteren Ende durch einen Querriegel verbunden, so dass das Messer sicher geschlossen werden kann. Um nicht langwierig und umständlich an diesem Hebel herum nesteln zu müssen, wenn das Messer schnell geöffnet werden soll, genügt das kurze Zusammendrücken beider Griffschalen und der Verriegelungshebel springt durch die Vorspannung der Feder auf. Klappt hervorragend und ist Balisong-Users Liebling…

Der Klingenrücken ist über die gesamte Länge sehr weich abgerundet, was bei Moves, bei denen der Klingenrücken gegen die Hand oder Finger prallt, sehr angenehm wirkt. Die Verarbeitungsqualität des BM51 liegt auf dem gleichen hohen Niveau, dass man von Messern dieser Traditionsfirma gewohnt ist.

Benchmade Logo on Morpho 04

Einer er ersten Prototypen vom Sommer 2009

Fazit: Das Benchmade Modell 51 mit dem Beinamen Morpho ist qualitativ und konstruktiv ein solides Balisong. Die Balance des Messers ist gut, leidet aber ein wenig unter dem geringen Gewicht der Griffstücke. Die Skepsis vieler Messerfreunde gegenüber dem Morpho liegt weniger an dessen Eigenschaften als vielmehr an bewussten oder unbewussten Vergleichen mit den Vorgängern der 4x Baureihe. Wer leichte Balisong mag, kommt am Morpho nicht vorbei.

Dem Listenpreis von 275 Dollar stehen Straßenpreise um 230 Dollar für die Version mit satinierter Klinge und Preise um 245 Dollar für Messer mit schwarz beschichteter Klinge gegenüber. Ein Sonderangebot ist das BM51 also nicht gerade aber durch die hohe Material- und Verarbeitungsqualität stimmt das Preis-Leistungsverhältnis (noch!). Der Daumen geht nach oben – wer darf, sollte es kaufen!


Alle genannten Marken, Warenzeichen, Logos und Namen sind Eigentum der jeweiligen Inhaber.

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