Neuvorstellungen auf der Shot Show 2016

zt804cf closedDie Frühjahrsmesse in Las Vegas ist traditionell eher ein Laufsteg für die Hersteller von Schusswaffen und Survivalgear aber auch die Messerhersteller hatten ein paar Hingucker im Gepäck. Der Termin der Shot Show ist genial gewählt, kaum ist das Weihnachtsgeschäft gelaufen und der „Butterball-Turkey“ verdaut startet die Szene mit einer Mega-Messe kraftvoll ins neue Jahr. Mit Blick auf die Messermodelle und Hersteller, die auch in Deutschland interessant sind, habe ich für euch eine kleine Auswahl an Neuvorstellungen, Bildern und Videos zusammengestellt.

Zero Tolerance

Die „Flipper-Company“ aus Oregon hatte gleich eine ganze Reihe von Neuvorstellungen mit an den Strip gebracht. Das ZT 220 ist das erste Messer aus der Zusammenarbeit von Zero Tolerance und dem dänischen Designer Jens Ansø, der dem ZT Team seit 2015 angehört. Wie schon früher bei anderen Firmen versteht es  Ansø ausgezeichnet, seinen eigenen Stil mit dem Stil des Herstellers zu verbinden. Heraus kam ein charmanter Flipper mit 3,5 Zoll Drop-Point Klinge aus S35VN in stonewashed Optik. Der Rest stammt aus der ZT-Standard-Zutatenliste: Griffschalen aus Titan, Framelock mit verschleißfesten Stahleinsatz und Kugellagern für die Klingenachse. Optisch herausragend ist ein knallig orangefarben anodisierter Backspacer, den am hinteren, oberen Ende des Griffs ein wenig herausragt und ein längliches Lanyardhole präsentiert.

Aus den ersten Blick macht das ZT 202 mit seiner harmonischen Linienführung, hochwertigen Zutaten und einer gelungenen Optik einen guten Eindruck. Für ein Messer mit 3.5 Zoll Klinge liegt das Gewicht von 176 Gramm allerdings recht hoch; auf die Praxistauglichkeit von Jens Ansø’s Entwicklung darf man gespannt sein.

Zero Tolerance 220

Bild 2: ZT 220 – Danish Dynamite von Jens Anso

Die zweite bemerkenswerte Neuvorstellung von Zero Tolerance geht in eine ganz andere Richtung und gehört für mich zu den bemerkenswertesten Messern die ich von der KAI USA Ltd. Tochter in letzter Zeit gesehen habe. Wir reden dabei nicht vom futuristischen „blink-blink“ eines ZT 777, sondern von einem Messer, dessen Optik eher unscheinbar und bescheiden daherkommt. Das ZT 804CF wuchert nicht mit seinen Vorzügen, obwohl es einiges zu bieten hat. Der Entwurf stammt aus der Feder des amerikanischen Messermachers Todd Rexford, dem wir neben einigen Kershaw Modellen auch das beliebte ZT 801 zu verdanken haben.

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Mit dem 804 CF bleibt Rexford sich treu, das Messer zeigt unter anderem mit dem breiten Klingenblatt für ihn typische Stilelemente. Besonders auffällig ist, dass Klinge und Griff bei geöffneten Messer fast eine gerade Linie bilden, in der Silhouette wirkt das Messer daher wie ein Fixed.

zt804cf open

Bild 3: Back in Black – ZT 804CF

Black is beautiful muss sich ZT gedacht haben und das Messer ist selbst für Profis schwer zu fotografieren. Ein Leckerbissen ist der Klingenstahl CTS-204P aus dem Hause Carpenter. Die knapp 10 cm lange Klinge ist mit DLC beschichtet, wobei etwas Wolfram zur Erhöhung der Härte beigefügt wurde. Auf der vorderen Seite des Messers ist eine Carbon-Griffschale montiert, die Rückseite aus Titan beinhaltet den Framelock. Umsetzbarer Clip, Steel Insert im Framelock, KVT Kugellager und ein Backspacer aus Aluminium sind die weiteren Merkmale. Schnörkellos und gradlinig kommt das Messer von Todd Rexford daher; modellpolitisch dürfte Zero Tolerance  es als taktischen Heavy-duty Folder im Sortiment platzieren. Die Länge des geöffneten ZT 804CF entspricht fast auf den Millimeter genau einem Spyderco Military, das ZT wirkt mit seiner breiten Klinge allerdings deutlich wuchtiger. Mit einem Gewicht von 145 Gramm empfiehlt es sich auch als EDC. Die Webseite von Todd Reford findet ihr unter: www.rexfordknives.com .

Spyderco

Bevor wir uns an Spyderco in der folgenden Video Sektion erfreuen dürfen, hier noch schnell eine Produktvorstellung. Mantra und Mantra2 heißen die neuen Modelle mit den SKU’s C202TIP bzw. C203TIP. Mantra? WTF is Mantra? Mantra steht für ein Wort oder eine Phrase im Buddhismus, deren Rezitation die Tiefe der Meditation erhöhen soll. Tatsächlich stellt Spyderco aber keinen Bezug zur Bedeutung des Wortes her und hat den Begriff wohl aufgrund seines Wohlklangs gewählt. Betrachten wir also die Messer.

Mantra und Mantra2 sind Folder mit identischen Griffstücken aber unterschiedlichen Klingenformen. Beide repräsentieren den typischen Spyderco Stil, Mantra hat eine „leaf shape“ Klinge, die Klingenform des Mantra2 erinnert mit ihrem geraden Klingenrücken an ein UKPK oder das Chokwe (C132) aus der „ethnic“ Serie. Beide Messer haben Klingenlängen etwas oberhalb 3 Zoll und beide Klingen sind aus CPM-M4 Stahl. Letzterer erlebt zur Zeit offenbar eine Renaissance in der Messerszene, auch Spyderco hat in den vergangenen Monaten mehrere Messer mit diesem Klingenstahl vorgestellt.

spyderco mantra

Bild 4: Spyderco Mantra und Mantra2

Den Rahmen der Messer bilden jeweils zwei Titangriffschalen, die nur durch zwei Spacer und die Klingenachse miteinander verbunden sind. Verriegelt wird über ein Framelock, das ebenfalls einen auswechselbaren Stahleinsatz  aufweist. Dieses „steel-insert“ ist nun endgültig auch bei amerikanischen Entwicklungen zu einem festen Konstruktionsbestandteil geworden wie Zero Tolerance und Spyderco beweisen.

Werden Flipper zum Trend des Jahres 2016? Jedenfalls lassen sich auch beide Mantra auf diese Weise öffnen, Spyderco nennt es der Tradition folgend: „Kit-Carson-inspired-flipper“. Das ist nebenbei bemerkt einer der sympathischen Züge der Firma aus Golden, Colorado. Anstatt alle Errungenschaften und Detaillösungen mit neuen Namen zu versehen und mehr oder weder heimlich als eigene Idee darzustellen, bezieht sich Spyderco auf den Entwickler Kit Carson. Auch das Framelock wird von Spyderco auch heute noch“ Reeve integral lock“ bezeichnet. Da darf sich manch „Umdichter“ in der Messerszene eine Scheibe Anstand abschneiden!

Videos von der Shot Show:

„Same procedure as every year, James!“ Auch 2016 kommt der übliche Mix aus Produktvorstellungen und „on-booth“ Interviews von der Shot Show. Obwohl die bekannten Rezensenten technisch spürbar aufgerüstet haben ist man spätestens nach dem dritten Video entweder leicht ermattet oder todmüde. Das Format der „Show-Interviews“ erschöpft sich leider schnell obwohl die meisten Videos für sich betrachtet durchaus sehenswert sind. Das heißt nicht, dass im YT-Gewimmel nicht das eine oder andere Juwel verborgen ist. Manchmal ist es nur ein Satz oder eine Szene die ein Video (zumindest teilweise) sehenswert machen. In diese Kategorie gehört das Interview von GoingGear mit Sal und Eric Glesser bei Spyderco. Gleich bei der Einleitung eine „Freud’sche Fehlleistung“ par excellence des Interviewers. Er stellt Sal als Gründer und Besitzer von Spyderco und seinen Sohn Eric als „Sohn“ vor. Der sitzt etwas perplex nebendran und versucht das Lächeln zu behalten. Aber dann lässt sich der Herr „Sohn“ nicht lumpen setzt selbst noch einen oben drauf. Offensichtlich unvorbereitet auf die Frage von Interviewer Marshall „Welches Messer tragen Sie bei sich“ zieht Vater Sal zwei Spinnen und Sohn Eric seinen Zeigefinger hervor. Nette Szene, die irgendwo zwischen Loriot und Louis de Funès angesiedelt ist und mit einer gehörigen Portion unfreiwilliger Komik mehr sagt als tausend Worte. (YT-Video).

Drei Videos habe ich stellvertretend für viele ausgesucht:

Emerson Knives

Nachdem ich in den News vom Januar 2016 Emerson Knives mit Ihrem „KACK“ Modell ein wenig durch den Kakao gezogen habe, leiste ich nun aktiv Wiedergutmachung. Mit einem für deutsche Ohren unverfänglichen Akronym ist das von Emerson anlässlich der  Shot Show vorgestellte Messer versehen: XHD-HMMVK. Wofür steht die Abkürzung? Keine Ahnung! Irgendwas in der Richtung „Most heavy duty, biggest,strongest knife ever made“. Der Fokus liegt also auf Heavy-Duty Folder und tatsächlich ist das Messer ein Riesenteil. Im massiven, G-10 beschalten Titanrahmen sitzt eine 10 cm lange American-Tanto-Klinge aus 5mm starken S35VN. Achtung, jetzt kommt’s: 255 Gramm Gesamtgewicht oder wie Emerson Knives  titelt: über ein halbes Pfund Messer!

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Bild 5: Emerson Knives Extra heavy duty folder

Wer ein XHD-HMMVK sein eigen nennen möchte muss sich beeilen: pro Jahr sollen nur 60 Stück dieses Messers hergestellt werden.

CRKT

Columbia River Knife & Tool ist mit so vielen Neuheiten auf der Shot Show am Start, dass man diesem Hersteller einen eigenen Bericht widmen müsste. Stellvertretend für alle möchte ich zwei der neuen Messer erwähnen und – siehe oben – Flipper liegen auch bei CRKT voll im Trend. Dabei bleibt CRKT der Low-Budget Linie treu und siedelt beide Messer deutlich unterhalb der 100 Dollar Grenze an. Tighe Tac Clip Point stammt, wie der Name sagt, aus der Feder des kanadischen Messermachers Brian Tighe. Das Messer ist ein kleiner Folder mit taktischer Note. Außer dem hier gezeigten Messer mit Drop-Point Klinge ist auch eine Variante mit American-Tanto-Klinge im Angebot. Erwähnenswert ist das Button-Lock, bei dem die Klinge durch Druck auf einen Knopf entriegelt wird. Das Button-Lock habe ich im Artikel über das „CRKT Tighe Rade“ ausführlich beschrieben.

CRKT Tighe Tac

Bild 6: CRKT Tighe Tac Clip Point

Das zweite CRKT Modell ist ebenfalls ein Flipper, dieses Messer mit dem Namen „Outrage“ ist eine Entwicklung von Ken Onion. Linienführung und Silhouette des Messers entsprechen dem typischen Stil von Ken Onion. Die Klinge aus dem mittelmäßigen 8Cr13Mov wird über einen Linerlock verriegelt, dazu hat CRKT ein IKBS Kugellagersystem spendiert. Ein ordentlicher Stahl wäre mir lieber gewesen aber statt „Wünsch-dir-was“ läuft die Show „So-isses-halt“. Liner aus Stahl und  Griffschalen aus Aluminium runden das Konzept ab. Mit Preisen von 69,90 Dollar für das Tighe Tac Clip Point und 59,90 Dollar für das Tighe Tac Clip Point positioniert CRKT die beiden durchaus interessanten Messer im unteren Preissegment.

CRKT outrage

Bild 7: CRKT Outrage von Ken Onion

Benchmade

Last but not least: Auch Benchmade ist im Segment der Flipper unterwegs. 928 ist die Artikelnummer des neuen großen Flippers aus der Beavercreek Road in Oregon City. Das Design stammt von Warren Osborne und das Messer hat nach dem Tod des gebürtigen Australiers am 04.01.2016 fast den Nimbus eines Vermächtnisses. Osborne, der in Texas lebte, war viele Jahre einer der einflussreichsten Designer im Hause Benchmade.

Das 928 steht deutlich in der Tradition der Zusammenarbeit von Warren Osborne und Benchmade. Die knapp 10 cm lange Klinge aus CPM-S20V Stahl mit ihrer gestreckten Drop-point Form, der hohen Gratlinie und Flachschliff ist ein Merkmal vieler Messer aus der Feder dieses Designers.

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Bild 8: Benchmade 928, Warren Osborne Design

Der Klingenstahl S20V von Crucible Steel ist im Gegensatz zu S30V nie sehr bekannt geworden, hier der Vergleich:
S20V = Vanadium 4%, Kohlenstoff 1.9%, Chrom 20%, Molybdän 1%
S30V = Vanadium 4%, Kohlenstoff 1.45%, Chrom 14%, Molybdän 2%.

Der hohe Chromgehalt steht für sehr gute Korrosionsbeständigkeit, der damit einhergehende Verlust an Härte soll durch den höheren Anteil von Kohlenstoff kompensiert werden. Beim 928 verzichtet Benchmade auf ein Axis-Lock und stattet das Messer mit einem Framelock aus. Im BM Jargon wird dieses Verriegelungssystem Monolock genannt. Frontseite sandfarbenes G-10, Rückseite Titan und ein umsetzbarer Clip (Tip-up) sind weitere Merkmale des Benchmade 928. Mit rund 138 Gramm geht das 928 prima als großes EDC durch und wird ohne Zweifel seine Fangemeinde finden.


Alle genannten Marken, Warenzeichen, Logos und Namen sind Eigentum der jeweiligen Inhaber.

Bildnachweis:

Die Bilder 2,3 sowie das Titelbild sind Eigentum von KAI USA Ltd.
Das Bild 4 ist Eigentum von Spyderco Inc., USA.
Das Bild 5 ist Eigentum von Emerson Knives, USA.
Die Bilder 6 und 7 sind Eigentum von CRKT, USA.
Die Bilder 8 und 9 sind Eigentum von Benchmade, USA.
Alle anderen in diesem Artikel abgebildeten Fotos und Grafiken sind Eigentum des Autors.

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