IWA Nachlese – Zehn spannende Messer, Teil 2

Dozorme 02Mit Chris Reeve Knives, Spyderco und Medford K&T wurden bereits ein paar Hochkaräter im ersten Teil vorgestellt aber auch im zweiten Abschnitt sind tolle Messer und bekannte Namen vertreten. Im diesem Teil geht es fast ausschließlich um Prototypen, also Messer, die bis zum Sommer 2016 in den Handel kommen. Amerikanische Messermacher und Hersteller werden erfahrungsgemäß bis zur Blade Show warten. Neben Rick Hinderer und Benchmade stehen heute auch noch Hogue Knives, Viper Tecnocut und die französische Messerschmiede Claude Dozorme auf dem Zettel.

In den täglichen Messeberichten habe ich schon auf das eine oder andere Highlight der IWA 2016 hingewiesen. Definierbare Auswahlkriterien für diese Zusammenstellung gibt es keine, es reicht, wenn das Messer aus irgendeinem Grund spannend ist. Die Reihenfolge der Erwähnung stellt keine wie auch immer geartete Wertrangfolge dar, deshalb habe ich auf eine Nummerierung verzichtet. Die Messer werden in alphabetischer Folge der Namen ihrer Hersteller aufgelistet.

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BENCHMADE

Benchmade hat in den ersten Januartagen 2016 mit Warren Osborne einen seiner langjährigen Designer und Berater verloren. Der gebürtige Australier war berühmt für seine herausragenden Custom Folder und war mehr als zwei Jahrzehnte für Benchmade tätig. Viele Erfolgsmodelle von Benchmade stammen aus der Feder von Warren Osbourne, dazu gehören u.a. die Modelle Emissary, Contego, Rift, Barrage und das berühmte „940er“.

Einige Monate vor seinem Tod vereinbarten Osborne und Benchmade ein weiteres Projekt mit der Modellnummer 928. Warren Osborne hat die Geburt seines jüngsten Sprösslings nicht mehr erlebt, er starb bevor die ersten Prototypen die Werkstätten von Benchmade verließen. Das letzte Modell eines Messermachers war schon immer etwas besonderes und das 928 macht da keine Ausnahme. Angesiedelt zwischen Vermächtnis und Erinnerungsstück türmen sich mittlerweile die Vorbestellungen der Messerfans. „Noch nicht lieferbar“ verkündet die Benchmade Homepage seit Wochen.

Benchmade 02

Einen Prototyp des 928 hatte Benchmade mit auf die IWA 2016 gebracht und obwohl das Messer neben einigen Gold Class Modellen mit Damastklingen und viel „blink-blink“ eher blass wirkt, will es jeder in die Hand nehmen. Es ist sowohl ein typisches Benchmade wie auch ein typisches Osborne; das 928 ist dem Contego nicht unähnlich und mit seiner knapp zehn Zentimeter langen Klinge wieder ein stattlicher Folder für Männerhände.

Wie viele Designs aus der Feder von Warren Osborne sieht auch das 928 auf den ersten Blick unscheinbar aus, zeigt aber seine Qualitäten sofort in der Praxis. Eine ausgezeichnete Handlage mit einem unspektakulär aber sinnvoll gestalteten Griff und gute Balance generieren sofort einen positiven Eindruck. Nicht verwunderlich, dass der Flipper trotz der langen und schweren Klinge fast spielerisch öffnet. Viele kleine Details gibt es an diesem Messer zu entdecken, das nicht bunt und Benchmade 01protzig daher kommt sondern viel Understatement mitbringt.

Als einzige Firma in der Messerhalle kennzeichnet Benchmade seine Exponate mit der Lasergravur „Show Sample“ (Ausstellungsstück). Damit soll verhindert werden, dass Messer, die auf Messen durch tausende Hände gegangen sind, jemals zurück in das Auslieferungslager gelangen können. Stattdessen werden sie nach der Messe überarbeitet, neu geschliffen und enden als Testobjekte bei der hauseigenen Qualitätskontrolle. Daran dürfte sich der eine oder andere Aussteller gerne ein Beispiel nehmen.

 

CLAUDE DOZORME

Der Familienbetrieb aus der Stadt Thiers in der Auvergne war für mich einer der positiven Überraschungen auf der IWA 2016. Zum ersten Mal hatte ich Gelegenheit, die Modellvielfalt von Claude Dozorme in Natura zu sehen und die ausgestellte Vielfalt ist beeindruckend. Die Palette reicht von verschiedenen klassisch-französischen Modellen bis zu modernen Hightech Messern mit aufwändiger CNC Technik und selbst Carbon-Griffschalen finden sich bei Claude Dozorme. Es wäre kein Problem gewesen, statt zehn Messern von zehn Herstellern allein zehn sehenswerte Messer aus der Werkstatt von Claude Dozorme vorzustellen.

Dozorme 01

Bild 4: „Le Thiers“ aus der Werkstatt von Claude Dozorme

Le Thiers“ ist nicht das Modell einer Firma sondern das Messer einer ganzen Region, das von vielen Firmen in individuellen Fassons hergestellt wird. Im Gegensatz zum bekannten Laguiole zeigt ein LeThiers im geöffneten Zustand eine geschwungene Linie, nicht unähnlich einem extrem gestreckten, liegenden „S“. Elegant sind die Messer aus Thiers, praktisch sind sie ohnehin. Selbst einem bekennenden Fan taktischer Messer geht am Messestand von Claude Dozorme das Herz auf. Was mich besonders beeindruckt, ist die Verschmelzung traditioneller Formen mit modernen Materialien und alter Handwerkskunst.

Dozorme 04

Dozorme 03Für den Stadtbummel oder das Büro bieten sich die Messer aus Thiers geradezu an. Sie sind (überwiegend) §42a konform und haben einen so dezenten Auftritt, dass man sie im Berufsleben unbesorgt vorzeigen kann. Einen Hauch Lifestyle bringen die modernen Kreationen aus dem Haus Claude Dozorme ebenfalls mit und trotzdem ist ihre Praxistauglichkeit nicht eingeschränkt.

HOGUE KNIVES

Der nächste Familienbetrieb kommt aus den USA. Hogue ist kein Messerhersteller im klassischen Sinn, die Firma hat ihren Schwerpunkt bei Zubehör für Schusswaffen. Eng befreundet ist die Familie Hogue mit der Familie Elishewitz, die einen klangvollen Namen in der Messerwelt besitzt. So war es praktisch nur eine Frage der Zeit, bis die Kooperation beider „Clans“ zur Produktion von Messern führte. Hinter allen Messer- Designs bei Hogue steht Allen Elishewitz und so wie Zero Tolerance eine „Flipper Company“ ist, ist Hogue eine „Automatic Company“. Zwar gibt es fast alle Modelle von Hogue auch mit manueller Öffnung (Einhandmesser) aber die Stars auf dem Parkett sind die Vollautomaten mit ihren qualitativ hochwertigen Federsystemen.

Hogue 01

Auf Knopfdruck öffnet das Messer und mit Macht fliegt die Klinge ins Lock. „Am Federmechanismus haben wird jahrelang getüftelt“, verrät Firmenchef Patrick Hogue, „es hat viel Schweiß gekostet, bis die heutige Performance der Automatik erreicht war“. Der Aufwand war nicht umsonst, alle Automaten von Hogue können in dieser Richtung überzeugen. Selbst wenn man die Klinge manuell öffnet und erst kurz vor dem Lock freigibt, reicht die Federkraft um sie ins Lock zu drücken.

Hogue 02

Entriegelt werden die Messer über ein Button-Lock, das konstruktionsbedingt nicht zu den widerstandsfähigsten Verriegelungssystemen gehört. Hogue hat den technischen Spagat gut gelöst, das Lock hält die Klinge sicher und die Konstruktion der Verriegelung wirkt vertrauenerweckend.

Vier unterschiedliche Modellreihen hat Hogue im Angebot, bei allen gibt es mehrere Farbvarianten bei den Griffen, beschichtete Klingen und Stonewashed Varianten sowie verschiedene Klingenformen. Mit ihrem Modell „EX-04“ konnte Hogue Knives den Titel „American Made Knife of The Year“ auf der Blade Show 2013 gewinnen. Ergänzt wird das Messerangebot von Hogue durch verschiedene Fixed Blades, Tauchermesser und ein Neckie mit Kydexscheide.

 

RICK HINDERER

Rick Hinderer muss man niemand erklären. Seit vielen Jahren ist sein XM-18 Folder eine feste Größe im Markt der hochwertigen Semi-Customs. Kaum ein Messerfreund allerdings kennt die Bedeutung der Modellbezeichnung „XM-18“. Die Abkürzung „XM“ steht im Slang des US-Militärs für „experimental model“ also quasi einen Prototypen für die Erprobung im Feld. Die Zahl 18 war Rick’s Identifikationsnummer bei der Feuerwehr, also die Zahl, die vorne auf dem Helm prangt. Beides zusammen verschmolz zur  Modellbezeichnung als Rick seinerzeit die ersten Prototypen des „XM18“ baute und anschließend „als Experiment“ selbst erprobte.

Hinderer 02 Zur Zeit trägt Rick zwei neue Messer in der Hosentasche. Wie seinerzeit beim XM-18 handelt es sich bei beiden Modellen um Prototypen, die Rick zur Zeit selbst in der Praxis erprobt. Der Release der Neulinge ist für die Blade Show 2016 geplant, nach der Vorstellung in Atlanta sollen die ersten Serien in den Verkauf gelangen.

Hinderer 03

Zum ersten Mal wird Rick einen kleinen Folder mit einer 7,5 cm langen Klinge in sein Programm aufnehmen. Ein taktischer Gentleman Folder mit einem Fräsmuster auf der G-10 Griffschale, das an eine Ziegelwand erinnert. Der größere Folder mit 3,5 Zoll Klinge wird als modulares System konstruiert, so dass zukünftig zahlreiche Pimps und Varianten möglich sein werden. Rick Hinderer ist Fan der „Neuen deutschen Härte“ und wie viele seiner anderen Entwürfe sind auch die beiden neuen Folder unter den dröhnenden Bässen der Gruppe Rammstein entstanden. Zwei Messer auf man sehr gespannt sein darf – die Prototypen haben auf der IWA 2016 einen hervorragenden Eindruck hinterlassen.

TECNOCUT

Technocut s.a. ist mit einer ganzen Kollektion neuer Messer nach Nürnberg gereist. Der Hersteller aus der italienischen Messermetropole Maniago ist für hochwertige Serienmesser und bezahlbare Preise bekannt. Viele Firmen lassen bei Tecnocut ihre Messer fertigen, daneben ist die Firma mit ihrer Marke Viper und anderen Brands mit eigenen Modellen auf dem Markt.

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Die interessanteste Neuentwicklung des Jahres 2016 ist ein Messer aus der Kooperation mit dem italienischen Messermacher Fabrizio Silvestrelli. Hierzulande noch relativ unbekannt hat Fabrizio bereits eine ganze Reihe von Entwürfen für Tecnocut gezeichnet. „TEN“ heißt der auf der IWA 2016 gezeigte Prototyp – ein taktischer Flipper mit 8,5 cm langer Klinge. In der edelsten Variante besitzt der Flipper Griffschalen aus Carbon. Preiswertere Modelle werden mit Micarta oder G-10 Griffen in den Handel kommen.

N690Co als Klingenstahl und Carbon als Griffmaterial sind auf jeden Fall schon einmal eine Ansage. Beeindruckender als das Material des „TEN“ Flippers ist der Klingengang des Messers: extrem leichtgängig marschiert die Klinge aus der Grundposition ins Lock. Offene Kugellager sind für den geschmeidigen Klingengang verantwortlich, verriegelt wird die Klinge über einen Linerlock aus Titan. Mit 105 Gramm in der Carbon Variante ist das TEN ein echtes Leichtgewicht!

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Nach einer halben Stunde mitten im Gespräch plötzlich ein Griff unter die Theke und ein Viper Prototyp erscheint. Das erste funktionsfähige Messer eines geplanten Modells mit fein konturierten Titan-Griffschalen und einer hohl geschliffenen Klinge mit markanter Linienführung. Ebenfalls ein Flipper – Flipper waren der Trend auf der IWA 2016 – und wieder mit N390 Klinge. Wann dieses Messer auf den Markt kommt wollen wir wissen. „Im Juni“, gibt Giovanni Miniutti Auskunft. Rechtzeitig zur Blade Show, mit Sicherheit  haben wir auf der IWA 2016 mit dem „Italo“ einen Kandidaten für den Titel des „Besten nicht US Messers“ gesehen.

So Leute, das war nun der letzte Bericht von und über die IWA 2016. Versprochen!


Alle genannten Marken, Warenzeichen, Logos und Namen sind Eigentum der jeweiligen Inhaber.

Bildnachweis:

Galeriebild und Bild 4: Claude Dozorme, Frankreich
Alle andern Bilder sind Eigentum von Knife-Blog Media.