IWA Outdoor Classics 2016 – Der Samstag

Der IWA Samstag ist berüchtigt. Nachdem am Freitag in vielen Hallen bereits heftig gedrängelt und geschoben wird, ist Samstag der klassische „Ellenbogen-Tag“. Um ein Gespräch oder Interview am Rande der knallvollen Gänge konzentriert zu Ende zu bringen braucht man stoische Beharrlichkeit und das Durchsetzungsvermögen eines kanadischen Eishockey Profis. Unsere Besuchsliste ist heute voll mit berühmten Namen: Benchmade, Zero Tolerance, CRKT, Spartan Blades und Rick Hinderer werden heute für Knife-Blog ihre interessantesten Messer und neuesten Produkte präsentieren. Für die traditionelle Party am Samstagabend fehlt Zeit und Power aber die Zeit der großen IWA Partys ist ohnehin vorüber.

Zwei Bilder sind noch vom gestrigen Tag nachzuliefern, beide sind vom Stand Gerber/Fiskars. Der Stand selbst gehört zu den optisch schönsten in der Messerhalle und auch die ausgestellten Artikel können sich sehen lassen. Zwar hängt Gerber bei uns in Europa ein leicht verstaubter „Bear-Grylls“ Muff an aber auf der IWA 2016 zeigen sich die Firma aus dem amerikanischen Messer-Mekka Oregon deutlich verbessert. Viele neue Produkte gehören in eine höhere Qualitätskategorie und haben im ersten Eindruck positiv überrascht. Auch das „Bear-Grylls“ Messer ist inzwischen in einer neuen, höherwertigen Variante im Angebot.

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Solides Fixed mit militärischem Touch von Gerber


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Benchmade hatte einen schwierigen Messestart, da der Zoll mit der berühmten deutschen Gründlichkeit die Messerkisten durchforstete und eine Handvoll Balisong fand. Wie gestern berichtet, konnte Benchmade seinen Messestand erst gegen Mittag aufbauen und wir haben unseren Gesprächstermin deshalb auf Samstagmittag verschoben.  Inzwischen strahlt der Benchmade Stand im gewohnt professionellen Show-Look und die neuen Messermodelle liegen komplett zu Ansicht aus. Star am Benchmade Stand ist ohne Frage das (bisher) einzige Gold-Class Modell Benchmade 908-161 STRYKER II. Ein Messertraum mit Damastklinge und in den USA mit rund 600 Dollar durchaus erschwinglich. In Deutschland dürfte beim Verkaufspreis von rund 750,- Euro für viele Messerfreunde das Ende der Fahnenstange überschritten sein. Trotzdem: Geiler als Geiz ist dieses Messer allemal!

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Am entgegen gesetzten Ende der Halle finden wir einen Messerhersteller, den niemand kennt. Sandrin heißt der Neuling aus der Nähe von Turin. In der rund hundertjährigen Geschichte der Firma wurden schon immer Schneidwaren, hauptsächlich für industrielle Zwecke hergestellt. Neu ist die Herstellung von Fixed Blades mit Klingen aus einem Sintergemisch aus Kohlenstoff und Wolfram. Sagenhafte 71 HRC (!) gibt der Hersteller an und der Juniorchef schwört Stein und Bein, dass die Bruchsicherheit der Klingen hoch sei.

Gerade als das Teufelchen auf meiner Schulter etwas vom „Ausprobieren“ flüstert halte ich inne: der Preisrahmen dieser Messer beginnt bei rund 600 Euro für ein kleines Fixed und wird bei Jagdmessern mit 14 Zentimeter langer Klinge vierstellig. Griffe aus stabilisierten Holz in teilweise poppigen Farben und einer hoher Anteil von Handarbeit relativieren den Preis. Ob die matt schimmernden Klingen, die im Gegenlicht das Farbenspiel eines Regenbogens zeigen, der täglichen Belastung eines „Working Knife“ standhalten wage ich nicht einzuschätzen. Scharf sind die Dinger jedenfalls, sehr scharf sogar und daher bin ich vorsichtig skeptisch, ob die Schneide ausreichend resistent gegen kleine Ausbrüche ist.

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Der nächste Besuch gilt 5.11 Tactical, dessen US Katalog eine große Anzahl Messer aufweist. Auf die IWA haben die Leute von 5.11 Tactical allerdings nur wenige Messer aus dem unteren Preissegment mitgebracht. So hervorragend die Bekleidung von 5.11 ist, so ärmlich sind die Messer. Es handelt sich technisch einfache, mittelrobuste Messer über die man nicht viel Worte machen kann. Zwei Exemplare unkommentiert zur Ansicht…

IWA Tag 2 - 06

Auf zu Spartan Blades! Im Stand stehen die beiden Firmengründer und Protagonisten Mark Carey und Curtis Iovito. Spartan Blades ist spannend, denn kaum ein Newcomer hat in der Messerszene so schnell Fuß gefasst wie die kleine Firma aus North Carolina. Sich im Haifischbecken „internationaler Messermarkt“ zu behaupten geht nur mit qualitativ hochwertigen Produkten und einer glaubwürdigen Philosophie. Beides habe die Special Forces Veteranen zu einem stimmigen Konzept vereint und sich mit ihren Messern weltweit Respekt erarbeitet.

IWA Tag 2 - 12

Rechtzeitig zur IWA kann Spartan Blades mit dem Harsey Folder den Nachfolger seines Erfolgsmodells Akribis vorstellen. In Zusammenarbeit mit Bill Harsey entstand ein neuer Titan-Framelock Folder, der viel Spielraum für künftige Erweiterungen lässt. Vom Akribis wurde nach Auskunft von Mark Carey in der Woche vor der IWA Outdoor Classics 2016 das letzte Exemplar gebaut. Schade, dass dieser hochwertige Folder nun vom Markt verschwindet, immerhin konnte dieses Messer – als eines von wenigen – im Knife-Blog Review die Bestnote erreichen.

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Zwei Generationen: Harsey Folder links und das Akribis rechts

An den Messer mit feststehender Klingen von Spartan Blades gab es noch nie etwas zu meckern. Beispiellos gute Handlage, hochwertige Verarbeitung und praxistaugliches Design machen diese Messer zu Maßstäben in ihrer jeweiligen Klasse. Erwähnenswert auch das soziale Engagement der beiden Firmeninhaber. Sie unterstützen tatkräftig soziale Initiativen wie zum Beispiel die Green Beret Foundation mit Geld und Sachspenden.

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IWA Tag 2 - 04

Der nächste Besuch gilt Gatco, einer in Deutschland eher unbekannten Firma im Bereich Tactical Knives und Ausrüstung. Gatco hat ein klares Konzept für seine Produkte: sie müssen praxistauglich sein, sollen möglichst universell einsetzbar sein, dem Kunden einen spürbaren Mehrwert bieten und trotzdem für jedermann erschwinglich sein. Was nach der Quadratur des Kreises klingt schafft Gatco tatsächlich mit vielen Produkten. Stellvertretend für viele möchte ich den Scepter 2.0 erwähnen. Dabei handelt es sich um eine Kombination aus Tactical Pen mit einem Messerschärfer, Diamantschleifer für Serrated Blades, Schleifgerät für Angelhaken und Feuerstarter. Alle Komponenten sind in einem Tactical Stick vereint, nur Schreiben kann man nicht damit (deshalb lieber: Tactical Stick statt Tactical Pen).

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Auch bei den Messern konnte die von Inhaber Bob Anthon geführte Firma Gatco mit mehreren sehenswerten und preiswürdigen Exemplaren überzeugen. Über einige Produkte von Gatco werdet ihr mit Sicherheit in nächster Zeit mehr auf Knife-Blog lesen!

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Auch der finnische Hersteller Enzo ist auf der IWA vertreten. In der Auslage unter anderem das bekannteste Produkt: das vielfach erprobte und von vielen Messerfreunden geschätzte Neck-Knife von Enzo. Das Design der Messer von Enzo liegt nach wie vor in den Händen von Firmenchef Dennis Holmbacka. Moderne Fassions mt Carbon Griffschalen und hochwertigen Stählen werden bei Taiwan gefertigt, einige andere Modelle in bei Fox Knives in Italien. Wer ein preiswertes aber ordentlich verarbeitetes Messer sucht, kann bei Enzo fündig werden.

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Vermutlich erscheint in Kürze ein Review des Enzo Neckies, das sowohl mit Flachschliff als auch mit Scandi-Schliff hergestellt wird….

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Der nächste Termin führt uns zu einem ganz großen der Szene: Rick Hinderer residiert in einem kleinen Booth am „American Boulevard“ in Halle 5. Dicht umlagert von Messerfans aus aller Welt ist es schwer, ein konzentriertes Gespräch mit Rick zu führen. Kaum eine Minute vergeht, in der nicht ein Fan von Rick zur Begrüßung hereinschaut. Trotzdem läuft alles gesittet und rücksichtsvoll ab, während Rick den Andrang freundlich und mit viel Humor managed.

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Negatives Highlight des heutigen Tages: der Chefredakteur einer hochglänzenden Messerzeitung erscheint am Stand, drängelt rigoros alle Umstehenden zur Seite und belegt Rick mit einem minutenlangen Monolog über ein irgendwo gebraucht gekauftes Messer. Peinlich berührt blicken sich alle Umstehenden an aber Rick bleibt freundlich und souverän.  Ein Kontrapunkt zu den Tausenden Messerfreunden, die auf der Messe auch im Gedränge freundlich und rücksichtsvoll miteinander umgehen.

Back to business! Rick hat neben seinen bekannten XM18 Foldern zwei neue Modelle als Prototypen am Start. Dabei handelt es sich um zwei komplette Neukonstruktionen. Die Verkaufsbezeichnungen sowie einige Details der Titan-Oberflächen stehen noch nicht fest aber sicher ist: zum ersten Mal wird Rick einen Gentleman Folder in sein Programm aufnehmen. Eine weiteres Standbein seiner Produktion sind Tactical Pen in verschiedenen Größen und aus unterschiedlichen Materialien. Von Edelstahl über Bronze, Aluminium, Kupfer bis Titan kann der Käufer wählen. Der Einstiegspreis kann mit rund 60 Dollar als durchaus moderat angesehen werden.

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Prototypen der beiden neuen Folder trägt Rick Hinderer abwechselnd im Rahmen der Erprobung. Auffällig ist das Ziegelstein-Muster des kleinen Gentleman Folders. Beide Messer sollen bis zur Blade Show Serienreife erreicht haben. Sowie erste Vorserienmodelle verfügbar sind, werde ich ein Review posten.

Kleiner Wermutstropfen für alle ZT Fans: Den Bericht über Zero Tolerance und Kershaw muss ich auf morgen verschieben, denn die umfangreiche Präsentation und das über einstündige Gespräch mit Marketing Managerin Susan Dundas lässt sich unmöglich in zwei Sätzen zusammenfassen. Bis morgen also beim Bericht von Tag 3 auf der IWA Outdoor Classics 2016.

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Text und Redaktion: Thomas, Fotos: Andreas
Alle genannten Marken, Warenzeichen, Logos und Namen sind Eigentum der jeweiligen Inhaber.
Alle Bilder und Grafiken in diesem Artikel sind Eigentum der Autoren.

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