IWA Outdoor Classics 2016 – Der Sonntag

IWA Tag 03 - 15Die zweite Halbzeit hat auf der IWA Outdoor Classics begonnen. Sonntag auf derMesse ist aber beileibe kein Ruhetag, denn wieder werden zigtausende Tagesbesucher die große Gemeinde der Dauergäste verstärken. Mit Besuchen bei Spyderco, Böker,  Viper Tecnocut und Hogue haben wir wenige aber durchweg spannende Aussteller auf dem Zettel.

Auch heute hat sich bei zwei Ausstellern wieder bewahrheitet, dass kleine oder wenig bekannte Firmen beim näheren Hinsehen hochspannend sein können und hervorragende Produkte bereithalten. Es gibt unter den über 1400 ausstellenden Firmen tatsächlich einige Perlen zu entdecken. Von bekannten Namen und bestens etablierten Unternehmen erwartet man im Vorfeld viel, auch diese hoch gesteckten Erwartungen sind nicht enttäuscht worden!

Erstaunlicherweise füllen sich die Hallen am Sonntagmorgen eher zögerlich. Kein Vergleich mit dem Getümmel des Vortages. Selbst eine halbe Stunde nach Eröffnung stehen viele Aussteller zusammen und haben endlich einmal Zeit für einen Gedankenaustausch. Erst gegen Mittag haben die Hallen wieder den gewohnten Füllgrad erreicht. Ein Besuch vom Samstagnachmittag ist noch nachzureichen: Zero Tolerance.


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Marketingchefin Susan Dundas nimmt sich mehr als eine Stunde Zeit und hält ein ganzes Füllhorn von Informationen bereit. Dreh- und Angelpunkt ist das zehnjährige Firmenjubiläum von Zero Tolerance, das in diesem Sommer groß gefeiert werden soll. Für die Blade Show 2016 plant ZT eine Präsentation aller  Messermodelle der Firmengeschichte, die in chronologischer Reihenfolge die Entwicklung und den technischen Fortschritt bei Zero Tolerance zeigen werden. Bei dieser Gelegenheit erzählt Susan, dass nicht mehr von allen Modellen Reservestücke am Lager sind und man bei Zero Tolerance versucht, diese Modelle zu beschaffen.

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Außerdem werden zur Blade Show 2016 weitere neue Modelle auf den Markt kommen, wobei ohne Frage auch limitierte Jubiläumsmesser sein werden. Details sind logischerweise nicht in Erfahrung zu bringen und ZT hat mit Sicherheit kreative Ideen, wie die Messerszene überrascht werden kann. Der Hype um das Kershaw Ruby, dem Jubiläumsmodell von Kershaw zum 40-jährigen Firmenjubiläum wird durch Limited Editions von Zero Tolerance mit Sicherheit noch übertroffen werden. Wohl dem, der rechtzeitig beginnt ein wenig Kleingeld auf die Seite zu legen.

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Auf der Shot Show 2016 wurden die Neuerscheinungen von Zero Tolerance für das erste Halbjahr vorgestellt und seitdem ist kein weiteres Modell erschienen oder angekündigt. Neu in der Riege der Designer bei ZT ist der Däne Jens Ansø, dessen Name wegen des auf vielen Tastaturen fehlenden Sonderzeichens immer häufiger „Anso“ geschrieben wird. Mit dem Modell ZT220 hat Jens einen Spagat vollbracht: das Messer zeigt sowohl seine typischen Stilelemente wie auch die von Zero Tolerance. Der Backspacer des Messers ist in poppigen Orange gehalten und auch dem Lanyardhole hat Jens Ansø etwas „Danish Design“ verpasst.

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Selbstverständlich führt uns Susan auch alle anderen neuen Modelle vor, dabei sind das 095BW, 456, das edle 450CF, das 909 und natürlich das von Todd Rexford entworfene 804CF. Letzteres wirkt aufgeklappt selbst aus der Nähe wie ein Fixed, denn Todd hat die Linienführung vor allem entlang des Klingenrückens wie bei einem klassischen Fixed gestaltet.

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Die Vitrine mit den berühmten Blade Show Siegern bleibt verschlossen – zu selten sind diese Messer, um sie der breiten Öffentlichkeit in die Hand zu geben. Klar, jeder will das 999 streicheln aber niemand darf Hand anlegen. Auch von Knife-Blog lässt sich Susan Dundas leider nicht erweichen.

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Unser nächster  Besuch des Tages gilt der Heinrich Böker Baumwerk GmbH aus Solingen. Was sich bereits in den letzten Monaten bei vielen großen und kleinen Veränderungen in Modellpalette und Außendarstellung abgezeichnet hat, bestätigt sich auf der IWA 2016. Das Traditionsunternehmen wird zusehends moderner, treibt die Produktqualität voran und ist sichtlich bemüht, neue Kundengruppen zu erschließen. Der Aufwand ist beträchtlich: der Stand ist ein absoluter Hingucker und kein anderer Hersteller in Halle 5 ist mit so vielen Kundenberatern vor Ort wie Böker.

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Keinem Mitarbeiter und keiner Mitarbeiterin von Böker schaut nicht mindestens ein Messer aus der vornehmen Dienstkleidung, selbst Stiefelmesser bei den Damen sind zu sehen. Der Wunsch „Messer zu leben“ und dies auch nach außen zu transportieren, ist offenkundig.

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Die Produktpalette von Böker war schon immer riesig und wird beständig ausgebaut. Bei den derzeit besonders gefragten Produktgruppen, z. B. Tomahawks und Tactical Pens, bietet Böker zahlreiche Produkte in verschiedenen Preiskategorien. Reviews zu beiden Produktgruppen werden in Kürze folgen.

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Mit Anton Lennartz konnte Böker vor kurzem einen der bekanntesten deutschen Survival-Trainer und Messerdesigner als Partner gewinnen. Die Erfolgsmodelle von Tony Lennartz werden zukünftig mit überarbeiteten Design und besseren Materialien von Böker gefertigt. Dabei ist das Neck-Knife von Anton Lennartz, das – seinerzeit noch von Eickhorn gefertigt – den Neck-Knife Vergleichstest 2015 von Knife-Blog  mit hervorragender Wertung abschließen konnte. Kleine Modifikationen und ein besserer Klingenstahl werten die Böker Version nochmals deutlich auf.

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Das überarbeite Neck-Knife von Tony Lennartz

Das zweite berühmte Messer von Anton Lennartz ist das GEK oder „German Expedition Knife„. Seit über 26 Jahren ist dieses Outdoor Messer eine Institution und 2016 erscheint mit der Böker Version eine Evolutionsstufe. Im Vorgespräch mit Böker hatte ich erwähnt, dass ich bei meinen Blog Beiträgen gerne auf die Menschen und Geschichten eingehe, die hinter einem Messer stehen. Plötzlich steht Anton neben mir und steht über eine Stunde lang Rede und Antwort. Im Detail erklärt er seine Intentionen beim Herstellen von Messern und selbst eine Kurzfassung unseres Gesprächs würde den Rahmen des heutigen Artikels komplett sprengen. Natürlich wird auch das neue GEK ein Thema auf dem Blog werden. Ein kleines Geheimnis möchte euch aber trotzdem schon zutragen: Anton ist dabei, ein Tomahawk mit reinrassigen „Survival-Genen“ zu entwickeln. Pssst … Top secret…

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Zwar noch ein Prototyp aber schon ganz nah am Serienmodell

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Im Gespräch mit Anton Lennartz vergeht eine Stunde im Fluge

Tactical Pens sind seit einiger Zeit ein Riesenthema – Tendenz steigend. Die Modelle von Böker decken hinsichtlich Material, Einsatzzweck und Preis einen weiten Bereich ab. Das Topmodell aus anodisierten Titan kann fast unsichtbar in der Hosentasche getragen werden. Schneller Zugriff und ein minimales Verlustrisiko werden durch ein pfiffiges Clip-System gewährleistet.

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Auch neu bei Böker und nicht weniger spannend sind die an Kwaiken orientieren Folder von Lucas Burnley. Die drei abgebildeten Varianten unterscheiden sich in Materialwahl und Größe aber nicht bei Design und Qualität. Schon wieder ein Produkt das nach einem Review schreit!

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Die amerikanische Firma Hogue ist hierzulande noch nicht sehr bekannt. Für mich ist Hogue eine der positiven Überraschungen bei der IWA 2016. Das amerikanische Familienunternehmen hat seine Wurzeln bei Zubehör für Handfeuerwaffen und ist vor sechs Jahren in die Produktion von Messern eingestiegen. Alle Messer-Designs stammen aus der Feder von Allen Elishewitz und zeigen seine typische Handschrift. Viele Folder von Hogue sind Vollautomaten und zeichnen sich durch ein besonders wirkungsvolles Federsystem aus.

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Fans von Automatikmessern kommen an Hogue nicht vorbei

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Patrick Hogue mit einem der typischen Switchblades

Neu bei Hogue ist ein Tomahawk, dessen Entwurf ebenfalls von Allen Elishewitz stammt. Immer wenn man denkt, man hat in einer bestimmten Produktgruppe schon alles gesehen, kommt ein neuer Entwurf und beweist das Gegenteil. Das Tomahawk von Hogue ist keine Ausnahme: das kleine Beil wird von Magneten sicher in einer innovativen Scheide gehalten.  Bei Bedarf kann es zusätzlich mechanisch verriegelt werden.

Ein weiteres Highlight ist die Wandlungsfähigkeit.Je nach Einsatzzweck kann das Tomahawk mit drei verschiedenen Tools ausgestattet werden. Verschraubt auf einer soliden Grundplatte stehen Hammer, Adlerklaue und ein spitzer Dorn zur Auswahl. Gäbe es einen Innovationspreis, wäre das kleine Tomahawk von Hogue ein heißer Kandidat.

Ich bin gespannt, wie sich die Produkte von Hogue in der Praxis schlagen werden. Sowohl eines der Automatikmesser wie auch das Tomahawk werden in Kürze bei Knife-Blog einen Praxistest absolvieren.

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Last but not least: Viper-Tecnocut. Genaugenommen heißt die italienische Firma Tecnocut SNC und ist in Maniago beheimatet. Das Angebot von Tecnocut ist gewaltig und umfasst Messer für alle Lebenslagen und Anwendungen. Namhafte italienische und international bekannte Designer sind für Tecnocut tätig, unter anderem der Däne Jasper Voxnæs. Im Vorjahr feierte das Modell „Kyomi“ Premiere, bei dem Jasper „VOX“ Voxnæs sein typisch dänisches Design mit japanischen Stilelementen kombiniert.

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Klassische Messer sind bei Tecnocut genauso im Angebot wie Jagdmesser, Gentleman Folder und taktische Messer. Hauptsächlich wird N690 Stahl eingesetzt, die Fertigung erfolgt in Maniago.

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Unten ein ganz heißes Eisen… Ein Prototyp, der sich zur Zeit in der Entwicklung befindet. Der Entwurf stammt von einem italienischen Designer und zeigt eine individuelle Linienführung. Bereits als Prototyp besitzt dieses Messer ausgezeichnete Flipper-Eigenschaften und einen tadellosen Klingengang. Auf das im Juni erscheinende Serienmodell darf man gespannt sein.

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Selbst im Bereich Krav-Maga ist Tecnocut mit einem bemerkenswerten Messer vertreten. Der Entwurf stammt von dem Martial-Arts Trainer Boris Manasherov. Ein mächtiges Messer mit unverkennbarer Optik und ausgezeichneter Handlage.

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Den Besuch bei Spyderco werde ich im vierten und letzten Teil der diesjährigen Berichterstattung von der IWA Outdoor Classics 2016 schildern. Noch viel ist am letzten Tag zu tun und die Zeit beginnt davon zu laufen. Der Bericht vom vierten Tag, der auch ein Resümee der Veranstaltung und ein paar grundsätzliche Gedanken enthalten wird, soll am Mittwoch nach der IWA erscheinen.


Text und Redaktion: Thomas, Fotos: Andreas
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