Böker Para-1 – Neck Knife von Anton Lennartz

Böker Para1 007Das Para-1 wurde als Neuheit von der Böker Messer-Manufaktur auf der IWA 2016 vorgestellt aber Moment mal – kommen uns Messer und Name nicht bekannt vor? Aber ja, beim Neck Knife Vergleichstest 2015 auf Knife-Blog belegte das Para-1 den zweiten Platz und konnte bei der anschließenden User-Wertung auf Facebook sogar den obersten Platz auf dem Podest erklimmen. Seitdem hat sich einiges verändert, das Para-1 wird nicht mehr von Eickhorn hergestellt. Messerdesigner Anton Lennartz hat seine Produkte Anfang 2016 zur Böker Messer-Manufaktur transferiert und gleichzeitig eine leicht überarbeitete Version des Para-1 präsentiert. Wo die Stärken des Para-1 von Böker liegen und welche Unterschiede es zum Vorgängermodell gibt erläutert das Review.

Wie gesagt, mit dem Para-1 betritt ein alter Bekannter im neuen Gewand die Bühne. Anton Lennartz hat das Neck Knife entwickelt und mit diesem Modell aus dem Stand einen Volltreffer erzielt. Wie das Erfolgsmodell „German Expedition Knife“ trägt auch das Para-1 die für Lennartz typischen Messergene: gradliniges, schnörkelloses Design in Kombination mit kompromissloser Praxistauglichkeit.


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Diese Eigenschaften konnten sehr viele Messerfans überzeugen und das Para-1 wurde beim Neck Knife Vergleichstest im vergangenen Jahr aus dem Nichts auf die vorderen Plätze katapultiert. Viele Backup Messer glänzen durch verwegenes Design oder variantenreiche Trage- bzw. Befestigungsmöglichkeiten, können aber als Werkzeug in der Praxis nur bedingt überzeugen. Das Para-1 gehört zu den wenigen Neck Knives, die Größe und Leichtigkeit eines klassischen Backup-Messer mit hoher Alltagstauglichkeit verbinden. In diesem Punkt hat sich auch nach dem Wechsel zu Böker nichts geändert, die Unterschiede liegen im Detail und in der Wahl des Klingenstahls.

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Die Abmessungen des Messers haben sich bei Gesamtlänge und Klingenlänge gegenüber dem Eickhorn Modell nur im Millimeterbereich geändert, so dass keine Auswirkungen auf Handhabung und Praxistauglichkeit zu befürchten sind.

Die technischen Daten des Böker Para-1 im Überblick:
Messertyp: Neck Knife mit feststehender Klinge, in Deutschland $42a WaffG konform
Gesamtlänge mit Scheide: 188 mm
Gesamtlänge Messer: 179,5 mm (Böker: 178 mm)
Klingentyp: Drop-Point, Flachschliff, Plain Edge
Länge der Klinge: 81 mm, Schneide: 83 mm
Klingenstärke: 2,7 mm,
Gewicht: 47 g
Klingenstahl: Böhler N690, Stonewash-Finish
Grifflänge: 87 mm, Griffmaterial: ohne
Material der Scheide: Kydex
Tragemöglichkeiten: Neckie, Gürtel

Mein Messwert hinsichtlich der Länge des Messers unterscheidet sich im Millimeterbereich vom Wert auf der Böker Homepage.


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Mit N690 hat Böker dem kleinen Neckie einen hervorragenden Klingenstahl spendiert und damit die Materialwahl auf den Stand der Zeit gebracht. Durch den Stahl und seine aufwändigere Oberflächenbearbeitung wirkt das Böker Modell insgesamt wertiger und ansprechender als sein Vorgänger. Auf der technischen Seite ist der augenfälligste Unterschied der Verzicht auf eine Schleifkerbe beim Übergang der Schneide zum Ricasso. Diese Kerbe dient als Schleifhilfe und soll verhindern, dass man mit dem Ricasso auf dem (drehenden) Schleifstein aufsetzt.

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Schleifkerben sind ein Hilfs- und Stilmittel vergangener Tage und bei vielen modernen Messern nicht mehr zu finden. Im Gespräch auf der Messe erklärt Anton Lennartz die Gründe für diese Veränderung ausführlich. „Die Schleifkerbe braucht niemand, wenn das Messer im Outdoor-Einsatz nachgeschärft werden muss, wird man dafür einem flachen Schleifstein, einen Schleifstab oder ähnliches wählen. Dafür bleibt man mit der Schleifkerbe nicht mehr am Schnittgut hängen, zum Beispiel beim Aufbrechen oder Abdecken eines erlegten Tieres.“  Tony Lennartz überlegt kurz und bekräftigt: „Der Verzicht auf die Schleifkerbe ist eine echte Verbesserung!“ Tony macht kein Hehl aus seiner Freude über den Wechsel zu Böker. „Ich konnte meine Messer optimieren“, sagt er und strahlt über das ganze Gesicht. Nach einer Pause fügt er an: „Es macht richtig Spaß, ich habe bei Böker viel Interesse und offene Ohren für meine Anliegen vorgefunden.“

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Oben: Böker, unten: Eickhorn

Mit seiner Länge von knapp 180 mm liegt das Para-1 an der oberen Grenze für Neck Knives. Dafür besitzt es einen so langen Griff, dass die Handlage auch für mittelgroße Männerhände völlig ausreichend ist. Alle Finger finden Platz und Halt wobei sich der Zeigefinger in die tief ausgearbeitete Fingermulde schmiegt. Der skelettierte Griff kann optional mit Paracord umwickelt werden, was die Handlage des Messers noch einmal verbessert. Nun wird die geschlossene Hand besser ausgefüllt und die Neigung des Verdrehens des Messers in der Hand nimmt ab. Die Balance des Messers ist sehr gut, der Drehpunkt liegt genau in der Mitte des Fingermulde. Zehn Kerben auf etwa 5 cm Länge des Klingenrückens bieten die Möglichkeit, mit dem Daumen lang oder kurz zu greifen. Die Ergonomie des Neck Knife von Anton Lennartz ist sehr gut. Alle weiteren Unterschiede hinsichtlich Proportionen und Abmessungen zwischen dem alten und dem neuen Modell sind  marginal und werden in der Praxis keine Rolle spielen.

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Mit 47 Gramm ist das Böker Para-1 vier Gramm schwerer als das Modell von Eickhorn. Diese Differenz ist dem N690 Klingenstahl geschuldet und wird sich in der Praxis kaum bemerkbar machen. Dafür erhält man einen erprobten Messerstahl der oberen Qualitätskategorie mit ausgezeichneten Allround-Eigenschaften. N690 ist ein sehr rostträger, martensitischer Chromstahl, der die Legierungselemente Kobalt, Molybdän, Silizium, Mangan und Vanadium enthält. Markant ist der hohe Chromgehalt von 17,5 Prozent. Die Werkstoffnummer lautet 1.4528; letztlich ist N690 ein durch die Zugabe von Vanadium und Kobalt optimierter AISI 440C. N690 ist der Handelsnahme von Böhler, andere Bezeichnungen für diesen Stahl lauten VG-10 (Takefu) oder AISI 440MOD. Außer für Messer und chirurgische Scheidwerkzeuge wird N690 für Klingen in Industriemaschinen und für Wälzlager verwendet. N690 ist eine gute Wahl für ein Outdoor-Messer, das auch mal „im Feld“ nachgeschliffen werden muss.

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Das Böker Para-1 wird mit einer passgenauen und stabilen Kydex-Scheide, einer Tragekette und einer Gürtelhalterung geliefert. Die Scheide verdient Bestnoten in Sachen Stabilität und Passgenauigkeit. Das Messer rastet präzise ein und sitzt absolut spielfrei in der Scheide. Nichts wackelt, nichts klappert und das Para-1 lässt sich auch mit Gewalt nicht herausschütteln. Das Material der Scheide ist dick, die Verarbeitung sehr gut. Die Kanten von oberer und unterer Kydex-Platte liegen bündig übereinander; sie sind leicht gerundet und geglättet. Die Bohrlöcher sind mit Hohlnieten verstärkt und – auch keine Selbstverständlichkeit – passen exakt zu den Abmessungen eines Tekloks. Wenn man sich vor Augen hält, was einem auch bei hochpreisigen Messern manchmal für Kydex-Murks zugemutet wird, verdient die Kydex-Scheide von Böker in dieser Preisklasse ausdrückliches Lob!


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FAZIT:

Für den Preis von 99,95 Euro erhält der Käufer ein vielseitig einsetzbares Neck Knife. Sowohl das technische Konzept wie auch die Umsetzung des Entwurfs von Anton „Tony“ Lennartz sind gelungen. Das Preis-Leistungsverhältnis ist in Ordnung, da Material- und Verarbeitungsqualität auf hohem Niveau liegen und auch bei Details keine Kompromisse gemacht werden. Das Para-1 der Böker Manufaktur ist ein hervorragendes Backup-Messer und kann – sofern nur leichte Schneidaufgaben anfallen – sogar als EDC getragen werden. Alle guten Eigenschaften des früheren Modells sind erhalten geblieben; das „neue“ Para-1 darf als gelungene Weiterentwicklung gelten. Da sich nichts zu meckern finden lässt und der Preis stimmt, erhält das Böker Para-1 eine uneingeschränkte Kaufempfehlung.

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