Messerbörse Schaafheim 2016

Schaafheim 002Den 10. April 2016 haben viele Messerfreunde schon seit langem im Kalender rot angestrichen: die Messerbörse in Schaafheim ist in den letzten Jahren stetig gewachsen und kann sich über reges Publikumsinteresse freuen. Der Termin liegt günstig, vier Wochen nach der IWA in Nürnberg haben viele Händler bereits Messeneuheiten im Gepäck. Viele Messermacher sind traditionell in Schaafheim anwesend und stellen sich den Fragen der Besucher.

Östlich von Darmstadt, etwa auf dem halben Weg zwischen Dieburg und Aschaffenburg liegt das hessische Örtchen Schaafheim. Am zweiten Wochenende im April, kurz nach dem Frühstück, hat sich innerhalb weniger Minuten die Einwohnerzahl gefühlt verdoppelt. Knapp tausend Messerfans haben sich in diesem Jahr eingefunden, nicht wenige reisen sogar aus Österreich oder der Schweiz an.

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Schon ab 09:00 Uhr beginnt sich der Parkplatz zu füllen. Geduldig warten die Messerfans auf den Einlass und in der erfreulich warmen Frühlingssonne wird auf dem Vorplatz bereits emsig gefachsimpelt. Vor der Messe machen im Internet Gerüchte die Runde, die Polizei würde heute Jagd auf Messerfans machen und alles beschlagnahmen, was unter das Trageverbot nach $42a WaffG fällt. Viele Besucher rücken daher mit Schlössern an Taschen und Rucksäcken an und zeitweise dominiert das Messing der Vorhängeschlösser das Blitzen der Klingen. Messerverbot auf einer Messerausstellung – so etwas kann es nur in Deutschland geben.

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Der traurige Höhepunkt des Tages ereignet sich bereits vor Beginn der Show. Während der Anreise und noch weit entfernt von Schaafheim  wird ein Fahrzeug von der Polizei gestoppt, die Insassen kontrolliert und ein in der Hosentasche getragenes Spyderco UKPK beschlagnahmt. Man höre und staune: beschlagnahmt, oder wie es im Behördenjargon heißt „sichergestellt“, wird ein Messer, dass aufgrund seiner Bauart überhaupt nicht unter die Bestimmungen des $42a WaffG fallen kann! Guten Morgen, Herr Wachtmeister – der Rest ist ein Fall für den Staatsanwalt…

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So entspannt geht es eine Stunde vor Beginn zu, nach und nach treffen die Aussteller ein und bestücken ihre Tische

Pünktlich um 10:00 Uhr öffneten sich die Türen und die bereits weit über dreihundert Wartenden strömten in die Ausstellungshalle. Im Gegensatz zu internationalen Messen findet die Messerbörse Schaafheim nicht auf einem „richtigen“ Messegelände statt. Die Kulturhalle Schaafheim liegt mitten im Ort und ist einer mittelgroßen Aula nicht unähnlich. In Längsreihen sind die Ausstellungstische aufgebaut; dicht an dicht stehen die Aussteller. Schon im Vorfeld war zu hören, dass aufgrund der begrenzten Fläche nicht allen Ausstellern die angefragte Tischzahl zugewiesen werden konnte. Letztlich findet jedes Messer einen geeigneten Platz und viele Tische sind noch nicht einmal so prall gefüllt wie im vergangenen Jahr.

Der erste Ansturm war gewaltig und während die Stände bereits dicht umlagert sind, erstreckt sich die Schlange der Wartenden entlang der gesamten Längsseite der Halle. Gegen 11:00 Uhr ist die Halle brechend voll und wer an einen der Ausstellungstische treten möchte, benötigt Geduld, Durchsetzungsvermögen und neben etwas Neigung zu körperlicher Nähe auch eine gewisse Schmerzunempfindlichkeit.

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Zum ersten Mal auf der Messe ist Rheinleder mit dem kompletten Tomahawk Sortiment von RMJ Tactical und Messern von Daniel Winkler. Besonders die RMJ Produkte wecken viel Interesse bei den Besuchern, denn die preislich und qualitativ in der Spitzenklasse angesiedelten Tomahawks stehen auf der Wunschliste vieler Fans. Wer den Einstiegspreis von gut 500 Euro nicht scheut, konnte in Schaafheim aus einem reichhaltigen Angebot auswählen.

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Mit dem von Jonathan Carmack entwickelten „Iron Ulu“ ist ein neues Produkt von RMJ Tactial am Stand von Rheinleder zu sehen. Das Messer mit dem offenen Griff ist für großen Krafteinsatz beim Schneiden und Hacken konzipiert. Ob das Iron Ulu in Deutschland als Waffe eingestuft wird, ist noch nicht bekannt. Ein Risiko in dieser Richtung besteht auf jeden Fall und erst ein Feststellungsbescheid des BKA wird diesbezüglich für Klarheit sorgen.

Gegenüber dem Vorjahr ist die Ausstellerzahl etwa gleich geblieben. Neben vielen in der Messerszene bestens bekannten Händlern sind auch viele Mitglieder der Deutschen Messermacher Gilde vertreten. Durch die Mischung aus Handel und Handwerk hebt sich die Messerbörse Schaafheim von vielen anderen Veranstaltungen ab, bei denen der Schwerpunkt entweder auf dem einen oder dem anderen Bereich liegt. Die Ausstellerliste war auch in diesem Jahr wieder mit bekannten Namen gespickt. Bereits seit einigen Jahren stellen mit Jürgen Schanz, Steffen Bender, Eckhard Schmoll und Michael Schick einige der bekanntesten Messermacher Deutschlands in Schaafheim aus.

Ausstellerliste 2016:

  • Abel, Peter
  • Amrhein, Sonja – Leder und Felle
  • Anan, Metin
  • Annandale, Pieter
  • Arctic Antiques
  • Becker, Manfred
  • Bender, Steffen
  • Blade-Community.de
  • CUSTOM.SCALE.DIVISION. (Cuscadi)
  • Dietz, Uwe
  • Dostert, Uwe
  • Ed Mahony
  • Falkenberg, Wibke
  • FENIX KNIFE
  • Flachsel, Rainer
  • Funk, René (Gravuren, Scrimshaw)
  • G-Gear
  • Grösche, Reiner
  • GURKHA IMPORTS
  • Hüsam, Wolfgang
  • Heerdes, Iris
  • Heieck, Uwe
  • Heinr. Böker Baumwerk GmbH
  • Herz, Thomas
  • Hofmann, Peter
  • Holzfuss, Hans
  • Jägel, Ingo
  • Khedira, Karim
  • Klein, Murat
  • Klingenwelt
  • Messerdepot Kinast
  • Modi’s Knives and Gear
  • Morreell, Christine – Damastschmuck
  • Niemeier, Erich
  • patch-werk (Patches und Abzeichen)
  • Porath, Manfred
  • Procul-Bushcrafter
  • Rühl, Jürgen
  • Reichart Messer (Markus Reichart)
  • Ros, Josef
  • Runge, Ingo
  • SARTOOLS
  • Schanz, Jürgen
  • Schick, Michael
  • Schicksers Messerscheune
  • Schmidt, Christian
  • Schmitt, Hermann
  • Schmoll, Eckhard
  • Schrage, Horst (Mosaikpins)
  • Staubach, Michael
  • Steigerwald, Stefan
  • Ternig, Dominik
  • Vincent Vega Knives and Tools
  • Vögele, Reinhold
  • Weles Messer
  • Wolfster’s Knife Shop
  • Zladinox (ZLAtoust+Damast+INOXidable)

Böker ist mit einem großen Stand vertreten und hat das gesamte Repertoire an aktuellen Modellen im Angebot. Böker hat sein Angebot in den letzten Monaten aufpoliert und um viele interessante Produkte erweitert, dementsprechend dicht ist die Menschentraube an diesem Stand während des gesamten Tages. Sogar das „nicht lieferbare“ German Expedition Knife von Tony Lennartz könnten Messerfreunde in Schaafheim erwerben.

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Am Stand von Sartools hat Robert Dreno einige neue Modelle von Zero Tolerance ausliegen, darunter das auf der IWA 2016 vorgestellte ZT 220, dass auf eine Kooperation von Zero Tolerance mit dem dänischen Designer Jens Ansø zurückgeht. Ein besonderer Blickfang ist das mitten auf dem Tisch präsentierte Sondermodell 0392BLKGRN, das in Zusammenarbeit mit Rick Hinderer entstand.  Alle Metallteile außer der Klinge sind grün anodisiert; die Farbgebung macht dieses Messer zu einer unverwechselbaren Erscheinung. Daneben eine kleine Familie Medford Preatorian, die nicht nur Hosentaschen perfekt ausbeulen, sondern vorher auch beträchtliche Löcher in den Geldbeutel reißen. Neu im Angebot bei Robert Dreno sind seit der IWA 2016 die Messer von Rick Hinderer, dessen XM-18 Folder eine echte Messerlegende ist.

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Ein paar Meter weiter der Stand von G-Gear. Steff und Georg Geismar haben ihr Produktangebot im letzten Jahr deutlich erweitert und neben Messern von Spartan Blades, Strider, Bawidamann und vielen weiteren Herstellern sind auch zahlreiche Accessoires im Angebot. Neben Skulls & Beads sind auch die berühmten „Chop-Sticks“ von Spartan Blades zu sehen, japanische Essstäbchen aus Carbon und Titan. Eine Augenweide selbst für Menschen, die Sushi mit Messer und Gabel essen…

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Nach einer Weile zaubert Steff ein neues Modell des chinesischen Edelherstellers Reate unter dem Tisch hervor. Ein Flipper mittlerer Größe, Titan Framelock mit anodisierten Griffeinlagen. Flipper-Eigenschaften und Verarbeitungsqualität vom Feinsten. Bevor ich mich in das Messer mit der Seriennummer 10 verlieben kann, verschwindet es wieder im Damenstiefel.

Viele Messermacher präsentieren traditionelle Formen und Stile vor allem aus dem jagdlichen Bereich. Auffällig waren in diesem Jahr eine hohe Anzahl handgefertigter Küchenmesser unter anderem von Metin Anan, Jürgen Schanz und Peter Abel. Die aus Damaststahl geschmiedeten Küchenmesser liegen durchweg in der Preisregion zwischen 350 und gut 1.000 Euro. Trotzdem war das Angebot handgefertigter Messer geringer als im vergangenen Jahr. Viele Tische bei den Messermachern waren nur halb gefüllt.

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Eine große Auswahl Fixed Blades am Stand von Steffen Bender

Eine gewisse Kommerzialisierung der Messerbörse Schaafheim ist unübersehbar.  Zahlreiche Anbieter haben einen Mix aus gebrauchten Messern und preiswerten „No Names“ auf ihren Tischen, wirklich Hochklassiges muss  man in diesem Jahr suchen. Spannend für viele Besucher sind „Grabbeltische“ auf denen Messer, Lederscheiden oder diverses Equipment zum wühlen einlädt.

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Auf den Tischen von Jenni Döpkens Klingenwelt ist nahezu das Vollsortiment von Bark River Messern zu bewundern. Auf der IWA wurden in der Nacht von Donnerstag zu Freitag mehrere Aussteller bestohlen, auch bei Jenni wurde eine größere Zahl Messer entwendet. Mittlerweile kann die Klingenwelt wieder ein stattliches Angebot präsentieren aber es wäre gut, wenn Messerfans in ganz Europa ihre Augen nach ungewöhnlichen Angeboten von Bark River Messern offen halten würden.

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Den einen oder anderen Politiker wird erstaunen, dass es auch in diesem Jahr wieder friedlich blieb obwohl kein Besucher nicht mindestens drei Messer im Gepäck hatten. (Zugegeben: bei den meisten waren es deutlich mehr.) Noch nicht einmal ein böses Wort war zu hören, obwohl Gedränge und schlechte Luft in der Kulturhalle schnell zur Strapaze wurden. Wieder einmal haben die Messerfans mit viel gegenseitiger Rücksichtnahme und freundlichen Umgangsformen ein Zeichen gesetzt!

Ein besonderes Lob in Schaafheim verdienen die zahlreichen freundlichen Damen im Gastronomie Bereich. Das Speisenangebot ist einfach aber schmackhaft und die Preise sind als absolut fair zu bezeichnen. Selbst gebackener Kuchen in vielen Varianten und Kaffee, der diesen Namen auch verdient sind positive Eindrücke, die viele Messerfans auch in diesem Jahr wieder mit nach Hause nahmen. Schön zu sehen, dass die Messerbörse Schaafheim nicht einseitig auf die Erzielung von Überschüssen ausgerichtet ist.


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