Messerrecht und Waffengesetze in Österreich

In der Reihe „Mit Messern nach…“ geht es heute zu unserem Nachbarn jenseits der Alpen. Österreich ist seit vielen Jahren eines der beliebtesten Urlaubsländer in Europa und Tourismus ist einer der bedeutenden Wirtschaftszweige der Alpenrepublik.

Wenn man die Gesetzgebung hinsichtlich Messern in Österreich betrachtet, möchte man das Land nicht nur gerne als Tourist besuchen, man möchte am liebsten gleich für immer da bleiben.

Unter der Überschrift „Mit Messern nach…“ werden in nächster Zeit kurze Artikel zu den einzelnen Reiseländern und den dortigen Vorschriften bezüglich Messern, Waffen und verbotenen Gegenständen erscheinen. Damit die schönste Zeit des Jahres nicht zum längsten Alptraum des Jahres wird…


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Österreich hat von allen europäischen Ländern die mit Abstand liberalsten Waffengesetze hinsichtlich Messern und Blankwaffen. Tatsächlich kommen im österreichischen Waffengesetz die Worte „Messer“, „Säbel“, „Degen“, „Dolch“, „Schwert“ oder „Balisong“  überhaupt nicht vor.

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Man kann das österreichische Waffengesetz hinsichtlich Messern mit drei Worten erklären: Nichts ist verboten. Sie dürfen vom Laguiole bis zum Hightech Balisong alles besitzen und auch ein Trageverbot kennt das Gesetz in Österreich nicht.

Auch Messer mit feststehender Klinge dürfen Sie offen und verdeckt tragen unabhängig von Größe oder Bauform des Messers. Beschränkungen hinsichtlich Öffnungsmöglichkeiten, Verriegelungssystemen oder Größe von Klappmessern kennt man in Österreich ebenso wenig.

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Das Satz „Das Leben ist kein Kinderkarussell“ stimmt für Messerfreunde in Österreich nicht unbedingt, man hat eher das Gefühl, im Schlaraffenland zu leben.

Verbotene Gegenstände

Einige wenige Verbote ergeben sich aus den §1 WaffG (Österreich) und §17 WaffG (Österreich). In den ersten neuen Paragraphen werden hauptsächlich Definitionen vorgenommen und in §1 heißt es:

Waffen sind Gegenstände, die ihrem Wesen nach dazu bestimmt sind,

1. die Angriffs- oder Abwehrfähigkeit von Menschen durch unmittelbare Einwirkung zu beseitigen oder herabzusetzen oder
2. bei der Jagd oder beim Schießsport zur Abgabe von Schüssen verwendet zu werden.

Punkt eins schließt also Hieb- und Stichwerkzeuge grundsätzlich ein.

In §17 werden Verbote geregelt und wie bereits gesagt, das Wort „Messer“ kommt auch in diesem Abschnitt nicht vor.

(1) Verboten sind der Erwerb, die Einfuhr, der Besitz, und das Führen
1. von Waffen, deren Form geeignet ist, einen anderen Gegenstand vorzutäuschen, oder die mit Gegenständen des täglichen Gebrauches verkleidet sind;
[…]
6. der unter der Bezeichnung „Schlagringe“, „Totschläger“ und „Stahlruten“ bekannten Hiebwaffen.

Das Verbot der genannten Schlaginstrumente ist offensichtlich. Darüber hinaus würden aber auch Stockdegen, Gürtelschnallenmesser, Scheckkartenmesser und die als „Dogtag“ (Hundemarke) bekannt gewordenen Minimesser fallen. Letztere entsprechen in Größe und Erscheinung einer militärischen Identifikationsmarke und werden wie diese an einer Kette um den Hals getragen, besitzen aber eine herausklappbare Klinge.

(Quelle: Bundesministerium für Justiz der Republik Österreich)


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Schusswaffen

Für die Mitnahme von Schusswaffen gelten die üblichen europäischen Bestimmungen. Verboten sind Einfuhr und Besitz von Schrotflinten mit einer Gesamtlänge von weniger als 90 Zentimetern und von sogenannten Pumpguns (Vorderschaftrepetierer). Selbstverständlich gibt es Beschränkungen hinsichtlich vollautomatischen Waffen und Kriegswaffen aber war so etwas besitzt, wird es ohnehin kaum bis zur österreichischen Grenze schaffen…

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Wissenswertes

Österreich ist der real existierende Beweis, dass eine restriktive Waffengesetzgebung hinsichtlich Besitz und Führen von Messern keine signifikante Auswirkung auf die Zahl von Straftaten hat. Im Jahr 2015 besaß Österreich ca. 8,7 Millionen Einwohner. Die Kriminalstatistik des österreichischen Bundeskriminalamts weist für für das Jahr 2015 insgesamt 40.333 Gewaltstraftaten aus. Deutschland hat trotz seiner extrem restriktiven Gesetzgebung einen mehr als doppelt so hohen Wert. Rund 81,2 Millionen Einwohnern standen im Jahr 2014 über 890.000 Gewaltstraftaten gegenüber.

Aus den Zahlen ergeben sich zwei Erkenntnisse. Erstens ist die Gefahr, Opfer einer Gewaltstraftat zu werden, in Deutschland mehr als doppelt so hoch als in Österreich (OE: 1 Gewaltstraftat pro 215 Einwohner und Jahr, DE 1 Gewaltstraftat pro 91 Einwohner und Jahr). Zweitens zeigt sich, dass die Beschränkung hinsichtlich Messer und Waffen im Allgemeinen nicht von dem Personenkreis beachtet wird, die bereits sind, Straftaten zu begehen. In Deutschland werden Besitz und Tragen von Messern durch das WaffG also nur für die Menschen eingeschränkt, die ohnehin so gut wie nie strafrechtlich in Erscheinung treten.

(Quellen: Bundeskriminalamt Österreich, Bundeskriminalamt Deutschland)

Der Begriff „felix Austria“ hat Eingang in unsere Umgangssprache gefunden und ist eine Verkürzung der Wendung „Tu felix Austria“. Der Ausdruck wurde vom ursprünglichen Sinn übertragen und bezieht sich heute etwa auf die Lebensweise der österreichischen Bevölkerung, den (vermeintlich) glücklichen Zustand des Staates, seines Rechtssystems,seines Kulturbetriebs und dem Luxus, sich mit „frivolen Nebensächlichkeiten“ beschäftigen zu können.

Wer den gesetzlichen Rahmen betrachtet, der österreichischen Messerfreunden weitgehende Freiheit und Selbstbestimmung gewährt, kommt um ein lautes „felix Austria“ nicht herum!


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