Messerhandel im Internet – Ein Kompendium für Einsteiger

clause-67401_640Wie alle anderen Wirtschaftsbereiche hat das Internet auch die Messerwelt inzwischen bis in den letzten Winkel durchdrungen. Der Handel mit neuen oder gebrauchten Messern blüht und in vielen Foren und Facebook-Gruppen wird gefeilscht, gehandelt und emsig getauscht. Gerade in dieser Szene erleichtert die Kenntnis grundlegender Regeln und Gepflogenheiten den Einstieg. Vor allem die hohe Zahl von Fälschungen macht den Handel mit Messern zwischen Privatleuten zur Vertrauenssache, denn überall verstecken sich Betrüger und warten auf leichtgläubige Opfer wie die Spinne im Netz…

Wer ein nagelneues Messer erwerben möchte hat es einfach. Eine Vielzahl von zuverlässigen Händlern ist im deutschen Sprachraum mit Webshops präsent und bietet nicht nur tadellose Ware, sondern überwiegend auch engagierten Service. Das Angebot reicht – je nach Shop – vom seltenen Custom mit vierstelligem Preis bis zum fernöstlichen Karo-Einfach-Billlig-Messer. Trotzdem blüht der Handel mit Messern unter Messerfreunden und man kann vermuten, dass auf jedes bei einem kommerziellen Anbieter gekaufte Messer zwei bis drei privat gehandelte Messer kommen.

In der Vorbereitung war ein kurzer Artikel geplant, der die Grundzüge und Risiken des Internethandels mit Messern beleuchtet, tatsächlich ist aus diesem Thema der längste Artikel entstanden, der bisher auf Knife-Blog erschienen ist…

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Phänomen Gebrauchthandel. Viele Messerfreunde möchten Produkte unterschiedlicher Hersteller kennenlernen oder erproben und geben diese Messer nach einer gewissen Zeit wieder ab. So kommen Monat für Monat tausende Messer ins Angebot von Auktionshäusern, Messerforen und speziellen Facebook Gruppen. Grundsätzlich gibt es auf allen drei Medien die Möglichkeit, gut erhaltene Messer zu fairen Preisen zu erwerben oder mit Gleichgesinnten zu tauschen. Der Handel mit gebrauchten Messern unter Privatleuten ist traditionell unter Sammlern weit verbreitet. Modelle eines bestimmten Herstellers, Messer aus einer bestimmen Region oder Epoche wurden und werden unter Sammlern weitergegeben oder noch häufiger getauscht. Mittlerweile werden nicht nur ausgesprochene Sammlerstücke gehandelt, die Zahl der gehandelten Gebrauchsmesser dürfte die Sammlerstücke um ein Vielfaches übersteigen.

Günstige Gebrauchte? Ein Wort vorab an alle Glücksritter und Schnäppchenjäger: Die Messerszene besteht fast ausnahmslos aus sehr fachkundigen Mitgliedern, die Wert und Preise von Klingenstählen, Messermodellen oder Sammlerstücken aus dem Effeff kennen. Zudem lassen sich fehlende Informationen in Sekundenschnelle googeln oder von den Webseiten der Hersteller beschaffen. Dadurch, dass alle Marktteilnehmer die Preise kennen, sind mit dem Handel von gebrauchten Messern kaum Gewinne zu erzielen. Besonders günstige Angebote können genau zwei Gründe haben: das Messer ist nicht was es vorgibt zu sein oder sein Gesamtzustand rechtfertigt keinen höheren Preis. Fertig. Statt Geschenken gibt es zahlreiche Formen des Betruges, bei denen gierigen Anfängern immer ein besonders lukratives Schnäppchen vorgegaukelt wird. Wer als Außenstehender versucht, in der eng vernetzten Messerszene Geld zu verdienen, wird eher anecken als reich werden. Soviel als einleitende Warnung an alle Schlauberger…

Preisgestaltung. Lässt man Messer mit künstlerischem Wert oder kulturhistorischer Bedeutung außen vor, bestimmen neben der allgegenwärtigen Balance aus Angebot und Nachfrage vor allem folgende Faktoren den Preis eines gebrauchten Messers:

  • der aktuelle Preis bei Internethändlern, sofern das Messer noch produziert wird,
  • der letzte Verkaufspreis vor Einstellung der Fertigung,
  • Ansehen einer Firma oder eines Messermachers in einer bestimmten Region,
  • der allgemeine Zustand, wobei Beschädigung und Gebrauchsspuren entsprechende Abzüge bewirken,
  • Abweichungen vom ursprünglichen Produkt, Umbauten oder Basteleien führen in der Regel zu deutlichen Abschlägen.

Seltenheit allein ist kein Kriterium; die Welt ist voll von seltenen Messern, die niemand haben will. Im Gegensatz können Serienmesser, die in hoher Stückzahl produziert werden, auf dem Gebrauchsmarkt aufgrund starker Nachfrage einen hohen Wiederverkaufswert besitzen. Ein Beispiel für diese Kategorie ist das Modell Paramilitary von Spyderco, ein technisch und optisch intaktes Exemplar wechselt oft schon am Tag des Angebots den Besitzer.

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Das Spyderco Paramilitary ist ein Burner auf dem Gebrauchtmarkt, der genau deshalb Fälscher magisch anzieht

Früherer Kaufpreis. Er spielt für den Wiederverkauf ebenfalls nur eine untergeordnete Rolle, denn der Handelswert wird durch Angebot und Nachfrage reguliert. Dies wird besonders deutlich, wenn man wertvolle Messer bestimmter amerikanischer Messermacher in Europa oder Messer aus deutschen Handwerksbetrieben in den USA verkaufen möchte. Hier greift der Punkt, dass in verschiedenen Ländern Messer sehr unterschiedlich bewertet sein können. Gute Beispiele sind die amerikanischen Messermacher Darrel Ralph und Todd Begg. Beide produzieren Customs, für die in den USA ein Markt existiert, auf dem für Produkte beider Hersteller vierstellige Beträge gezahlt werden. In Europa stoßen diese Messer nur auf einen überschaubaren Käuferkreis; die erzielbaren Preise sind entsprechend niedrig. Abschläge von 50 Prozent und mehr vom ursprünglichen Kaufpreis können die Folge sein.

Auslandsverkäufe. Umgekehrt ist es beim Verkauf von Messern deutscher Manufakturen in den USA. Da Messer und Namen dort weitgehend unbekannt sind, finden selbst Angebote zu Dumpingpreisen nur selten einen Käufer. Ausgewogener ist das Bild bei großen Herstellern mit internationalem Vertrieb, bei diesen Messern spielt die regionale Komponente nur eine untergeordnete Rolle. Messer von Benchmade, Microtech, Spyderco oder Zero Tolerance haben auf der ganzen Welt eine treue Fangemeinde. Bei Produkten dieser Firmen wird der Marktwert im Wesentlichen von Nachfrage und Erhaltungszustand geprägt.

Preisverfall ist eine „Errungenschaft“ der zügellosen Modellpolitik einiger Hersteller. Firmen, die jedes Jahr dreißig, fünfzig oder mehr neue Messermodelle auf den Markt werfen, entwerten ihre Produkte durch den schnellen Modellwechsel. Entsprechend rapide sinken nicht nur die Ladenpreise, auch der Wert für den Wiederverkauf kann sich innerhalb eines Jahres halbieren. Die Koppelung von Preisverfall und Modellpolitik lässt sich sehr gut am Beispiel zweier amerikanischer Firmen belegen. Spyderco setzt auf kurze Modellzyklen und eine hohe Zahl von Neuerscheinungen, dafür verzeichnen diese Messer schon beim Verkaufsstart Abschläge von 35 Prozent vom Listenpreis. Innerhalb von zwei Jahren reduziert sich der Marktpreis weithin deutlich. Chris Reeve Knives betreibt traditionell eine vorsichtige Modellpolitik mit langen Produktionszyklen. Modellwechsel sind ausgesprochen selten und kommen nur alle paar Jahre vor, dafür sind Messer von CRK ausgesprochen wertstabil und haben über Jahre konstant hohe Wiederverkaufspreise.

Wertverlust. Ein typisches Beispiel für den angesprochenen Wertverlust bei Serienmessern ist der Spyderco C156GPBN, Brad Southard Flipper. Ursprünglicher Listenpreis: 419 US-Dollar, in Europa in den ersten Monaten nach Erscheinen zunächst für 439,- Euro, später für 399,- Euro gehandelt. Nach drei Monaten war der Verkaufspreis bereits um 25 Prozent gefallen und die Preisspirale dreht sich seitdem abwärts. Auf dem Gebrauchtmarkt kann ein Brad Southard Flipper in neuwertigem Zustand Ende 2016 mit etwas Glück noch 200,- Euro bringen. Da es sich bei diesem Modell von Spyderco um ein durchaus gutes und geschätztes Messer handelt, sind die Gründe für den schnellen Wertverlust nicht bei der Qualität des Produktes, sondern in der Modellpolitik seines Herstellers zu suchen.

Der Handel von neuen oder gebrauchten Messern im Internet findet im Wesentlichen auf drei verschiedenen Bühnen statt: Auktionsplattformen, Foren mit angeschlossenem Marktplatz und Fachgruppen auf Facebook.

Auktionshäuser. Es gibt wenige Große und mehrere Kleine; bei fast allen werden Angebots- und/oder Verkaufsprovisionen fällig. Je nach Plattform kann diese Provision zehn Prozent des erzielten Verkaufspreises verschlingen, dafür ist über Auktionshäuser die mit Abstand größte Zahl potentieller Interessenten erreichbar. Da fast alle Auktionshäuser an jedem Verkauf verdienen, haben sie kaum Interesse, Auktionen mit gefälschten oder anderweitig problematischen Inhalten zu verhindern. Entgegen wohlfeiler Lippenbekenntnisse gehen vor allem die Großen der Branche kaum oder gar nicht gegen Produktpiraten, Fälscher oder Betrüger vor. Das Risiko beim Messerhandel über den Tisch gezogen zu werden, ist daher bei Online-Auktionen am höchsten. Die hohe Zahl ehrlicher Händler relativiert das Risiko nicht und ohne Fachkenntnis, gesunden Menschenverstand und eine gute Portion Misstrauen wird der Ankauf über Online-Auktionen zum Glücksspiel.

Ein gängiger Trick von Betrügern bei Online-Auktionen ist der Verkauf von Plagiaten. Über chinesische Händler werden gefälschte Messer für zehn oder zwanzig Euro pro Stück gekauft und dann als angeblich echtes Messer bei einem Auktionshaus eingestellt. Natürlich ist klar, dass ein neuwertiges Messer zu einem Bruchteil des Ladenpreises kein Original sein kann, viele Betrüger setzen den Preis daher so hoch an, dass der Kunde nicht direkt alarmiert ist, gierige Zeitgenossen jedoch auf ein lukratives Schnäppchen hoffen. Selbst konservative Schätzungen gehen mittlerweile davon aus, dass bei bestimmten Messermodellen die Zahl der Fälschungen bei über fünfzig Prozent liegt.

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Messer von Strider sind Klassiker der internationalen Fälscherszene: in diesem Fall wurde der Fake zur Täuschung mit einer noblen Achsschraube aufgewertet

Bevor man bei einer Online-Auktion ein Gebot abgibt, sollte man den Anbieter bestmöglich unter die Lupe nehmen. Die Zahl positiver Bewertungen ist für sich allein kein sicherer Indikator, viele Betrüger verschaffen sich eine ehrbare Fassade, indem sie billige Artikel kaufen und für diese Transaktionen positive Bewertungen erhalten. Wichtig ist also zu schauen, ob der Verkäufer eines Messers für frühere Verkäufe von Messern gute Bewertungen erhalten hat. Interessant ist immer festzustellen, mit welchen Artikeln der Verkäufer bereits gehandelt hat. Bietet er innerhalb einiger Monate bereits das dritte Messer eines bestimmen Modells an, sagt das mehr als die schönsten Bewertungspunkte…

Käuferschutz. Früher konnte man Käufern in Auktionshäusern den Rat geben, den Artikel mit dem Paypal Zahlungssystem zu begleichen, um in den Genuss des Paypal Käuferschutzes zu kommen. Bei einem Betrug konnte der geprellte Käufer dann die Rücküberweisung des Kaufbetrages durchsetzen. Nach einer Änderung der AGB seitens Paypal im Juli 2015 sind Messer weitgehend von Leistungen des Käuferschutzes ausgeschlossen. In den Nutzungsbedingungen von Paypal heißt es heute:

Sie dürfen PayPal nicht für folgende Aktivitäten nutzen, die … mit Transaktionen bezüglich … bestimmten Waffen oder Messern, … zu tun haben.

Der Begriff „bestimmten Messern“ ist in Wirklichkeit unbestimmt und genau das ist der Trick. Mit diesem Passus in der AGB kann Paypal jeden Antrag auf Käuferschutz aus dem Handel mit Messern ablehnen. Die Frage, ob Messer in der AGB mit Drogen, illegalen Schusswaffen und Molotowcocktails gleichgestellt wurden, weil der An- oder Verkauf von Messern nicht mit Paypals pazifistischer Grundüberzeugung vereinbar ist oder ob der Messerhandel nur deshalb erfasst wurde, weil überdurchschnittlich viele Anträge auf Käuferschutz gestellt wurden, darf jeder Messerfreund für sich selbst beantworten.

Internetforen. In jeder Region der Welt haben sich Messerfreunde in Foren zusammengefunden, in denen sich fast immer ein sogenannter „Marktplatz“ findet, auf dem die Mitglieder Messer anbieten, kaufen oder tauschen können. Einige dieser Foren werden von Interessengruppen betrieben und bieten die Benutzung des Marktplatzes kostenlos an, andere Foren werden als kommerzielles Projekt betrieben und gewähren den Zugang zum Marktplatz nur gegen eine Jahresgebühr. Da es in Deutschland und weltweit genügend kostenlose Foren gibt, können sich nicht gewerblich handelnde Messerfreunde diese Gebühren sparen.

In der Regel ist jedem Marktplatz ein Unterforum zugeordnet, in dem sich Mitglieder gegenseitig für erfolgte Transaktionen bewerten können. Bewertungen innerhalb einer sozialen Gemeinschaft sind aussagekräftiger als die unspezifischen Bewertungen der Auktionshäuser. Ist ein Teilnehmer an einem Marktplatz für seinen Handel mehrfach und ausschließlich positiv bewertet worden, kann man guten Gewissens von einem ehrlichen und zuverlässigen Geschäftspartner ausgehen.

Facebook Gruppen. In den letzten Jahren sind messerrelevante Gruppen auf Facebook wie Pilze aus dem Boden geschossen. Fast zu jedem Hersteller gibt es (mindestens) eine fachspezifische Gruppe, in denen sich Fans und Fachleute dieser Messer austauschen. In diesen Gruppen findet man hohe Fachkompetenz und das Mitlesen der Diskussionen ist für jeden Anfänger hilfreich. Dabei sollten Neulinge zwei gern genommene Fettnäpfchen vermeiden, um sich nicht zur Zielscheibe bissiger Kommentare zu machen. Man sollte keinesfalls den Eindruck erwecken, durch Teilnahme an der Gruppe ein Messer besonders teuer zu verkaufen noch eines besonders billig kaufen zu wollen. Beides ist aus gutem Grund verpönt und die allgegenwärtigen Schnäppchenjäger sind weder beliebt, noch können sie auf Hilfe und Unterstützung hoffen. Wer als Neuling in solch einer Gruppe anfragt, ob das in einem Auktionshaus für 30,- Euro angebotene 400 Dollar Messer echt ist, darf sich über Rückfragen zu seinem Geisteszustand nicht beklagen. Ebenso sollte man Fragen vermeiden, deren Beantwortung durch eine einfache Suchmaschinenabfrage oder einen Blick auf Bestimmungen des Waffenrechts möglich wäre. Anfänglich viel Lesen und wenig posten ist eine goldene Regel, durch die jeder Neuling zu einem respektierten Mitglied einer Fachgruppe reifen kann.

Handelsplattformen auf Facebook. Während in allen herstellerspezifischen Gruppen unter den Mitgliedern gehandelt und getauscht wird, gibt es einige Gruppen, die dem ausschließlichen Zweck des Handelns dienen. Allein im deutschsprachigen Raum kommt man auf über ein Dutzend solcher Gruppen, wenn man die Gruppen für Outdoor-Equipment mitzählt. Die gute Nachricht ist, dass der Handel über Facebook-Gruppen grundsätzlich gebührenfrei ist. Die schlechte Nachricht ist, dass auch in einigen dieser Gruppen Betrüger und Fälscher ihr Unwesen treiben.

Zu Facebook Gruppen muss man wissen, dass sie von jedermann eröffnet werden können und die Gruppenbetreiber (Admins) schnell und/oder häufig wechseln können. Ob eine Fachaufsicht stattfindet ist daher genauso unklar wie die Frage, ob der oder die Verantwortlichen überhaupt eine über Laienwissen hinausgehende Qualifikation in Sachen Messer besitzen. Was bei den Internetforen gilt, gilt auch bei den Messerhandelsgruppen auf Facebook: die Größte ist nicht die Beste.

Große Unterschiede. Entscheidend für ein vielfältiges und qualitativ hochwertiges Angebot ist nicht die Größe oder Angebotszahl einer Gruppe, sondern die Qualität der Administration. Bei den beiden deutschen Gruppen „Messerbörse“ und „Messermarkt / Knifemarket“ wird jedes Angebot vor der Veröffentlichung von qualifizierten Administratoren geprüft. Betrugsversuche, Angebote von gefälschten Messern oder Offerten mit verbotenen Gegenständen werden so bereits im Vorfeld zu 99,9 Prozent herausgefiltert. Ebenso werden unseriöse Anbieter vom Handel ausgeschlossen, wenn Teilnehmer der Gruppe die Admins auf obskure Angebote aufmerksam machen. Gruppen in denen mit Billigung der Betreiber ge- oder verfälschte Artikel verkauft werden dürfen („Messermarkt„) , sollte ein verantwortungsvoller Messerfreund lieber meiden.

Keine Haftung. Facebook selbst ist nicht haftbar zu machen, wenn man beim Handeln von einem Betrüger über den Tisch gezogen wurde. In der AGB und auf den Hilfeseiten („FAQ“) stellt Facebook unmissverständlich klar, dass man für wirtschaftliche Schäden nicht haftet. Daher sieht sich Facebook auch nicht genötigt, rechtlich grenzwertiges Verhalten zu überwachen oder selbst für Abhilfe zu sorgen.

Rechtsfreier Raum? Nein, das Internet ist schon lange kein rechtsfreier Raum mehr und seit jede Bananenrepublik, jede zweite Polizeidienststelle und alle „three-letter-agencies“ dieser Welt das Netz nach verwertbaren Informationen durchkämmen, dient es eher der öffentlichen Zurschaustellung persönlicher Daten. Dazu gesellt sich das Problem, dass keine der vorgenannten Organisationen Produktfälscher und Markenpiraten jagt. Kann man das Recht in die eigene Hand nehmen und dem Betrüger mittels Strafanzeige und Rechtsanwalt das Handwerk legen? Das kann funktionieren, wenn das Online-Pseudonym des Täters einer realen Person zugeordnet werden kann und diese Person einen Wohnsitz in Deutschland besitzt. Allerdings besteht das Risiko, dass der Geprellte mit hohem Kosten- und Zeitaufwand einen vollstreckbaren Titel erwirkt und dann feststellen muss, dass der Täter seit Jahren von Grundsicherung lebt und keine pfändbaren Güter besitzt. Täter aus Pakistan, China oder Russland lachen sich über etwaige Strafverfolgungsversuche deutscher oder europäischer Behörden ohnehin schlapp.

Gute Anlaufstelle um sich über Anbieter und Käufer zu informieren

Gute Anlaufstelle auf Facebook, um sich über Anbieter und Käufer zu informieren

Selbst ist der User! Da die Betreiber von Plattformen oder Gruppen möglicherweise nur halbherzig für die Rechtmäßigkeit ihrer Inhalte sorgen, nimmt sich eine unabhängige Facebook Initiative dieser Problematik an. In der Gruppe „Die Guten und die Schlechten“ bewerten die Mitglieder ihre Handelspartner wobei völlig egal ist, über welche Facebook Gruppe der Handel vereinbart wurde. Alle Messerfreunde, die über Facebook kaufen, verkaufen oder Messer tauschen, erwerben aufgrund ihres Verhaltens im Laufe der Zeit eine Art „virtuellen“ Leumund. Dieser Leumund kann, wie der Gruppenname bereits klarmacht, gut oder schlecht sein. Auf jeden Fall ist er ein glaubwürdiger Indikator für die Vertrauenswürdigkeit eines potentiellen Handelspartners.

Eines kann beim Handeln im Internet allerdings kein Schutzmechanismus ersetzen: den gesunden Menschenverstand!


Alle genannten Marken, Warenzeichen, Logos und Namen sind Eigentum der jeweiligen Inhaber.

Bildnachweis:

Alle in diesem Artikel abgebildeten Fotos und Grafiken sind Eigentum des Autors oder wurden bei chinesischen Produktfälschern geklaut.

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