Vergleichstest 42a konforme Fixed, Teil 1

knife-151034_1280Messer mit feststehender Klinge, die in Deutschland durch ihre Größe nicht unter das Trageverbot nach §42a WaffG fallen, erfreuen sich eher notgedrungen als freiwillig großer Beliebtheit. Acht völlig unterschiedliche Vertreter dieser Gruppe vom edlen Semi-Custom bis zum preiswerten Serienmesser müssen im Knife-Blog Vergleichstest Zeugnis über Qualität, Stärken und Schwächen ablegen.

Für alle Leser, die mit dem Ausdruck „§42a WaffG konform“ nichts anfangen können: Messer mit feststehender Klinge und einer Klingenlänge über 12 Zentimetern unterliegen einem Führverbot nach dem aktuellen Waffenrecht. Führverbot bedeutet, dass das Messer außerhalb umfriedeten Eigentums nur in einem verschlossenen Behältnis transportiert und nicht zugriffsbereit getragen oder gelagert werden darf (s. unter Links am Ende des Artikels).

Normalerweise werden für einen Vergleichstest sehr ähnliche Produkte ausgewählt, um anschließend Stärken und Schwächen zu vergleichen und eine Bestenliste oder zumindest eine Rangfolge zu erstellen. Für diesen Test habe ich einen anderen Ansatz gewählt: Ausgesucht wurden nicht möglichst ähnliche, sondern möglichst unterschiedliche Messer. Dadurch soll die vom §42a WaffG gewährte Bandbreite ausgelotet und die Kreativität der Hersteller aufgezeigt werden.

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Aus verschiedenen Produktgruppen wurde jeweils ein Vertreter ausgewählt, dadurch entziehen sich die Messer in diesem Test jedem direkten Vergleich. Unabhängig voneinander müssen alle Messer im Test nachweisen, wie gut sie den jeweils angedachten Einsatzzweck erfüllen. Neben den üblichen Testkriterien wie Material- und Verarbeitungsqualität fließen in die Bewertung auch die Praxistauglichkeit des Messers und sein Preis-Leistungsverhältnis ein.

Aus den vorgenannten Gründen wird es keinen Testsieger geben was im Umkehrschluss nicht heißt, dass ein Messer nicht durchfallen könnte. Erfüllt es die objektiven Kriterien hinsichtlich Material- und Verarbeitungsqualität nicht oder zeigt es Schwächen in der Praxis, wird das Messer entsprechend schlecht bewertet.

Die aktuellen Verkaufspreise werden als Mittelwert verschiedener Internethändler berechnet, da vor allem die Listenpreise amerikanischer Hersteller von den „Straßenpreisen“ zumeist erheblich abweichen. Händler, bei denen das jeweilige Messer nicht kurzfristig lieferbar ist, werden für die Preisermittlung nicht berücksichtigt.

Warum fließt das Preis-Leistungsverhältnis mit in die Bewertung ein? Je höher der Preis eines Messers ist, desto höher darf man die Messlatte für die objektive Qualität von Material und Verarbeitung legen. Bei der Verarbeitung darf sich ein Messer der unteren Preiskategorie kleine Schönheitsfehler erlauben, sofern weder Sicherheit noch Praxistauglichkeit beeinträchtigt werden; Messer aus der Preisoberklasse hingegen haben auch bei akribischer Betrachtung perfekt zu sein. Daher führt jeder optische Mangel, zum Beispiel in Form einer Werkzeugspur, bei einem hochpreisigen Produkt zu einem höheren Abzug als bei einem Messer aus der Budget-Klasse.

Kleiner Fighter: Bastinelli R.E.D.

Das Modell R.E.D. von Bastinelli habe ich bereits vor rund anderthalb Jahren reviewed und das Messer hat sich seinerzeit im Test ordentlich geschlagen. Diesmal steht nicht die Version mit satinierter Klinge, sondern das Modell R.E.D. mit schwarzer Klingenbeschichtung zur Begutachtung bereit.

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Bastien Bastinelli hat sich in den letzten Jahren mit seinen Kreationen eine große Fangemeinde und Ansehen erarbeitet. Bastien ist ein Designer, der Messer nach seinen Entwürfen und technischen Vorgaben von Dienstleistern herstellen lässt und nur noch wenige Arbeitsschritte in eigenen Räumlichkeiten im französischen Pibrac nahe Toulouse durchführen lässt.

Die technischen Daten des Bastinelli R.E.D. im Überblick:

Messertyp: Allzweckmesser mit feststehender Klinge, in DE §42a konform
Klingenform: Drop Point mit Flachschliff ohne Gratlinie
Beschichtung: Schwarze PVD Beschichtung
Klingenlänge: 105 mm (Scheide 100 mm)
Klingenstärke: 3,0 mm an der Klingenwurzel
Klingenhöhe: 31 mm an der Klingenwurzel
Klingenstahl: Böhler N690Co
Gesamtlänge: 220 mm
Griffmaterial: Micarta
Gewicht: 130 Gramm, mit Scheide 188 Gramm
Scheide: Kydex einteilig mit Hohlnieten als Montagelöchern
Herstellungsland: Italien, Kydex und Qualitätskontrolle in Frankreich (lt. Hersteller)

Da im sehr ausführlichen Einzeltest 2015 alles zum Messer gesagt wurde, halte ich die technischen Details kurz (Test 2015: Bastinelli R.E.D.). Das Messer besitzt eine rundum sehr gute Verarbeitungsqualität mit präzise angepassten Griffschalen und einer ordentlichen PVD Beschichtung ohne Kratzer oder Schleif- bzw. Bearbeitungsspuren. Der Klingenschliff ist symmetrisch und über die gesamte Länge der Schneide winkelstabil. Im Ergebnis ist das Messer sehr scharf (8/10) und kann bei den §42a konformen Fixed mit seiner schmalen, flach ausgeschliffenen Klinge als echter Schneidteufel gelten.

Der Name R.E.D. steht für „Raptor Extreme Dangereux“ und bezieht sich auf den Raubsaurier Velociraptor. Gut, klappern gehört zum Handwerk und das Marketing rund um seine Messer versteht Bastien Bastinelli mindestens so gut wie den Umgang mit dem Zeichenstift. Das R.E.D. kommt mit dem Nimbus eines gefährlichen Fighters, ist aber in Wirklichkeit eher ein taugliches Allzweckmesser. Zur schmalen Klinge passt der schmale Griff, so dass das R.E.D. unter der Kleidung nicht aufträgt. Es ist kein Messer mit dem man Türen aufhebeln kann aber im Alltag besitzt es eine hohe Praxistauglichkeit.

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Die Kydex-Scheide des Bastinelli R.E.D. überrascht positiv. Selbst in deutlich höheren Preisklassen wird häufig an der Qualität der Scheide gespart. Nicht so bei Bastinelli! Materialqualität, Verarbeitung und Passgenauigkeit der Kydex-Scheide sind tadellos. Den 76 Millionen Jahre alten Raubsaurier mit seiner PVD beschichteten Klinge kann man im Internet für rund 150 Euro erwerben; die Version mit satinierter Klinge ist noch ein paar Euro günstiger.

Fazit: Der martialische Fighter „Extreme Dangereux“ ist in Wirklichkeit ein brauchbares Alltagsmesser mit guten EDC Qualitäten, sehr ordentlicher Verarbeitung und einen stimmigen Preis-Leistungsverhältnis. Schwächen treten nicht zutage. Wer sich mit der Form und dem schmalen Griff anfreunden kann, macht bei diesem Messer nichts verkehrt.

 

Taktisch schwarz: Extrema Ratio T4000C

T4000C – der Name weckt Assoziationen mit Terminatoren, die Böses im Schilde führen und nur von Meister Arnie höchstpersönlich gestoppt werden können. Extrema Ratio hat nie ein Hehl daraus gemacht, Messer für militärische Einsatzkräfte zu entwickeln. Folgerichtig ist das T4000C Im Testfeld das Messer mit der eindeutig stärksten Anleihe im taktischen Bereich. Messer und die mitgelieferte Cordura Scheide sind komplett in Schwarz gehalten, die Tantoklinge ist nach Mil-Standard MIL-C-13924 schwarz beschichtet. In diesem Punkt unterscheidet sich das ER T4000C nicht von vielen anderen Messern aus dem Hause ER.

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Extrema Ratio T4000C

Bei der Klingenlänge unterschreitet das Extrema Ratio sogar die vom Waffengesetz vorgegebene Grenze deutlich. Nur 10,4 cm misst die Klinge von der Spitze bis zum Griff, die untere Schneide der Tanto-Klinge ist 7 cm lang. Für ein taktisches Einsatzmesser ist die Klinge auffallend kurz, so dass hinter die Einsatztauglichkeit ein Fragezeichen gehört. An der Klingenwurzel weist die Klinge eine Stärke von 6 mm auf, verjüngt sich aber kurz vor dem Griff auf die Hälfte. Auf beiden Seiten der Klinge verläuft nach dem Klingenrücken eine Blutrinne.

Der Anschliff der Klinge ist sauber und symmetrisch aber beide Schneiden der Tanto-Klinge sind nur mäßig scharf (6/10). Die Beschichtung der Klinge kann nicht völlig überzeugen. Entlang aller Schneidkanten zeigt die Beschichtung durch den Schleifvorgang deutliche Abtragungen, so dass die Beschichtung an diesen Stellen grau bis anthrazitfarben aber nicht mehr schwarz erscheint. Als Griffmaterial verwendet Extrema Ratio Forprene, ein thermoplastisches Elastomer (TPE). Forprene besitzt eine elastische Phase was dem Material gummiähnliche Eigenschaften wie Elastizitätsrückgewinnung und Nachgiebigkeit verleiht. Zudem ist Forprene in einem weiten Bereich temperaturstabil sowie widerstandsfähig gegen UV-Strahlen und witterungsbeständig.

Die technischen Daten des Extrema Ration T4000C im Überblick:

Messertyp: Messer mit feststehender Klinge, in DE WaffG §42a konform
Klingenform: Tanto, Flachschliff, Blutrinne
Klingenoberfläche:  schwarz beschichtet
Klingenlänge: 104  mm
Klingenstärke: 6 mm an der Klingenwurzel, Absatz auf 3 mm 90 mm vor der Spitze
Klingenstahl:  Böhler N690 auf 58 HRC gehärtet
Gesamtlänge: 207 mm
Griffmaterial: Forprene
Gewicht: 196 Gramm
Herstellungsland: Italien (lt. Hersteller)

Das Handgefühl erinnert an einen harten Schaumstoff, ist aber weder unangenehm noch unpraktisch. Der Griff füllt mit einer Höhe von 3 cm und einer Stärke von 2 m eine Männerhand aus, so dass das ER T4000C gut und sicher in der Hand liegt. Die Grifflänge von 9,5 cm (nutzbar 8 cm) ist für Handschuhgröße 10 ausreichend, alle Finger finden Platz und ermöglichen einen festen aber auch bequemen Griff.

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Als Klingenstahl kommt Böhler N690 zum Einsatz, den Extrema Ratio auf 58 HRC härten lässt. N690 ist ein alter Bekannter, der auch unter den Bezeichnungen VG-10, 1.4528 oder 440Mod mit fast unveränderten Legierungsanteilen vertrieben wird. N690 ist ein Industriestahl, der unter anderem in der Lebensmittelindustrie für verschiedene Arten von Klingen, Lager, korrosionsbeständige Bauteile von Waagen sowie für chirurgische Instrumente eingesetzt wird.

Die mitgelieferte Cordura-Scheide ist passgenau, sehr sauber verarbeitet und gehört qualitativ in die Oberklasse. Gesichert wird das Messer durch ein breites Cordura-Band, das mittels Klettband an der Scheide befestigt ist und entfernt werden kann. Gute Lösung, denn auch ohne diese Sicherung sitzt das Messer sicher in der Scheide und gerade bei der Befestigung an Ausrüstungsteilen kann der Verzicht auf die Sicherung praktisch sein. Wermutstropfen: der Verschluss der Sicherung erfolgt mittels zweier Druckknöpfe. Die Länge des Verschlussbands ist allerdings so knapp bemessen, dass sich die Druckknöpfe nur mit viel Kraftaufwand schließen lassen und die Innenseiten der Druckknöpfe zudem Druckspuren auf dem Griffmaterial hinterlassen. Das geht deutlich besser…

Der Preis bei deutschen Internethändlern liegt recht einheitlich bei 222,- Euro, damit ist das kleine Extrema Ratio Tanto nicht überteuert aber auch kein Schnäppchen.

Fazit: Grundsätzlich ist die Verarbeitung des ER T4000C zufriedenstellend aber bei der Qualität der Beschichtung, dem Anschliff und dem Verschluss der Scheide sammelt das Extrema Ratio Minuspunkte. Für gut 200 Euro erhält der Käufer ein sehr solides Messer, dass für ein Einsatzmesser zu klein und für ein Backup-Messer zu schwer ist. Trotzdem ist das T4000C ein brauchbarer Allrounder, der als EDC und für viele Aktivitäten beim Outdoor-Sport taugt.

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Rustikaler Geselle: Cold Steel Drop Forged Hunter

Drop Forged Hunter nennt Cold Steel das Messer mit der Artikelnummer 36M und gibt damit einen Hinweis auf die Herstellung selbst. Das Messer ist demnach nicht frei geschmiedet, sondern gesenkgeschmiedet. Diese Herstellungsart gehört zum sogenannten Druckumformen, dabei pressen gegeneinander bewegte Formwerkzeuge – die  Gesenke – ein Halbzeug aus dem Rohmaterial. Fachlich nicht ganz korrekt aber dafür allgemeinverständlich könnte man sagen, der heiße Stahl wird in Messerform gepresst, abgekühlt, entzundert, gehärtet und geschliffen. Fertig ist das Messer.

Die technischen Daten des Cold Steel Drop Forged Hunter im Überblick:

Messertyp: Messer mit feststehender Klinge, in DE WaffG §42a konform
Klingenform: Drop Point, Flachschliff
Klingenoberfläche:  satiniert
Klingenlänge: 98  mm
Klingenstärke: 4 mm an der Klingenwurzel
Klingenstahl:  Kohlenstoffstahl 52100 auf 58 HRC gehärtet
Gesamtlänge: 220 mm
Griffmaterial: ohne
Gewicht: 245 Gramm
Herstellungsland: Taiwan (lt. Hersteller)

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Cold Steel steht nicht nur beim Namen, sondern auch bei der optischen Erscheinung des Messers zur Art der Herstellung. Der Griff ist nur an der Ober- und Unterseite geschliffen und poliert, der Rest zeigt deutliche Spuren der formgebenden Werkzeuge. Das kann man mögen und als archaische Reminiszenz werten, man kann es aber auch unpraktisch und grottenhässlich finden. Da der Griff keine ernstzunehmende Möglichkeit bietet, das blanke Metall durch Paracord oder andere Materialien rutschfest zu machen, muss der Anwender eine extrem geringe Rutschfestigkeit des Messergriffs in Kauf nehmen. Im Regen, mit schmutzigen, verschwitzten Händen oder wenn das Messer blutverschmiert ist rutscht es durch die Hand wie ein Stück nasse Seife.

Der Klingenstahl ist in Deutschland unter der Bezeichnung 100Cr6 (Werkstoff-Nr.: 1.3505) bekannt. Dieser Industriestahl wurde und wird unter anderem für Maschinenteile (Spiralbohrer, Druckrollen, Schneidmesser) oder Wälzlager verwendet. Er wird seit langem auch als Messerstahl eingesetzt, hat sich in diesem Bereich aber nie durchsetzen können. Die Wahl der Stahlsorte ist sicherlich zu einem guten Teil der Herstellungsart geschuldet, denn alle heutigen Highend-Stähle sind für das Gesenkschmieden nicht geeignet.

Die Oberfläche des gesamten Messers besitzt ein Finish, dass ich nicht zuverlässig bestimmen kann. Cold Steel selbst lässt sich zu dem Thema nicht aus und die Einschätzungen anderer Rezensenten pendeln zwischen satiniert, mattiert und „beschichtet“. Was auch immer den Stahl bedeckt, es ist nicht sehr sorgfältig aufgebracht. Klinge und Griff sind mit sehr kleinen Löchern gesprenkelt, durch die der blanke Stahl sichtbar ist. Bei einem Stahl mit geringer Korrosionsbeständigkeit wie dem 100Cr6, muss eine mangelhafte Beschichtung zu einer schlechteren Bewertung als bei einem rostträgen Stahl führen, denn die negativen Auswirkungen beschränken sich nicht nur auf die Optik des Messers.

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Als Designer des Drop Forged Hunter wird kein Geringerer als Cold Steel Boss Lynn C. Thompson genannt. Wie die Bezeichnung des Messers schon verrät soll es als Jagdmesser im Markt etabliert werden und Cold Steel bewirbt es als „klassisches Jagdmesser“ sowie „als nüchternes, leistungsfähiges Outdoor- und Survivalwerkzeug“.  Das Messer wird in einer stabilen Lederscheide geliefert, die allerdings schlecht ausgeformt und angepasst ist. So zeigen sich bereits im Neuzustand kleine Risse im Bereich des Übergangs von der Klinge zum Griff. Das Messer passt weder von seiner Form noch von der Klingenhöhe exakt in die Scheide. Die Verarbeitungsqualität der Scheide ist insgesamt unzureichend, darüber kann auch die hübsche „Cold Steel – anytime – anywhere“ Prägung nicht hinwegtäuschen.

Der Klingenschliff ist unsymmetrisch und nicht winkelstabil, die Klingenspitze ist nicht sauber ausgeschliffen. Obwohl die Klinge schlampig geschliffen wurde ist sie erstaunlich scharf (7/10). Am Übergang von der Klinge zum Griff zeigen sich einige Werkzeugspuren.

Mit einem Internet-Preis von knapp 140 Euro liegt der Drop Forged Hunter von Cold Steel nicht mehr im Bereich der Budget-Messer. Schon für ein paar Taler mehr kann man Messer mit perfekter Verarbeitung erwerben.

Fazit: Das Messer von Cold Steel kann nicht überzeugen. Den Klingenstahl kann man diskutieren, die Verarbeitung des Messers ist lieblos, sein Finish schlampig, der Klingenschliff zweitklassig und die Lederscheide heißt mit Nachnamen Zumutung. Als Jagdmesser mag das Drop Forged Hunter gerade noch durchgehen, wenn man mit diesem Griff leben kann, als Outdoor- und Survivalmesser ist es eine Fehlbesetzung.

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Rares EISEN – PK-21 von Bud Nealy

Der amerikanische Messermacher Bud Nealy gehört in Deutschland nicht zu den bekanntesten Vertretern seiner Zunft aber er hat sich im Lauf der Jahre eine treue Fangemeinde erarbeitet. Fast alle Designs von Bud Nealy sind von traditionellen asiatischen, indischen und orientalischen Messerformen inspiriert. Dies schlägt sich manchmal auch in der Namensgebung wieder, zum Beispiel bei seinem sehr populären Modell „Kwaito“. Andere Messer können schon mal Namen wie „Höhlenbär“ tragen, das Messer im heutigen Review trägt die Bezeichnung „Pesh-Kabz“, in der Messerszene ist es auch unter der Abkürzung „PK-21“ bekannt.

Pesh-Kabz ist der Name eines mittelalterlichen Dolchs, der aus dem persischen oder indischen Raum stammen soll, dessen tatsächliche Herkunft sich aber nicht genau bestimmen lässt. Die Klinge eines Pesh-Kabz verjüngt sich gleichmäßig, die Schneide läuft konstant nach oben während die Klinge einen sanften Bogen nach oben zeigt. Die Klinge ist im Querschnitt T-förmig verstärkt, was ihr eine höhere Stabilität verleiht. Der Messerrücken verjüngt sich gleichmäßig zur Spitze hin; die Spitze besitzt jedoch eine deutliche Verstärkung, die früher vermutlich zum Durchstoßen von Kettenhemden diente. Die Merkmale eines traditionellen Pesh-Kabz setzt Bud Nealy in seiner eigenen Version eines Pesh-Kabz kreativ um.

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Pesh-Kabz von Bud Nealy mit einer Klinge aus Damast von Daryl Meier

Die technischen Daten des Pesh-Kabz von Bud Nealy im Überblick:

Messertyp: Messer mit feststehender Klinge, in DE WaffG §42a konform
Klingenform: Custom im Pesh-Kabz Stil
Klingenoberfläche:  poliert
Klingenlänge: 102  mm
Klingenstärke: 3 mm an der Klingenwurzel
Klingenstahl:  rostfreier Damast von Daryl Meier
Gesamtlänge: 216 mm
Griffmaterial: Micarta
Gewicht: 125 Gramm
Herstellungsland: USA

Bud Nealy stellt das Pesh-Kabz in verschiedenen Größen und Ausführungen her. Am häufigsten verwendet er den pulvermetallurgischen Stahl CPM-154, bei den Griffmaterialien kommen G-10, Micarta, Canvas-Micarta sowie verschiedene Edelhölzer zum Einsatz. Selten ist das PK-21 in der Damastausführung, neben Damaststählen von Daryl Meier setzt er auch Damast aus den Werkstätten von Devin Thomas oder Mike Norris ein.

Das PK-21 ist ein schmales Messer, das dazu gedacht ist, unter der Kleidung getragen zu werden und dabei unsichtbar zu bleiben. Der Griff mit zwei Halbschalen aus Micarta ist gerade einmal 8,5 mm breit, in der Mitte 24mm hoch und an der Unterseite ergonomisch ausgeformt. Da alle Finger in den Griffmulden Platz und relativ guten Halt finden, ist das Messer im Alltag gut brauchbar. Gewöhnungsbedürftig, weil selten ist die verstärkte Spitze, die an der Unterseite nicht scharf geschliffen ist. Die Schneide beginnt erst rund einen Zentimeter hinter der Klingenspitze. Entgegen meiner ursprünglichen Vermutung, stellt diese Bauform im Alltag keinen spürbaren Nachteil dar – wer hebelt schon mit einem filigranen Messer Tresortüren auf?

Obwohl das PK-21 auf den ersten Blick wie ein „Bird & Trout“ Jagdmesser wirkt, ist es für diesen Zweck kaum zu gebrauchen, auch als Brieföffner ist es wegen der Konstruktion seiner Klingenspitze nur zweite Wahl. Das Pesh-Kabz ist von seiner Konstruktion her ein klassisches Backup-Messer, das unter der Kleidung getragen als Ultima Ratio oder letzter Rettungsanker im Verteidigungsfall dienen kann. Dem widerspricht allerdings der schmale Griff, der für ein wirkliches Kampfmesser zu schmal und nicht rutschhemmend genug ausfällt.

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Der Damaststahl ist von hoher Güte, die Schneide scharf wie ein Rasiermesser (8/10) und der Hohlschliff der Klinge ohne Fehl und Tadel. Die Verarbeitung des Messers ist in allen Details ausgezeichnet und in vielen Details aufwändiger, als man auf den ersten Blick vermuten möchte. Am Griffansatz ist die Klinge drei Millimeter breit und verjüngt sich nicht nur zu Spitze hin, sondern auch bis auf 1,6 mm zum Griffende hin. Perfekt angepasst sind die Griffschalen aus Micarta, die Toleranzen mit denen Bud Nealy arbeitet dürften sich nur in Hundertstel messen lassen. Mitgeliefert wird eine MCS (Multi-Concealment Sheath) genannte Kydex-Scheide der obersten Qualitätsklasse mit vielfältigen Trage- und Befestigungsmöglichkeiten (siehe und Links).

Der Preis für das Pesh-Kabz aus Stroudsburg in Pennsylvania lässt sich – durch die Seltenheit dieses Exemplars und die vielfältigen Modellvarianten – nur ungefähr angeben und dürfte im Bereich um 650 Dollar liegen. Das gleiche Modell mit einer CPM-154 Klinge kostet 445 Dollar. In Europa gibt es nur eine Handvoll Vertriebspartner, die zumeist noch nicht einmal ein Messer zum sofortigen Versand bereithalten.

Fazit: Das Pesh-Kabz ist ein Messer, an dem sich ohne Frage die Geister scheiden werden. Es ist von herausragender Material und Verarbeitungsqualität, sein Einsatzgebiet bleibt etwas diffus. Kein Jagdmesser, kein echter Fighter, kein typisches EDC aber trotzdem ein Messer mit Praxistauglichkeit und einem erfrischenden Hauch Exotik. Wer die Konstruktion mag bekommt ein Messer der Top-Kategorie mit einem einmaligen Konzept. Wer nicht instinktiv auf dieses Messer anspringt, wird mit ihm vermutlich auch später nie glücklich werden. Das Preis-Leistungsverhältnis ist noch in Ordnung, vor allem, wenn man Seltenheit, Qualität und vielleicht einen zukünftigen Sammlerwert in Anrechnung bringt.

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Links

Waffenrecht in Deutschland

Knife-Blog: Waffenrecht – Was Messerfreunde wissen sollten
Knife-Blog: Praxisgerechtes Waffenrecht oder Chaos pur?
Gesetzestext: Waffengesetz

Messer mit Klingenlängen bis 12 cm

Bastinelli R.E.D.
Bud Nealy Homepage

Bezugsquellen

Messer von Bastinelli, Extrema Ratio und auch Cold Steel gibt’s bei: Com2you Biwak


Alle genannten Marken, Warenzeichen, Logos und Namen sind Eigentum der jeweiligen Inhaber.

Bildnachweis:
Alle in diesem Artikel abgebildeten Fotos und Grafiken sind Public Domain oder Eigentum des Autors.

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