Chris Reeve Large Sebenza, Sebenza 25 und Large Inkosi im Vergleich

sebenza-inkosi00Kurz vor der Blade Show 2016 nahm Chris Reeve Knives einen bedeutsamen und für viele Messerfreunde unerwarteten Modellwechsel vor. Das Sebenza 25 wurde durch das Large Inkosi abgelöst. Obwohl sich beide Messer auf den ersten Blick sehr ähnlich sehen, gibt es im Detail deutliche Unterschiede. Der Vergleich des Large Sebenza 21 mit dem Sebenza 25 und dem Large Inkosi zeigt die Evolutionsstufen des langjährigen Erfolgsmodells.

Die Modellpolitik von Chris Reeve Knives war immer von Beständigkeit und hoher Modelltreue geprägt. Veränderungen wurden nur in größeren Zeitabständen und mit ruhiger Hand vorgenommen. Mit dieser Strategie setzt die Firma Chris Reeve Knives seit Jahren einen Kontrapunkt gegenüber vielen Mitbewerbern (siehe Knife-Blog Artikel „Das Phänomen Chris Reeve„). Umso erstaunter reagierte die Messerwelt, als nach und nach durchsickerte, dass die Sebenza 21 Familie, immerhin das Zugpferd des Hauses Reeve, Konkurrenz durch ein gleichgroßes, optisch sehr ähnliches Messer bekommen würde.


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Nicht immer blieb es beim Erstaunen, in manchen Fachforen befürchtete man das endgültige Verschwinden des Sebenza 21 und somit einen kompletten, schlagartigen Modellwechsel. Tim Reeve lüftete im Knife-Blog Interview kurz nach Erscheinen des Inkosi das Geheimnis und gab bekannt, dass Large Sebenza 21 und Large Inkosi zukünftig parallel gefertigt werden. Das Sebenza 25 erklärte Tim Reeve zu einem Evolutionsmodell, bei dem sein Vater viele neue Ideen umgesetzt habe, das nun aber durch das Large Inkosi ersetzt werde (Knife-Blog Artikel „Tim Reeve im Interview”).

Geschichte und Entwicklung DES Sebenza 21

Die Entwicklung dieses Messers geht auf das Jahr 1987 zurück und begann mit einer Reihe Prototypen. Sie hatten bereits große Ähnlichkeit mit dem späteren Erfolgsmodell und aus dem Stand konnte Chris Reeve mit seinem Entwurf den Preis für das beste Messer des Jahres in Südafrika gewinnen. Später trug das Messer, das wir heute als Sebenza 21 kennen,verschiedene Namen: Handmade Sebenza, Production Sebenza, Original Sebenza, Regular Sebenza, Classic Sebenza und schließlich Sebenza 21.

Erst 2008 erfolgte im einundzwanzigsten Jahr nach dem Entwurf die Umbenennung in den heute geläufigen Namen „Sebenza 21”. Der Begriff „Sebenza” (Arbeit) stammt aus der Sprache der Zulu und ist eine Reminiszenz von Chris Reeve an seine südafrikanische Heimat. Rund 25 Jahre Messergeschichte liegen zwischen dem Sebenza 21 alias Large Regular und dem Large Inkosi; ein Modellwechsel nach dieser langen Zeit wäre normalerweise nicht erstaunlich. Dass CRK neben seinem Traditionsmodell ein gleichartiges Messer identischer Größe platziert, war trotzdem eine faustdicke Überraschung, denn Large und Small Sebenza erfreuen sich bis heute großer Beliebtheit.

Mit dem Sebenza 21 hatte Chris Reeve einige der wichtigsten internationalen Preise der Messerszene gewonnen, unter anderem den Titel „Most Innovative Folder at the Show” auf der Knifemakers Guild 1993 und die Auszeichnung „Collector Knife of the Year” auf der Blade Show im Jahr 2005. Mir ist kein weiterer Fall bekannt, in dem ein Hersteller mit dem gleichen Messermodell im Abstand von zwölf Jahren zwei wichtige Auszeichnungen erringen konnte. Auch diese Besonderheit ist ein Indiz die Ausnahmestellung der Firma Chris Reeve Knives im Allgemeinen und des Sebenza im Besonderen.

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Die drei Sebenza Modelle repräsentieren Geschichte und Entwicklung dieses Dauerbrenners von Chris Reeve: Large Inkosi, Sebenza 25 und Large Sebenza 21 (v.o.n.u.)

Zwei Jahrzehnte sind in der Messerwelt eine kleine Ewigkeit und obwohl das Sebenza 21 während der gesamten Produktionszeit im Detail optimiert wurde, sind die augenfälligen Unterschiede recht gering. Die Optimierung verteilt sich auf Veränderungen im Produktionsbereich und auf Modifikationen an der Technik des Messers. Materialien und Werkzeuge wurden mehrfach dem Stand der Technik angepasst, Mitarbeiter geschult und Toleranzen immer weiter verkleinert. Tim Reeve nennt es „einen konstanten Prozess permanenter Weiterentwicklung und Optimierung“ und er hat diese Philosophie von seinem Vater übernommen. Selbst die Konkurrenz würdigt das Qualitätsniveau des Sebenza öffentlich, so äußerte zum Beispiel Spyderco Gründer Sal Glesser: „CRK tolerances and standards are the highest I’ve seen in processes like surface grinding and heat treat.” (Die Fertigungsstandards von CRK, zum Beispiel bei Wärmebehandlung und Klingenschliff, sind die höchsten, die ich jemals kennengelernt habe).

Vom Sebenza 21 zum Sebenza 25

Das Sebenza 25 wurde von Chris Reeve auf der Blade Show 2012 der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Zahl 25 stand für die Produktionsjahre des Sebenza und geht auf das Entwurfsjahr 1987 des Sebenza Vorgängers zurück. Für den langen Zeitraum, der zwischen beiden Modellen liegt und der neben vielen Trends auch neue Materialien und verbesserte Fertigungstechniken gebracht hat, sind die Unterschiede auf den ersten Blick erstaunlich gering. Viele Veränderungen und Verbesserungen haben quasi „unter der Haube” stattgefunden.

Das herausstechende optische Merkmal des neuen Modells ist die zweite Fingermulde an der Unterseite des Griffs. Sie soll die Handlage verbessern, eine ergonomisch günstigere Handhaltung und ermüdungsfreies Arbeiten ermöglichen. Die zweite augenfällige Modifikation betrifft das Lanyard Hole. Beim Sebenza 21 durchläuft ein frei beweglicher Pin beide Griffschalen. In der Mitte besitzt er eine Bohrung, die als Lanyard Hole fungiert und der durch den Lanyard selbst in Position gehalten wird. Diesen Pin findet man am Sebenza 25 nicht mehr. Stattdessen wird eine Schlaufe des Lanyard um einen „Barrel Spacer” (zylindrisches Distanzstück) am Griffende gelegt. Auch wenn dieser Spacer aufwändig konturiert und poliert ist, drängt sich für mich die Frage auf, ob die Befestigung des Lanyard beim Sebenza 21 nicht nur origineller und ästhetischer war, sondern auch die technisch bessere Lösung darstellt.

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Unterschiede in der Formgebung des Griffes zwischen Sebenza 25 und Inkosi lassen sich fast nur im direkten Vergleich erkennen. Large Inkosi, Sebenza 25 und Large Sebenza 21 (v.o.n.u.)

Mehrere andere Unterschiede offenbaren sich erst auf den zweiten Blick. Mit dem Sebenza 25 wurde der tiefe Hohlschliff eingeführt, der sich fast identisch auch beim Inkosi findet. Beim tiefen Hohlschliff ist der Radius mehr als doppelt so groß als beim Hohlschliff des Sebenza 21. Dadurch erhöht sich die Stabilität der Klinge. Da in der Klingenmitte mehr Material stehenbleibt, liegt die Stabilität auf dem Niveau einer flachgeschliffenen Klinge bei gleichzeitig besserer Schneidleistung. Außerdem erhöht der tiefe Hohlschliff die Lebensdauer des Messers, denn die Klinge kann öfter nachgeschliffen werden, bevor der Schleifwinkel durch die breiter werdende Klinge zu groß wird.

Das Sebenza 21 besitzt eine dreiteilige Klingenachse, die aus Schraube, Mutter und einer Hülse besteht. Bei Sebenza 25 und Inkosi besteht die Klingenachse nur noch aus Schraube und Mutter. Beide Bauteile sind stabiler ausgeführt als beim Sebenza 21. Sie gewähren zusammen mit den großen Unterlegscheiben mehr Stabilität bei gleichzeitig geringerer Neigung des Messers, im Lauf der Zeit Klingenspiel zu entwickeln. Eine weitere Modifikation betrifft die Unterlegscheiben („Washer”). Das Sebenza 21 besitzt eine kleine Scheibe auf der Schlossseite und eine deutlich größere Scheibe an der Vorderseite. Das Sebenza 25 besitzt zwei größere, identische Scheiben. Auf ihnen befinden sich rund um die Klingenachse acht Bohrungen, die Schmiermittel aber auch Schmutzteilchen aufnehmen können.

Insgesamt sind die optischen und technischen Unterschiede zwischen dem Sebenza 21 und dem Sebenza 25 größer, als die Unterschiede zwischen Sebenza 25 und Large Inkosi. Es kann kein Zweifel daran aufkommen, dass das Sebenza 25 nur eine Evolutionsstufe in der Metamorphose des Sebenza 21 zum Inkosi ist.

Sebenza und Inkosi – Die technischen Daten im Überblick

Sebena 21
Klingenlänge: 92 mm

Klingenbreite: 3,175 mm

Klingenhöhe: 27 mm

Gesamtlänge: 212 mm

Gewicht: 130 g

Sebenza 25
Klingenlänge: 91 mm

Klingenbreite: 3,6 mm

Klingenhöhe: 28 mm

Gesamtlänge: 213 mm

Gewicht: 142 g

Large Inkosi
Klingenlänge: 91 mm

Klingenbreite: 3,6 mm

Klingenhöhe: 28 mm

Gesamtlänge: 213 mm

Gewicht: 142 g

Gemeinsamkeiten

Die Unterschiede bei den technischen Daten sind marginal dafür gibt es zahlreiche Gemeinsamkeiten. Bei allen Messern kommt seit 2012 der Klingenstahl S35VN von Crucible Steel zum Einsatz. Anfänglich wurden die Klingen der „Regular” Modelle aus ATS-34 gefertigt. 1996 wurde auf den für seine hohe Schärfe und Schnitthaltigkeit berühmten BG-42 Stahl umgestellt. Im Jahr 2001 erfolgte der Wechsel zum pulvermetallurgischen S30V an dessen Entwicklung Chris Reeve nicht unmaßgeblich beteiligt war.

Ein schönes Beispiel für die ständige und fast geräuschlose Optimierung ist die Veränderung der Härte des Klingenstahls. Von seiner Einführung 2012 bis Ende 2015 war auf den Produktkarten aller Modelle für S35VN eine Härte von 58-59 HRC eingetragen. Gelegentlich wurde in Fachforen gemault, Reeve würde die Fähigkeiten des Stahls nicht voll ausschöpfen. Natürlich nahm das Unternehmen zu diesem Vorwurf niemals öffentlich Stellung aber seit 2016 steht auf den Produktkarten der Messer mit S35VN Klinge als Härteangabe 59-60 HRC.

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Die Klingenstärke hat im Laufe der Evolution zugenommen

Vom SEBENZA zum INKOSI

Auf den ersten Blick sehen sich Sebenza 25 und Large Inkosi so ähnlich, dass die Unterscheidung zunächst schwerfällt. Deutlichstes Unterscheidungsmerkmal ist auf der Vorderseite („Presentation Side”) der Anschlagstift nahe der Achsschraube, der beim Inkosi als Bolzenkopf und nicht als Schraubenkopf ausgeführt ist.

Ein weiteres optisches Unterscheidungsmerkmal ist die gegenüber dem Sebenza 25 leicht veränderte Linienführung des Griffendes beim Large Inkosi. Die Fase besitzt einen anderen Winkel, ist etwas stärker herausgearbeitet und entspricht nun der Fase auf der Klingenseite des Griffs. Während sich am Griff auf der Klingenseite auch gegenüber dem Sebenza 21 kein Unterschied feststellen lässt, zeigt sich, dass die Linienführung bereits beim Sebenza 25 verändert wurde. Die Änderung fällt allerdings so moderat aus, dass sie nur im direkten Vergleich der Messer auffällt.


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Unterschiede gibt es auch bei der Klingenform und dem Klingenschliff. Die Größenunterschiede zwischen beiden Klingen sind gering aber in der Silhouette zeigen beide Klingen leicht unterschiedliche Formen. Beim Sebenza 25, wie auch beim Large Inkosi, verläuft die Daumenrampe nicht gerade, sondern ist leicht bogenförmig gestaltet. Ebenfalls unterschiedlich ist das Jimping (Riffelung) auf der Daumenrampe. Während es bei Sebenza 21 aus siebzehn gleichmäßig breiten Kerben besteht, weisen Sebenza 25 und Inkosi dreizehn Kerben auf. Die dreizehn Kerben besitzen keine identische Tiefe und Breite, jede dritte Kerbe ist breiter und tiefer als die beiden Dazwischenliegenden.

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Der beidseitige Daumenpin hat nichts mit Modellpflege oder technischen Updates zu tun, sondern wurden von CRK auch schon beim Sebenza 21 als Option angeboten. (Inkosi, Sebenza 25, Sebenza 21 v.o.n.u.)

Ein wesentlicher technischer Unterschied findet sich an der Lockbar. Beim Sebenza 21 wurde das Ende der Lockbar (Verriegelungsstange) wärmebehandelt, um es verschleißfester zu machen. Diese Maßnahme verringert den Verschleiß zwar, kann in aber nicht völlig verhindern. Beim Sebenza 25 befindet sich am Ende der Lockbar eine kleine Keramikkugel, die als Detent Ball und Klingenanschlag dient. Diese Kugel besitzt eine Härte von 97 HRC. Da kein anderes Teil der Lockbar mit der Klinge in Berührung kommt, unterliegt das Lock nun keinem messbaren Verschleiß mehr. Beim Inkosi wurde die Keramikkugel minimal versetzt und etwas vergrößert. Damit die Keramikkugel beim geöffneten Messer eine definierte Position findet, ist auf der Rückseite der Klinge des Inkosi eine kleine Nut eingefräst. So kann man die Klingen von Sebenza 25 und Inkosi unterscheiden, ohne den Rest des Messers zu sehen.

Wie schon bei der Änderung der Härteangabe führt Chris Reeve Knives auch bei anderen Details gelegentlich Mini-Modifikationen durch. Da diese kleinen Änderungen nicht kommuniziert werden, können unterschiedliche Varianten des vermeintlich gleichen Modells auftauchen. Solche Änderungen betreffen unter anderem die Keramikkugel an der Lockbar des Sebenza 25 wie auch die Nut an der Klingenwurzel des Inkosi.

Der Klingengang der Sebenza Modelle hat die Messerfans schon immer begeistert und einen Maßstab für die Konkurrenz gesetzt. „Hydraulisch“ nennen manche Sebenza Kenner das geschmeidige Gleiten der Klinge vom Anheben bis zum Verriegeln. Obwohl es diesbezüglich so gut wie keine Kritik gab, hat man bei CRK auch in diesem Punkt Optimierungspotential gefunden. Die Klinge des Inkosi ist zwischen zwei übergroßen, perforierten Unterlegscheiben gelagert, die sechs relativ große, trapezförmige Aussparungen besitzen. Beim Sebenza 25 wird die Klinge ebenfalls durch zwei gleichgroße Scheiben geführt, die kleiner als die des Inkosi sind und sechs große sowie zwei kleinere Bohrungen aufweisen. Die großen Aussparungen der Unterlegscheiben des Sebenza 25 und des Inkosi nehmen Schmiermittel und im Laufe der Zeit auch Staub auf. Durch dieses Feintuning konnte der ohnehin gute Klingengang noch einmal leicht verbessert und die Wartungsintervalle verlängert werden.

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Large Inkosi

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Sebenza 25

 

 

 

 

 

 

Die großen Unterlegscheiben des Inkosi waren und sind für einige „Reeve-Puristen” ein Stein des Anstoßes. Manche finden sie unästhetisch, da sie von außen bei bestimmten Betrachtungswinkeln sichtbar sind, andere waren mit dem Klingengang auch bei älteren Modellen zufrieden und empfanden diese Modifikation als überflüssig. Mittlerweile hat die Diskussion um die Unterlegscheiben der Inkosi Modelle den Status einer Verschwörungstheorie erreicht. Besonders verwegene Gemüter unter den Messerfans behaupten, die Unterlegscheiben würden beweisen, dass Chris Reeve im eigenen Unternehmen entmachtet worden sei. Niemals, so wird argumentiert, hätte Chris Reeve dermaßen große und hässliche Scheiben entwickelt oder dafür seine Zustimmung erteilt.

Zu Beginn Abschnitts wurde bereits erwähnt, dass bei allen Sebenza 21 und dem Sebenza 25 der Anschlagstift auf der Vorderseite verschraubt war, beim Inkosi hingegen nur ein Bolzenkopf sichtbar ist. Dieser Bolzen oder „Pin” ist nur mit der hinteren Titan-Griffschale verschraubt und steckt in der vorderen Griffschale, ohne mit ihr verschraubt zu sein. Dadurch kann zwischen dem Anschlagstift und beiden Griffschalen keine Spannung auftreten. Chris Reeve Knives begründet diese Lösung mit einem präziseren Klingengang und einer Vereinfachung beim Zusammenbau des Messers nach einer Reinigung.

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Auf der Rückseite sind Inkosi und Sebenza 25 durch den Winkel des Taschenclips leicht zu unterscheiden. (Large Inkosi, Sebenza 25, Sebenza 21 v.o.n.u.)

Ein weiterer leicht erkennbarer Unterschied zwischen Sebenza 25 und Large Inkosi ist der Taschenclip. Zwar sind die Sebenza Clips in Länge, Form und Aussehen identisch aber beim Inkosi ist der Taschenclip in einem anderen Winkel montiert. Dadurch berührt der Taschenclip den Lockarm nicht mehr, sondern liegt nur noch auf der Griffschale auf. Obwohl der Clip die Lockbar des Inkosi optisch mit seiner halben Breite überdeckt, übt er beim geöffneten Messer keine Kraft mehr auf die Lockbar aus.

Sehr unterschiedlich ist zumindest zurzeit noch das Angebot an Klingenformen oder gravierten Griffschalen. Während für das Large Sebenza optional Insingo- oder Tanto Klingen und eine Vielzahl von CGG Motiven (Computer Generated Graphics) zur Verfügung stehen, wurde das Large Inkosi in den ersten Monaten nur in der Standardausführung geliefert. Im Interview mit Knife-Blog hat Tim Reeve aber bereits angekündigt, dass zukünftig ein sehr ähnliches Angebot auch für die Messer der Inkosi Familie geplant sind. Die erste Inkosi Variante mit Micarta Inlays ist vor kurzem erschienen.

Ob auch kleine Auflagen des Inkosi mit Tanto Klingen oder Klingen aus Damaststahl auf den Markt kommen werden, steht derzeit noch nicht fest. Beides dürfte aber nur eine Frage der Zeit sein. Auch neue Materialien werden Einzug halten, Timascus könnte dann ebenso eine Rolle spielen, wie Zirkonium beziehungsweise Zircaloy. Auch hinsichtlich der Individualisierung der Standardmodelle wird sich etwas tun: Griffschalen aus Kohlefaser werden genauso kommen wie in unterschiedlichen Farben anodisierte Teile aus Titan.

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Am Griffende zeigt sich der Unterschied zwischen Large Sebenza 21 und den beiden neueren Modellen.

Sebenza und Inkosi – Das meinen die Messerfans

Kurz vor diesem Artikel habe ich auf Facebook alle Messerfans, die ein Sebenza oder Inkosi als Alltagsmesser führen, um ein Meinungsbild und ihre persönlichen Erfahrungen gebeten. Dabei wurden von den Usern einige Kritikpunkte angesprochen aber auch sehr persönliche Sichtweisen geschildert. Auffällig ist, dass viele Messerfans, die seit Jahren ein Sebenza 21 haben oder gar dieses Modell sammeln, dem Inkosi skeptisch gegenüberstehen.


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Keinen Zweifel gibt es an der Qualität von Large Sebenza 21, Sebenza 25 und Large Inkosi. Selbst Messerfreunde, denen die Messer  zu technokratisch, ja beinahe zu langweilig sind, rühmen ihre Qualität und Zuverlässigkeit. Kein einziger Reklamationsfall oder Defekt wurde erwähnt, obwohl viele Messer bereits seit Jahren im Einsatz sind. Vor dem Hintergrund, dass von anderen Produzenten aus dem Midtech-Bereich Reklamationsraten bis zu fünf Prozent bekannt sind, scheinen sich steigende Produktionszahlen bei CRK bisher nicht negativ auf die Qualität auszuwirken. Auffällig ist aber, dass die Fans von CRK in den Fachgruppen kritischer mit „ihrer” Marke umgehen, als es in anderen Herstellerforen üblich ist. Seit bekannt wurde, dass sich Chris Reeve aus gesundheitlichen Gründen zurückgezogen hat, mehren sich in einigen Foren Beschwerden über einen angeblichen Qualitätsverfall bei aktuellen Messern. Chris Reeve hat sich allerdings nicht erst im vergangenen Jahr, sondern bereits deutlich früher aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen. Sollte es also heute tatsächlich Probleme bei der Qualitätskontrolle geben, ist ein Zusammenhang mit seiner Person fraglich.

Eine typische Eigenschaft aller Folder von Chris Reeve führt immer wieder zu Kritik: die vermeintliche Schwergängigkeit beim Anheben der Klinge. Egal ob Sebenza 21, 25, Inkosi oder Umnumzaan – Einhandmesser von Chris Reeve besitzen gegenüber anderen Foldern mit Daumenpin einen deutlich unterschiedlichen Kraftwinkel zum Anheben der Klinge. Wer mit dem Daumen von unten gegen den Pin drückt, muss tatsächlich immense Kraft aufwenden, um die Klinge anzuheben. Dieses „Erkennungsmerkmal” ist über die Jahre unverändert geblieben und auch das Inkosi lässt sich am besten öffnen, wenn man die Kraft um 90° Grad versetzt aufwendet und den Daumenpin parallel zum Griff nach vorne schiebt. Nicht jeder mag diese Variante und gelegentliche Beschwerden, das Messer sei schwergängig, haben ihre Ursache zumeist in diesem Phänomen.

sebenza-inkosi05Ein weiterer Kritikpunkt ist die empfindliche Oberfläche der Titan-Griffschalen. Bei der Standardversion, im Fachjargon „Plain-Jane” genannt, sind die Griffschalen schon nach kurzer Zeit mit Gebrauchsspuren übersät. Daher bevorzugen viele Reeve Fans das Sebenza 21 mit Micarta Inlay, das sich in diesem Punkt deutlich widerstandsfähiger zeigt.

So einig sich die User bei der Qualität der Messer sind, so kontrovers fallen die Meinungen beim Klingenschliff aus. Der Klingenschliff egal welchen Einhandmessers von CRK, hat schon reihenweise Messerfans zur Weißglut gebracht. Dies wird auch bei der Umfrage deutlich: Einige Messerfans bezeichnen die Schneidleistung der Sebenza Modelle ab Werk als mittelmäßig oder zumindest nicht optimal und führen ins Feld, dass oft halb so teure Messer doppelt so gut geschliffen sind. Beim genauerem Hinsehen bestätigt sich dieser Eindruck nur bedingt. Seit jeher erhalten die Klingen aller Messer bei CRK den letzten Schliff von Hand. Der Anschliff ist sehr präzise und (gewollt) leicht ballig, der Schneidwinkel eher konservativ auf lange Schnitthaltigkeit ausgelegt. Das muss man beim Nachschleifen berücksichtigen, vor allem wenn man einen Schleifstab wie den Sharpmaker von Spyderco einsetzt. Der ballige Anschliff sorgt ansonsten dafür, dass man sich am balligen Teil der Schneide abarbeitet, die Schneidkante nicht berührt und die Klinge vermeintlich schlecht nachzuschärfen ist.

sebenza-inkosi08Einhelliges Lob ernten Large Sebenza 21 und Sebenza 25 für die simple Demontage und Montage. Die Messer lassen sich mit wenigen Handgriffen zerlegen und ohne Probleme wieder zusammenbauen. Für das Sebenza 21 genügt dafür ein kleiner Inbusschlüssel, für das Sebenza 25 werden zwei verschiedene Inbusschlüssel benötigt. Auch das Large Inkosi folgt diesem Prinzip. Es wird mit zwei großen und einem kleinen Inbusschlüssel geliefert. Viel Lob ernten alle drei Messermodelle dafür, dass nach dem Zusammenbau die Klinge immer mittig steht und das Lock weder hakt noch durchfällt. Wie beim geschmeidigen Klingengang zeigt sich auch hier die Wirkung der geringen Fertigungstoleranzen.

Nicht alle Fans von Chris Reeve Knives gehen den Weg vom Sebenza zum Inkosi mit. Gut ein Drittel der User auf Facebook wollen ihren Large Sebenza 21 oder Sebenza 25 treu bleiben und zumindest in absehbarer Zeit kein Large Inkosi anschaffen. Diesem Wunsch trägt CRK Rechnung: Tim Reeve hat ausdrücklich erklärt, dass beide Sebenza und beide Inkosi Modelle auf unbestimmte Zukunft parallel gefertigt werden.


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