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Flippern zum Spartarif: Stedemon ZKC-02

Stedemon ZKC-02

Vor einigen Monaten hat die chinesische Firma Stedemon mit ihrem Fixed Blade Uncle One zunächst Fragen aufgeworfen, dann Erstaunen ausgelöst und schließlich im Knife-Blog Test einen guten Eindruck hinterlassen. Nach Edel-Foldern im gehobenen Preisbereich versucht sich Stedemon diesmal mit einem Flipper in der Budget-Klasse. Knife-Blog wirft einen Blick auf Eigenschaften, Qualität und Praxistauglichkeit des Stedemon ZKC-02

Die größte Zahl von Messern wird im Marktsegment unter 100 Euro umgesetzt. Obwohl viele Messerfans bei Preisen von 400 Euro und mehr noch völlig schmerzfrei sind, verschwinden die meisten teuren Messer nach dem Kauf in der heimischen Vitrine oder werden nur für leichte Schneidaufgaben eingesetzt. Das ist insofern verständlich, weil ein paar tiefe Kratzer in der edlen Titangriffschale den Wert des Messer deutlich reduzieren können. Die Mehrzahl der echten Arbeitstiere stammt aus unteren Preisklassen, die von heimischen und ausländischen Grossisten mit zahllosen Modellen bestückt wird.

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Die chinesische Firma Stedemon geht einen anderen Weg und setzt ihre Produkte unter Verzicht auf Zwischenhändler direkt über lokale Fachhändler ab. Diese Vorgehensweise ist insofern bemerkenswert, weil diese Vertriebsstrategie normalerweise Messern aus oberen Preisklassen vorbehalten ist. Für den Endkunden bedeutet dieses Konzept einen spürbar günstigeren Straßenpreis, da sowohl die Gewinnmarge für den Großhandel wie auch zusätzliche Logistik- und Vertriebskosten wegfallen. Hersteller Stedemon ist in Deutschland erst seit kurzem vertreten und noch ein weitgehend unbeschriebenes Blatt. Ein paar Infos zur Firma und den Menschen hinter Stedemon befinden sich im Artikel: Stedemon Uncle One.

Das Stedemon ZKC-02 ist als Flipper mit Liner Lock ausgeführt. Dieses Bauprinzip begründete einst den Erfolg vieler Spyderco Modelle, ist im Zeitalter der Titan-Framelock Folder allerdings etwas aus der Mode gekommen. Von außen betrachtet besteht das Stedemon ZKC-02 aus zwei G-10 Griffschalen, wobei die rechte Griffschale den Liner aus Stahl samt seinem Verriegelungsarm aufnimmmt.

Flipper aus China: Stedemon ZKC-02Die technischen Daten des Stedemon ZKC-02

Messertyp: Flipper mit Klingenarretierung, in DE nicht §42a WaffG konform
Klingenform: Drop Point oder Insingo Variante mit Flachschliff und hoher Gratlinie
Beschichtung: Two-Tone, stonewash und satiniert
Klingenlänge: 95 mm (geschliffene Schneide 87 mm)
Klingenstärke: 3,8 mm an der Klingenwurzel
Klingenhöhe: 30 mm an der Klingenwurzel
Klingenstahl: AISI 440C, auf 57-58 HRC gehärtet
Gesamtlänge: 218 mm
Griffmaterial: G-10, orange
Gewicht: 135 Gramm
Lanyard Hole: Ja
Herstellungsland: China

Der Kunde kann bei diesem Messer unter zwei Klingenformen wählen, eine klassische Drop Point Klinge konkurriert mit einer optisch deutlich aufregenderen Design-Variante. Die zweite Klingenform kombiniert Elemente einer Reverse-Tanto-Klinge und einer falschen Schneide entlang des gesamten Klingenrückens mit einer hohen Gratlinie zu einem modernen, „tacticoolen“ Design¹. Besonders auffällig ist die Gestaltung der Schneide, die im Umriss aber nicht bis auf das i-Tüpfelchen einer Insingo Klinge von Chris Reeve Knives entspricht.

Das Stedemon ZKC-02 ist ordentlich verarbeitetBevor jetzt ein Aufschrei durchs Land geht weil Messersittenwächter ein Plagiat wittern: es gibt seit Jahrzehnten kein Stilelement in der Gestaltung von Messern, das nicht zu einem früheren Zeitpunkt schon einmal von irgendeinem Messermacher verwendet wurde. Insgesamt macht das ZKC-02 von Stedemon durchaus einen eigenständigen Eindruck und ich würde es nicht in die Negativliste möglicher Plagiate aufnehmen. Die „Insingo“ Klingenform ist durch die in einem leichten Aufwärtsbogen verlaufenden Schneide charakterisiert. Bei den Sebenza Modellen von Chris Reeve hat sich die Klingenform in der Praxis bewährt und viele Fans gewonnen. Die Überraschung, dass dieses Stilelement auch bei anderen Herstellern auftaucht, hält sich also in Grenzen.

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Die Klinge des Stedemon ZKC-02 mit 95 mm Länge und 3,8 mm Breite an der Klingenwurzel positioniert das Messer bei den großen Foldern. Als Klingenstahl kommt der gute alte 440C (AISI) zum Einsatz. Bis zum Siegeszug der modernen PM-Stähle galt 440C als einer der besten Messerstähle, heute würde ich ihn in der Mittelklasse verorten. Sein hoher Chromgehalt von bis zu 18 % machen ihn ausgesprochen rostträge, kleine Beimischungen von Molybdän, Mangan und Silizium fördern Härte und Zähigkeit. Die Klinge besitzt einen Flachschliff bis zur hohen Gratlinie, deren Verlauf dem Bogen der Schneide folgt. Der Klingenbereich außerhalb des Flachschliffs ist mit Stonewash Finish versehen, der Flachschliff selbst ist satiniert, wodurch sich eine ansprechende Two-Tone Optik ergibt. Am Ricasso befindet sich eine große Schleifkerbe, die in den Kicker übergeht. Dadurch beträgt die geschliffene Länge der Schneide nur 87 mm.

Die Klinge des Stedemon ZKC-02 ist aus AISI 440CBei der Gestaltung der Griffschalen hat Stedemon eine interessante Variante gewählt. Die Kontur beider Griffschalen ist nicht konvex, also nach außen gewölbt, sondern leicht konkav nach innen gewölbt. Diese ungewöhnliche Gestaltung findet man nur bei wenigen Messern und ein solch seltenes Design-Element erwartet man bei einem Messer der Budget-Klasse nicht unbedingt. Zusammen mit einer breiten, ebenfalls konkaven Fase an Ober- und Unterseite beider Griffschalen stellt sich eine überraschend gute Handlage ein. Das Stedemon ZKC-02 ist zwar kein ausgesprochener Handschmeichler aber ein griffiges Werkzeug, das rutschsicher und bequem in der Hand liegt.

Viele Flipper der unteren Preiskategorien fallen durch, weil die Klingen entweder schwergängig sind oder deutlich Off-Center stehen, wenn der Lockarm kräftig gegen die Klinge drückt. Schlechter Klingengang ist ein absolutes KO-Kriterium für einen Flipper und bevor das Testmesser eintraf, war ich mehr als skeptisch. Das Stedemon ZKC-02 gibt sich in diesem Punkt allerdings keine Blöße, die Klinge ist perfekt zentriert und schnellt auf einen Fingerdruck mühelos ins Lock. Der Kraftaufwand ist weder zu hoch noch zu niedrig – keine Frage, Stedemon ist großzügig und hat der Klinge ein Kugellager spendiert.

Ein typisches Design-Element von Stedemon findet sich auch an diesem Messer. Am Ricasso, in diesem Fall am Kicker, ist beiderseits der Klinge ein kleiner, runder Bolzenkopf sichtbar, der etwa einen halben Millimeter herausragt. Das Entriegeln der Klinge geht mühelos vonstatten; die Lockbar steht beim Testmesser im ersten Drittel. Ein ovales Lanyard Hole am Griffende und ein nicht umsetzbarer Taschenclip runden die Ausstattung des Messers ab. Der Klingenschliff ist beiderseits gleichmäßig und winkelstabil und würde auch in einer höheren Preisklasse zu einer guten Bewertung führen. Die Sorgfalt beim Anschliff zahlt sich aus, die Schneide des Stedemon Flippers ist auf ihrer gesamten Länge sehr scharf (8 von 10).

Solider Auftritt: das Stedemon ZKC-02

Solider Auftritt: das Stedemon ZKC-02

Beim Messerdepot kann man das Stedemon ZKC-02 derzeit für 79,- Euro erwerben. Wenn man den China-Flipper mit Messern gleicher Bauform vergleicht, die amerikanische Firmen in Fernost fertigen lassen, ist das Stedemon als sehr faires Angebot zu betrachten. Die Verarbeitung des Messers ist in allen Belangen sauber und gibt zu keiner Kritik Anlass. Klingengang, Lock und Handhabung sind insgesamt gut und in dieser Preisklasse überdurchschnittlich. Schickimicki und edle Materialien haben in dieser Preisklasse logischerweise keinen Platz. Stattdessen beschränkt sich der Hersteller auf die tatsächlichen Werte und liefert ein solides, funktionales Messer mit  ansprechendem Design. Besonders empfehlenswert ist die im Review vorgestellte Klingenform, die der Drop Point Klinge optisch und vermutlich auch funktional überlegen ist.

Fazit & Bewertung Stedemon ZKC-02

Die Verarbeitung des Stedemon Flippers ist gut, die Flipper-Funktion überrascht positiv und der Klingenstahl geht in dieser Preisklasse ebenfalls in Ordnung. Für unter 80 Euro erwirbt man ein ordentlich gemachtes, aufrichtiges Arbeitsmesser. Das Preis-Leistungs-Verhältnis des Stedemon Flippers ZKC-02 passt und der Daumen geht klar nach oben.

Bei der Farbe der G-10 Griffschalen kann der Kunde aus einem breiten Angebot wählen, neben Signalorange steht Schwarz, Jade (hellgrün), Grün, Desert (Hellbraun) sowie ein kräftiges Grün mit Zombie-Killer Attitüde zur Auswahl.

Links

Bezugsquelle: Messerdepot Onlineshop

Knife-Blog Artikel zum Stedemon Uncle One


¹Urban Dictionary: „Descriptive word for equipment or clothing that does not have any tactical purpose; but looks cool”. (Frei übersetzt: “Bezeichnung für Kleidung oder Gegenstände, für die keine taktische Verwendung besteht, die aber durch ihre optische Nähe zu taktischen Equipment cool aussehen“).


Alle genannten Marken, Warenzeichen, Logos und Namen sind Eigentum der jeweiligen Inhaber.

Bildnachweis:

Das Stedemon SD Logo ist Eigentum der Stedemon Knife Company, alle anderen Bilder sind Eigentum des Autors.

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