Die besten Messerstähle des 21. Jahrhunderts

Messerstahl ist ein umfangreiches, interessantes aber oft auch verwirrendes Thema. So einfach es klingt, Eisen durch die Beimengung anderer Elemente und thermodynamische Prozesse zu veredeln, so kompliziert und spannend erweist sich dieses Thema in der Praxis. Dabei ist das Thema Messerstahl noch lange nicht ausgereizt, ständig werden neue Legierungen erprobt, Produktionsqualitäten gesteigert und Verfahrenstechniken verbessert. 154CM, D2 und 440C werden allmählich von Z-Wear, CPM-3V und PSF27 abgelöst während sich alte Bekannte wie M390 oder SB1 noch mühelos behaupten können. Knife-Blog beleuchtet neue Entwicklungen und zeitlose Klassiker.

Bevor es richtig losgeht und die Stähle im Detail besprochen werden, sind ein paar Begriffsklärungen und Definitionen unumgänglich. Viele Bezeichnungen werden umgangssprachlich genutzt, dabei ist die Bedeutung mancher Begriffe verändert geworden oder sie werden in einen falschen Zusammenhang gestellt. „Rostfrei“ und „Edelstahl“ sind dafür zwei gute Beispiele. Beide Begriffe sind eindeutig definiert und ihre Bedeutung weicht signifikant von ihrer umgangssprachlichen Verwendung ab.


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Edelstahl oder Qualitätsstahl?

Für Qualitätsstahl gelten nur wenige festgelegte Anforderungen, zum Beispiel hinsichtlich der Zähigkeit, seiner Umformbarkeit und der Schweißeignung. Die Anteile der „Stahlschädlinge“ Schwefel und Phosphor dürfen jeweils 0,045 Prozent nicht übersteigen. Qualitätsstähle sind nicht für eine Härtung durch Wärmebehandlung geeignet.

Für Edelstähle sind die Anforderungen umfangreicher. Sie sind für gezielte Wärmebehandlung geeignet, können also gehärtet werden. Durch zusätzliche Produktionsschritte, die unter anderem der Entfernung von Schlacke und anderen Rückständen der Herstellung dienen, ist die Reinheit eines Edelstahls höher. Der Gehalt an Schwefel und Phosphor darf jeweils höchstens 0,025 Prozent betragen.

Alles beginnt mit Roheisen in einem Hochofen …

Messerstähle werden von wenigen Ausnahmen und historischen Waffen abgesehen immer ein Edelstahl sein, aber nicht jeder Edelstahl eignet sich zur Herstellung von Messern. Ein (Edel-) Stahl kann niedrig oder hoch legiert sein, von hochlegierten Stählen spricht man immer dann, wenn der Anteil eines Legierungselements fünf Prozent erreicht oder überschreitet. Der Begriff „Edelstahl“ hat nichts mit Edelmetall, Korrosionsfestigkeit oder Unvergänglichkeit zu tun, denn ein niedrig legierter Edelstahl kann im Handumdrehen verrostet sein…

Alle Grundlagen zum Thema Messerstahl: Messerstahl, das kleine Kompendium

Klingenfähiger Stahl

Um aus Eisen klingenfähigen Stahl entstehen zu lassen, muss es mit geeigneten Legierungselementen versetzt werden. Allgegenwärtig, weil entscheidend ist Kohlenstoff (C), der bei Stahl bis maximal 2,06 % Masseanteil liegen kann. Ist der Kohlenstoffgehalt höher, spricht man von Gusseisen. Neuerdings tauchen jedoch immer mehr Klingenstähle auf, deren Kohlenstoffgehalt sogar drei Prozent beträgt  (ZDP-189↑, MC-66↑, Cowry-X↑).

Festigkeit und Härtbarkeit des Stahles steigen bis zu einer gewissen Grenze mit dem Kohlenstoffanteil, wogegen Schmiedbarkeit, Schweißbarkeit sowie die Bearbeitungs- und  Dehnungseigenschaften verringert werden. Klingenstähle haben überwiegend 0,5 bis 1,55 Prozent Kohlenstoffanteil; darunter wäre der Stahl nicht ausreichend härtbar, darüber gerät er leicht zu spröde.

Bei den Legierungselementen bedeuteten die Abkürzungen:
C = Kohlenstoff, Co = Kobalt, Cr = Chrom, Mn = Mangan, Mo = Molybdän, Nb = Niob, Si Silizium, V = Vanadium, W = Wolfram. Nb, also Niob, kommt fast ausschließlich in einer Verbindung mit Tantal vor, daher müsste man technisch korrekt immer von Niob-Tantal (Nb-Ta) sprechen. Trotzdem hat sich die Bezeichnung „Niob“ als verständliche Kurzform eingebürgert. Die Auswirkungen verschiedener Legierungselemente auf die Eigenschaften des Stahls sind ausführlich im Artikel „Messerstahl – ein kleines Kompendium“ erläutert.

Klingen-Ausbrüche: Sehr hart und fein ausgeschliffen ist die Carbonstahlklinge dieses Küchenmessers. Die Vorteile einer sehr dünnen, extrem harten und scharfen Schneide erkauft man sich mit erhöhter Bruchgefahr bei mechanischer Belastung.


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Rostfrei oder rostträge?

Auch diese Begriffe sind durch umgangssprachlichen Gebrauch und vor allem durch Werbetexte unscharf geworden. Tatsächlich gibt es rostfreie Stähle aber die sind nur in ganz wenigen Ausnahmen zum Bau von Messern geeignet. Einer davon ist H1, ein Stahl nach ANSI Norm mit einem hohen Chrom- und Nickelanteil. Zwar ist die Härtbarkeit begrenzt doch selbst der dauerhafte Kontakt mit Salzwasser und Sauerstoff lässt H1 nicht korrodieren. Er wird daher gelegentlich für Tauchermesser eingesetzt, spielt ansonsten aber in der Messerwelt keine große Rolle.

Viele Messerstähle sind rostträge oder, technisch ausgedrückt, nur gering reaktiv.

In der Werbung klingt „rostfrei” allerdings deutlich prägnanter. Marketingstrategen haben diesen Begriff so lange strapaziert, bis er sich auch in der Alltagssprache etabliert hat. Rostträge Stähle haben eine Gemeinsamkeit, sie besitzen einen hohen Anteil des Elements Chrom.  Dieser Stahlveredler verbessert die Korrosionsträgheit massiv. Stähle mit einem Chromgehalt ab 10,5 Prozent und mehr gelten als rostträge; Stähle mit einem Chromgehalt von 13,5 Prozent oder mehr sind nur noch gering reaktiv und korrodieren unter normalen Umweltbedingungen nicht mehr. Keiner der Begriffe „rostträge”, „gering reaktiv” oder „korrosionsbeständig” ist normierend definiert, die Verwendung erfolgt also immer umgangssprachlich.

Bei Stählen unterscheidet man drei Untergruppen: austenitische Stähle, ferritische Stähle und martensitische Stähle. Die Unterschiede bestehen auf der technischen Seite durch unterschiedliche Gefüge, die sich durch Art und Menge der Legierungselemente sowie thermodynamische Prozesse ergeben.

  • Austenitische Stähle sind nicht magnetisierbar, schwer zu zerspanen, gut umformbar und besitzen gute Schweißeignung. Sie sind verhältnismäßig weich und nicht härtbar. In der Werbung für „Edelstahl-Kochtöpfe“ ist zumeist vom austenitischen Stahl V4A (auch: 18/10) die Rede.
  • Ferritische Stähle sind magnetisierbar, schwer zerspanbar und schweißgeeignet. Eine ihrer markantesten Eigenschaften ist die Warmfestigkeit, also der Fähigkeit, auch bei hohen Temperaturen strukturelle Stabilität zu gewährleisten.
  • Martensitische Stähle weisen die höchste Festigkeit im kalten Zustand auf, sind härtbar, magnetisierbar, leicht zu zerspanen aber kaum schweißgeeignet. Der Martensit entsteht durch die Legierungselemente während der Wärmebehandlung indem die Flächengitterstruktur des Stahls in ein tetragonales Gitter überführt wird. Dabei entsteht ein metastabiles Gefüge was in der Praxis leider genauso kompliziert ist wie es in der Theorie klingt. In einfachen Worten: je besser die Wärmebehandlung auf die Zusammensetzung des Stahls abgestimmt ist, desto härter und stabiler wird die Messerklinge…

Danke lieber Leser, wenn Sie trotz der trockenen Theorie bis hierhin durchgehalten haben!

Bezüglich der Reaktivität oder Korrosionsfestigkeit lassen sich Messerstähle in drei Gruppen einteilen: niedriglegierte Stähle, hochlegierte aber nicht rostträge Stähle und hochlegierte, rostträge Stähle. Für alle drei Gruppen lassen sich einige Dutzend Stahlsorten finden, daher ist die Auswahl der nachfolgend beschriebenen Stähle willkürlich und unvollständig. Neben einigen Klassikern liegt das Augenmerk vor allem auf neu entwickelten Stählen. Letztere umgibt zurzeit noch ein Hauch Exotik doch in den nächsten Monaten und Jahren werden sie in der Messerwelt an Bedeutung gewinnen. Interessant ist dabei, dass hinsichtlich der Bemessung verschiedener Legierungselemente völlig unterschiedliche Ansätze zum gleichen Ziel führen können.

Pulvermetallurgische Stähle sind in der Messerszene vehement auf dem Vormarsch

Pulvermetallurgische Stähle

Nach einer Phase endloser Experimente und Tests erlangte der Einsatz pulvermetallurgischer Stähle für Messer um die Jahrtausendwende allmählich Serienreife. Die neuen Stahlsorten revolutionierten den Markt in kürzester Zeit von Grund auf. Dabei wurden zunächst die Legierungen von bereits erprobten Messerstählen dem pulvermetallurgischen Verfahren unterzogen. Aus ATS-34 wurde in der PM-Version RWL-34, bei vielen pulvermetallurgischen Stählen der AISI-Norm wurde der Bezeichnung lediglich das Kürzel „CPM“ (Crucible Powder Metallurgy) vorangestellt. Aus M4 wurde CPM-M4, aus D2 wurde CPM-D2.


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Die Herstellung eines PM-Stahls ist deutlich aufwändiger als die althergebrachte Technik. Zunächst muss aus allen Legierungselementen ein möglichst feines Pulver erzeugt werden. Dafür stehen mechanische, chemische und elektrolytische Verfahren zur Verfügung. Das Pulver wird in einem Diffusionsprozess unter Druck und Temperatur zu einem homogenen, seigerungsfreien Hochleistungsstahl mit praktisch isotropen Eigenschaften verdichtet. Durch Pressen entstehen Rohbauteile (z. B. Platten), die bei 1200° – 1500° im Vakuum gesintert werden. Sintermetalle sind grundsätzlich porös, wobei heutige Verfahren beim gesinterten Material bereits 99 % Dichte ermöglichen. Durch Warmwalzen wird die Verdichtung möglichst nah an 100 % herangeführt. Je gleichmäßiger das Gefüge und je dichter das Sintermetall ist, desto bruchsicherer kann eine daraus hergestellte Messerklinge werden.

PM-Stähle besitzen eine sehr viel gleichmäßigere Verteilung der Legierungselemente und eine wesentlich feinere Karbidstruktur. Beides steigert die positiven Grundeigenschaften der Legierung, zum Beispiel in Sachen Zähigkeit und Schnitthaltigkeit. Pulvermetallurgische Stähle sind nicht grundsätzliche rostträge! Über die Eigenschaften in diesem Punkt entscheidet die Zusammensetzung der Legierungselemente aber nicht das Herstellungsverfahren!

Niedriglegierte Stähle

Wie sich im theoretischen Teil gezeigt hat, können niedriglegierte Stähle nicht rostträge sein. Trotzdem finden sich in dieser Gruppe viele begehrte Messerstähle. Sie werden als Kohlenstoff- oder Carbonstähle bezeichnet, da andere Legierungselemente oft nur in geringen Mengen vorhanden sind. Umgangssprachlich werden manchmal alle nicht rostträgen Stähle als Kohlenstoffstahl bezeichnet, was technisch allerdings nicht korrekt ist. Den Nachteil hoher Reaktivität stehen bei Carbonstählen positive Eigenschaften wie Zähigkeit, Härte oder Schnitthaltigkeit gegenüber. Die Spanne der niedriglegierten Stähle reicht von japanischen Klassikern bis zu modernsten pulvermetallurgischen Stählen.

1095/ XC100 (DIN)
Klassiker für Küchen- und Rasiermesser. Wird gerne für Damastklingen verwendet. Erreicht hohe Schärfe bei geringer Korrosionsträgheit. Die maximale Endhärte liegt bei 63 HRC. Müsste der Stahl nach DIN nicht X1095 heißen? Nein, bei niedriglegierten Stählen entfällt das „X” und die Bezeichnung beginnt mit dem Kohlenstoffgehalt (multipliziert mit 100).

C Cr Mn Si P S
1,0 % 0,0 % 0,45 % 0,2 % < 0,025 % < 0,004 &

DIN 1.2210/ 115CrV3
Früher bekannt als Silberstahl. Es handelt sich um einen verschleißfesten Kaltarbeitsstahl, der in Deutschland entwickelt wurde und lange Zeit für Rasiermesser verwendet wurde. Er lässt sich fein ausschleifen ohne Ausbrüche an der Schneide zu produzieren und daher auf extreme Schärfe schleifen. Als Legierungselemente werden Chrom und Vanadium eingesetzt.

C Cr Mn V P S
1,2 % 0,7 % 0 % 0,1 % < 0,002 % < 0,002 &

1.2442 / 115 W8 (DIN)
Nicht neu aber immer noch ein sehr spannender Messerstahl! 1.2442 ist durch seinen hohen Wolframanteil charakterisiert. Er wurde ursprünglich zum Bau von Sägeblättern für große Industriesägen eingesetzt, bringt jedoch viele Eigenschaften mit, die ein guter Messerstahl braucht. Der Wolframanteil kann je nach Hersteller etwas schwanken, die gängigen Werte reichen von 1,8 Prozent bis 2,1 Prozent. Interessant an diesem Stahl ist auch, dass er fast nur in Deutschland eingesetzt wird. In anderen Normsystemen lässt sich kaum eine entsprechende Legierung finden.

Wolfram als dominierendes Legierungselement ist ein starker Karbidbildner und sorgt für feines Martensit. Dadurch wird vor allem die Zähigkeit erhöht aber auch Schärfbarkeit und Schnitthaltigkeit werden deutlich verbessert. Bei optimaler Wärmebehandlung lässt sich 1.2442 bis auf 66 HRC härten, ohne dass die Klinge zu spröde gerät. Dieser Stahl hat es trotz hervorragender Eigenschaften nie zu Weltruhm gebracht und kann als unterschätzt gelten.

C Cr W Mn Si S/P
1,15 % 0,2 % 2,0 % 0,3 % 0,25 % 0,03 %

Aogami (Blaupapierstahl)
Der Name „Blaupapierstahl“ bekannt bezieht sich auf die typisch japanische Verpackung in blauem Papier. Aogami wird von vielen Herstellern produziert und kann sich im Detail unterscheiden, besitzt aber immer einen Kohlenstoffanteil von über 1 Prozent und minimale Beimengungen von Chrom, Mangan und Wolfram. Der Anteil von Phosphor und Schwefel liegt unter 0,025 Prozent; Aogami ist das Paradebeispiel für einen schnell rostenden Edelstahl. Bei korrekter Wärmebehandlung erreicht Aogami bis zu 66 HRC und bildet sehr feines Martensit. Aogami kann auf extreme Schärfe geschliffen werden. Der Stahl DIN 1.2414 (120W4) kommt dem japanischen Aogami sehr nahe.

C Cr Mn W P S
1,2 % 0,3 % 0,2 % 1,1 % < 0,025 % < 0,004 &

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Shirogami (Weißpapierstahl)
Da kein Legierungselement beim Shirogami den Grenzwert erreicht, gibt der Stahl als unlegiert. Er ist natürlich nicht rostträge und Klingen aus Shirogami lassen sich ebenfalls extrem scharf schleifen. Die erzielbare Härte liegt bei optimaler Wärmebehandlung zwischen 63 und 65 HRC. Das Pendant nach DIN ist 1.1545 (105W1).

C Cr Mn Si P S
1,2 % 0,0 % 0,0 % 0,15 % < 0,025 % < 0,004 &

O-1 (AISI)
Werkzeugstahl mit guten Allroundeigenschaften, mäßig rostträge. Das „O“ steht für Ölhärtung. Der Stahl wird für Schwerter aber auch für Messer eingesetzt. Seine Härte liegt um 60 HRC bei sehr hoher Zähigkeit und mittlerer Schnitthaltigkeit. Da O-1 weltweit von einer hohen Zahl von Herstellern produziert sind, kann der Anteil der Legierungselemente etwas schwanken (Details zu Stählen nach AISI Norm)

C Cr Mn W Si V
0,94 % 0,5 % 1,2 % 0,5 % 0,30 % 0,3 %

CRKT Sakimori – Kampfmesser im japanischen Stil mit einer Klinge aus O-1 Stahl

W2 (AISI)
Wassergehärteter Werkzeugstahl, der nur noch aufgrund seiner früheren Beliebtheit in der amerikanischen Custom-Szene erwähnt werden kann. Bei W1 und W2 liegt die Zahl der Hersteller sehr hoch und es gibt gravierende Unterschiede hinsichtlich der Anteile der Legierungselemente. Der Anteil von Kohlenstoff kann um bis zu 100 Prozent schwanken; er kann zwischen 0,85 % und 1,5 % liegen, so dass man bei „W“ Stählen eher von Stahlfamilien als einem Einzelstahl sprechen kann. Früher waren W1 und W2 Stähle bei Custom Messermachern in den USA sehr beliebt, inzwischen ist der Stahl links und rechts überholt worden und kann als Auslaufmodell gelten. (Details zu Stählen nach AISI Norm)


CPM-1V (AISI)
Guter aber für Messer kein überragender PM-Stahl obwohl er gelegentlich gehypt wird. Hersteller Crucible Steel empfiehlt CPM-1V nur bis auf 58 – 60 HRC zu härten. Durch den Chromgehalt von knapp 5 Prozent ist der Stahl leicht rostträge. Die verhältnismäßig hohen Anteile von Molybdän und Wolfram verleihen dem Stahl gute Werte bei Zähigkeit und Schnitthaltigkeit. Die eigentliche Stärke von CPM-1V ist seine herausragende Warmfestigkeit, die ihn als industriellen Schneidstahl in heißer Umgebung prädestiniert. Für den Einsatz als Klingenstahl spielt diese Eigenschaft allerdings keine Rolle. Durch die geringe Korrosionsträgheit werden Klingen aus CPM-1V meistens beschichtet.

C Cr Mn Mo V W
0,55 % 4,5 % 0,4 % 2,75 % 1,0 % 2,15 %

Datenblatt: CPM-1V Crucible Steel


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Hochlegierte, begrenzt rostträge Stähle

CPM-3V (AISI)

Dieser PM-Stahl von Crucible Industries ist zurzeit der Liebling vieler Messerfans. Zähigkeit, Schlag- und Bruchfestigkeit machen diesen Stahl zu einer guten Wahl für Survival-Messer. Hinsichtlich seiner mechanischen Belastbarkeit („Impact Resistance”) übertrifft er CruWear↑ und sogar CPM-M4↑ deutlich. Die Schnitthaltigkeit ist hingegen begrenzt, in diesem Punkt ist CPM-M4 fast um den Faktor 3 besser. Die Rostträgheit von CPM-3V liegt durch den Chromanteil im mittleren Bereich. Klingen als CPM-3V werden daher üblicherweise beschichtet. (Details zu Stählen nach AISI Norm)

Datenblatt: CPM-3V Crucible Steel


Von D2 bis Z-Wear

Der Werkzeugstahl D2 ist ein Klassiker der Messerszene und auch unter der Werkstoffnummer 1.2379 schon seit Jahrzehnten im Einsatz. Viele Hersteller produzieren diese Stahlsorte, was zu Abweichungen in der Zusammensetzung geführt hat. So weist Böhler-Uddeholm beispielsweise kleine Anteile Mangan und Silizium aus, die bei Crucible Industries nicht auftauchen. Die Varianz der Mischungen hat D2 vielen Messerfreunden suspekt werden lassen, da Zusammensetzung und Wärmebehandlung herstellerspezifisch ausfallen und dadurch unter der gleichen Bezeichnung Stähle unterschiedlicher Güte gehandelt werden. Je nach Hersteller kann D2 zwischen 60 und 63 HRC Endhärte erreichen. D2 ist heute ausgereizt und für einen Spitzenplatz reicht es für diesen Stahl schon lange nicht mehr, was zu Neuentwicklungen als Ersatz für D2 geführt hat.

Der ursprüngliche D2 Stahl nach AISI Norm hat inzwischen mit CPM-D2 eine pulvermetallurgische Variante bekommen, bei der die Anteile der Legierungselemente fast unverändert übernommen wurde. CPM-D2 hat sich allerdings weder im industriellen Bereich noch in der Messerszene durchsetzen können, da mehrere Hersteller verbesserte Rezepturen präsentierten und D2 nach und nach von diesen abgelöst wird.

C Cr Si V Mo Mn
1,55 % 11,3 % 0,3 % 0,8 % 0,8 % 0,40 %

Eine solche Weiterentwicklung des amerikanischer Hersteller Crucible Industries ist CruWear, bei dem die Anteile von Kohlenstoff und Chrom zugunsten von Vanadium und Wolfram gesenkt wurden. CruWear ist ein luftgehärteter Werkzeugstahl, der sich bis auf 65 HRC härten lässt. CruWear besitzt einen höheren Anteil von Vanadium-Karbiden, die härter sind als Chrom-Karbide und sich positiv auf Zähigkeit und Schnitthaltigkeit auswirken. Die Beigabe von Wolfram und Molybdän setzt die maximal erreichbare Härte nach oben und verbessert nochmals die Zähigkeit.

C Cr W V Mo
1,1 % 7,5 % 1,15 % 2,4 % 1,6 %

CruWear ist ein Kunstwort aus dem Herstellernamen „Crucible Industries” und „Wear-Resistant”. Konkurrent Zapp macht nichts Anderes und nennt seinen Stahl Z-Wear. Beide Stähle unterscheiden sich faktisch nicht, nur der Wolframanteil liegt beim CruWear um 0,15% höher.

Auch der noch recht seltene PSF27 Stahl ist eine Weiterentwicklung des „guten, alten“ D2. Dabei wurde nicht nur an der Zusammensetzung, sondern vor allem an der Verfahrenstechnik gefeilt. Hergestellt wird PSF27 von SBSM (SB Specialty Metals LLC). Das erst 2010 gegründete Unternehmen mit Hauptsitz in Dallas, Texas, entstand durch die Übernahme von Vermögenswerten der liquidierten Firma Crucible Materials Corp.

PSF27 wird in einem Sprühformprozess hergestellt. Der Vorteil der Sprühformgebung ist die hohe Erstarrungsgeschwindigkeit des flüssigen Stahls. Dies ermöglicht die Herstellung hochlegierter Werkstoffe mit feinerer Struktur als bei herkömmlichen PM-Verfahren. Bei Verwendung des Sprühformverfahrens kann die Größe der verschleißfesten Karbide gesteuert werden, um die Verschleißfestigkeit im Vergleich zu einem PM-Stahl zu erhöhen. Durch die Sprühformgebung erreicht PSF27 deutlich bessere Werte bei Zähigkeit und Abriebfestigkeit als D2 obwohl sich die Anteile der Legierungselemente nur geringfügig unterscheiden. Die Herstellungskosten sind günstig, da bei der Sprühformgebung weniger Arbeitsschritte anfallen als bei klassischen PM-Stählen.

Bisher setzt Strider den neuen Stahl für Folder ein aber PSF27 wird ohne Frage weitere Verbreitung erfahren. Im Vergleich mit D2 ist die Zähigkeit von PSF27 fast doppelt so hoch, die Schnitthaltigkeit liegt etwa um 25 Prozent höher. Damit ist PSF27 nicht nur CPM-D2↑, sondern auch vielen anderen Messerstählen überlegen.

Alle Stähle der D2 Familie sind einigermaßen rostträge; können aber bereits unter normalen Umweltbedingungen korrodieren.

Datenblatt: D2 von Böhler-Uddeholm
Datenblatt: CruWear von Crucible
Datenblatt: PSF27 von SBSM


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Hochlegierte, rostträge Stähle

CPM-M4 ist auch unter dem Namen CPM Rex M4 bekannt und ist durch seine ungewöhnliche Komposition von Legierungselementen ein Sonderfall. Die Wolfram- und Molybdänanteile gehören mit jeweils deutlich über fünf Prozent zu den höchsten, die man bei Messerstahl (sprich: Werkzeugstahl) finden kann. Dazu kommen jeweils vier Prozent Chrom und Vanadium, so dass der Gesamtanteil der Legierungselemente rund 19 Prozent beträgt. M4 und später CPM-M4 wurden als „High Speed Steel” entwickelt. Schnellarbeitsstahl ist im deutschen Sprachraum auch unter der Abkürzung „HSS” bekannt, die zum Beispiel auch Bohrer und Fräswerkzeuge für die Metallbearbeitung tragen.

Bereits M4 hat sich als ausgezeichneter Messerstahl einen guten Namen erworben; die Eigenschaften der pulvermetallurgische Variante sind nochmals deutlich besser. CPM-M4 erreicht zwischen 63 und 65,5 HRC wobei der Stahl sehr hohe Widerstandskraft gegen mechanische Beanspruchung („Impact Resistance”) besitzt. Die Schnitthaltigkeit ist gut. Damit sich der Stahl in wenig besser schleifen lässt, mischt Crucible 0,06 Prozent Schwefel unter die Legierungselemente. Negative Auswirkungen soll die Beimischung nicht haben. In der Messerszene hat sich CPM-M4 vor allem für große Survival-Messer und im Timbersport bewährt. Kleines Schmankerl am Rande: nach Definition der DIN-Norm dürfte sich CPM-M4 durch seinen Schwefelgehalt weder Edel- noch Qualitätsstahl nennen…

CPM-M4 (Crucible)
C Cr W V Mo Mn S
1,42 % 4.0 % 5,50 % 4,0 % 5,25 % 0,30 % 0,06 %

Datenblatt: CPM-M4 Crucible Steel


CPM-S30V

Fast alle heute in der Messerszene gebräuchlichen Stähle wurden für industrielle Schneidwerkzeuge, für Formwerkzeuge, Kugellager oder die Luftfahrt entwickelt. Diese Stähle werden unter dem Oberbegriff „Werkzeugstahl” zusammengefasst wovon die meisten auch klingenfähig sind. Der pulvermetallurgische S30V ist einer der wenigen Stähle, der gezielt für Messerklingen konzipiert wurde. Gemeinsam mit Dick Barber von Crucible Industries waren neben Chris Reeve auch Paul Bos, Ernest Emerson, William Harsey Jr., Sal Glesser, Jerry Hossom, Tony Marfione, Tom Mayo und Phil Wilson beteiligt; die Liste liest sich wie ein Auszug aus dem  Who’s Who der amerikanischen Messerszene.

Die klassischen Werte eines guten Messerstahls sollten in dem neuen Produkt zusammengeführt werden: Härte, Zähigkeit, Schnitthaltigkeit, Korrosionsfestigkeit und gute Bearbeitungsmöglichkeiten standen dabei ganz oben im Anforderungskatalog. Mit CPM-S30V wurde dabei allerdings nicht das Rad neu erfunden, sondern die Erfahrungen mit bekannten und gebräuchlichen Messerstählen verarbeitet. S30V ist durch seinen hohen Chrom- und Vanadiumgehalt sehr rostträge, er lässt sich leicht bearbeiten und schleifen, ist aber gleichzeitig gut schärfbar und schnitthaltig. Er ist um den Faktor 4 bruchfester als AISI 440C oder ATS-34 und bietet dazu eine leicht erhöhte Schnitthaltigkeit.

Der neue Stahl machte ab 2003 in der Messerszene eine Karriere ohne Gleichen. Chris Reeve Knives stellte die gesamte Produktpalette auf den neuen Stahl um und auch Spyderco setzte ihn bei zahlreichen Modellen ein. Trotz des Erfolges war der Stahl nicht ideal, S30V neigt bei harter Beanspruchung zu winzigen Ausbrüchen an der Schneidkante („micro chipping”) Gut sechs Jahre später wurde S30V durch die Weiterentwicklung CPM-S35VN↑ abgelöst.

C Cr V Mo Nb Mn
1,45 % 14,0 % 4,0 % 2.0 % 0 % 0 %

CPM-S35VN

2009 begann die Erprobung einer Weiterentwicklung des erfolgreichen S30V. Als neues Legierungselement kam Niob (Nb) hinzu, dafür sanken die Anteile von Kohlenstoff um 0,05 % und der von Vanadium von 4 % auf 3 %. Das mag für manchen Messerfreund nach Kosmetik ohne große Wirkung klingen, in der Praxis macht sich das Feintuning aber deutlich bemerkbar. Chris Reeve und Crucible Industries gaben eine Steigerung der Zähigkeit zwischen 20 % und 25 % bekannt und verwiesen auf Ergebnisse des Kerbschlagtests („Charpy impact test¹”). Die Problematik der „Mikro-Ausbrüche“ ist beseitigt und im Gegensatz zu S30V sind fein ausgeschliffene Klingen aus S35VN an der Schneidkante stabiler.

Heute ist S35VN vermutlich der am häufigsten eingesetzte Messerstahl bei Messern den Ober- und Spitzenklasse. Der Stahl gilt als derzeit bester Allrounder und besitzt ein gutes Preis-Leistungsverhältnis.

C Cr V Mo Nb Mn
1,40 % 14,0 % 3,0 % 2.0 % 0,5 % 0 %

M390

Unter dem Namen M390 Microclean hat Böhler-Uddeholm einen von vielen Messerfreunden hochgeschätzten Stahl im Programm. Der PM-Stahl wird im industriellen Bereich hauptsächlich für Formwerkzeuge in der Kunststoffbearbeitung sowie für Schneidwerkzeuge aller Art eingesetzt. Wie bei den meisten Messerstählen stehen auch bei M390 die typischen Anforderungen auf dem Wunschzettel: Zähigkeit, Verschleißfestigkeit bei leichter Schleifbarkeit und ein möglichst hoher Korrosionswiderstand. Darüber bietet M390 dem Messerfan noch einen Mehrwert: er lässt sich besser als viele andere Messerstähle spiegelpolieren.

Der sehr hohe Chromanteil von 20 Prozent sorgt für die geringe Reaktivität des Stahls aber der Hingucker ist der hohe Kohlenstoffanteil! Mit 1,9 Prozent Kohlenstoffanteil ist M390 Microclean bereits eine Besonderheit. Dieser hohe Wert in Kombination mit den beiden Spezialisten für harte Karbide, Vanadium und Wolfram, zeigt, dass wir es mit einem extremen Stahl zu tun haben. Wie immer bei der Konzeption einer Legierung muss man sich jeden Vorteil mit einem Nachteil erkaufen. M390 macht keine Ausnahme. Die Bestwerte bei Verschleißfestigkeit und Korrosionswiderstand müssen mit einer eher mittleren Zähigkeit beglichen werden. Die ersten beiden Generationen des Stahls sind als M390 auf dem Markt, die dritte Generation trägt den Namen M390 Microclean. Der Hauptunterschied liegt in der höheren Reinheit des Pulvers und einer erheblich geringeren Partikelgröße.

C Cr V Mo Mn Si W
1,90 % 20,0 % 4,0 % 1,0 % 0,3 % 0,7 % 0,6 %

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ZDP-189

Dass letztlich alle Theorie grau ist, beweist ZDP-189. Ein Kohlenstoffanteil von 3 Prozent in einem Klingenstahl ist mehr, als manche Fachbücher zulassen möchten. Die Zusammensetzung ist so einfach, dass auf eine Tabelle verzichtet werden kann: neben den 3 Prozent Kohlenstoff enthält der Stahl 20 Prozent Chrom. Keine zusätzlichen Karbidbildner, kein Niob, kein Kobalt, kein Nichts. Trotzdem kann ZDP-189 mit einer Besonderheit aufwarten: die maximal erreichbare Endhärte kann bis zu 69 HRC betragen. Hersteller Hitachi vermarktet diesen pulvermetallurgischen Stahl gezielt als „Premium Messerstahl”. Da kaum ein Unternehmen viel Geld und Aufwand in die Entwicklung eines speziellen Klingenstahls investiert, dürfte es sich bei ZDP-189 um ein Zufallsprodukt aus einer anderen Forschungsreihe handeln.

Bisher sind nur wenige Serienmesser mit Klingen aus ZDP-189 auf dem Markt. Neben Küchenmessern von Hattori finden sich die meisten ZDP-189 Klingen bei Foldern von Spyderco aber auch Rockstead und William Henry setzen den Stahl ein. Durch den hohen Chromgehalt ist der Stahl nicht nur ausgesprochen rostträge, er lässt sich genau wie M390 auch sehr gut spiegelpolieren. Die Härte erschwert allerdings sowohl das Polieren wie auch das Nachschleifen von ZDP-189 Klingen. Positive oder negative Aussagen hinsichtlich ausreichender Zähigkeit und Bruchsicherheit von ZDP-189 Klingen stehen aufgrund der geringen Datenbasis auf wackligen Beinen.

Datenblatt: ZDP-189 von Hitachi


Cowry-X & MC-66

Eine sehr ähnliche Mixtur besitzt der exotische Cowry-X Stahl, der von Ichiro Hattori für den japanischen Herstellers Daido entwickelt wurde. Ebenfalls drei Prozent Kohlenstoff und 20 Prozent Chrom werden durch ein Prozent Molybdän und eine Spur Vanadium ergänzt. Die mögliche Endhärte wird ebenfalls mit 69 HRC angegeben. Im Einsatz ist Cowry-X, der auch unter der Abkürzung „C-X” erscheint, bereits als Laminatstahl bei Klingen von Fällkniven.

Noch seltener ist eine Weiterentwicklung von ZDP-189 durch Hitachi selbst, die den Namen MC-66 trägt. Wie bei Cowry-X werden zu den drei Prozent Kohlenstoff und 20 Prozent Chrom kleinere Anteile von Vanadium, Wolfram, Silizium, Molybdän und Mangan legiert. Einige Miyabi Kochmesser besitzen Damastklingen mit einer Kernlage aus MC-66, ansonsten ist der Stahl in der Messerszene noch ein unbeschriebenes Blatt. Da ZDP-189 als Stahl für Taschenmesser eine gute Figur macht, dürfte auch der Verwendung von MC-66 keine Bedenken entgegenstehen.


SB1

Der Stahl ist auch als Niolox oder unter der Werkstoffnummer 1.4153.03 bekannt. SB1 ist ein Phänomen. Es ist einer der wenigen Walzstähle, der es hinsichtlich Zähigkeit, Schnitthaltigkeit und Schärfbarkeit mit pulvermetallurgischen Stählen aufnehmen kann aber er ist weitgehend unbekannt. Der Stahl wurde in Deutschland ursprünglich für Schneidmaschinen in der Lebensmittelindustrie entwickelt. Außerhalb Deutschlands ist SB1 in der Messerszene kaum verbreitet, amerikanische und asiatische Hersteller haben SB1 bisher keine Aufmerksamkeit geschenkt.

SB1 ein echter Allrounder. Messermacher Jürgen Schanz fertigt sowohl Folder wie auch Küchenmesser aus diesem Stahl. In beiden Disziplinen kann der Stahl überzeugen: die dünne, fein ausgeschliffene Klinge an einem Gyuto leistet in der Küche ebenso hervorragende Dienste wie die stabile SB1-Klinge eines als EDC getragenen Folders. Tatsächlich klingen die Eigenschaften von SB1 nach der Quadratur des Kreises: hart, scharf, zäh und selbst hohe Schockbelastungen können ihm nichts anhaben. SB1 zeichnet sich durch höchste Korrosionsbeständigkeit und Widerstandsfähigkeit bei hoher Endhärte und gleichzeitiger Zähigkeit und Flexibilität aus.  Klingen aus SB1 können bis auf 61 HRC gehärtet werden, ohne dass Einbußen bei Zähigkeit hinzunehmen sind.

SB1 mit der Werkstoffnummer 1.4153.03 darf nicht mit der Werkstoffnummer 1.4153 verwechselt werden. Zwar wurde SB1 auf Basis des 1.4153 entwickelt, unterscheidet sich jedoch durch den Niob-Anteil und besitzt ein wesentlich feineres Stahlgefüge, was zu deutlich besseren Eigenschaften bei Endhärte, Widerstandsfähigkeit, Verschleißfestigkeit und Zähigkeit führt.

C Cr Mo V Nb
0,8 % 12,7 % 1,1 % 0,9 % 0,7 %

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KobaltStähle

Ein Weg, die Eigenschaften von Stahl zu verbessern, ist die Zugabe eines signifikanten Anteils Kobalt. Dieses Element wirkt quasi indirekt auf die Gesamteigenschaften eines Stahls, denn es bildet selbst keine Karbide. Dafür hemmt es das Kornwachstum und verbessert sowohl die Anlasssprödigkeit wie auch die Warmfestigkeit stark. Deshalb wird es oft in Werkzeugstählen des HSS Typs (Schnellstähle) eingesetzt. In der Messerwelt spielen Kobaltstähle nur eine Außenseiterrolle obwohl auch Klingenstähle von der Wirkung einer Beimischung von Kobalt profitiert.

Im Zusammenhang mit Kobalt-Stählen fallen immer zwei Namen: der schwedische Messerhändler Fällkniven und der N690Co↑ Stahl von Böhler-Uddeholm. Fällkniven lässt viele Messerklingen in Laminattechnik fertigen, dabei wir ein sehr harter Kobaltstahl (CoS oder Cowry-X↑) zwischen zwei Lagen eines weicheren aber extrem rostträgen Stahls (z. B. 420js) eingebettet.

Die Klinge des Fällkniven F1 Pro besteht aus einem Laminat von Kobaltstahl in der Mitte und „einer Tapete“ aus 420js

N690Co

Das Einsatzspektrum von N690Co deckt Schneidwerkzeuge aller Art ab, von industriellen Rotationsschneiden in der Lebensmittelindustrie über chirurgische Instrumente bis zu den Kanten der Messerflügel in Kuttern. Unter der Werkstoffnummer 1.4528 findet sich N690Co häufig in Industriemaschinen. Daneben bewirbt Böhler-Uddeholm den N690Co ausdrücklich als Messerstahl. Sein hoher Chromgehalt und das feine Korn der Metallstruktur bewirken sowohl eine ausgeprägte Korrosionsträgheit wie auch sehr gute Schnitthaltigkeit.

N690Co ist eine Weiterentwicklung des bekannten VG-10 Stahls des japanischen Herstellers Takefu. VG-10 besitzt mit 15 Prozent einen deutlich geringen Anteil an Chrom, Mangan und Silizium sind nicht enthalten, die Anteile der anderen Legierungselemente unterscheiden sich nur geringfügig.

C Cr Co Mo Mn Si V
1,08 % 17,3 % 1,5 % 1,1 % 0,4 % 0,4 % 0,1 %

Datenblatt: Böhler N690Co


¹Charpy impact test  – Der Charpy-Schlagtest oder Charpy-V-Kerbschlag  ist ein standardisierter Test, der die Energiemenge bestimmt, die während des Bruches von einem Material absorbiert wird. Diese absorbierte Energie ist ein Maß für die Kerbzähigkeit des untersuchten Material.


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