IWA 2017 – Die Highlights am Freitag

Freitag. Eröffnungstag auf der IWA. Der Andrang setzt schon deutlich vor Einlass um 9:00 Uhr ein, so dass der Zutritt zu den Ausstellungshallen zu einer Mischung aus Geduld- und Mutprobe wird. Hinter den neuen Drehkreuzen ist das Schlimmste überstanden und der Besucherstrom ergießt sich über die neun Messehallen. Am ersten Tag haben haben mich viele Aussteller positiv überrascht aber zwei nahezu unbeschriebene Blätter haben meine Aufmerksamkeit ganz besonders erregt.

Nach einem halben Tag in den Messehallen stellt sich ein insgesamt positives Gefühl ein. Viele Firmen präsentieren sind größere aber vor allem dekorativere Stände als im vergangenen Jahr. Wer meine Berichterstattung von der IWA 2016 verfolgt hat wird sich vielleicht erinnern, dass ich das Fehlen sachkundiger und ausreichend englischsprachiger Ansprechpartner kritisiert hatte. Für dieses Jahr haben zahlreiche Aussteller, vor allem aus China, in diesem Punkt deutlich nachgelegt. Ebenfalls auffällig ist, dass höherrangiges Personal auf der IWA 2017 ist. Wo im vergangenen Jahr einige mäßig motivierte „Marketing Representatives“ vor Ort waren, werden viele Anbieter heute von einem „Vice President“, ihrem CEO oder sogar vom Firmeneigentümer selbst repräsentiert.

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Dieser Zuwachs an Kompetenz und Direktorendichte macht sich angenehm bemerkbar. Die Gespräche sind nicht nur kürzer und deutlich zielorientierter, sondern machen darüber hinaus auch mehr Spaß. Einige neue Aussteller legen aus dem Nichts einen ausgesprochen soliden Auftritt hin, dazu gehört unter anderem der chinesische Hersteller WE Knife, auf den ich noch detailliert eingehen werden. Auch im Bereich „Lights“ hat sich viel getan. Die Ausstellerzahl in diesem Segment hat sich im Vergleich zum letzten Jahr gefühlt verdoppelt. Der spannendste Anbieter in diesem Segment ist IWA Neuling, die Firma FAVOUR ist hierzulande weitgehend unbekannt, obwohl sie seit 40 Jahren in diesem Fachbereich tätig ist.

Direktor Mike Wong, zuständig für Marketing und Verkauf, erläutert die Grund. In der Vergangenheit habe man zu einem großen Teil für andere Anbieter gefertigt. Viele LED-Lampen, die wir unter verschiedenen bekannten Namen der Branche kennen, stammen in Wirklichkeit von FAVOUR. Seit einiger Zeit bedient die Firma mit neu entwickelten Produktlinien den Endkundenmarkt in eigener Regie. Die Neuentwicklungen machen schon auf den ersten Blick neugierig, sind doch bei fast jeder Lampe sehr spezielle Eigenschaften herausgearbeitet.

Bild 1: LED Lampe von FAVOUR mit verstellbaren Fokus

Als erstes fällt mir beim Studium der Ausstellungsstücke auf, dass FAVOUR nicht in das allgegenwärtige Wolfsgeheul der Lumen-Maximalwerte einstimmt. Während bei anderen Anbietern jede Christbaumkerze mindestens 1200 Lumen Dauerleistung produziert, sind die Leistungsangaben bei FAVOUR ausgesprochen zurückhaltend. 450 Lumen hier, 565 oder 630 Lumen bei andern Lampen. Gefühlt ist die Lichtleistung dieser Produkte nicht geringer, als bei den vermeintlichen Leistungsmonstern an anderen Ständen (siehe Artikel: Tactical Lights im Detail).

LED Lampen mit verstellbaren Fokus lassen sich auf dem Markt an einer Hand abzählen und FAVOUR hat in diesem Segment eine bemerkenswerte Lampe im Angebot. Nicht die pure Lichtleistung ist die Stärke dieser Lampe, sondern der extrem fokussierte, fast perfekt kreisrunde Lichtpunkt, den die Lampe an die Wand wirft. Dreht man den Fokus bis zum Anschlag in die andere Richtung, erzeugt die von vier AAA Zellen gespeiste Lampe eine große, kreisrunde und völlig gleichmäßig ausgeleuchtete Fläche. Die Lichtleistung von 450 Lumen soll mit vollgeladenen High-Power AAA-Zellen eine Stunde zur Verfügung stehen. Erster Eindruck: Top!

Zwei Besonderheiten besitzt diese Lampe von FAVOUR: Die Linse wird durch zwei massive Edelstahlbügel geschützt und die Lichtleistung lässt sich stufenlos durch einen Schieberegler einstellen

Auch andere Produkte von FAVOUR hinterlassen auf Anhieb einen guten Eindruck. Manche Lampen sind bis 100 Meter Tiefe wasserdicht, oder besitzen einen Magnetschalter, mit dem sich die Lichtstärke stufenlos regeln lässt. Die Bedienung der Lampen von FAVOUR kommt ohne kryptische und im Ernstfall viel zu komplizierte Knöpfchen-Akobatik aus: mit einem Schalter kann man durch die Betriebsmodi zappen. Ein langer Druck schaltet die Lampe aus. Beim Wiedereinschalten ist man im zuletzt aktivierten Leuchtmodus. Nettes Feature am Rande: einige Lampen mit leistungsstarken Li-Ionen Akkus lassen sich auch als Powerbank nutzen und können im Notfall zum Beispiel ein Mobiltelefon nachladen.

Unbeabsichtigt wird der heutige Tag fast zu einem China-Special, denn auch mein zweiter IWA Pick kommt aus dem Reich der Mitte. Mit aufregenden Designs und mutiger Farbgebung hat die Firma WE Knife in den letzten Monaten schon einige Hingucker abgeliefert. Tatsächlich ziehen sich unkonventionelles Design und Mut zur Farbe durch die gesamte Produktpalette. Dabei ist erwähnenswert, dass Verarbeitungs- und Materialqualität nicht auf der Strecke bleiben. Durch die Bank liegen sowohl die teils sehr aufwändigen Fräsarbeiten wie auch Klingenschliff und Finish auf sehr hohen Niveau. Als Klingenstahl kommt bei allen 2017er Messern CPM-S35VN zum Einsatz, die Griffschalen bestehen bei der überwiegenden Zahl der Messer auf Presentation Side und Lock Side  aus Titan.

Kaum eine Firma präsentiert eine so große Vielfalt von unterschiedlichen Designs wie WE Knife

Die Lockbars besitzen Steel Inserts und verriegeln im ersten Drittel. Viele aktuelle Modelle sind Flipper und verdienen sich diesen Namen redlich. Aus einem straffen aber nicht zu festen Detent flitzen die Klingen dank offener Kugellager ins Lock. Die Taschenclips sind bei allen Messern ebenfalls aus Titan, individuell gestaltet und dadurch gut an das optische Grundkonzept angepasst.

Ein besonderer optischer Leckerbissen ist das Modell, das in insgesamt acht unterschiedlichen Farbvarianten und Klingenformen angeboten wird. Die Titangriffschalen sind beidseits mit einem filigranen Fräsmuster gestaltet, das an die schuppige Haut eines Drachen erinnert. Volle 210 Minuten braucht eine CNC-Maschine bei WE Knife, um dieses Muster in beide Griffschalen eines Messers zu fräsen. Das Ergebnis überzeugt sowohl optisch wie auch haptisch, die Messer sind Handschmeichler und gestatten gleichzeitig einen rutschsicheren Griff.

Drei 2017er Messer von WE Knife, oben das im Text erwähnte Modell mit eingefrästen Drachenhautmuster

Bisher wurden die Messer von WE Knife hauptsächlich von chinesischen Designern oder dem hauseigenen Design-Team entwickelt. In diesem Jahr geht man neue Wege und hat zusätzliche Kreativität und Know-how in Europa eingekauft. Ein erster protoytyp aus einer Kooperation mit einem dänischen Designer wurde gerade zur IWA 2017 fertig. Dieses Messer wird fraglos auch die Kunden ansprechen, die einen modernen taktischen Stil in konservativer Farbgebung bevorzugen.

WE Knife gehört für mich zu den Highlights in Halle 5 und das Konzept hat Potential! Mit seinen frischen Ideen, guten Materialien und exzellenter Verarbeitung zu angemessenen Preisen wird dieses Unternehmen seinen Platz in der Messerwelt zukünftig weiter ausbauen.

Positives kann ich auch vom anderen Ende der Halle vermelden. Spyderco hat eine ganze Reihe hochinteressanter Messer am Start und die Produktpalette 2017 überzeugt mich weitaus mehr als in den Vorjahren. Mein persönlicher Favorit ist der neue Folder des texanischen Designers Gayle Bradley mit der SKU C214TIP. Die bisherigen Folder aus der Zusammenarbeit von Gayle Bradley und Spydero waren klassische Einhandmesser, das neue Modell, das auf den Namen „Advocate“ hört, ist ein Flipper. Die Flipper-Action ist ausgezeichnet aber noch mehr beeindrucken die schmale Bauform und die aufwändig gefrästen Titan-Griffschalen.

Vielleicht eines der besten Messer, das Spyderco jemals präsentiert hat: das Advocate von Gayle Bradley ist technisch und optisch ein Leckerbissen

Auch das Manko bisheriger Folder von Gayle Bradley ist mit dem Advocate Geschichte: die Klinge lässt sich ohne blaue Flecken am Daumen und ohne Mittelhandbruch entriegeln. Smooth Action beim Öffnen und Schließen des „Advocate“ Folders sowie die feine Optik heben dieses Messer nicht nur aus dem Spyderco Sortiment, sondern aus dem gesamten Marktsegment hervor. Review folgt …


Alle genannten Marken, Warenzeichen, Logos und Namen sind Eigentum der jeweiligen Inhaber.

Bildnachweis:

Alle Bilder sind Eigentum des Autors.

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