Kershaw Link im Review

Mit dem Modell „Link“ hat Kershaw bereits seit einiger Zeit ein erfolgreiches Messer im Preissegment deutlich unter 100 Dollar im Programm. Nun kommt Farbe ins Spiel. Für das Modelljahr 2017 hat Kershaw eine optisch aufgewertete Variante des „Link“ mit anodisierten Aluminiumgriffschalen in „Navy Blue“ präsentiert. Mit einer Klingenlänge von 8.4 cm empfiehlt sich das Link als EDC, doch kann das nur knapp 70 Euro teure Messer auch qualitativ überzeugen?

Die KAI Gruppe mit Hauptsitz in Tokio ist einer der weltweit größten Hersteller von Schneidwaren. Einen Großteil des Marktes für Taschenmesser bedient das amerikanische Tochterunternehmen KAI USA Ltd. Unter diesem Dach sind neben zwei Firmen für Küchenmesser auch Zero Tolerance und Kershaw beheimatet. Während Zero Tolerance den mittleren und hochpreisigen Markt bedient, sind Messer mit dem Kershaw Logo fast ausschließlich im unteren Preissegment angesiedelt. Diese Aufteilung hat sich bewährt, denn dadurch kann KAI USA Ltd. jeder Marke ein eigenes, prägnantes Image verleihen.


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Fast alle Messer von Kershaw liegen im Preisbereich zwischen 30 und 70 Euro, auch das „Link“ gehört in diese Gruppe. In den letzten Jahren hat sich Kershaw einen Namen als Hersteller preiswerter Messer in für diese Klasse überdurchschnittlicher Qualität gemacht. Aus dem Spagat zwischen Preis und Qualität hat Kershaw ein Wortspiel gemacht: Der Link, also die Verbindung zwischen Preis und Qualität ist das Modell Link. Soweit der Anspruch, nun zur Realität!

Seit 2004 gelten Assisted Opener als Einhandmesser, nicht als Springmesser. Dies wurde auch in einem Feststellungsbescheid des Bundeskriminalamts vom 01.02.2017 zu Messern mit Öffnungshilfe bestätigt.

Das Messer besitzt mit einer 8,4 cm langen Klinge und einem Gewicht von 136 g typische EDC-Maße und ist als Assisted Opener ausgeführt. Als Klingenstahl kommt 420HC des amerikanischen Herstellers Latrobe zum Einsatz. 420HC ist ein hochlegierter Chromstahl, bei dem Korngröße und Härte durch kleine Beimengungen von Vanadium und Mangan verbessert werden. 420HC gehört mit guten Allround-Eigenschaften zu den Mittelklassestählen und geht für ein Messer dieser Preisklasse in Ordnung.

Stahl 420HC
C Cr V Ma Si
0,46 % 13,0 % 0,30 % 0.40 % 0,40 %

Erstaunlich in dieser Preisklasse ist hingegen der Produktionsort. Nicht etwa China, sondern die USA werden als Herstellungsland angegeben. Um dies kenntlich zu machen, hat Kershaw kürzlich ein spezielles Logo eingeführt. Auf Werbematerial und im Netz symbolisiert ein US-Symbol in einem kleinen Kreis das Herstellungsland USA, auf den Griffen der Messer befindet sich eine stilisierte US-Flagge. Zurzeit ist „Made in USA“ definitiv ein Verkaufsargument auf der anderen Seite des Atlantiks.

Der Aufbau des Link entspricht der typischen Konzeption eines günstigen Liner Lock Folders. Der Rahmen wird aus bei Edelstahl-Linern und einem langen, entlang des gesamten Griffrückens laufenden Spacer aus schwarzem Kunststoff gebildet. Die Oberseite des Spacers besitzt ein grob strukturiertes Blockmuster, um die Rutschfestigkeit zu erhöhen. Der lange Taschenclip ist beidseitig montierbar; das Link wird grundsätzlich Tip-Up getragen.

Kershaw Link Abmessungen und technische Eigenschaften
Messertyp Assisted Opener mit Linerlock
Hersteller Kershaw
Modell Link
Klingenlänge 84 mm
Klingenstärke 3 mm
Klingenform Drop Point
Klingenhöhe 30 mm
Klingenstahl 420HC
Länge geöffnet 192 mm
Länge geschlossen 112 mm
Griffmaterial Aluminium
Scheide / Pouch ohne
Gewicht 136 Gramm

Die Handlage des Kershaw Link ist besser, als die Grifflänge von 112 mm vermuten lässt. Der Griff ist ergonomisch sinnvoll geformt, und die Finger schmiegen sich in die Griffmulde. Obwohl der kleine Finger bei Handschuhgröße 10 keinen Platz am Griff findet, beeinträchtigt dies die Handlage nicht negativ. Höhe und Breite des Griffs füllen die Faust gut aus, was ein Verdrehen des Messers verhindert und sichere Schnittführung gewährleistet. Der in einem kräftigen Blauton gehaltene Griff macht das Kershaw Link nicht nur leicht wiedererkennbar, die Oberfläche der Aluminium Griffschalen besitzt eine angenehme Haptik und ist durch eine leicht angeraute Struktur ausreichend rutschhemmend.

Die Klinge besitzt ein „Black Wash“ Finish und sieht selbst im Neuzustand aus, als wäre sie mit Tausenden kleinen Kratzern versehen. Diese Erscheinung ist gewollt und verbirgt die ersten Gebrauchsspuren. Die Farbgebung des Kershaw Link ist gelungen, die anthrazitfarbene Klinge und die Griffschalen in „Navy Blue“ sind gut aufeinander abgestimmt und schaffen einen deutlichen Kontrast.


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Die Öffnungsunterstützung des Link wird aktiviert, wenn die Klinge etwa um 30 Grad angehoben wird. Die Federunterstützung funktioniert präzise und die Öffnungsautomatik greift immer an der gleichen Stelle ein. Dann wird die Klinge mit einiger Kraft ins Lock geworfen, so dass das für einen Halbautomaten typische, laute „Klack“ zu hören ist. Der Liner Lock ist gut erreichbar und die Klinge lässt sich ohne Kraftaufwand entriegeln.

In der Praxis ist das Kershaw Link ein ausgesprochen angenehmer Begleiter. Wenn man auf Luxus und exklusive Materialien verzichten kann, mehr Messer braucht man als EDC nicht. Die Handhabung des Messers im täglichen Gebrauch ist in allen Punkten sehr zufriedenstellend. Einen Nachteil bei Praxistauglichkeit oder Ergonomie aufgrund des günstigen Preises muss der Käufer nicht hinnehmen.

Die Preisempfehlung des Herstellers beträgt 69,90 US-Dollar. Etwa für den gleichen Preis in Euro liegt es bei deutschen Internethändlern im Regal. Die Verarbeitungsqualität liegt für ein Messer unter 70 Euro erstaunlich hoch und steht nicht hinter dem Standard der wesentlich teureren Messer mit dem Zero Tolerance Logo zurück.

Jedes Detail an Klinge und Griff ist sauber verarbeitet. Die Ergonomie beim Öffnen und Schließen ist gelungen, die Vorspannung der Feder genau richtig gewählt. Der Klingengang ist geschmeidig und gehört zum Besten, was ich bisher in dieser Preisklasse gesehen habe. Insgesamt vermittelt das Kershaw Link einen soliden und wertigen Eindruck. Der Klingenschliff ist gleichmäßig und symmetrisch, die Klinge ist entlang der gesamten Schneide sehr scharf (8/10). Bei Verarbeitung und Qualität hat Kershaw definitiv nicht gespart.

Das Kershaw Link beweist, dass ansprechendes Design, gute Ergonomie und einwandfreie Verarbeitung nicht Messern der Preisoberklasse vorbehalten sind.


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Fazit

Das Modell Link mit den Aluminium Griffschalen in „Navy Blue“ erweitert die Messerfamilie von Kershaw um ein preisgünstiges aber uneingeschränkt gebrauchsfähiges Messer. Im subjektiven Eindruck erscheint das Link trotz des Verzichts auf teure Materialien wertiger, als man gemessen am Verkaufspreis erwarten würde. 420HC als Klingenstahl und Aluminium für die Griffschalen sind für ein Messer dieser Preisklasse eine akzeptable Wahl. Wie immer bei Knife-Blog spiegelt die Gesamtbenotung neben der objektiven Qualität von Material und Verarbeitung vor allem das Preis-Leistungs-Verhältnis wieder (Wie Knife-Blog wertet).

Das Kershaw Link liegt im Preis-Leistungsverhältnis deutlich über dem Durchschnitt seiner Preisklasse. Im täglichen Gebrauch hat das Messer nicht nur als formschön, praktisch und stabil erwiesen, sondern auch seine Eignung als Gebrauchsmesser im Alltag unter Beweis gestellt. Mängel oder Schwächen bei Konstruktion oder Verarbeitung haben sich im Testzeitraum nicht ergeben. Der Daumen geht klar nach oben!


Alle genannten Marken, Warenzeichen, Logos und Namen sind Eigentum der jeweiligen Inhaber.

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