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Böker KMP22 – Charles Marlowe Design bei Böker

Egal ob Anfänger oder alter Hase: wenn man einem Messerfreund den Namen „Marlowe“ zuruft und nach einer Assoziation fragt, werden die meisten auf den Bourbon-trinkenden, desillusionierten Privatdetektiv aus Raymond Chandlers Romanen verweisen. Nur selten wird man den Namen Charles Marlowe hören. Dessen Ruhm beschränkt sich fast ausschließlich auf die amerikanische Messerszene. Die Heinr. Böker Bauwerk GmbH stellt mit dem Modell Böker KMP22 in diesen Tagen allerdings bereits das vierte Messer aus der Zusammenarbeit mit dem Custom Maker aus Nebraska vor.

KMP22 ist eher ein technisches Kürzel denn ein Name, aber dieses Modell baut Charles Marlowe in einer Vielzahl von Varianten. Jede ist ein Unikat aber alle besitzen weitgehend identische Größe, Klingen- und Griffform. Einige Messer besitzen spiegelpolierte Klingen, bei anderen sind die Klingen aus Damaststeel oder San Mai Damast. Noch bekannter als für das KMP22 ist Charles Marlowe für seine Balisong Modelle „Badger“ und „Baby Badger“, die er ebenfalls aus verschiedenen Stahlsorten herstellt und mit einzigartigen Designelementen versieht.

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Charles Marlowe begann bereits als Jugendlicher, Messer nach eigenen Vorstellungen zu produzieren. Er ist echter Autodidakt in Sachen Messerbau. Zunächst hat Marlowe jedoch seine akademische Ausbildung mit einem Abschluss in Geographie beendet, um sich danach sofort wieder dem Messerbau zu widmen. Messer in Handarbeit herstellen und davon leben können, diesen Traum hat sich Charles Marlowe erfüllt. Bereits seit 1999 ist er hauptberuflicher Messermacher und wer heute eines seiner Werke erstehen will, muss einen mittleren vierstelligen Dollarbetrag in die Hand nehmen.

Böker KMP22 mit G-10 Griffschalen

Böker KMP22 – Design von Charles Marlowe

Keine Angst, so teuer wird es beim aktuellen Modell von Böker nicht. Mit einer Preisempfehlung von knapp 120 Euro ist der kleine Flipper in der preislichen Mittelklasse angesiedelt. Die optische Nähe zum Custom KMP22 ist allerdings unverkennbar: sowohl Klinge wie auch Griff zeigen alle typischen Design Elemente der noblen KMP22 Customs.

Als Klingenstahl kommt N690 zum Einsatz. Philip Marlowe würde das, wenn er nicht gerade auf der Suche nach Mabel ist, als Indiz für eine italienische Abstammung des Messers werten. N690 ist ein Produkt von Böhler Uddeholm und kommt bei vielen Messern der Mittelklasse zum Einsatz. Der Stahl darf als ordentlicher Allrounder ohne Schwächen betrachtet werden. Für ein Messer knapp oberhalb der 100 Euro Marke ist N690 eine gute Wahl.

N690 (Co) Böhler
C Cr Co Mo Mn Si V
1,08 % 17,3 % 1,5 % 1,1 % 0,4 % 0,4 % 0,1 %

Die Klinge besitzt eine Drop Point Form wobei sofort die langgestreckte falsche Schneide auf dem Klingenrücken auffällt. Diese „Swedge“ und der leichte Hohlschliff machen die Klinge leicht, ohne dabei viel Stabilität zu kosten. Die Klingenoberfläche besitzt ein Stonewash Finish. Auf der linken Klingenseite prangt das Böker Logo nebst der Stahlsorte; auf die rechte Klingenseite ist das Logo von Charles Marlowe gelasert. Der Klingenschliff ist winkelstabil und symmetrisch und auf der gesamten geschliffenen Länge von 78 Millimetern sehr scharf (9/10).

Bereits beim ersten Handkontakt fällt auf, der KMP22 Framelock Folder baut ausgesprochen schmal. Trotz 3,8 Millimeter Klingenbreite ist der Flipper nur 11 Millimeter breit. Das entspricht in etwa dem Verhältnis des in der letzten Woche getesteten Spyderco Advocate – schmale Messer scheinen einer der Trends des Jahres 2017 zu werden. Da auch die Klinge des Böker KMP22 in einem offenen Kugellager läuft, dürften sich die technischen Lösungen beider Messer nicht maßgeblich unterscheiden.

Böker KMP22 Abmessungen und technische Eigenschaften
Messertyp Flipper mit Framelock
Hersteller Böker
Modell KMP22
Klingenlänge 79 mm
Klingenstärke 3,8 mm
Klingenform Drop Point
Klingenhöhe 23 mm
Klingenstahl N690
Länge geöffnet 183 mm
Länge geschlossen 104 mm
Griffmaterial Titan / G-10
Scheide / Pouch ohne
Gewicht 107 Gramm

Schaut man auf die Schmalseite des Messers, steht eine kräftige Klinge zwischen einer schmalen Titan-Grundplatte auf der Lock Side und einer ebenso schmalen G-10 Griffschale. Das sieht richtig gut aus, bei der technischen Umsetzung des Designs wurde kein halber Millimeter Platz verschenkt. Das Kugellager ist von außen nicht erkennbar. Zwischen beiden Griffschalen stehen drei polierte Abstandhalter aus Edelstahl, die beidseits von außen verschraubt sind. Kleines Manko: Alle Schrauben, auch die Achsschraube, überragen die Griffschalen um gut einen halben Millimeter. Das ist zwar weder ein Beinbruch noch beeinträchtigen die Schrauben die Handlage, ein kleiner Punktabzug ist aber unvermeidbar, weil man das ohne spürbare Mehrkosten besser lösen kann.

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Geometrie und Justage passen: Das Lock steht früh und die Klinge mittig. Der Kicker des Flippers überragt die Griffschalen nur um 5 Millimeter, bietet dem Zeigefinger jedoch ausreichend Platz und ist treffsicher zu bedienen. Noch eine Parallele zum Spyderco Advocate: auch das Böker KMP22 muss sich trotz Kugellager ein wenig einlaufen, bevor die Flipper Action zu voller Form aufläuft. Der Detent besitzt mittleren Widerstand, der Klingengang ist mutet „hydraulisch“ an. Die Klinge knallt nicht ins Lock wie bei einem Assisted Opener, sondern marschiert weich aus der Ruhestellung in die geöffnete Position. Die Handhabung vom Flippen bis zum Entriegeln und Einklappen der Klinge ist ausgezeichnet.

Titan Framelock Folder Böker KMP22Die Handlage des kleinen Flippers ist gut, es liegt sicher in der Hand und neigt nicht zum Verdrehen. Da die Swedge bis fast an die Klingenwurzel reicht, ist die Auflagefläche für den Daumen in der Länge beschränkt. Für Detektive mit Handschuhgröße 9.5 ist die Ergonomie des KMP22 gut, Langfinger werden jedoch prüfen müssen, ob der zur Verfügung stehende Platz ausreicht. Der Taschenclip aus Edelstahl ist hochglanzpoliert, besitzt gute Vorspannung und hält das KMP22 sicher in der Tasche. Der Clip setzt auf der Titan-Grundplatte und nicht auf dem Lock Arm auf. Ein Steel-Insert und einen Overtravel-Stop besitzt der Lock Arm nicht.

Böker KMP22 – Fazit und Bewertung

Ganze 25 Dollar Tagesgage verlangte Philip Marlowe von seinen Klienten und noch bevor eine Woche zu Ende geht, könnte er sich das flache, leichte Messer leisten. Knapp 120,- Euro kann man für ein Messer in dieser Qualität als faires Angebot betrachten. Wenn man von dem Mini-Schönheitsfehler der leicht herausstehenden Schrauben absieht, gibt es am Böker KMP22 nichts zu meckern. Die Verarbeitungsqualität des Testmusters war genauso untadelig wie alle technischen Funktionen. Das schnörkellose, praxistaugliche Design ist von unaufdringlicher Eleganz.

Wie Knife-Blog wertetDas Böker KMP22 hat das Zeug zu einem angenehmen Begleiter im Alltag. Vor allem, wenn große Flipper mit martialischer Optik nicht sozialverträglich genug erscheinen, bietet der kleine Marlowe Flipper eine gute Alternative.Das KMP22 bietet sich nicht nur für den Büroalltag, sondern auch für Reise und Urlaub an. Es ist ein gelungener Brückenschlag zwischen Flipper mit dezent taktischer Note und einem Gentleman Folder.

Die Klinge ist ausreichend groß und dabei scharf und stabil genug, um allen Taten gewachsen zu sein, die im Alltag eines Privatdetektivs vorkommen können. Knapp 4 Millimeter Klingenbreite sind bei Foldern in dieser Größe eher die Ausnahme und untermauern den stabilen Eindruck, den das Messer bei der Begutachtung hinterlassen hat. Das KMP22 wird ab Ende Mai 2017 über Böker und seine Fachhändler zu beziehen sein.

Das Böker KMP22 in unspektakulär aber praktisch

Das „Marlowe“ mit Schachaufgabe und dem unvermeidlichen Bourbon. Für den Preis von 120 Euro hat Böker ein respektables Messer auf die Beine gestellt.

Links

Homepage: Charles Marlowe Knives
Bezugsquelle: Wolfster Online Shop
Bezugsquelle: Heinr. Böker Baumwerk GmbH


Alle genannten Marken, Warenzeichen, Logos und Namen sind Eigentum der jeweiligen Inhaber.

Bildnachweis:

Alle Bilder sind Eigentum des Autors.

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