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Messer- und Waffengesetze – Aktuelle Rechtslage in Europa

Die Reisesaison 2017 steht vor der Tür. Millionen Deutsche werden in den kommenden Monaten ihren Sommerurlaub in Ländern der EU verbringen. Nicht wenige werden dabei Messer mitführen, sei es als Angler, Camper, Wanderer oder einfach nur, weil das Mitführen eines Messers unverzichtbarer Teil des Selbstverständnisses ist. Das deutsche Waffenrecht ist vielen Messerfreunden mittlerweile gut vertraut aber wie sieht es im Urlaubsland aus? Knife-Blog hat in den letzten Monaten die Bestimmungen vieler Länder auf den neuesten Stand gebracht. Hier eine Übersicht…

Wir haben seit Monaten ein gesamteuropäisches Problem: Islamistische Attentäter haben schwere Terroranschläge in Belgien, Frankreich, Deutschland und Großbritannien verübt und weitere Anschläge angekündigt. Einige Täter haben Schusswaffen eingesetzt, andere, wie kürzlich in London, haben mit einfachen Küchenmessern getötet. Europaweit befinden sich die Sicherheitskräfte im Alarmzustand und deren Blickwinkel auf Messer hat sich durch die Attacken der Islamisten deutlich verschärft. Die Rechtslage für Messer- und Waffengesetze ändert sich daher laufend. Während wir „Messer-Freaks“ unsere Messer als Werkzeuge tragen, werden selbst Gentleman Folder bei Sicherheitsorganen und Teilen der Bevölkerung nun verstärkt als Waffen wahrgenommen.

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Keine Frage, durch den Terror ist das Klima für Messerfans rauer geworden. Viele zusätzliche Kontrollen, etwa in der Nähe von Sehenswürdigkeiten oder bei Großveranstaltungen, sind hinzugekommen. In vielen Ländern werden die Polizeibehörden vom Militär oder, wie beispielsweise in Frankreich, von Sondereinheiten zur Terrorbekämpfung unterstützt. Die erhöhte Wachsamkeit sowie die verstärkte Präsenz der Sicherheitskräfte ist nicht ohne Einfluss auf die Situation friedlicher, nichtkrimineller Messerfans geblieben. Heute kann man in fast jedem Land mit einem nach dortigen Bestimmungen legalen Messer Schwierigkeiten bekommen. In der angespannten Sicherheitslage gehen Sicherheitskräften schnell die Nerven durch.

Messer- und Waffengesetze in Europa

Die im Folgenden für die einzelnen Urlaubsländer aufgeführten rechtlichen Bestimmungen geben zwar die tatsächliche Gesetzeslage wieder, aber man kann sich nicht darauf verlassen, dass jeder Polizeibeamte oder Soldat diese Bestimmungen in der nötigen Detailtiefe kennt. Aus Unwissenheit oder reinem Übereifer werden Messer oft pauschalisiert als verboten betrachtet. Schon in Deutschland ist es für einen Bürger extrem schwierig, sich gegen die rechtswidrige Sicherstellung eines Messers zur Wehr zu setzen. In einem Land, das man als Tourist besucht und dessen Sprache man vielleicht nicht perfekt beherrscht, sind die Chancen auf Verteidigung seiner Rechte nochmals deutlich geringer.

Im Moment kann man die europäischen Länder hinsichtlich der Schärfe des Vorgehens gegen rechtmäßig getragene Messer in vier Gruppen einteilen:

  • Extrem problematisch
    Dänemark, Großbritannien, Irland, Niederlande, Türkei.
  • Sehr problematisch
    Belgien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Luxemburg, Norwegen.
  • Problematisch
    Italien, Griechenland, Portugal, Schweden, Schweiz, Spanien.
  • Weitgehend unproblematisch
    Kroatien, Litauen, Österreich, Polen, Ungarn, Montenegro, Slowakei, Slowenien, Tschechien.
Messer- und Waffengesetze des Reiselandes sollte der Messerbesitzer kennen

Die unterschiedliche Rechtslage in den Ländern der EU kann Reisende schnell mit dem Gesetz in Konflikt bringen

Bevor wir auf die Waffengesetze und Rechtsvorschriften hinsichtlich Messern schauen, hier einige allgemeine Vorsichtsregeln für das Tragen von Messern. Diese sind weitgehend länderunabhängig.

  • Nehmen Sie keine Kampfmesser oder „tacticoolen“ Messer mit, auch wenn diese Messer aufgrund ihrer Bauform in Deutschland erlaubnisfrei zu tragen sind.
  • Befolgen Sie das „Gray man“ Prinzip, das heißt: lenken Sie keine Aufmerksamkeit auf sich. Versuchen Sie aufgrund von Kleidung und Aussehen nicht aus der „Urlaubermenge“ herauszustechen.  Dazu gehört, Messer nicht sichtbar zu tragen und keine Rucksäcke in militärischem Stil (z. B. Molle comp. Equipment) mitzuführen. Drastisches Beispiel: Wer mit Camouflage Hose und Taliban Bart zwei Strider Fixed Tip-Up am Gürtel trägt und einen prall gefüllten, schwarzen Gearslinger auf dem Buckel hat, wird selbst die trübste Tasse unter allen Sicherheitsbeamten in Alarmstimmung versetzen.
  • Nehmen Sie bevorzugt Messer mit, die in der jeweiligen Urlaubsregion als Werkzeug bekannt sind. Paradebeispiel ist ein Laguiole Messer für den Frankreich Urlaub. Auch ein klassisches „LeThiers“ ist geeignet, wenn die Klinge nicht arretiert werden kann. Aus diesem Grund könnte in Frankreich bereits ein Opinel zum Problem werden, auch wenn jeder Bauer auf dem Land so ein Ding in der Tasche hat. Schweizer Messer gehen eigentlich überall, doch Vorsicht: einige Modelle besitzen eine Klingenarretierung, was in vielen Ländern eine Verbotseigenschaft darstellt (Gruppe 1: Extrem problematisch). Zweihandmesser in klassischer Optik (Modell „Opas Taschenmesser“) werden nur selten beanstandet.
  • Gehen Sie immer davon aus, dass Sie beobachtet werden. Straßen und Plätze vor allem in Innenstadtbereichen und im Umfeld von Touristenzielen werden durchgängig von Kameras überwacht. Zudem mischt sich zivil gekleidetes Sicherheitspersonal unter die Touristenströme, um aus der Nähe zu beobachten und Gesprächsfetzen aufzuschnappen. Werden Sie dabei beobachtet, wie Sie ein Messer vom Rucksack in die Hosentasche oder unter das Hemd wandern lassen, lernen Sie das Urlaubsland vermutlich noch genauer kennen…
  • Denken Sie voraus! Verbuddeln Sie ihre Messer tief in der Kleidung oder ersatzweise im Schuh, wenn Kontrollen absehbar sind. Oft werden Taschen und Rucksäcke akribisch untersucht, während eine hinten in den Gürtel geschobene 9 Millimeter übersehen wird.
  • Viele Sicherheitskräfte sind schlecht ausgebildet, noch schlechter bezahlt und genießen möglicherweise ihre „Wichtigkeit“ oder Weisungsbefugnis. Lassen Sie sich nicht provozieren, bleiben Sie freundlich und entspannt. Ansonsten lösen Sie bei Polizei oder Sicherheitspersonal einen „dem Kerl werd‘ ich es zeigen“ Reflex aus. Kontraproduktiv – denken Sie an das „Gray man“ Prinzip…
Flagge Name Restriktionen Link
Belgien Hoch Belgien im Detail
Dänemark Extrem hoch Messerrecht und Waffengesetze in Dänemark
Finnland Hoch Finnland im Detail
Flagge symb Frankreich Frankreich Sehr hoch Messerrecht und Waffengesetze in Frankreich
Griechenland Hoch Messerrecht und Waffengesetze in Griechenland
Großbritannien Extrem hoch Mit Messern nach Großbritannien
+ Italien Mittel Messerrecht und Waffengesetze in Italien
Kroatien Gering Kroatien im Detail
Litauen Gering Litauen im Detail
Luxemburg Sehr hoch Luxemburg im Detail
Niederlande Extrem hoch Messerrecht und Waffengesetze in den Niederlanden
Flagge Name Restriktionen Link
Norwegen Hoch Norwegen im Detail
Österreich Gering Messerrecht und Waffengesetze in Österreich
Polen Mittel Polen im Detail
Portugal Hoch Portugal im Detail
Schweden Hoch Messerrecht und Waffengesetze in Schweden
Schweiz Sehr hoch Messerrecht und Waffengesetze in in der Schweiz
Slowenien Mittel Slowenien im Detail
Spanien Sehr Hoch Spanien im Detail
Tschechien Gering Messerrecht und Waffengesetze in Tschechien
Ungarn Hoch Ungarn im Detail
Zypern Hoch Zypern im Detail

Die Türkei habe ich in der aktuellen Aufstellung nicht mehr berücksichtigt, da sich zurzeit keine halbwegs belastbaren Aussagen zur Anwendung der bestehenden Gesetze machen lassen. Das Vorgehen von Polizei, Militär und Zoll erscheint in vielen Fällen willkürlich und ist nicht vorhersehbar; das Rechtssystem unterliegt starker politischer Einflussnahme.

Fazit 2017:

Die Messer- oder Waffengesetze habe sich seit dem ersten Knife-Blog Artikel zu diesem Thema 2015 kaum verändert. Trotzdem ist nichts mehr, wie es war. Der Terror hat sowohl die Sichtweise auf Messer wie auch eine deutliche Zunahme der Kontrollen bewirkt. Mehrere deutsche Innenministerien haben die Polizei ihres Bundeslandes angewiesen, regelrecht Jagd auf Messer zu machen und mit aller Härte durchzugreifen. Dies wird umgesetzt, mal innerhalb der Rechtsvorschriften, manchmal aber auch willkürlich am Gesetz vorbei.

Messer- und Waffengesetze sind in jedem europäischen Land unterschiedlich

Damit Sie Ihren Urlaub nicht hier verbringen müssen…

Deutschland ist kein Einzelfall. Auch in einigen anderen Ländern Europas ist die Lage nicht besser. Man kann sich in vielen Ländern nicht mehr darauf verlassen, dass man wegen des Mitführens eines legalen Messers nicht doch belangt wird. Polizei oder Zoll schaffen einfach Fakten, denen man im Nachhinein nur mühevoll und kostenträchtig mit einem Anwalt begegnen kann. Meldungen über rechtswidrige Beschlagnahmungen von Messern haben Knife-Blog in den letzten Monaten aus Deutschland, Dänemark und den Niederlanden erreicht.

Diese Vorfälle relativieren die Darstellung der Waffengesetze in diesem Artikel ein Stück weit. Trotzdem sollte dieser Artikel helfen, nicht unwissentlich gegen bestehende Gesetze zu verstoßen und sich damit einer vermeidbaren Strafverfolgung auszusetzen.

Völlig unklar ist die Rechtslage bei kleinen Äxten und Tomahawks. In vielen Ländern fallen sie mit Sicherheit unter das Verbot „gefährlicher Gegenstände“ ohne explizit erwähnt zu werden. Dabei wird die Einordnung als sinnvolles Zubehör bei Wanderungen und Camping oder als Waffe im Stadtgebiet letztlich nur von der persönlichen Wertung des kontrollierenden Polizisten abhängen. Auch gängige Multi-Tools können in Dänemark oder Großbritannien zum Problem werden, wenn sie über mindestens eine arretierbare Klinge verfügen.

Wie ein roter Faden zieht sich der „nachvollziehbare Grund“ zum Tragen eines Messers durch die Gesetze der europäischen Länder. Deshalb macht es Sinn, nicht nur eine glaubwürdige Antwort parat zu haben, sondern auch die entsprechenden Vokabeln in der Landessprache zu beherrschen.

Von Reisen nach Dänemark, Großbritannien, Irland oder in die Niederlande ist abzuraten, wenn man nicht auf das gewohnte Messer in der Hosentasche verzichten möchte.


Alle genannten Marken, Warenzeichen, Logos und Namen sind Eigentum der jeweiligen Inhaber.

Bildnachweis:

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One thought on “Messer- und Waffengesetze – Aktuelle Rechtslage in Europa

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