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Zero Tolerance ZT 0850 Review

Zero Tolerance ist für seine Flipper berühmt und auch mit der 2017er Produktion ist die Firma aus Tualatin ihrer Tradition treu geblieben. Das Flipper-Konzept ist jedoch keine Einbahnstraße, immer wieder präsentiert Zero Tolerance auch lupenreine Einhandmesser. In diese Kategorie gehört auch das 2017er Modell ZT 0850, das darüber hinaus zahlreiche Besonderheiten mitbringt. Einerseits haben zwei bekannte Designer gemeinsam an diesem Messer gearbeitet, andererseits wurde ein ganz besonderes Griffmaterial entwickelt. Das Ergebnis hat Knife-Blog kritisch unter die Lupe genommen.

Wenn man auf einer großen Messerausstellung durch die Gänge schlendert, sieht man in weniger als einer Stunde Hunderte wenn nicht Tausende Messer. Die Reizüberflutung fordert ihren Tribut. Viele Messermodelle werden nur mit einem kurzen Blick bedacht, Sekunden danach verschwinden sie wieder im Hintergrundrauschen der Ausstellungshalle. Einige Messer wecken Interesse und werden eingehend studiert. Die dritte Gruppe kennt jeder Messerfan: ein kurzer Blick genügt und der Blitz fährt durch Herz und Hirn: dieses Messer muss man haben!

So ging es mir auf der IWA Outdoor Classics 2017 am Stand vom Zero Tolerance. Einige neue Messermodelle waren noch im Prototypenstadium und wurden nicht öffentlich ausgestellt. Aus einem Hinterraum wird ein abgedecktes Tablett gebracht. Nach dem Versprechen, nicht auf den Auslöser der Kamera zu drücken und das Smartphone in der Hemdtasche zu lassen, wird das schwarze Tuch beiseite gezogen… Auf schwarzem Samt liegt der Prototyp des ZT 0850 und der Blitz schlägt ein.

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Viele Wochen später liegt das Objekt der Begierde endlich auf dem Tisch: ein großer Folder mit Carbon Griffschalen und einer Klinge, die entfernt an den Kopf eines Raubvogels erinnert. Die beiden Carbon-Griffschalen springen regelrecht ins Auge: die Faserbündel sind deutlich erkennbar und wirken je nach Lichteinfall schwarz, blau oder schimmern in einem dezenten Goldton. Manchmal sieht man alle drei Farben gleichzeitig. In diesen Effekt hat Zero Tolerance viel Entwicklungsarbeit gesteckt und das Ergebnis kann sich sehen lassen: Die Griffschalen wirken edel, bringen einen Hauch Exotik mit und sind gleichzeitig ein Alleinstellungsmerkmal in der Messerwelt.

Knapp 22 Zentimeter misst das ZT 0850 im geöffneten Zustand, davon entfallen 93 Millimeter auf die Klinge und 126 Millimeter auf den Griff. Groß, schwer oder gar plump wirkt das ZT 0850 dabei aber keineswegs. Es ist ein Messer für Leute, die gerne einen „Fullsize“ Folder führen, ohne dass ihr EDC unangemessen an Hosentasche oder Gürtel zerrt. Trotz der 93 Millimeter langen und vier Millimeter starken Klinge bringt der Zero Tolerance Folder nur knapp 122 Gramm auf die Waage.

Zwei Designer – ein Messer. Das geht nicht immer gut aber einige positive Voraussetzungen waren gegeben. Dimitry Sinkevich und Todd Rexford haben nie ein Hehl daraus gemacht, die Entwürfe des jeweils anderen zu mögen. Bei einem Treffen im Frühjahr 2016 nahm der Plan für eine Zusammenarbeit Form an. Dimitry brachte eine Konzeptstudie mit und Todd begann, technische Details, Finish und den Style des Messers zu entwerfen. Einige Wochen später trafen sich beide in Todd’s Werkstatt in Colorado. Als Gemeinschaftsprojekt entstanden zwei außergewöhnliche Customs, die sofort nach Veröffentlichung des ersten Fotos auf Instagram Käufer fanden. Da beide Designer bereits zahlreiche Modelle für Zero Tolerance entworfen hatten, lag die gemeinsame Entwicklung eines Serienmessers auf der Hand. Zero Tolerance fragte – Dimitry und Todd stimmten der Kooperation zu. Damit war der Startschuss für das ZT 850 gefallen.

Das Zero Tolerance ZT 0850 ist eine markante Erscheinung

Das Zero Tolerance ZT 0850 ist eine markante Erscheinung

Eine große, solide Klinge so zwischen zwei Carbon-Griffschalen zu platzieren, dass ein funktionales und vor allem stabiles Messer entsteht, ist keine leichte Aufgabe. Viele haben sich an diesem Konzept versucht – nicht wenige sind daran gescheitert. Selbst einige Ikonen der Messerszene konnten die Aufgabe nicht lösen, wie sich im Knife-Blog Review des Tighe Fighter von Brian Tighe gezeigt hat. Damit aus dem ZT 0850 ein zuverlässiges EDC entsteht, mussten Dimitry Sinkevich und Todd Rexford nicht nur neue Wege gehen, sie haben auch tief in die Trickkiste moderner Messerherstellung gegriffen.

Ein Folder mit zwei Carbon-Griffschalen, der ohne großflächige Platinen aus Stahl oder Titan auskommt, lässt sich normalerweise nur per Liner Lock oder Axis Lock zuverlässig verriegeln. Bei einem Frame Lock kann sich der Lock Arm nicht an einer Grundplatte aus Metall abstützen. Den technischen Spagat hat Zero Tolerance durch seinen patentierten Sub-Frame Lock (US Patent 69.120.234) gemeistert und dieses System kommt auch beim ZT 850 zum Einsatz.

Zero Tolerance hatte das Sub-Frame Lock erstmals beim Modell ZT 0777 eingesetzt. Seit 2015 besteht Patentschutz für dieses System. Der Unterschied zu einem „normalen“ Frame Lock besteht in der Trennung von Lock Arm und Griffschale. In der Patentschrift heißt es:

„Lock Bar und Griffschale sind zwei einzelne Bauteile. Die Griffschale besitzt auf der Innenseite eine Ausfräsung, die die Lock Bar teilweise aufnimmt.“ (Frei übersetzt).

Der Lock Arm ist aus Titan. Allerdings ist er deutlich kürzer als bei einem klassischen Frame Lock, wodurch der Sub-Frame Lock zusätzlich Gewicht einspart. Ein Überdehnschutz lässt sich bei dieser Verriegelungsvariante sehr gut integrieren, da man den Spielraum der Lock Bar unsichtbar gegenüber der Griffschale begrenzen kann. Außerdem besitzt das ZT 0850 einen Stahleinsatz (Steel-Insert), das einen nahezu verschleißfreien Kontakt zur Klinge herstellt. Im verriegelten Zustand steht der Lock Arm bei knapp 50 Prozent.

Auch beim Klingenstahl verlassen die Designer die ausgetretenen Wege und bringen CPM 20CV zum Einsatz. Dieser pulvermetallurgische Werkzeugstahl war anfangs unter dem Handelsnamen „DuraTech 20CV“ auf dem Markt. Später wurde er von Crucible Steel als CPM 20CV vertrieben, tauchte aber trotzdem lange Zeit nicht auf der Homepage von Crucible auf. Inzwischen ist der Stahl dort aber ganz normal gelistet.

CPM 20CV – das Kürzel verrät es: Chrom ist mit einem Anteil von 20 Prozent das beherrschende Legierungselement. Zur Basis von 1,9 Prozent Kohlenstoff kommen neben vier Prozent Vanadium noch kleinere Anteile Wolfram, Molybdän und Silizium. Der hohe Gehalt von Chrom und Vanadium macht CPM 20CV extrem korrosionsträge. Dafür lässt er sich nicht so hoch härten, wie beispielsweise Stähle der D2 Familie (D2, CPM-D2, PSF27, etc.). Crucible Steel empfiehlt den CPM 20CV auf 58 HRC zu härten. Bei diesem Wert sind Schnitthaltigkeit und Zähigkeit nicht nur gut gegeneinander ausbalanciert, sie liegen auch deutlich über dem Durchschnitt. CPM 20CV ist ein belastbarer Allroundstahl der oberen Qualitätskategorie, der keine Schwächen hat, ein sehr schönes Finish zulässt und auch bei nachlässiger Behandlung keinen Rost ansetzt.

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ZT 0850 – Aufbau und Design

Rahmenkonstruktionen, bei denen zwei Carbon-Griffschalen nur durch einen Backspacer und die Achsschraube verbunden sind, machen mich grundsätzlich misstrauisch. Sofort stellt sich die Frage nach der Steifigkeit des Rahmens. Das Problem mangelnder Stabilität und knarzender Griffschalen umgehen Sinkevich und Rexford genauso gekonnt wie kreativ. Einerseits sind die Achsschraube und ihre Kontaktflächen zum Carbon üppig dimensioniert, andererseits stabilisiert ein ungewöhnlicher Backspacer die Carbon-Griffschalen wirkungsvoll.

Durchgängiges Design bis ins Detail kennzeichnet das ZT 0850

Durchgängiges Design bis ins Detail kennzeichnet das ZT 0850

Es gibt ein durchgängiges Design-Element am ZT 0850, das sich sowohl an der Achsschraube, am Klingenheber und beim Backspacer findet. Sechs stilisierte Bohrungen sind im Kreis um eine angedeutete Mittelachse angeordnet – die typische Optik der geladenen Trommel eines Revolvers. Todd Rexford hat viel Liebe zum gestalterischen Detail bewiesen und auch dem langen Backspacer eine trommelähnliche Erscheinung spendiert. Die Kunstgriffe zur Stabilisierung der Konstruktion liegt in Länge und Stärke des Backspacers, die Materialwahl Titan, sowie der Integration des Backspacers tief zwischen die beiden Griffschalen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Das ZT 0850 verfügt nicht nur über einen ungemein stabilen Rahmen, es liegt durch den runden Backspacer, der die Griffschalen minimal überragt, auch sehr angenehm in der Hand.

Wie das Griffmaterial besitzt auch die Klingenform einen hohen Wiedererkennungswert. Fast wie der Schnabel eines Raubvogels senkt sich der Klingenrücken zur Spitze. Die Schneide zeigt einen geschwungenen Bogen vom Ricasso bis zur Spitze. Die Gratlinie liegt im oberen Klingendrittel und verläuft bogenförmig parallel zur Schneide. Durch die Swedge in der Mitte des Klingenrückens ergibt sich eine Facettierung der Schneide, die optisch durch ein Two-Tone Finish unterstützt wird.

ZT 0850 – Handlage und Ergonomie

Nach der Optik die Haptik. Die Oberflächen des Carbons sind geglättet aber nicht glatt. Soeben kann man noch die Struktur der Kohlefasern ertasten. Die Kanten werden durch eine breite, umlaufende Fase entschärft, so dass die Hand nie mit einer scharfen Kante in Berührung kommt. Der Griff ist üppig dimensioniert und passt für mittlere bis große Männerhände. Alle Finger finden an der Griffunterseite ausreichend Platz. Der Daumen liegt auf dem kurzen aber stark konturierten Jimping sicher auf und kann sich zusätzlich auf dem voluminösen Klingenheber abstützen.

Obwohl das ZT 0850 ein auffälliges und ungewöhnliches Messer ist, führen Design und Linienführung kein Eigenleben. Alle Formen, Kanten und Linien verbinden sich zu einem harmonischen Ganzen. Auch auf die Ergonomie haben Dimitry Sinkevich und Todd Rexford großen Wert gelegt und ein Messer entwickelt, dem man eine ausgezeichnete Handlage bescheinigen kann.

In der Tasche wird das ZT 0850 von einem soliden Clip aus Titan gehalten. Der Clip ist an der Lock Side angebracht und kann nicht umgesetzt werden. Das Messer von Dimitry und Todd wird Tip-Up getragen. Der Clip ist lang und stabil genug, um das ZT 0850 sicher an seinem Platz zu halten.

Das ZT 0850 besitzt den patentierten Sub-Frame Lock

Das ZT 0850 besitzt den patentierten Sub-Frame Lock

ZT 0850 Material und Verarbeitung

Bisher ist Zero Tolerance noch nie durch schlechte Verarbeitung oder Mängel beim Finish aufgefallen und auch das ZT 0850 kann dieses Ergebnis bestätigen. Das Finish der Klinge ist sowohl im satinierten Bereich wie auch beim Stonewash völlig gleichmäßig. Dadurch kommt der Two-Tone Effekt gut zur Geltung. Auch bei der Verarbeitung der Griffschalen gibt es nichts zu kritisieren. Der Anschliff ist winkelstabil und seitensymmetrisch; die Schneide ist auf der ganzen Länge extrem scharf (9,5/10).

Die Klinge ist leichtgängig und steht mittig. Der Kraftwinkel zum Öffnen der Klinge ist gut gewählt, der Daumen kann die Klinge mühelos aus der Ruheposition bewegen. Das Sub-Frame Lock verriegelt die Klinge sicher und lässt sich ohne Kraftaufwand entriegeln.

ZT 0850 – Preis-Leistungs-Verhältnis

In den USA liegt der Listenpreis für das ZT 0850 bei 400 Dollar. Zero Tolerance hat schon vor geraumer Zeit die nervtötenden Schwellenpreise aufgegeben und nennt runde Summen. Bei US-amerikanischen Internethändlern hat sich der Preis inzwischen auf 320 Dollar eingependelt. In Europa ist der übliche Aufschlag aus Zoll und Einfuhrumsatzsteuer zu entrichten, so dass bei deutschen Händlern um 400 Euro zu bezahlen sind.

Mit dem Listenpreis von 400 Dollar ist das ZT 0850 das aktuell teuerste Serienmesser von Zero Tolerance. Für den Preis wird allerdings auch etwas geboten: ein stattliches Einhandmesser mit einer großen Klinge aus CPM 20CV, Griffschalen aus hochwertigem Carbon und einem sehr individuellen und aufwändigen Design. Technisch ist das Messer ein Leckerbissen. Dazu trägt es die Gene zweier renommierter Messermacher und macht als EDC eine ausgezeichnete Figur.

400 Dollar oder Euro ist ein Betrag, bei dem man als Messerfan bereits zweimal nachdenkt. Zero Tolerance ist mit dem ZT 0850 dabei, die Preislücke zu Strider und Spartan Blades zu schließen. In Sachen Material- und Verarbeitungsqualität liegt das ZT 0850 in der Spitzenklasse und muss keinen Vergleich fürchten.

In Zeiten, in denen für chinesische CNC-Tristesse 300 Dollar/Euro und mehr bezahlt werden, ist ein Preis von 400 Dollar/Euro für ein im Hochlohnland USA hergestelltes Messer nicht automatisch als „hoch“ einzustufen. Entscheidend ist der Gegenwert – und den bietet das ZT 0850 reichlich.

Dass auch bei einem großen Folder mit Carbon-Griffschalen die Klinge mittig stehen kann, beweist Zero Tolerance mit dem ZT 0850

Das ZT0850 präsentiert sich perfekt justiert.

Fazit und Bewertung des ZT 0850

Farblich changierendes Carbon, eine Swedge, die im Nirgendwo beginnt und im Nirgendwo endet, eine auf der gesamten Länge gebogene Schneide und ein tiefer Bogen auf dem Klingenrücken… Das klingt alles eher nach dem Handwerkszeug eines Klingonen als nach einem schneidfreudigen und praxistauglichen EDC. Aber wider Erwarten ist Dimitry Sinkevich und Todd Rexford genau das gelungen: trotz der gewagten Linienführung und dem unkonventionellen Aufbau ist ein Messer mit uneingeschränkter Praxistauglichkeit entstanden.

Für deutsche Messerfans ist die Option interessant, den Klingenheber zu entfernen, die Aussparung in der Klinge durch einen flachen Einsatz zu verschließen und das Messer auf diese Weise §42a WaffG konform zu machen. Ein ZT mit 93 Millimeter Klinge, das die Polizei nicht einkassiert – der Gedanke hat Potential…

Bewertung ZT 0850Vom ersten Moment an habe ich die Entscheider bei Zero Tolerance für ihren Mut und ihr Gespür bewundert. Ein Gemeinschaftsprojekt zweier gestandener Messermacher auf die Beine zu stellen beinhaltet immer eine Portion Sprengstoff.  Auch mit der ungewöhnlichen Optik, den technischen Lösungen in Verbindung mit den eingesetzten Materialien hat Zero Tolerance Mut zum Neuen bewiesen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: das ZT 0850 gehört zur qualitativen Spitzenklasse und ist eines der schönsten Messer, die bisher mit dem ovalen Logo erschienen sind!

Links

Klingenstahl: Datenblatt CPM 20CV

ZT 0850 kaufen: Bezugsquelle


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