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Teuer gegen Billig –WE KNIFE 601 vs WE KNIFE 711

WE KNIFE – das ist doch der Hersteller aus China, den man an der farbenfrohen Gestaltung seiner Messer erkennt, oder? Falsch! Heute liegen zwei WE KNIFE Messer auf dem Tisch, die in dezenten Schwarz -und Brauntönen gehalten sind. Einmal G-10 mit Liner Lock sowie VG-10 als Klingenstahl und zum fast dreifachen Preis die Edelversion aus Titan mit Framelock und S35VN Klinge. Zu unterschiedlich für einen Vergleich, also muss sich jedes Messer in seiner Preisklasse gegen die internationale Konkurrenz behaupten.

Vor einigen Monaten musste sich bereits ein anderes Messer von WE KNIFE dem Knife-Blog Review stellen. Dabei konnte das Modell 612F zwar mit guten Materialien und ordentlicher Verarbeitung punkten, fiel im praktischen Einsatz jedoch wegen konzeptionellen Mängeln und schlechter Schneidleistung durch. Wie immer in jedem Knife-Blog Review gilt das Hauptaugenmerk der Praxistauglichkeit. Beide Messer von WE KNIFE müssen Zeugnis über Stärken und Schwächen im praktischen Einsatz ablegen.

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Die Messer treten in zwei sehr unterschiedliche Preisbereichen an. Das Modell 711 repräsentiert mit einem Anschaffungspreis von knapp 120,- Euro die Economy-Class von WE KNIFE. Weiter vorn in der Business-Class ist das WE KNIFE 601 zuhause und reißt ein fast dreimal so tiefes Loch in die Tasche. Die Modellbezeichnungen bei WE KNIFE sind transparent: die dreistellige Nummer steht für eine Bauform, der Buchstabe für eine Designvariante. Bei den beiden Testmessern handelt es sich um die Modelle 711D (Camouflage Optik) und 601L (schwarz anodisiert).

WE KNIFE 711

Das Logo von WE KNIFE wird von zwei Symbolen gebildet, die jeweils aus drei parallelen Strichen bestehen. Senkrecht symbolisieren sie ein „W“, waagerecht angeordnet das „E“. Diese Symbolik wird an mehreren Stellen des WE Knife 711 eingesetzt. Durch Tieffräsung beider G-10 Griffschalen erschienen die Symbole für „W“ und „E“ erhaben, wobei ein Symbol schwarz, das andere grün erscheint. Diese Oberflächenstruktur führt einerseits zu einem leicht scharfkantigen Handgefühl, anderseits aber zu hervorragender Rutschhemmung. Das WE KNIFE 711 lässt sich auch mit nassen Händen angenehm und sicher halten.

Die Symbolik der drei parallelen Striche findet sich auch am Klingenrücken unterhalb des Jimpings. Schräge angeordnet verlaufen drei Striche parallel zur Linie der Griffschale jeweils auf die Riffelung am Klingenrücken zu. Das Design des WE KNIFE 711 ist dezent, aber pfiffig. Ohne Schnickschnack setzt der Designer mit sparsamen Mitteln bemerkenswerte optische Akzente. Die Linienführung des Messers ist harmonisch, die Gestaltung der Griffschalen beinahe ein Alleinstellungsmerkmal.

WE KNIFE 711D

WE KNIFE 711D

Auch in Sachen Ergonomie leistet sich das Messer keine Schwächen. Dimension und Formgebung des Griffs ermöglichen eine gute Handlage und sichere Handhabung. Bis Handschuhgröße 9.5 liegt das WE KNIFE 711 satt in der Hand. Für größere Pranken ist der Griff zu kurz, so dass nicht alle Finger genügend Platz an der Griffunterseite finden.

An den Schrauben hat WE KNIFE offensichtlich „gespart“ und ganz normale Torx Schrauben statt der nur mit einem Spezialschlüssel zu lösenden Design-Schrauben verwendet. Manchmal ist weniger mehr! Die Demontage von Taschenclip, Achsschraube und Griffschalen ist mit einem einzigen Torx-Schlüssel möglich. Das bringt dem WE KNIFE 711 einen kleinen Bonus bei der Praxistauglichkeit, auch wenn der Hersteller kein passendes Werkzeug beilegt.

Dass man auch in der unteren Preisklasse Messer mit einem brauchbaren Klingengang herstellen kann, zeigt sich an diesem Modell von WE KNIFE. Ausgestattet mit einem offenen Mini-Kugellager liefert das als Flipper gestaltete Messer gute Ergebnisse bei der Handhabung. Der Klingengang ist ordentlich, die Vorspannung des Detent richtig gewählt und die Klinge steht mittig. Auch beim Liner Lock gibt es keine Kritikpunkte. Die Verriegelung ist solide und die Klinge lässt sich bequem und ohne Kraftaufwand entriegeln und einklappen.

Als Klingenstahl kommt VG-10 zum Einsatz. Bei einem Messer dieser Preisklasse sicherlich keine schlechte Wahl. Zwar ist der ursprünglich japanische VG-10 Stahl in Zeiten pulvermetallurgischer Überflieger nicht mehr ganz zeitgemäß aber er besitzt gute Allround-Eigenschaften und keine kritikwürdigen Mängel. Zwei kleine Schmankerl hat WE KNIFE seinem Modell 711 trotz Economy-Class gegönnt: Taschenclip und Backspacer sind aus Titan und nicht aus Aluminium, wie man in dieser Preisklasse vermuten könnte.

WE KNIFE 711 – Bewertung

Zurzeit muss man für das WE KNIFE 711 knapp 120,- Euro aus dem Portemonnaie nehmen. Dafür bekommt man ein solides Messer mit kreativem Design, hohem Wiedererkennungswert und guter Praxistauglichkeit. Die Bauform „G-10 mit Liner Lock“ ist von Klassikern wie dem Spyderco Military bekannt und hat sich über Jahrzehnte bewährt. Trotzdem repräsentiert sie in „titanlastigen“ Zeiten nicht mehr ganz den Stand der Technik. Dafür ist das Messer nur 115 Gramm leicht und bringt trotzdem eine 85 Millimeter lange Klinge mit.

WE KNIFE 711 BewertungBei Materialqualität und Verarbeitung kann das WE KNIFE 711 überzeugen. Saubere Fräsarbeiten, gut gemachtes Finish der Klinge, ordentlicher Klingenschliff und ein funktionierendes Konzept. Ob das kleine Kugellager, dass sich mittels dünner Metallscheiben an den G-10 Griffschalen abstützt, den Belastungen eines Alltagsmessers gewachsen ist, bleibt allerdings abzuwarten.

In der Summe ist das WE KNIFE 711 ein taugliches Messer. Durch die gute Qualität kann man das Preis-Leistungsverhältnis als ausgeglichen bezeichnen und das Messer verdient sich eine respektable Bewertung.

WE KNIFE 601 WE KNIFE 711
Gesamtlänge 220 mm 200 mm
Klingenlänge 97 mm 85 mm
Klingenstärke 4 mm 3,2 mm
Schliff Flach Hohl
Kugellager / Insert Keramik / Ja Keramik / -
Klingenstahl S35VN VG-10
Griffmaterial 6AL4V Titanium G-10
Gewicht 132 g 113 g
Lanyardhole / Clip Ja / Ja Nein / Ja
Zubehör Nylon Pouch Nylon Pouch

WE KNIFE 601

Wieder ein Flipper. Nun aber kommt ein WE KNIFE mit dem typischen Materialmix der Folder-Oberklasse. Rundum Titan und dazwischen eine Klinge aus dem pulvermetallurgischen Klingenstahl S35VN. Ungewöhnlich für WE Knife ist die dezent taktische Erscheinung des Messers. Alle Titan Oberflächen des Modells 601L sind schwarz anodisiert. Gleichmäßig schwarz anodisiertes Titan? Ja, das ist tatsächlich möglich, wenn man die Prozesse gut im Griff und genügend Spannung in der Hinterhand hat.

Viele Messerfans vermuten bei schwarzen Titan Oberflächen entweder eine chemische Verbindung mit Titannitrid (TiN), Titancarbid (TiC) oder eine DLC Beschichtung (Diamond Like Carbon). Letztere werden häufig für Klingenstähle eingesetzt. WE KNIFE hingegen besteht in seiner technischen Dokumentation darauf, dass die Färbung ausschließlich durch einen Anodisierungsvorgang erzielt wird. Wenn es so ist – Hut ab! Alle äußeren und inneren Flächen sind zeigen einen absolut gleichmäßigen Anodisierungsgrad mit mattschwarzen Oberflächen.

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Die Klinge des WE KNIFE 601 besitzt eine interessante Formgebung. Eine Swedge über die gesamte Länge des Klingenrückens, eine parallel zum Klingenrücken verlaufende, breite Gratlinie sowie ein kontrastreiches Two-Tone Finish ergeben eine ungewöhnliche und spannende Optik. Im Bereich der Spitze ist die Klinge in einem breiten Bogen angeschliffen. Durch das Spiel mit Flächen, Winkeln und Oberflächeneffekten meint man bei flüchtigem Hinsehen eine American Tanto Klinge zu erkennen. Doch der Eindruck täuscht, das WE KNIFE 601 besitzt eine lupenreine Drop Point Klinge.

Zum Klingenstahl muss man nicht viel sagen. CPM-S35VN ist zurzeit einer der gebräuchlichsten Klingenstähle für hochwertige Messer. Der Stahl ist ein Allrounder, bei dem Zähigkeit, Schnitthaltigkeit, Schärfbarkeit und Korrosionsträgheit fein ausbalanciert auf einem hohen Niveau liegen. Nicht exotisch, beinahe etwas langweilig aber S35VN ist ein Stahl, mit dem man nichts falsch machen kann.

Auch Taschenclip und Backspacer sind aus schwarz anodisiertem Titan gefertigt. Die Oberfläche des Clips ist poliert und besitzt als Dekorationen außer einem goldfarbenen WE KNIFE Logo eine Riffelung nahe des unteren Endes. Beinahe ein Jimping aber auf jeden Fall ein haptischer Effekt an einem Messer mit glatten Flächen.

WE Knife 601L 01

WE Knife 601L 01

Das WE KNIFE 601 bringt eine 97 Millimeter lange Klinge mit. Durch die lange, breite Swedge und den an der Gratlinie ansetzenden Flachschliff wirkt die Klinge nicht schwer, vermittelt aber einen sehr stabilen Eindruck. Als Klingenlager kommt ein keramisches Kugellager zum Einsatz. Der Klingengang ist weich und gleichmäßig; der Detent befindet sich eher auf der straffen Seite. Die Flipperaction überzeugt. Ein Druck auf den gut gestylten Kicker befördert die Klinge mit Nachdruck ins Lock.

Das Lock steht mit etwa 20 Prozent Überdeckung sehr früh, aber die Klinge lässt sich nicht aus dem Lock drücken. Im geschlossenen Zustand steht die Klinge mittig. Das Framelock lässt sich bequem entriegeln. Handlage und Ergonomie des Griffs stimmen; das Messer liegt bequem in der Hand und gewährt gute Kontrolle über die Schnittführung.

Für das WE KNIFE 601 muss der Messerfan in Mitteleuropa knapp 300 Euro ausgeben. Die verfügbaren Stückzahlen sind niedrig. Manche Händler führen das Modell bereits als „discontinued“ aber das „601er“ ist auch in zahlreichen andern Farben auf dem Markt. Die Unterschiede beschränken sich auf die Optik. Technisch gibt es keine Unterschiede.

WE KNIFE 601L

Das WE KNIFE 601L wirkt durch die schwarz anodisierten Oberflächen besonders edel

WE KNIFE 601 – Bewertung

Zum zweiten Mal die Feststellung: Manchmal ist weniger mehr! Diese Feststellung trifft besonders auf das WE KNIFE 601 zu. Klare Formen, abgestimmte Proportionen und viel Feinarbeit am Detail haben ein bemerkenswertes Messer entstehen lassen. Auf den ersten Blick mag das schwarze WE KNIFE 601 unscheinbar oder sogar langweilig wirken, aber beim zweiten Blick offenbart es gelungenes Design und hohe Qualität.

Auf seine Spezialschräubchen mag WE KNIFE nicht verzichten. Es handelt sich dabei quasi um ein gespiegeltes Torx System. Ein entsprechend ausgefräster Schlüssel greift die erhabenen ausgefräste Sternform des Schraubenkopfes. Auch wenn die Schrauben gut aussehen und präzise gearbeitet sind, stellen sie ein Manko dar. Ohne Spezialschlüssel geht nichts und wenn das Werkzeug unauffindbar oder defekt ist, können weder Reparaturen noch Einstellarbeiten durchgeführt werden.

Keramisches Kugellager, Lock Arm mit Stahleinsatz und Überdehnschutz, guter Klingenstahl, untadelige Ergonomie, gelungene Optik, gute Flipperaction und ein außergewöhnliches aber praxistaugliches Klingendesign verbucht das WE KNIFE 601 auf der Habenseite. Beim Klingenschliff erwische WE KNIFE dann aber doch noch. Zwar ist die Klinge entlang der gesamten Schneide sehr scharf, aber weder der Anschliff noch die Facettierung der Klinge sind seitensymmetrisch.

WE KNIFE 601 BewertungDie Abweichungen bei der Facettierung sind minimal und werden vielen Messerfreunden kaum auffallen. Im Alltag stellen sie keinen Nachteil dar. Beim Anschliff der Schneide zwischen Ricasso und dem Schnittpunkt der beiden vorderen Bogenlinien treten die Fehler jedoch deutlich zutage.

WE KNIFE 601 Großaufnahme der Klinge

Die linke und rechte Seite des WE KNIFE 601 im Vergleich

Während der Anschliff auf der linken Klingenseite einen perfekten Eindruck macht, hat der „Grinder“ (Schleifer) mit der rechten Seite offenbar lange gekämpft: Der Schleifwinkel ist etwas flacher, der Verlauf des Anschliffs ist weniger gleichmäßig und nahe des Ricasso ist eine kleine Delle erkennbar. Das ist Jammern auf hohem Niveau aber in dieser Preisklasse kosten solche Nachlässigkeiten ein paar Prozentpunkte. Die Praxistauglichkeit des Messers wird jedoch nicht gemindert, daher bleibt der Abzug moderat.

Insgesamt ist das Modell 601 das bisher beste Messer von WE KNIFE, das mir bisher untergekommen ist. Der Hersteller hat bewiesen, dass er Potential hat, wenn er sich nicht auf Design-Eskapaden einlässt.

Links

Bezugsquelle WE KNIFE 711 und 601: Messerdepot
Hersteller: WE KNIFE


Alle genannten Marken, Warenzeichen, Logos und Namen sind Eigentum der jeweiligen Inhaber.

Bildnachweis:

Alle Bilder sind Eigentum des Autors.

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