Der kleine Koch – Kochmesser von Roselli

Kochmesser mit Karbonstahlklinge, da schlägt nicht nur manchem Koch, sondern auch vielen Messerfreunden das Herz höher. Der gute Ruf kommt nicht zuletzt von den archaischen, minimalistischen und für besondere Schneidaufgaben optimierten japanischen Kochmessern. Knife-Blogs heutiger Testkandidat hat einen wesentlich kürzeren Weg hinter sich: das kleine Kochmesser von Roselli kommt aus dem Norden Europas. Ob es als preiswertes Allroundwerkzeug in der Küche taugt, muss das nordisch kühle Santoku im Praxistext beweisen.

Archaisch und minimalistisch ist das kleine Kochmesser von Roselli mit seiner Karbonstahlklinge und dem Griff aus Maserbirke alle Mal. Der Name klingt nach Italien, Toscana und mediterraner Küche, aber sein Erbauer Heimo Roselli ist Finne. Das Messer hingegen wirkt auf den ersten Blick japanisch, denn es handelt sich um ein Santoku mit einer Klingenlänge von 14 Zentimetern. Die Klinge ist außerhalb der Schneide schwarz verzundert, so dass der nicht rostträge Karbonstahl durch eine korrosionsträge Oberfläche geschützt ist. Nur im Bereich des Anschliffs blinkt das Metall hervor.

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Kurouchi nennen japanische Messermacher die weitgehend schwarzen Klingen und der Begriff lässt sich frei mit „schwarz geschmiedet“ übersetzen. Roselli verwendet einen unspezifizierten Karbonstahl für sein kleines Kochmesser, eine Angabe zur Härte fehlt. Auch die Anteile der Legierungselemente sind nicht bekannt.

Kochmesser von Roselli

Eisen und Kohle – das klingt eher nach Industriebetrieben entlang der Saar in den 1950ern als nach einer Messerklinge des 21. Jahrhunderts. Bei der Korrosionsbeständigkeit sind natürlich Abstriche hinzunehmen. Ein Stahl ohne Chrom und Vanadium besitzt keine höhere Rostträgheit als reines Eisen.

Kochmesser von Roselli

 

Heimo Roselli hat, was seine Messer betrifft, eine klare Philosophie. „Ein Messer muss nicht schön sein“, sagt er gern, „ein Messer muss gut schneiden.“ Diesem Grundsatz folgend ist sein kleines Kochmesser ein schnörkelloses Produkt, bei dem er auf optische Akzente bewusst verzichtet. Der Erl steckt in einem geölten Griff aus finnischer Maserbirke und wird durch eine schmale Zwinge aus Stahlblech stabilisiert.

Mit einem Gewicht von 184 Gramm bei einer Gesamtlänge von 250 Millimetern gehört das kleine Kochmesser von Roselli nicht zu den Leichtgewichten. Die Stärke des Blatts beträgt am Klingenrücken drei Millimeter und bleibt bis zum Anschliff nahezu gleich. Gemessen an der Klingenlänge fällt das Blatt mit einer Höhe von 57 Millimetern am Griffansatz relativ hoch aus, was sich beim Handling und der Führbarkeit positiv bemerkbar macht. Der Anschliff ist – typisch nordisch – als Scandi Grind ausgeführt. Die Höhe des Anschliffs beträgt etwa neun Millimeter.

Der Griff ist weitgehend gerade und besitzt nur wenige ergonomische Anpassungen an die Hand. Trotzdem überrascht das kleine Kochmesser von Roselli mit einer akzeptablen Handlage. Bei der Gestaltung des Griffs setzt sich Heimo Rosellis Minimalismus fort. Der Lohn der Einfachheit ist ein formschöner Griff aus geölter Maserbirke, der allen Handgrößen die Arbeit mit dem Messer ermöglicht.

 

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Kochmesser von Roselli – Praxis

Die Balance des Messers ist gelungen, der Schwerpunkt liegt etwa zwei Fingerbreiten vor dem Griffansatz. Dadurch lässt sich die Klinge beim Schneiden gut dirigieren und ermöglicht einen runden Bewegungsablauf. Am effektivsten kann man mit dem kleinen Santoku arbeiten, wenn man es im Vorgriff fasst. Dabei liegen Daumen und Zeigenfinger am Klingenblatt kurz vor der Zwinge während die restlichen Finger den Griff fassen. Bei dieser Haltung kann man mit wenig Kraftaufwand arbeiten und das Messer gewährt hohe Kontrolle über die Schnittführung. Fraglos ist das Kochmesser von Roselli genau für diese Handhaltung konstruiert worden und erst bei dieser Handhaltung offenbart das Messer seine wirklichen Fähigkeiten.

Am Scandi Grind werden sich – wie gewöhnlich – die Geister scheiden. Gute Schneidleistung, eine stabile Schneidkante und gute Nachschärfbarkeit vereint der Scandinavian Grind auf der Habenseite. Der Nachteil gegenüber einer fein ausgeschliffenen Klinge mit Flachschliff über das gesamte Blatt liegt in der höheren Klingenbreite etwa einen Zentimeter oberhalb der Schneide. Dadurch neigt das Kochmesser von Roselli dazu, das Schnittgut auseinanderzudrücken. Diese Eigenschaft zeigt sich beim groben Würfeln von Zwiebeln oder Champignons sowie beim Schneiden dicker Karotten. Die breite Klinge lässt das Schnittgut brechen, bevor die Schneide es zerteilen kann. Schneidet man hingegen nicht sehr hohes Schnittgut in Würfel oder feine Scheiben, tritt dieser Effekt nicht auf.

Kochmesser von Roselli

Kochmesser von Roselli – Fazit und Bewertung

Der kleine Koch, wie das kleine Kochmesser von Roselli umgangssprachlich genannt wird, ist ein ordentliches Werkzeug und leistet gute Dienste. Das Konzept des Messers ist nordisch-einfach aber stimmig. In Punkto Verarbeitungsqualität lässt sich das Kochmesser von Roselli nichts zu Schulden kommen. Die Klinge ist gleichmäßig geschliffen und sehr scharf (9.5/10) und auch an der Oberflächenbearbeitung von Klingenblatt und Griff gibt es nichts zu bemängeln.

Die Handhabung des  „kleinen Kochs” unterscheidet sich deutlich von einem ausgewachsenen Santoku und kann ein solches daher gut ergänzen. Es eignet sich hervorragend für die Vorbereitung kleinerer Mengen Gemüse sowie zum Portionieren von Fisch und Geflügel. Der Scandi Grind zeigt sich dabei nicht als Nachteil. Die Karbonstahlklinge hat den Praxistest ohne Ausbrüche absolviert und musste auch nicht nachgeschliffen werden. Auf das Hacken von Knochen, zum Beispiel beim Portionieren von Spareribs, sollte man allerdings tunlichst verzichten. Überhaupt sollte jeder Kontakt der Schneide mit Knochen vermieden werden. Obwohl eine Schneide mit Scandi Grind deutlich robuster ist als eine fein ausgeschliffene Klinge besteht die Gefahr, die Schneide zu verkanten und dadurch kleine Ausbrüche an der Schneidkante zu verursachen.

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Damit das kleine Kochmesser von Roselli über längere Zeit optisch attraktiv bleibt, benötigt es etwas Aufmerksamkeit und Pflege. Nach jedem Gebrauch sollte es gründlich gereinigt und der blankgeschliffene Teil der Klinge mit etwas Speiseöl eingeölt werden. Von Zeit zu Zeit kann man auch den Griff einölen, damit das Holz keine färbenden Stoffe wie Blut oder Fruchtsäfte aufnimmt und sich dadurch dauerhaft verfärbt.

Kochmesser von Roselli - Knife-Blog WertungDer Preisrahmen für den kleinen Koch liegt um 100 Euro. Beim Messerkontor ist Heimo Rosellis kleines Santoku derzeit für 90,- Euro im Angebot. Mit dem Messer wird ein Holzblock geliefert, der als Messerständer dient und sich als wirklich praktisch erwiesen hat. Da das Holz des Ständers im Gebrauch etwas Öl aufnimmt, wird die Schneide des kleinen Kochs automatisch nachgeölt, wenn man es im Ständer parkt. Gemessen an der Qualität und den Fähigkeiten des Messers kann man diesen Preis als faires Angebot bezeichnen. Da gute Qualität und Praxistauglichkeit auf einen günstigen Preis treffen, kann das kleine Kochmesser von Roselli mit 90 Punkten eine hohe Wertung einheimsen.

Kochmesser von Roselli

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