Work Sharp Knife & Tool Sharpener – Ken Onion Edition

Irgendwann kommt der Tag und auch die Klinge des teuersten Messers möchte nachgeschärft werden. Auf dem Zubehörmarkt buhlen viele Produkte um die Gunst der Messerfans. Nicht alle halten, was sie versprechen, andere sind maßlos überteuert. Im vergangenen Jahr hat der kleine Bandschleifer von Work Sharp im Knife-Blog Review eine (erstaunlich) gute Figur gemacht, daher steht heute der Test seines großen Bruders an, dem Work Sharp Knife & Tool Sharpener in der Ken Onion Edition 2.

Bandschleifer gibt es in Hülle und Fülle. Von Bosch, Metabo oder No-Name-Herstellern im Baumarkt. Manche eigenen sich theoretisch sogar zum Schärfen für Messer aber eine gute Lösung sind die Heimwerkergeräte nicht. Ein Bandschleifer in Profiqualität, zum Beispiel von Fachmann Uwe Dostert, liegt preislich mindestens bei 1.500 Euro und dürfte für den durchschnittlichen Messerbesitzer der Overkill sein. Wicked Edge, offenbar vom eigenen Erfolg berauscht, kratzt mit der dritten Generation seines manuellen Schärfgeräts an der 1.000 Euro Marke und hat sich damit aus der engeren Auswahl katapultiert.

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Was also tun, wenn Sharpmaker und Co. nicht mehr ausreichen und das Herumrutschen auf einem Wasserstein auch keine befriedigenden Ergebnisse liefert? Die amerikanische Firma Work Sharp hat eine mögliche Alternative im Angebot. Seit Jahren stellt Work Sharp kleine Bandschleifer für den Consumer-Bereich her. Das Spitzenmodell trägt den langen Namen Work Sharp Knife & Tool Sharpener Ken Onion Edition (WSKTS). Messerpapst Ken Onion war an der Entwicklung beteiligt und hat dem fertigen Produkt Absolution erteilt.

Die Ausstattung des WSKTS ist vielversprechend: ein leistungsstarker Motor, stufenlos regelbare Geschwindigkeit des Schleifbandes und ein robustes Gehäuse. Der Schleifwinkel lässt sich zwischen 15° und 30° Grad über einen Drehregler in 1° Grad Schritten einstellen. Ein kompletter Satz Schleifbänder mit unterschiedlichen Körnungen wird mitgeliefert und Nachschub kann später für relativ kleines Geld erworben werden.

Wie eingangs erwähnt habe ich im vergangenen Jahr das Einsteigermodell der Bandschleifer von Work Sharp getestet und das Ergebnis hatte mich überrascht. Vor allem als Haushaltslösung für Küchenmesser war der kleine Bandschleifer gut geeignet.

Auf der IWA 2018 habe ich die Gelegenheit wahrgenommen, das Topmodell von Work Sharp unter die Lupe zu nehmen. Bei dieser Gelegenheit ist auch das kleine Video entstanden, in dem Produktmanager Kyle Crawford die grundlegende Benutzung der Work Sharp Bandschleifer erklärt. Da Kyle nicht nur einen knackigen Dialekt, sondern auch im Tempo eines Maschinengewehrs spricht, habe ich die Produktvorstellung mit einer deutschen Übersetzung unterlegt.

Work Shark Knife & Tool Sharpener Ken Onion EditionIm Video wird die Arbeit mit einem Bandschleifer ohne verstellbare Einstellung des Schleifwinkels erklärt. Dieses Gerät ist – preislich und leistungsmäßig – eine Stufe unterhalb der Ken Onion Edition angesiedelt. Es wendet sich weniger an Messerfreaks, sondern eher an Köche, Metzger und Privatpersonen, die möglichst schnell und unkompliziert ihre Arbeits- oder Haushaltsmesser nachschärfen möchten.

Der Work Sharp Knife & Tool Sharpener in der Ken Onion Version wendet sich an Messerfans, denen Qualität, Präzision und Zuverlässigkeit über alles geht. Das Gerät wird aktuell in einer überarbeiten, zweiten Generation angeboten. Gegenüber dem älteren Modell wurde die Handhabung vereinfacht, ein stärkerer Motor eingebaut sowie die Einstellung des Schleifwinkels deutlich vereinfacht. Beim aktuellen Modell kann der Schleifwinkel zwischen 15° und 30° Grad mittels eines Drehknopfes in 1° Grad Schritten eingestellt werden. Der Drehknopf rastet in der gewählten Einstellung ein, so dass kein versehentliches Verstellen des Schleifwinkels während der Arbeit droht.

Work Sharp bietet für den WSKTS Ken Onion spezielle Schleifbänder an, die nicht auf die kleineren Bandschleifer von Work Sharp passen. Der Wechsel ist simpel und ohne Werkzeug möglich, dafür schiebt man nur die untere Andruckrolle (Gurtwechselhebel) nach oben und das Schleifband lässt sich zur Seite entnehmen. Bei der Bezeichnung der Schleifbänder drifted Work Sharp allerdings durch verschiedene Standards, so dass die Bezeichnung nicht in allen Fällen einen schnellen Rückschluss auf die Körnung zu lässt.

Work Shark Knife & Tool Sharpener Ken Onion EditionExkurs: Bezeichnung von Schleifmitteln

In Deutschland geben Buchstaben am Anfang einer Bezeichnung für Schleifmittel die Härte des Schleifkornes in alphabetischer Reihenfolge an. Dabei stehen Bezeichnungen von A bis K für weiche, die Buchstaben L bis O für mittlere und die Buchstaben P bis Z für besonders harte Körnungen.

Die Zahl hinter dem Buchstaben gibt die Körnung des Schleifpapiers an. In Deutschland werden Schleifmittel nach DIN 69176 bezeichnet, dabei gilt: Je gröber das Korn, umso niedriger die Zahl.

In den USA ist die Bezeichnung mit dem Buchstaben „X“ und einer Ziffernfolge üblich. Dabei ist die Körnung jedoch um so feiner, je niedriger die Zahl ist. Dieses System hat den Nachteil, dass keine feineren Körnungen als „X1“ angegeben werden können. Das entspricht grob gerechnet einer 5000er Körnung. Feinere Schleifmittel werden daher auch in den USA mit vier Ziffern nach der „CAMI Grit designation“ angegeben (z. B. 6000 für eine 6000er Körnung).

Extragrob Grob Mittel Fein Sehr fein
Work Sharp Bezeichnung P120 X65 X22 X4 6000
ISO/FEPA Grit designation P120 P220 P800 ca. P5000 P6000
Korngröße in Mikrometer 125 65 22 4 ca. 1,8

In der Tabelle sind die Körnungen aller derzeit erhältlichen Schleifbänder angegeben.

Work Shark Knife & Tool Sharpener Ken Onion Edition

Work Sharp Knife & Tool Sharpener: Qualität und Verarbeitung

Das Gehäuse besteht teilweise aus stabilem Plastik, teilweise aus Aluminium. Alles ist solide, passgenau und gut verarbeitet. Nichts wackelt oder knarzt. Haptisch vermittelt der WSKTS Ken Onion einen wertigen und langlebigen Eindruck.

Alle mechanisch beanspruchten Teile sind aus Metall gefertigt. Die Bedienbarkeit, zum Beispiel beim Wechsel der Schleifbänder, ist zielsicher und bequem. Der Ein/Aus-Schalter steuert die Motordrehzahl stufenlos bis zu einem voreingestellten Maximalwert. Haptik und Bedienung der Motorsteuerung entsprechen einem hochwertigen Akkuschrauber (Bosch blau, Makita).

Etwas gewöhnungsbedürftig ist die Geschwindigkeitsangabe. Hier wird nicht die Motordrehzahl oder die Umdrehungsgeschwindigkeit des Antriebs, sondern die Bandgeschwindigkeit in SFM („Surface Feet per Minute“) angegeben. Fans von Integralrechnung und Proportionalitätsfaktoren werden zweifellos ihren Spaß beim Umrechnen haben, aber für Otto-Normalschleifer bleibt nur übrig, die Zahlen entweder als einheitenlose Größe zu akzeptieren oder sie in unsere gebräuchliche Einheit Meter pro Sekunde umzurechnen.

Als langsame Schleifgeschwindigkeiten gelten SFM (Surface Feet per Minute) bis 1200, mittlere Geschwindigkeiten gehen bis 2000 SFM und maximal kann der WSKTS 2800 SFM erreichen.

  • 1200 FSM ~ 6,06 m/s
  • 2000 FSM ~ 10,16 m/s
  • 2800 FSM ~ 14,22 m/s

Der Work Sharp Knife & Tool Sharpener in der Praxis

Der Schleifvorgang mit dem WSKTS Ken Onion wird im Video ausführlich gezeigt. Zusammengefasst kann man sagen: gewünschten Schleifwinkel einstellen, Messer an die Führungsschiene anlegen, Motor einschalten und die Klinge vom Heft bis zur Spitze langsam am Schleifband vorbeiziehen. Dabei soll nur eben so viel Druck mit der Klinge auf das Schleifband ausgeübt werden, dass die Schneide satt aufliegt. Zu viel Druck ist kontraproduktiv, führt zu stärkerem Verschleiß der Schleifbänder und im schlimmsten Fall kann man sogar eine Delle in die Schneide schleifen.

Für den Umgang mit dem Work Sharp Knife & Tool Sharpener (WSKTS) benötigt man nur wenig handwerkliches Geschick. Für gute Ergebnisse sind zwei Dinge wichtig: die Klinge immer perfekt an der Führungsschiene ausrichten und das Messer mit gleichbleibender Geschwindigkeit am Schleifband vorbeiziehen. Die beste Technik lässt sich mit einem Übungsmesser in kurzer Zeit erlernen.

Bisher habe ich meine Taschenmesser und kleine Fixed auf einem Wicked Edge geschliffen. Für große Fixed und Küchenmesser habe ich Wassersteine verwendet. Der Schleifwinkel beim Wicked Edge verändert sich bauartbedingt zwischen Haltepunkt des Messers und Klingenspitze sowie Heft. Die Abweichung vom eingestellten Schleifwinkel wird beim Wicked Edge umso größer, je länger oder höher die Klinge ist. Bei einem Santoku kann der Winkelfehler bereits mehrere Grad betragen, bei einem Chefmesser oder einem großen Outdoor-Messer verhindern die Winkelfehler des Wicked Edge eine konstante und verlässliche Schneidleistung. Indiskutabel für ein Schleifgerät der 1.000 Euro Klasse!

Weder Klingenlänge noch Klingenhöhe bewirken beim Work Sharp Knife & Tool Sharpener eine Veränderung des Schleifwinkels. Der WSKTS schleift jede Klinge mit gleichbleibenden Schleifwinkel und wer die Klinge perfekt an der Führungsschiene ausrichtet, kann eine ähnlich hohe Präzision wie mit Profi-Equipment erreichen. Beeindruckend ist die Geschwindigkeit. Der Work Sharp Knife & Tool Sharpener ist ohne lange Justage einsatzbereit und (beinahe) narrensicher zu bedienen.

Work Shark Knife & Tool Sharpener Ken Onion EditionEine stumpfe, unbeschädigte Klinge muss etwa sechs bis zehn Mal am Schleifband vorbeigezogen werden, bis sie wieder gute Gebrauchsschärfe aufweist. Je nach Abnutzung der Schneide beginnt man mit dem groben oder mittleren Schleifband. Wer seine Klinge gerne rasiermesserscharf mag, wechselt danach auf das nächst feinere Schleifband und wiederholt die Prozedur. Nach der Bearbeitung mit der 6000er Körnung und abschließendem Abziehen auf einem Leder ist die Klinge optimal geschärft. Der gesamte Schleifvorgang einschließlich Bandwechsel dauert keine fünf Minuten.

Bei Klingen mit Ausbrüchen oder Schneidkanten mit Alpenrelief empfiehlt sich der Start mit dem gröbsten Schleifband (P120). Je nach Zustand der Klinge muss man das Messer 30 – 40 Mal am Schleifband vorbeiziehen, um einen frischen Grundschliff zu erzeugen. Anschließend kann man sich durch die feineren Körnungen hangeln, bis die Schneide die gewünschte Schärfe aufweist.

In der Bedienungsanleitung befinden sich ausführliche Hinweise zum Schleifen von Scheren, Meißeln, Hakenklingen und Messer mit Wellenschliff. Sogar die Rotationsmesser von Rasenmähern lassen sich nachschärfen. Hinsichtlich der universellen Einsatzmöglichkeiten kann kein anderes Schleifgerät mit dem Work Sharp Knife & Tool Sharpener mithalten.

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Bedienungsanleitung: Note 1

Nicht unerwähnt bleiben soll die ausgezeichnete Dokumentation, die mit dem WSKTS Bandschleifer geliefert wird. In Zeiten, in denen selbst Weltfirmen ihren Produkten zwar Sicherheitshinweise in gefühlt 50 Sprachen beilegen und erwarten, dass jeder Kunde die aus dem Netz geladene die Bedienungsanleitung selbst ausdruckt, setzt Work Sharp einen Kontrapunkt. Eine bebilderte Broschüre in Englisch und Deutsch erklärt nicht nur Technik und Handhabung sehr detailliert, sondern erläutert viele Grundlagen und Schleiftechniken.

Gestaltung und Umfang der technischen Unterlagen von Work Sharp verdienen ein Extralob! Der deutschsprachige Teil der Bedienungsanleitung ist in flüssiger, grammatikalisch korrekter Sprache abgefasst und unterscheidet sich wohltuend vom Kauderwelsch gängiger Übersetzungsprogramme.

Zusätzlich zur Bedienungsanleitung liegt auch eine Schnellreferenz in Form einer stabilen Pappkarte bei. Dieser „Quick reference guide“ ist zwar nur in Englisch verfügbar, zeigt aber auf einen Blick welches Schleifband, welche Motordrehzahl und welcher Schleifwinkel für bestimmte Aufgaben empfehlenswert sind.

 

Work Sharp Knife & Tool Sharpener: Fazit

Einschließlich eines Satzes Schleifbänder kostet der Work Sharp Knife & Tool Sharpener Ken Onion im deutschen Online-Handel zwischen 186 und 220 Euro. Bei Billiganbietern aus der EU kann man sogar noch ein paar Euro sparen, hat allerdings weniger Sicherheit hinsichtlich Garantie und Gewährleistung. Ein kompletter Satz Ersatzbänder schlägt mit knapp 18 Euro zu Buche. Die Schleifbänder sind in Deutschland auch einzeln bestellbar, in den USA findet man außerdem größere Bundles mit entsprechendem Preisvorteil.

Bewertung SOG TerminusMaterial passt, Qualität passt, Handhabung passt und die Schärfe der bearbeiteten Klingen ist beeindruckend. Der Work Sharp Knife & Tool Sharpener Ken Onion ist universeller einsetzbar als andere Schärfsysteme und man benötigt dabei nur einen Bruchteil der Zeit. Zwar wird das meditative Bearbeiten einer Klinge auf dem Wasserstein immer seine Berechtigung behalten, aber wer ohne handwerkliche Ausbildung oder eine halbe Messermacherwerkstatt schnell zu guten Ergebnissen gelangen möchte, trifft mit dem WSKTS Ken Onion die richtige Wahl.

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PS: Der im Video gezeigte Work Sharp Field Sharpener wird auf der Messerbörse Schaafheim am Stand von Steffen Bender zu sehen sein.

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Alle genannten Marken, Warenzeichen, Logos und Namen sind Eigentum der jeweiligen Inhaber.

Bildnachweis:

Alle Bilder sind Eigentum des Autors.

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