Bestech Starfighter – Überflieger oder Bruchlandung?

Stammlesern von Knife-Blog ist die Firma Bestech Knives längst ein Begriff. Vor einigen Monaten hat der chinesische Hersteller sein Debüt in Europa gegeben. Knife-Blog hatte die kleine Firma im Rahmen eines Reviews vorgestellt. Inzwischen hat sich viel getan, wobei die Palette von Innovation bis Preiskampf reicht. Zeit für eine weitere Klinge aus dem Reich der Mitte: Das Bestech Starfighter gehört zur Produktlinie hochwertiger Titan Framelock Folder und bringt eine noble Vollausstattung mit. Während eines mehrwöchigen Praxistests musste das Bestech Starfighter seine Qualitäten als EDC unter Beweis stellen.

Die wichtigste Veränderung der globalen Messerszene in den letzten drei Jahren kann man mit wenigen Worten zusammenfassen. Ab 2015 kamen die ersten Messer aus China, deren Qualität fast an das Niveau der US-amerikanischen Platzhirsche heranreichten. Die Messerwelt begann nach China zu blicken. Bis zum Frühjahr 2017 wurde der Abstand weiter verkleinert. Gleichzeitig wurde beim Klingenstahl aufgerüstet. Die preiswerten Billigstähle verschwanden und machten Platz für S35VN oder M390. Die Designs wurden eigenständiger, farbenfroher und deutlich selbstbewusster. Plötzlich waren die Anleihen an langfristig erfolgreiche Messermodelle anderer Hersteller verschwunden, die während der ersten Jahre bei Messermodellen aus China häufig zu finden waren. Gleichzeitig wurde die Verarbeitungsqualität kontinuierlich nach oben getrieben und die Qualitätskontrollen verbessert.

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Auf der IWA Outdoor Classics 2018 bestätigten sich der Trend der Vorjahre und eine qualitative Abgrenzung gegenüber alteingesessenen amerikanischen Herstellern ist heute nicht mehr möglich. Aktuell wird der über viele Jahre recht behäbige Messermarkt ordentlich durcheinander gewirbelt. Die Verkaufszahlen chinesischer Messerproduzenten explodieren und neue Anbieter sorgen für Impulse. Einer dieser Neueinsteiger ist Bestech Knives, die sich im Frühjahr 2018 der europäischen Öffentlichkeit vorgestellt haben.

Die Bauart der Messer aus Bestechs gehobenen Segment folgt einem bewährten Grundprinzip: Klingen aus pulvermetallurgischen S35VN Stahl laufen in Kugellagern und werden von Griffschalen aus Titan flankiert. Beim Öffnungsmechanismus geht die Präferenz eindeutig zum Flipper. Bei vielen Modellen werden die Griffschalen mit Inlays aus Carbon oder durch aufwändig gefräste Strukturen mit Two-Tone Finish aufgewertet.

Bestech StarfighterAuch das Messer im heutige Review gehört in diese Gruppe. Das Bestech Starfighter ist ein großer Flipper mit einer 87 Millimeter langen Klinge aus S35VN. Dieser Messerstahl wird von Crucible Steel produziert und wurde vor einigen Jahren in Zusammenarbeit mit bekannten Größen der internationalen Messerszene entwickelt. Seit seiner Markteinführung 2009 hat sich S35VN beinahe zu einem Quasi-Standard bei hochwertigen Taschenmessern entwickelt. S35VN ist einer der wenigen pulvermetallurgischen Monostähle, der gezielt für Messerklingen entwickelt wurde. Er verfügt über ausgezeichnete Allround-Eigenschaften und darf als gute Wahl für einen Folder dieser Größe gelten.

Bei der Klingenform gibt sich das Bestech Starfighter konservativ und präsentiert eine klassische, 25 Millimeter hohe Drop Point Klinge. Trotzdem ist die Klinge nicht langweilig, denn sie wartet mit einigen dezenten aber ansprechenden Design-Merkmalen auf. Unterhalb der hohen Gratlinie ist das Klingenblatt über den gesamten Bereich des Flachschliffs mit einem Stonewash Finish versehen. Der erhabene Bereich ist in Längsrichtung gebürstet und das Two-Tone Finish verleiht beiden Ebenen guten Kontrast.

S35VN Crucible Steel
C Cr V Mo Nb Mn
1,40 % 14,0 % 3,0 % 2.0 % 0,5 % 0 %

Die Daumenauflage steigt in Richtung Klingenspitze leicht an und besitzt ein kurzes, aber wirkungsvolles Jimping, das gute Rutschfestigkeit gewährleistet. Dabei bildet die Daumenauflage eine Rampe, von der aus der Klingenrücken bis zur Spitze in einem leichten Bogen verläuft. Im Bereich dieses Bogens ist eine Swedge mehr angedeutet als tatsächlich vorhanden, denn sie ist nimmt dem Klingenrücken weniger als einen Millimeter seiner Breite.

Wer den Begriff „Starfighter“ mit der Lockheed F104 assoziiert, mag eine ungewöhnliche, vielleicht sogar eine kantige oder gar schroffe Klingenform erwarten. Das Gegenteil ist der Fall. Optisch gibt es keine Gemeinsamkeiten und die Stärken des Bestech Starfighter liegen, im Gegensatz zu seinem fliegenden Namensvetter, in seiner technischen Qualität und seiner Zuverlässigkeit. Auf der technischen Seite fährt Bestech Knives alles auf, was man bei einem modernen Folder der Oberklasse erwarten kann.

Die Klinge läuft zwischen zwei offenen Käfigkugellagern mit Keramikkugeln. Das ist State of the Art und in dieser Preisklasse alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Dazu bringt das Klingenlager noch ein optisches und ein technisches Schmankerl mit: die in Richtung Klinge weisenden Seiten der Kugellager sind bronzefarben anodisiert und die Achsschraube lässt sich ohne Werkzeug justieren. Die Farbgebung der Lager sorgt für einen ungewöhnlichen optischen Effekt, tatsächlich zeigt sie aber die korrekte Position der Lager nach einer Demontage an.

Bestech Knives hat die Achsschraube so gestaltet, dass sie sich mit einer schmalen Münze (z. B. 2 Cent) drehen lässt, ein Schraubendreher funktioniert natürlich. Damit die Klinge – wie beim werksseitig justierten Messer – mittig steht, ist kein hohes Anzugsmoment nötig. Dabei hilft die breite Auflagefläche des Kugellagerkäfigs gegenüber der Klinge.

Bestech Starfighter

Die Achsschraube lässt sich mit einer schmalen Münze justieren und benötigt nur geringes Anzugsmoment, damit die Klinge spielfrei mittig steht.

Der Klingengang des Bestech Starfighter ist ausgezeichnet und sorgt für entspanntes Flippern. Die Kraft zum Überwinden des Detent ist gering, der Druckpunkt ist knackig. Schleuderbewegungen aus dem Handgelenk sind nicht nötig und eher kontraproduktiv, denn ein Druck auf den Kicker genügt, um die Klinge sicher ins Lock zu befördern.

Am Ende des Lock Arms befindet sich ein austausch- und justierbarer Stahleinsatz, der drei Funktionen erfüllt. Erstens stellt er den Kontakt zur Klingenwurzel her und verhindert die Abnutzung des vergleichsweise weichen Lock Arms aus Titan. Auf der Innenseite des „Steel inserts“ befindet sich eine Keramikkugel. Beim geschlossenen Messer liegt diese Kugel in eine Bohrung auf der rechten Klingenseite und fixiert die Klinge in der eingeklappten Position. Ein Herausschütteln der Klinge ist unmöglich. Außerdem ist ein Überdehnschutz („Overtravel Stop“) in den Stahleinsatz integriert, so dass sich der Lock Arm nur bis zu einer definierten Position nach außen drücken lässt.

Bei den Titan Griffschalen hat sich Bestech Knives für ein ungewöhnliches Design entschieden. Das Messer sieht aus, als habe man zunächst rundum eine glatte Oberfläche mit deutlich abgerundeten Kanten geschaffen und sie anschließend poliert. Dann wurden aus diesem Rohling die eigentlichen Griffschalen herausgefräst. Im Bereich des Kickers und am Griffende blieben polierte Bereiche stehen, die nun gegenüber dem blau anodisierten Flächen etwa einen Millimeter erhaben sind. Klingt kompliziert – ist kompliziert. Bestech Knives hat praktisch ein Two-Tone Finish auf zwei Ebenen realisiert.

Bestech Starfighter- LanyardholeEin Backspacer aus mattiertem Titan ist neben Anschlagpin und Achsschraube die einzige Verbindung zwischen Griffschalen und Klinge. Die Konstruktion ist solide und der Rahmen dementsprechend stabil. In den Backspacer ist ein Lanyard Hole integriert und an dieser Stelle wähnt man sich wieder beim fliegenden Starfighter, der in der jungen Bundesrepublik den wenig schmeichelhaften Beinamen „Witwenmacher“ trug. Das Lanyard Hole ist eine durch einen Steg überdeckte Vertiefung und nur ein sehr dünnes Schnürchen kann dort mit einigem Geschick durchgefädelt werden. Paracord lässt sich nicht verwenden und wegen des Lanyard Hole stürzt der Starfighter zwar nicht ab, trägt aber einige Kratzer davon…

Bei hochwertigen Titan Framelock Foldern gehören individuelle, dem Design des Messers angepasste Taschenclips mittlerweile zum Standard und das Bestech Starfighter macht in diesem Punkt keine Ausnahme. Der schmale Taschenclip ist ebenfalls aus Titan und befindet sich an der rechten Seite des Messers. Umgesetzt werden kann er nicht, dadurch wird das Messer grundsätzlich rechtshändig Tip-Up getragen. Der Clip überdeckt die Tasche um rund 40 Millimeter und nur etwa 15 Millimeter des Starfighters schauen aus der Tasche heraus.

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Bestech Knives – Modellphilosophie

Eine Besonderheit bei Bestech Knives sind die geringen Stückzahlen, die von jedem Modell gefertigt werden. Während andere Firmen durch den Verzicht auf Seriennummern überhaupt keinen Rückschluss auf die produzierte Menge zulassen, oder – wie Zero Tolerance – von Standardmodellen mehrere Tausend Stück fertigen lassen, beträgt die Auflage bei Bestech Knives nur 100 Stück pro Modell. Anschließend bleibt das Grundmodell zwar im Programm, der namensgleiche Nachfolger besitzt jedoch ein anderes Finish oder wird in einer anderen Farbe anodisiert. Man könnte also von verschiedenen Generationen jedes Modells sprechen.

Knife-Blog hatte beim Review des Bestech Predator darauf hingewiesen, dass die geringen Produktionszahlen der hochwertigen Modelle geradezu nach Seriennummern gieren. Bestech Knives hat diesen Gedanken aufgegriffen und versieht heute alle Titan Framelock Folder auf dem Klingenrücken mit einer Seriennummer und der Gesamtauflage nach dem Muster Produktionszyklus xxx/xxx (z.B. 1st Prod. 001/100).

Bestech StarfighterDas Bestech Starfighter in der Praxis

Im Praxistest geht es hauptsächlich um Handlage, Bedienbarkeit, Sicherheit, Schneidleistung und die Frage, wie sich das Messer im EDC-Alltag schlägt. Am Griff des Bestech Starfighter fällt sofort die tiefe Fingermulde für den Zeigefinger auf. Dadurch wird die Hand- und Fingerhaltung weitgehend vorgegeben. Alle Finger finden am Griff Platz und der Messergriff kann gut zwischen Daumen und Fingern verkeilt werden.

Grundsätzlich ist die Griffform ist gelungen und bietet Händen bis etwa Handschuhgröße 9.5 ausreichend Platz. Bei größeren Händen wird weniger die Länge des Griffs zum Problem, sondern seine Höhe von nur 20 Millimetern im Bereich der Fingermulde für den Zeigefinger und einer Höhe von etwa 23 Millimetern im hinteren Abschnitt. Das Messer füllt eine große Faust kaum aus, wodurch ein Verdrehen des Griffs in der Hand begünstigt wird.

Ungeachtet der möglichen Einschränkungen für große Hände sind Handlage und Ergonomie gut. Das Messer schmiegt sich in die Faust und lässt zwei Griffvarianten zu: im Vorgriff liegt der Daumen vor dem Jimping weit vorn auf dem Klingenrücken, im Normalgriff rücken Mittel-, Ring- und kleiner Finger weiter nach hinten während Daumen und Zeigefinger das Messer in der Hand regelrecht verkeilen.

Bestech Starfighter Die Drop Point Klingenform mit einem fast über das gesamte Klingenblatt reichenden Flachschliff ist vermutlich die meistverwendete Klingengeometrie in der Messerszene. Nicht weil keinem etwas Neues einfällt, sondern weil es kaum eine effektivere Klingenform gibt. Diese Tatsache zeigt sich auch am Beispiel des Bestech Starfighter, der Schneidaufgaben in allen Disziplinen souverän lösen kann. Starke Kartons lassen sich mit dem Messer entspannt zerteilen und auch mit jedem anderen Verpackungsmaterial macht das Starfighter kurzen Prozess. Auch bei Brotzeiten oder der Zubereitung von Mahlzeiten kann das Messer glänzen. Die Klinge lässt sich zielsicher führen, präzise Schnitte sind kein Problem und sogar beim Putzen von Gemüse macht das Bestech Starfighter eine gute Figur.

Bestech Starfighter – Qualität und Bewertung

Bei der Materialwahl hat man in die Vollen gegriffen und dem Messer neben viel Titan auch einen sehr guten Klingenstahl spendiert. Hinsichtlich der technischen Ausstattung liegt das Bestech Starfighter auf Topniveau und repräsentiert den Stand des technisch Machbaren. Keramische Kugellager, keramischer Detent Ball, Überdehnschutz und ein Stahleinsatz am Lock Arm – viel mehr geht wirklich nicht.

Bestech Starfighter - SchneidkanteDas Bestech Starfighter bietet alle technischen Lösungen, die sonst bei deutlich teureren Messern etablierter Hersteller zu finden sind. Auch bei der Verarbeitung lässt sich Bestech Knives nicht abhängen. Das beginnt mit einem Klingenschliff, der als Muster an Präzision gelten kann. Bei Schneidwinkel, Breite der Schneidfase und der Symmetrie zwischen linker und rechter Klingenseite ist nicht die kleinste Ungenauigkeit auszumachen. Entweder habe ich ein Sonntagsmodell ergattert, oder Bestech Knives beschäftigt neben qualifizierten Schleifern auch einen Pitbull in der Qualitätskontrolle. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: die Klinge ist entlang der gesamten Schneide extrem scharf (9.5/10).

Bei Oberflächenbearbeitung und Frästechnik knüpft das Bestech Starfighter an die guten Ergebnisse beim Klingenschliff an. Egal ob man kritisch auf die Gleichmäßigkeit der Bewertung Bestech StarfighterAnodisierung, den Radius der Rundungen oder die feinen Linien in der Griffmitte schaut, an keiner Stelle stößt man auf einen Makel. Volle Punktzahl vereinnahmt das Bestech Starfighter auch bei Klingengang, Flipperaction und Justage. Da passt alles! Die Kraft zum Überwinden des Detent liegt im mittleren Bereich, die Klinge steht perfekt zentriert und läuft geschmeidig, das Lock steht bei etwa einem Drittel und lässt sich ohne Kraftaufwand entriegeln.

Kommen wir zum Preis. Im deutschen Online-Handel liegt der Listenpreis des Bestech Starfighter bei 259,90 Euro inklusive Versand (Sonderangebot ↑). Daraus ergibt sich ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, wenn man ähnlich ausgestattete Messer in vergleichbarer Qualität, etwa von Zero Tolerance oder Reate gegenüberstellt.

In den USA hat der Erfolg der Marke Bestech bereits zu einem ruinösen Preiskampf geführt, da sich mehr und mehr Online-Händler ein Stück aus dem Kuchen herausschneiden wollen. Aus diesem Grund hat Bestech Knives kürzlich die MRP („Minimum Retail Prices“, Mindestverkaufspreise) erhöht und Online-Händler zu deren Beachtung verpflichtet. Deutsche Kunden profitieren von den Rabattschlachten der US-Händler nicht, denn Logistikkosten, Zoll und Einfuhrumsatzsteuer übersteigen die Ersparnis beim Kaufpreis.

Wer ein rundum gelungenes EDC mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis sucht, kann das Bestech Starfighter unbesorgt in die engere Wahl nehmen. Vor allem Messerfans mit kleinen und mittelgroßen Händen, die Spaß an einem „Full-Size“ Flipper haben, werden mit dem Starfighter gut zurechtkommen.

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Bestech Starfighter – Links

Ein besonderes Schmankerl für alle Messerfans hält der Onlineshop von „WritingTurningFlipping.com“ oder kurz WTF 😉 bereit. Bis zum 13. August 2018 gibt es 10% Rabatt auf alle Messer, auch für die Titan Framelock Folder von Bestech Knives. Zusätzlich gibt es zu jedem Bestech Titan Folder kostenlos ein abschließbares – also §42a WaffG konformes – Etui.

Bitte im Warenkorb unter dem Button „Kasse“ den Aktionscode TheHeatIsOn2018 eingeben. (Am besten mit C&P, da Groß und Kleinschreibung stimmen müssen!)

Bestech Starfighter – Datenblatt

Bestech Starfighter Techn. Daten
Messertyp Ti- Framelock Flipper
Hersteller Bestech Knives
Modell Starfighter
Klingenlänge / Schneide 88 mm / 90 mm
Klingenstärke 3,8 mm
Klingenform Drop Point
Klingenhöhe 25 mm
Klingenstahl S35VN
Länge gesamt 207 mm
Griffmaterial Titan
Gewicht 130 Gramm

Alle genannten Marken, Warenzeichen, Logos und Namen sind Eigentum der jeweiligen Inhaber.

Bildnachweis:
Bild 4 ist ein Foto des Herstellers. Alle anderen Bilder sind Eigentum des Autors

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