Tangram von Kizer Cutlery – Zwei Budget Folder im Test

Kizer Cutlery gehört zu den chinesischen Herstellern, die bereits frühzeitig den Weg nach Europa gefunden haben. Von Beginn konnte Kizer Cutlery seine Kunden mit Taschenmessern in guter Qualität begeistern. Heute gehört Kizer Cutlery zur Oberklasse bei den Herstellern hochwertiger Serienmesser. Aber auch das Thema „Budget-Messer“ hat Kizer nicht aus den Augen verloren: seit einigen Monaten bedient Tochterfirma Tangram dieses Marksegment. Knife-Blog hat sich zwei aktuelle Folder von Tangram angesehen und schaut auf Qualität und Praxistauglichkeit.

Obwohl Kizer Cutlery bereits seit einigen Monaten mit der Handelsmarke „Tangram“ auf dem Markt ist, sind die Messer in den Auslagen der Online-Händler noch ziemlich selten. Zurzeit ist die Produktpalette übersichtlich, Tangram bietet im aktuellen Katalog sechs Folder und ein Neck Knife an. Wirklich erstaunlich ist jedoch, dass noch kein deutscher Händler auf die Tangram Modellreihe eingestiegen ist, schließlich steht mit Kizer kein Unbekannter hinter dieser Marke.

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Budget Messer. Da ist logischerweise weder Platz für seltene PM-Stähle noch existiert eine Bühne für Titan-Eskapaden. Stattdessen wählt Tangram solide, erprobte Materialien wie G-10 und einem 440er Klingenstahl. Eine weitere Budget-Linie im Messermarkt, da droht thematisch Langeweile. Doch schon beim Klingenstahl wird es spannend. Während viele Messer im unteren Preissegment nur drittklassige Stähle bieten, zieht Tangram ein längst vergessenes As aus dem Ärmel.

AISI 440C gehört zu den bekanntesten Messerstählen und gehörte vor Beginn der Ära pulvermetallurgischer Stähle zur Oberklasse. Tangram verwendet allerdings nicht den „guten, alten“ AISI 440C, sondern eine Weiterentwicklung des japanischen Aichi Konzerns namens ACUTO440. Der Stahl tauchte kurz nach der Jahrtausendwende in der Messerszene auf und verursachte große Aufmerksamkeit in den Foren. Dann verschwand der Stahl so schnell wie er kam, da er teurer und mit höheren Logistikkosten beaufschlagt war als die konkurrierenden Stähle AUS-8 und 13Cr8MoV.

Die Unterschiede zum bekannten 440C sind auf den ersten Blick nicht gravierend, lassen den Stahl aber härter und schnitthaltiger werden. ACUTO440 enthält etwas weniger Kohlenstoff und Chrom, dafür aber deutlich mehr Molybdän und eine Prise Vanadium. In der folgenden Tabelle sind die Legierungsanteile der 440er Familie und ACUTO440 gegenübergestellt.

Steel C Cr V Mo Mn P S Si
AISI 440A 0,65 % - 0,75 % 18,0 % 0 % 0,75 % 1,00 % 0,04 % 0,03 % 1,00 %
AISI 440B 0,75 % - 0,95 % 18,0 % 0 % 0,75 % 1,00 % 0,04 % 0,03 % 1,00 %
AISI 440C 0,95 % - 1,20 % 18,0 % 0 % 0,75 % 1,00 % 0,04 % 0,03 % 1,00 %
ACUTO440 1,00 % 17,5 % 0,20 % 1,40 % 0,50 % 0 % 0 % 0,50 %

Noch entscheidender als die Variation der Legierungselemente ist das Fehlen der Stahlschädlinge Phosphor und Schwefel beim ACUTO440. Zudem gilt ACUTO440 als frei von Qualitätsschwankungen, da er im Gegensatz zu AISI 440x nur von einem Hersteller produziert wird. Der Klingenstahl kann in der Preisklasse der Budget-Messer als sehr gute Wahl gelten!

Tangram Knives

Auf dem Tisch liegen die Modelle „Progression“ und „Amarillo“. Beides sind Flipper mit Liner Lock, Edelstahlplatinen und Griffschalen aus G-10. Ein deutlicher Unterschied zwischen beiden Messern ist ihre Größe: während das Progression (im Bild hinten) in etwa einem Large Sebenza entspricht, besitzt das Amarillo die Größe eines Small Sebenza. Tangram verwendet eigenständiges Design und lehnt sich nicht an bekannte Messermodelle an – ebenfalls keine Selbstverständlichkeit in dieser Preisklasse.

Fast alle Modelle von Tangram sind in verschiedenen Farben und/oder mit unterschiedlich konturierten Griffen erhältlich. Schwarz ist dabei quasi gesetzt, sandfarbene Griffschalen sind jedoch bei fast allen Modellen im Programm. Diese Standardfarben finden sich auch bei den beiden Messern im Test. Das Progression besitzt einen konturierten Griff in Schwarz, die Griffschalen des Amarillo sind sandfarben und weisen eine feine Riffelung auf.

Tangram Amarillo

Die Zutatenliste des kleinen Flippers habe ich bereits umrissen: G-10 auf Edelstahlplatinen, Liner Lock und eine Klinge aus ACUTO440. Bei der Klingenform kombiniert Tangram eine Drop Point Grundform mit dem konkav (einwärts gewölbten) Klingenrücken einer Clip Point Klinge. Das Klingenblatt besitzt einen über die gesamte Fläche reichenden Flachschliff und ein gleichmäßiges Stonewash Finish.

Die Qualität des Anschliffs ist ein Dauerthema bei Messern aus dem Budget-Bereich, aber das Tangram Amarillo überrascht positiv: der Anschliff ist besser als bei vielen Messern der Oberklasse: seitensymmetrisch, winkelstabil und die Schneide ist auf der ganzen Länge giftig scharf (9.5/10).

Die beiden Platinen aus poliertem Edelstahl verleihen dem Tangram Amarillo so viel Stabilität, dass auf einen Backspacer verzichtet werden kann. Zwei Schrauben mit konturierten Abstandshaltern und die Klingenachse verbinden die Platinen zu einem Rahmen.

Tangram Amarillo

Die Klinge läuft zwischen zwei Unterlegscheiben aus Bronze und sie läuft gut. Im geschlossenen Zustand steht die Klinge des kleinen Tangram Flippers perfekt zentriert. Zum Öffnen ist nur wenig Druck auf den Kicker notwendig und die Klinge läuft geschmeidig ins Lock. Der Liner Lock steht bei etwa 30 Prozent und überdeckt die Klingenwurzel soeben mit seiner gesamten Breite.

Auch das Entriegeln klappt ohne Kraftaufwand oder Verrenkungen, der Liner ist für den Daumen gut erreichbar. Eine feine Riffelung auf dem Kicker verhindert das Abrutschen beim Öffnen. Das Tangram Amarillo besitzt einen Taschenclip aus Edelstahl, der wahlweise auf der rechten oder linken Seite montiert werden kann. Ein Lanyard Hole rundet die Ausstattung ab.

Die Verarbeitung des Tangram Amarillo ist in allen Punkten ausgezeichnet. Alle Oberflächen von Klinge und Griff sind gleichmäßig bearbeitet, die Griffschalen sind sauber angepasst und die Justage des Messers lässt keine Kritik zu. Tatsächlich ist man versucht, das Messer in einer deutlich höheren Preisgruppe zu verorten und damit sind wir beim Preis: etwa 30 Dollar muss man bei einem seriösen Online-Händler für das Tangram Amarillo auf den Tisch legen.

Ein Werbetexter würde formulieren „More blade 4 ur bucks“ oder anders gesagt: man bekommt für kleines Geld ein ordentliches, gut verarbeitetes und solides Messer ohne Designklau. Das Preis-Leistungsverhältnis ist ausgezeichnet und wer ein günstiges Messer für den Berufsalltag sucht, kann bedenkenlos zugreifen. Die Flipper-Action ist gut, zwar läuft die Klinge zwischen den Bronzescheiben nicht so frei wie in einem Kugellager aber der Klingengang ist für diese Preisklasse beachtlich. Entsprechend hoch ist der Spielfaktor. Das Tangram Amarillo macht Spaß und man nimmt es gern in die Hand.

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Auch Messerfans, die normalerweise in deutlich höheren Preisregionen einkaufen, werden am Tangram Amarillo Gefallen finden. Gerade auf Reisen oder beim Besuch mancher Innenstädte macht es heutzutage Sinn, dem Risiko der behördlichen Sicherstellung durch die Mitnahme eines preisgünstigen Messers zu begegnen. Bei der Gebrauchsfähigkeit muss man beim Tangram Amarillo keine Kompromisse eingehen und sollte man tatsächlich einem Behördenvertreter gegenüberstehen, schenkt es sich leichter her, als ein Edelfolder zum zwanzigfachen Preis.

Tangram Progression

Die Namenswahl zeigt bereits den Anspruch: Progression lässt sich mit Weiterentwicklung oder Fortbewegung übersetzen. Im Gegensatz zum „kleinen“ Amarillo, ist das Progression ein Vollformat Folder mit Flipper-Öffnung. Auch die Klinge des Tangram Progression besteht aus ACUTO440 und besitzt ein Stonewash Finish.

Das Klingen-Design orientiert sich weitgehend der konventionellen Drop Point Form. Eine geschwungene Swedge erstreckt sich von der Klingenspitze fast über den gesamten Klingenrücken. Die Gratlinie läuft parallel zur Schneide im oberen Drittel der Klinge und Überraschung: die Klinge besitzt einen Hohlschliff. Alles andere als eine Selbstverständlichkeit in dieser Klasse! Ebenso erstaunlich wie das Vorhandensein des Hohlschliffs ist die Präzision seiner Ausführung. Wie beim Amarillo ist auch die Schneide des Tangram Progression exakt geschliffen und sehr scharf (9/10).

Tangram Progression

Bei der Verarbeitungsqualität ergibt sich kein Unterschied zum Amarillo. Wieder sind Platinen und Griffschalen sauber angepasst, die umlaufende Fase ist überall gleichmäßig. Keine Variante bei der Grundkonstruktion. Auch beim Progression sind beide Griffhälften durch zwei Schrauben mit konturierten Spacern sowie die Achsschraube verbunden. Das Ergebnis ist ein stabiler Rahmen – nichts wackelt, knarzt oder schlackert und das Messer vermittelt Solidität.

Bei der Flipper-Action nimmt das Tangram Progression seinem kleinen Bruder noch ein paar Punkte ab. Es flippt williger und nachdrücklicher, was nicht auf einen Qualitätsunterschied hinweist, sondern der höheren Masse der Klinge geschuldet sein dürfte.

Der Liner Lock überdeckt die Klinge ebenfalls exakt um seine eigene Breite und ist damit perfekt eingestellt. Eine Riffelung („Jimping“) auf dem Klingenrücken und an der Griffunterseite im Bereich des kleinen Fingers sowie ein Lanyard Hole runden die Ausstattung ab. Der Taschenclip kann auf der linken oder rechten Seite des Messers montiert werden. Im Online-Handel kostet das Tangram Progression rund 45,- Euro und bietet damit ein ebenso geldbörsenfreundliches Preis-Leistungs-Verhältnis wie das kleine Amarillo.

Fazit

Informationen über Tangram und deren Modellpalette sind im Internet noch erstaunlich rar. Mangels Website oder Produktinformationen steht die aktuelle Broschüre von Tangram unter Links zum Download als PDF-Datei bereit ().

Tangram Progression

Zugegeben, ich bin nicht gerade als Fan von Budget-Messern bekannt aber Tangram überrascht mich mit beiden Foldern positiv. Es gibt an beiden Messern technisch nichts zu kritisieren und die Materialwahl ist für dieses Preissegment überdurchschnittlich.

Einige große US-Hersteller, z. B. CRKT, haben sich schon vor Jahren auf das untere Preissegment spezialisiert und erzielen dort beachtliche Umsätze. Jetzt steigt ein weiterer Konkurrent in den Ring. Vergleicht man die beiden Tangram Folder mit den immerhin doppelt oder dreimal teureren Messern von CRKT, haben letztere nicht nur beim Preis, sondern auch bei der Verarbeitungsqualität und beim Klingenstahl das Nachsehen.

Die Verarbeitungsqualität steht hinter den deutlich teureren Messern von Kizer Cutlery nicht zurück, nur auf edle Zutaten und aufwändiges 3D-modelling muss der Käufer verzichten. Ob die Tangram Modelle von den gleichen Produktionsstraßen wie Kizer Messer kommen, weiß ich derzeit noch nicht, aber wer auch immer diese Messer herstellt, hat seinen Maschinenpark im Griff.

Auch wenn der Verkauf eines Tangram Messers nur einen kleinen Betrag in die Kasse spült wundert mich, dass noch kein Händler in Deutschland Tangram in sein Portfolio aufgenommen hat. Die Marke hat Potential, wenn sie das Qualitätsniveau der heute getesteten Messer auf Dauer halten kann.

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Technische Daten

Datenblatt Tangram Amarillo Tangram Progression
Messertyp Flipper / Liner Lock Flipper / Liner Lock
Klingenlänge / Schneide 70 / 72 mm 87 mm / 90 mm
Klingenstärke 2,3 mm 2,8 mm
Klingenform Clip Point Drop Point
Klingenhöhe 21 mm 27 mm
Klingenstahl ACUTO440 ACUTO440
Länge offen / geschlossen 161 / 92 mm 196 / 112 mm
Griffmaterial G-10 / Edelstahl G-10 / Edelstahl
Gewicht 69 Grtamm 113 Gramm

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Bildnachweis:

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