River Cat von Kizer Cutlery

Das Angebot an Titan-Framelock Foldern ist heutzutage so groß, dass selbst ein engagierter Messerfan kaum den Überblick behalten kann. Um in diesem Marktsegment erfolgreich sein zu können, muss ein Messer Charakter und Eigenständigkeit besitzen. Beste Materialien und Verarbeitungsqualität auf Top-Niveau setzen die Kunden längst als selbstverständlich voraus. So bleiben dem Hersteller nur Originalität, Funktionalität und Design, um sich von der Konkurrenz abzusetzen. Beim Modell „River Cat“ hat Kizer Cutlery keine Mühen gescheut, diese Ziele zu erreichen.

Das River Cat gehört zur Bladesmith Serie, deren Messer die oberste Qualitätsklasse von Kizer Cutlery darstellen. Qualität bezieht sich dabei nicht nur auf das Griffmaterial oder den Klingenstahl, auch die Bearbeitungstechniken können sich gegenüber  preisgünstigeren Serien unterscheiden. Zum Beispiel werden Bohrlöcher und feine Strukturen nicht mit mechanischem Werkzeug, Laser oder Wasserstrahl geschnitten, sondern per EDM Verfahren erzeugt (Electrical Discharge Machining; funkenerosives Bearbeiten ↑).

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Zwar dauert die Bearbeitung eines Werkstücks mit der Wire-EDM-Technik länger als mit einem leistungsstarken Laser, aber dafür sind die Ergebnisse noch eine Spur präziser, die Innenseiten der Bohrungen noch ein paar My glatter und die Toleranzen noch ein Quäntchen geringer. Kizer Cutlery nimmt Zeitaufwand und Kosten für das aufwändige Bearbeitungsverfahren bewusst in Kauf, da man der Meinung ist, dass die Ergebnisse in dieser Perfektion nur auf diesem Weg erreicht werden können.

Neben der Zugehörigkeit zur Bladesmith Serie gehört das Kizer River Cat auch zu einer weiteren Sondergruppe innerhalb des Kizer Universums: es wurde von einer Design-Crew entwickelt, deren externer Teil auf den Namen „TomCat“ hört. „TomCat“ steht für den Designer Tom Stokes und sein Signum wird gleichberechtigt auf die Klinge gelasert. River Cat – TomCat, ziemlich viel Katze auf einmal doch der vermeintlich augenfällige Zusammenhang ist tatsächlich nur ein Zufall. Andere Messer, die Kizer gemeinsam mit TomCat entwickelt hat, besitzen keinen namentlichen Bezug zur Design-Crew und heißen zum Beispiel „Vanguard“ oder „Panthura“.

River Cat by Kizer Cutlery

Mit dem River Cat setzt Kizer Cutlery ein spannendes Design-Konzept um.

Schon bevor man den Folder öffnet, lässt das Design und die Oberflächenbearbeitung der Titan Griffschalen keinen Zweifel darüber aufkommen, dass man es mit einem Messer aus Kizers Topklasse zu tun hat. Wie die Wellen auf einem Flusslauf erstrecken sich wellenförmige Strukturen über beide Griffschalen. Ausgehend von der Achsschraube, wo die Linien sehr fein gestaltet sind und eng beieinander liegen, fächern sie in Richtung Griffende immer weiter auf wie auslaufende Wellen auf einer Wasserfläche.

River Cat – Design meets Technik

Dass ein Motiv – in diesem Fall ein Fluss – für Namen und Design eines Messers übernommen wird, ist in der Messerwelt relativ selten. Kizer und sein Design-Team haben auch die farbliche Gestaltung in das Konzept einbezogen. Beide Titan Halbschalen sind mit einem wasserblauen Grundton anodisiert. Ausgehend von der Achsschraube finden sich goldfarbene bis rötliche Querlinien, deren Abstand zum Griffende hin größer wird und deren scharfe Abgrenzung dabei immer geringer und verschwommener wird. Ähnlich den auslaufenden Wellen, die sich konzentrisch um den Einschlag eines Steines ausbreiten.

Das blau anodisierte River CatDie 85 Millimeter lange Klinge aus pulvermetallurgischem S35VN Stahl ist an der Klingenwurzel vier Millimeter breit. Eine dominante Swedge bildet eine markante Facette an deren Oberseite sich der Klingenrücken kontinuierlich verjüngt. Die Gratlinie beschreibt einen leichten Aufwärtsbogen, dessen Linienführung dem Verlauf der Schneide folgt. Unterhalb der Gratlinie setzt der Hohlschliff an. Swedge und Hohlschliff reduzieren Volumen und Masse der Klinge deutlich, so dass die Klinge schmaler und leichter wirkt, als sie tatsächlich ist.

Die Achsschraube des River Cat ist ein Hingucker! Die ein Zentimeter breiten Schraubenköpfe symbolisieren einen Strudel und nehmen damit wieder das Thema des Messers auf. Absicht oder Zufall? Schließlich findet sich dieser Typ Achsschraube auch bei anderen Kizer Modellen, passt aber nirgendwo so perfekt ins Konzept wie beim River Cat.

Das Design des Messers zieht die Blicke magisch an, so dass man leicht einen kleinen technischen Leckerbissen übersieht. Gemeint ist der Stahleinsatz an der Lock Bar. Normalerweise stützen sich Steel Inserts gegen eine Fräskante ab und werden mit ein oder zwei Schrauben fixiert. Kizer Cutlery ist einen anderen Weg gegangen. Der Stahleinsatz wird von einer Schraube und einem durch die Lock Bar gehenden Steckbolzen gehalten. Das Ende des Bolzens ist abgerundet so dass der Eindruck entsteht, in die Lock Bar wäre eine Kugel eingelassen. Dabei liegt der Bolzenkopf exakt über dem Detent Ball. Die Komplexität dieser Konstruktion ist bemerkenswert und ich erinnere mich nicht, diese technische Variante bereits vorher irgendwo gesehen zu haben.

So aufwändig und gelungen die Verarbeitung des Themas „Fluss“ beim River Cat ist, beim Taschenclip hat Kizer etwas Potential liegenlassen. Der simple Stahlclip erfüllt seine Aufgabe zwar absolut zufriedenstellend, aber ein anodisierter Titan Clip mit thematisch passender Gestaltung wäre die perfekte Ergänzung für ein ansonsten stimmiges Design-Konzept gewesen.

River Cat von Kizer Cutlery

Die Klinge des Kizer River Cat läuft in einem Kugellager wobei auffällt, dass der Spalt zwischen Griffschalen und Klinge sehr klein ausfällt. Das Kugellager ist gerade so zu erkennen. Mit Bordmitteln – genauer gesagt mit einer Zündkerzenlehre – komme ich auf einen Abstand von ca. 0,35 Millimeter.

Guter Klingengang ohne Klingenspiel haben eine simple Ursache: hohe Fertigungspräzision! Letzteres kann man dem River Cat an vielen Punkten bescheinigen, weder bei der Einpassung des Stahleinsatzes in die Lock Bar noch bei der Klingenlagerung oder der Einpassung des Detent Ball, nirgendwo wurde ein Hundertstel verschenkt.

Die modernen Framelock Folder aus Serienfertigung sind heutzutage fast alle technisch perfekt und sauber justiert aber trotzdem schafft es das River Cat von Kizer Cutlery, die Latte noch ein Quäntchen höher zu legen. Der Klingenschliff fügt sich passgenau in dieses Bild. Er ist seitensymmetrisch und bis zur Spitze winkelstabil, auch den Ansatz der Schneide am Ricasso hat der Schleifer sehr ordentlich hinbekommen. Die Schneide ist auf ihrer gesamten Länge gleichmäßig scharf (9.5/10).

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Die Klinge des River Cat lässt sich per Daumen-Pin oder als Flipper öffnen. Beide Varianten funktionieren sehr gut, was eine kleine Überraschung darstellt. Viele Flipper lassen sich per Klingenheber nur um den Preis eines verrenkten Daumens oder schmerzender Fingerkuppen öffnen; das River Cat bildet eine löbliche Ausnahme. Die Geometrie zwischen Daumen-Pin und Klingenachse ähnelt dabei dem Umnumzaan, man schiebt den Pin also nach vorn anstatt ihn nach außen zu drücken.

Die Flipper-Action des River Cat ist ausgezeichnet, was nicht nur am guten Klingengang, sondern auch an einem gut justierten Detent liegt. Der Detent ist eher auf der straffen Seite und besitzt einen knackigen Druckpunkt, der Kraftaufwand zum Öffnen ist trotzdem nicht sehr hoch. Das Lock steht etwa bei 25 Prozent und verriegelt die Klinge sicher. Die Klinge lässt sich ohne Kraftaufwand entriegeln, die Lock Bar ist für den Daumen bequem zu erreichen. Ein fast unsichtbarer Überdehnschutz verhindert Beschädigungen an der Lock Bar.

S35VN Crucible Steel
C Cr V Mo Nb Mn
1,40 % 14,0 % 3,0 % 2.0 % 0,5 % 0 %

In der Praxis zeigt sich das River Cat von Kizer Cutlery als Allrounder ohne Schwächen. Dabei fällt schnell auf, dass das Messer in jeder Hinsicht ungemein stabil ist und auch vor harten Einsätzen nicht zurückschreckt. Die Schneidleistung ist überdurchschnittlich, wobei das Messer nicht so giftig wirkt wie sein Hohlschliff und der präzise Klingenschliff vermuten lassen. Das Handling beim Schneiden ist ausbalanciert und die Schnittführung gut kontrollierbar. Zum Klingenstahl muss man nichts mehr sagen, der pulvermetallurgische S35VN ist eine gute Wahl.

River CatDas River Cat macht in vielerlei Hinsicht Spaß. Die Optik wird nicht nur Messerfans begeistern, die farbenfroh anodisierte und fein konturierte Griffschalen mögen. Beides ist in Kombination mit dem thematischen Design in dieser Form sonst nur bei Customs anzutreffen. Die filigranen Konturen nahe der Klingenwurzel sind ein technisches Sahnestückchen, denn normalerweise warten Messer in der Preisklasse unter 500 Dollar nicht mit solchen Gestaltungselementen auf.

Custom-like sind auch Handhabung, Verarbeitungsqualität und Justage des Messers – in allen drei Punkten kann das River Cat souverän die volle Punktzahl abräumen. Den Taschenclip habe ich schon angesprochen und er kostet das Messer die in Reichweite liegende Höchstwertung, Ich bin sicher, dass Kizer Cutlery die Lücke bald schließen und das Design der Taschenclips individuell auf jedes Messer abstimmen wird.

BewertungDer Preis für das Kizer Cutlery River Cat hat sich in Europa bei rund 200 Euro eingependelt – für dieses Geld ist das Messer geradezu ein Schnäppchen. Leistungsmäßig steht es den Produkten US-amerikanischer Hersteller in nichts nach – eher im Gegenteil. Außerdem bringt es ein durchgehendes Design-Konzept als (beinahe) Alleinstellungsmerkmal mit. Das River Cat ist nicht nur ein edler User, es ist vor allem auch ein geeignetes Sammlerobjekt für Fans von Serienmessern mit besonderem Touch.

 

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River Cat Techn. Daten
Messertyp Ti- Framelock Flipper
Hersteller Kizer Cutlery / TomCat
Modell Kizer Cutlery Ki4456Ti2
Klingenlänge / Schneide 85 mm / 89 mm
Klingenstärke 4,0 mm
Klingenform Clip Point Freeform
Klingenhöhe 26 mm
Klingenstahl CPM-S35VN
Länge offen / geschl. 197 mm / 112 mm
Griffmaterial Titan
Gewicht 130 Gramm

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Bildnachweis:

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