Messer 2019 – TUYA Argon und Heidi Blacksmith

Eine Kombination aus Hochsommer und Sommerloch gibt in der Messerwelt nicht. Eher im Gegenteil, denn viele Firmen stellen zur Jahresmitte neue Modelle vor oder veröffentlichen sogar einen „Mid-Season“ Katalog. Aus dem großen Angebot aktueller Neuerscheinungen hat Knife-Blog einen Folder und ein Fixed Blade ausgewählt. Das Review Messer 2019 zeigt das Argon von TUYA Knife und als besonderes Highlight ein Fixed von Messermacher Heidi Blacksmith, das in Zusammenarbeit mit Bestech Knives entstanden ist.

Inhalt und Übersicht

Im Sommer 2019 wird deutlich: Bei Framelock Foldern neigt sich die Zeit einheitsgrauer Titangriffe endgültig dem Ende entgegen. Egal ob China oder USA, egal ob TUYA Knife oder Rick Hinderer, Mut zur Farbe und zu optischen Akzenten liegen voll im Trend. Als Trendsetter Chris Reeve Knives vor gut einem Jahr begann, immer mehr farbige und deutlich buntere Griffschalen anzubieten, war dies mehr als nur Indikator für Veränderungen im Käuferverhalten.

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Inzwischen geht der Trend quer durch die Messerszene und reicht von kontrastreichem Titan-Damast über farblich absetzte Hardware bis zu mehrfarbiger Anodisierung des Griffs. Wer auf farbliche Akzente verzichtet, gestaltet seine Griffe zumindest mit einem Carbon-Inlay, Mosaikpins oder einer aufwendigen 3D-Fräsung, die gerne auch mal hochglanzpoliert ausfallen darf.

300 Messer Reviews und Artikel

Bevor es losgeht noch eine Information in eigener Sache. Die Sommerausgabe von Messer 2019 ist der 300. Artikel, der auf Knife-Blog erscheint. Damit verbunden ist eine kleine Änderung: Zukünftig wird es keine Bewertungen in Form von Punkten oder Rankings mehr geben!

Zwar sind Punktwertungen sehr populär und können einen schnellen Überblick ermöglichen, sie können in ihrer unvermeidbaren Verkürzung aber auch manipulativ sein. Da zudem jeder Messerfan technische oder optische Eigenschaften unterschiedlich gewichtet, lässt Knife-Blog zukünftig die Fakten für sich sprechen und überlässt deren Bewertung seinen Lesern. Die Punktewertung weicht einer unkommentierten Liste positiver und negativer Eigenschaften.

In den letzten Jahren hat sich die Qualität bei Serienmessern konstant nach oben entwickelt. Schwächen bei Metallbearbeitung, Klingenstand, Justage oder der Präzision des Anschliffs sind selten geworden. Deshalb werden diese Punkte innerhalb der Bewertung nur dann erwähnt, wenn sich Mängel oder Verbesserungsmöglichkeiten zeigen.

Argon von TUYA Knife

Vor einem Jahr kannten selbst Insider den chinesischen Newcomer kaum, doch in wenigen Monaten hat es das Start-up-Unternehmen geschafft, sich in Europa einen guten Namen zu machen. Der Schwerpunkt liegt bei TUYA Knife auf hochwertig verarbeiteten Titan-Framelock Foldern. Auch das Argon gehört in diese Gruppe.

Messer 2019: das TUYA Argon punktet mit Design und Qualität
Messer 2019: das TUYA Argon punktet mit Design und Qualität

Der Hauptunterschied zu den auf Knife-Blog bereits vorgestellten Modellen von TUYA Knife liegt beim Argon in der ungewöhnlichen Gestaltung des Griffs. Durch aufwendige 3D-Fräsung ergibt sich eine terrassenartige Struktur aus geschwungenen Linien, die stark an die Höhenlinien einer Geländekarte erinnern.

In der Griffmitte liegt eine glatte Ebene wie ein Plateau im Gebirge und bildet den Bereich mit der größten Materialstärke des Griffs. Zu den Rändern hin sind acht Terrassen eingefräst, von denen jede 0,2 Millimeter tiefer liegt als die Vorangegangene. Die einzelnen Terrassen sind leicht gegeneinander verdreht und in Längsrichtung gestreckt, sodass die Konturen genauso harmonisch wie dynamisch wirken.

Messer Reviews 2019: TUYA Argon

Die Präzision der 3D-Fräsung ist atemberaubend und zeigt jedem digitalen Messschieber seine Grenzen auf.

Die Übergänge von Terrasse zu Terrasse sind klar abgegrenzt und deutlich fühlbar, werden aber nicht als Kanten wahrgenommen, wenn man das Argon von TUYA Knife in der Hand hält.

Nur unter einer starken Lupe ist erkennbar, dass alle Oberflächen des Griffs mit einer ultrafeinen Riffelung versehen sind, um Handlage und Rutschhemmung zu optimieren.

Die 3D-Gestaltung ist auf Presentation Side und Lock Side genauso identisch wie die Anodisierung der Titanoberflächen. Vom goldfarbenen Plateau in der Griffmitte ändert sich der Farbton nach außen zu Stahlblau. Hier und da schimmert dezent etwas Violett durch. Komplett anodisiert und reichlich Farbe. Dennoch wirkt der Griff des Argon nicht „overdesigned“ oder gar übertrieben bunt.

Das alles wäre nichts wert, wenn man die Gestaltung der Griffschalen mit Einschränkungen bei Ergonomie oder Handling bezahlen müsste. Doch das ist nicht der Fall. Der Griff schmiegt sich perfekt in die Hand und überzeugt sogar mit guter Rutschhemmung. TUYA Knife ist mit dem Argon nicht nur ein Messer 2019, sondern vor allem eine funktionierende Symbiose aus Form, Farbe und guter Ergonomie gelungen.

TUYA Argon – Technische Daten

  • Bauform: Flipper
  • Klingenlänge: 93 mm
  • Klingenstärke: 4,4 mm
  • Klingenstahl: CPM-S35VN
  • Gesamtlänge: 210 mm
  • Gewicht: 160 Gramm

TUYA Argon – Ausstattung

  • Öffnungsmechanismus: Flipper, Einhand
  • Lager: Offenes Käfiglager mit Keramikkugeln
  • Verriegelung: Framelock mit Stahleinsatz
  • Klingenstahl: Böhler M390, gehärtet auf 59 +/- 1 HRC
  • Griff und Clip: Titan, farblich abgestimmt
  • Zubehör: Cordura-Pouch, Reinigungstuch, Garantiekarte

TUYA Argon – Bewertung

  • Flipper- und Einhandöffnung
  • Aufwendiges Griffdesign
  • Pulvermetallurgischer Klingenstahl
  • Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
  • Keine
Argon von TUYA Knife
Die ungewöhnliche Gestaltung des Griffs sowie die Qualität von Verarbeitung und Justage machen das TUYA Argon zu einem der Messer 2019

Das Argon hat TUYA Knife mit einer 89 Millimeter langen Drop Point Klinge aus CPM-S35VN ausgestattet. Dieser pulvermetallurgische Stahl wurde speziell für Messerklingen entwickelt, er besitzt gute Allround-Eigenschaften und lässt sich – im Gegensatz zu Ultra-High-Carbon Stählen – auch noch mit gängigen Schleifwerkzeugen nachschärfen.

Die Schärfe der Klinge ist beträchtlich, das TUYA Argon rasiert den Unterarm mühelos und erreicht die bei Serienmessern seltene Höchstwertung von 10/10 beim Klingenschliff.

Ähnlich Gutes offenbart das Argon bei Flippereigenschaften und Justage. Die Klinge lässt sich mühelos flippen, obwohl der Detent eher auf der strafferen Seite angesiedelt ist. Das Lock ist mit einem Stahleinsatz ausgerüstet, überdeckt die Klinge etwa zu 25 Prozent und verriegelt sie sicher.

Die gute Ergonomie des TUYA Argon habe ich bereits erwähnt, aber gut ist beinahe untertrieben. Das Messer schmiegt sich bei Handschuhgröße 10 perfekt in der Hand, der Daumen liegt sicher auf dem Klingenrücken vor dem Jimping. Letztlich entscheiden nicht Farbgebung oder Frästechnik über die EDC-Qualitäten, sondern Handlage, Klinge und Schliff. In allen drei Punkten gibt es keinen Ansatz für Kritik.

Wer Gefallen am TUYA Argon findet, wird in Kürze 210,- Euro ärmer sein. Dafür ist er um ein richtig gut gemachtes Messer mit außergewöhnlicher Griffgestaltung und potenter Klinge reicher. Ein fairer Tausch…

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No.1 von Heidi Blacksmith

Die kleinen Fixed, deren Macher mehr zufällig als absichtlich zum Pseudonym „Heidi“ gekommen ist, sind mittlerweile in der deutschen Messerszene fest verankert. Seit rund 15 Jahren stellt Markus Heidgen alias Heidi Blacksmith Messer her. Die Karriere des gelernten Fliesenlegers hat von den ersten Messern für den Eigengebrauch bis zum Interesse an seinen aktuellen Customs eine beachtliche Entwicklung genommen.

Heidi Blacksmith steht heute nicht nur für einen bestimmten Messertyp, sondern auch für eine wiederkehrende Grundform. Kleine Fixed Blades mit Klingenlängen um sieben Zentimeter mit schlanken, langen Griffen, die auch Messerfans mit Handschuhgröße 10 noch den sicheren Gebrauch der Messer ermöglichen.

Sieben Zentimeter Klinge reichen mir im Alltag“ , sagt Heidi Blacksmith im Gespräch mit Knife-Blog, und fügt an: „Natürlich sind es keine Messer für Outdoor-Aktivitäten oder Batoning, aber sie sind allen typischen EDC-Aufgaben problemlos gewachsen.“

No.1 von Heidi Blacksmith und Bestech Knives
Messer 2019: Prototyp des No.1 von Heidi Blacksmith

Abgesehen von einem vor Jahren in Italien in Serie gefertigten Modell von Heidi Blacksmith, gab es bisher nur die raren Customs aus der Werkstatt von Markus Heidgen. Wartezeit inklusive. Für Fans des Messermachers gibt es nun eine Alternative: In Zusammenarbeit mit Bestech Knives ist ein echtes „Heidi“ entstanden, das über WritingTurningFlipping exklusiv vertrieben wird.

Namen gibt Markus Heidgen seinen Messern üblicherweise nicht und so ist auch das „Heidi“ aus der Bestech Collab namenlos geblieben. Nur die schlichte Bezeichnung „#1“ findet sich auf Konstruktionszeichnungen und im Onlineshop. Knife-Blog hat diese Kennung als „No. 1“ übernommen.

Es hat lange gedauert – sehr lange sogar. Bald ein Jahr ist vergangen, seit ich das erste Mal von der geplanten Zusammenarbeit gehört und die ersten Zeichnungen gesehen habe. Sascha fungiert als Planer, Importeur und Mediator zwischen Messermacher und Hersteller, wobei er in das Konzept eines bezahlbaren „Heidi“ in Top-Qualität viel Zeit und Herzblut investiert hat.

IWA 2019 Meeting

Letzte Details des Messers, vor allem die zweifarbige Gestaltung des Griffs, wurden auf der IWA 2019 in Teamwork festgelegt.
(v.l.n.r.: Markus Heidgen, Sascha Stoelp und Solina von Bestech Knives)

Schon vor Monaten lagen die ersten Prototypen auf dem Tisch. Das Griffmaterial und die Gestaltung des Griffs wurden eifrig diskutiert, Vor- und Nachteile abgewogen und alle Details mit Heidi Blacksmith abgestimmt. Unzählige E-Mails wurden gewechselt. Auf der IWA 2019 dann endlich ein Treffen aller Beteiligten, bei dem die letzten offenen Fragen geklärt und das technische Konzept endgültig verabschiedet wurden.

Auch der Klingenstahl wurde am runden Tisch intensiv diskutiert. Markus Heidgen ist ein Fan von D2, den er auch für viele seiner Customs verwendet. „D2 ist ein guter Allround-Stahl, in keinem Bereich absolute Spitze aber dafür auch in keinem Bereich wirklich schlecht“ , begründet Markus seine Entscheidung für den in der Messerszene manchmal abfällig kommentierten Werkzeugstahl. Auch pulvermetallurgischer Klingenstahl wurde diskutiert, aber er hätte den Preis bei geringem Mehrwert spürbar nach oben getrieben.

Konstruktionszeichnung des No. 1 von Heidi Blacksmith und Bestech Knives

Diese Zeichnung des „Heidi No .1“ stand am Ende langer technischer Diskussionen und zeigt die endgültige Produktionsversion.

Wer Messer von Heidi Blacksmith kennt, wird auch beim Modell aus der Bestech-Collab die Handschrift des Messermachers sofort erkennen. Es ist ein typisches „Heidi“, mit einer 80 Millimeter langen, fein satinierten Drop Point Klinge.

Explosionszeichnung des No. 1 von Heidi Blacksmith und Bestech Knives

Der Aufbau eines kleinen Fixed Blade ist im Vergleich zu Klappmessern relativ einfach, wie die Explosionszeichnung zeigt.

Die Finesse liegt im Detail. Allein über die Struktur des Jimpings wurde gut eine Stunde lang verhandelt, denn Markus bestand auf der gleichen feinen Struktur, die auch seine Customs ziert.

Beim Griff-Design stehen drei Versionen zur Auswahl: G-10 schwarz-beige, G-10 schwarz-grün und ein Laminat aus G-10 und Carbon.

Die Griffgestaltung mit verschiedenfarbigem G-10, das V-förmig ineinander übergeht, hatte Bestech Knives schon einmal beim Folder „Swordfish“ verwendet. Heidi besaß ein „Swordfish“ und ihm gefiel dieses Design so gut, dass er darum bat, es als Reminiszenz an Bestech auch bei seinem No.1 verwenden zu dürfen.

Die ergonomischen Qualitäten des „Heidi No. 1“ unterscheiden sich nicht im Geringsten von Markus‘ Custom Knives. Kleine und mittelgroße Hände finden am 95 Millimeter langen Griff ausreichend Platz. Für den Daumen steht ein Jimping vor dem Griffansatz zur Verfügung. Die Breite des Griffs beträgt neun Millimeter; die Höhe liegt zwischen 14 und 17 Millimetern.

Das „Heidi No. 1“ wird in einer besonders interessanten Griffvariante angeboten. Ein mehrlagiges Laminat aus Carbon und G-10 ergibt spannende optische Effekte, da vor allem an den abgerundeten Bereichen des Griffs mal das schwarze G-10, mal eine Carbon-Platine zu sehen ist.

Heidi Blacksmith No. 1 – Technische Daten

  • Bauform: Fixed Blade
  • Klingenlänge: 80 mm
  • Klingenstärke: 3 mm
  • Klingenstahl: D2, gehärtet auf 60 +/- 1 HRC
  • Gesamtlänge: 175 mm
  • Gewicht: 68 Gramm

Heidi Blacksmith No. 1 – Ausstattung

  • D2 Stahl, 59 +/- 1 HRC
  • Full Tang
  • Flachschliff
  • G-10 oder G-10/Carbon Griff
  • Zubehör: Kydex-Scheide, Garantiekarte

Heidi Blacksmith No.1 – Bewertung

  • Für kleine und große Hände geeignet
  • Hochwertig verarbeitet
  • Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
  • Kydex-Scheide im Preis enthalten
  • Keine
Messer Review 2019: No.1 von Heidi Blacksmith
Messer 2019: Das kleine Fixed von Heidi Blacksmith und Bestech Knives mit dem Griff aus Carbon/G-10 Laminat

Bereits ab Planungsbeginn war klar, das Heidi Blacksmith No.1 soll für jeden Messerfan erschwinglich sein. Im Gegensatz zu unrühmlichen Bahnhöfen und Flughäfen wurde der geplante Kostenrahmen punktgenau eingehalten. Bei WritingTurningFlipping sind die G-10 Modelle für 110,- Euro und das G-10/Carbon Modell für 120,- Euro erhältlich.

Heidi Blacksmith und Bestech Knives haben ein formschönes, praktisches Fixed für den EDC-Alltag realisiert. Eine gute Entscheidung war, die Klinge nicht mit Logos und Gravuren zu überfrachten. Auf einer Klingenseite befindet sich das Logo von Heidi, auf der andere das von Bestech. Alle anderen Gravuren befinden sich auf dem Klingenrücken.

Auf ein wenig dezentes Dekor muss man beim Heidi Blacksmith No.1 trotzdem nicht verzichten. Zwei Mosaikpins zieren die Griffschalen und auch die feine Satinierung der Klinge schmückt das Messer ungemein.

Messer 2019: Das „Heidi Bestech“ macht Appetit auf mehr und die Bezeichnung „No. 1“ lässt hoffen, dass noch weitere Modelle aus der Kooperation hervorgehen. Vielleicht mit Klingen aus M390 und einem Griff aus Carbon…

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Messer 2019 – Links

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