Knife-Blog

Schutz vor Messerattacken – Kleidung von SlashPro

Was früher undenkbar war, ist heute Realität: Mitten in Deutschland fürchten Menschen, Opfer einer Messerattacke zu werden. Polizisten tragen heutzutage auch bei Routineeinsätzen starke Schutzwesten und viele Bürger suchen nach einer alltagstauglichen Bekleidung mit schnitthemmender Wirkung. SlashPro heißt eine Bekleidungslinie aus Großbritannien, die aus einer besonders stabilen Faser besteht und vor dem Schlimmsten schützen soll. Knife-Blog hat einen Hoodie getestet, der eine Schutzwirkung gegen Messerangriffe verspricht.

Gewalttaten, bei denen unter anderem auch Messer zum Einsatz kamen, haben in der jüngeren Vergangenheit zu vielen beunruhigenden Schlagzeilen geführt. In diesen Tagen haben die Stuttgarter Nachrichten über die dramatische Entwicklung in Baden-Württemberg berichtet (s. u. Links). Obwohl die deutsche Regierung bestimmte Vorfälle zu verschweigen sucht oder verharmlost, sickern trotzdem Fallzahlen oder Tatumstände durch und führen bei vielen Bürgern zu steigender Sorge.

Unbestreitbar ist, dass das Leben in Deutschland längst nicht mehr so sicher ist wie noch vor wenigen Jahren. Keine andere Zahl zeigt die gestiegene Unsicherheit in der Bevölkerung deutlicher, als der Anstieg von satten 130 Prozent innerhalb von drei Jahren bei Anträgen auf Erteilung des kleinen Waffenscheins. Mit Tränengas oder Gaspistolen, beides darf mit einem kleinen Waffenschein legal geführt werden, versuchen sich viele Menschen in Deutschland gegen Amokläufer, islamistische Attentäter oder gegen sexuelle Übergriffe wappnen.

– Werbung –

Zur Abwehr eines unvermuteten Angriffs mit einem Messer taugen weder Reizgassprühgeräte (RSG) noch Gaspistolen. Auch wenn man eine Person in Sekundenbruchteilen als Angreifer wahrnimmt, helfen beide Abwehrmittel nur dann, wenn man sie bereits einsatzbereit in der Hand hält. Die in Deutschland für Privatpersonen legal verfügbaren Reizstoffe sind zwar umweltfreundlich, dafür aber niedrig konzentriert und im Einsatz – aller Werbung zum Trotz – entsprechend ineffektiv. Der erfolgreiche Einsatz einer Gaspistole erfordert umfängliches Training, kurze Reaktionszeiten und hohe Stressresistenz. Diese „aktiven“ Verteidigungsmittel wiegen ihre Besitzer in trügerischer Sicherheit und erweisen sich im Ernstfall zumeist als wenig hilfreich.

Was liegt also näher, als einen passiven Schutz zu wählen, der immer da ist und auch schützt, wenn der Träger unaufmerksam ist oder ein Angriff ohne jede Vorwarnung erfolgt? Polizisten schützen sich auf diese Weise mit stich- und schnitthemmenden Westen, die in brauchbarer Qualität nicht nur weit über eintausend Euro kosten, sondern aufgrund der martialischen Optik für Privatpersonen im Alltag als Straßenbekleidung nicht in Frage kommen.

Bleibt also nur ein Kleidungsstück, dass nicht wie ein „Combat Jacket“ der Schutzklasse 4 aufträgt oder noch besser, gar nicht erst als Schutzkleidung erkennbar ist. Bei Ebay werden solche Kleidungsstücke schon seit geraumer Zeit angeboten und erweisen sich nach dem Kauf regelmäßig als überteuerter Plunder. Gelungene Symbiosen aus Schnittschutz, Alltagstauglichkeit, Qualität und einem erschwinglichen Preis sind bisher leider Mangelware.

Vor kurzem wurde ich auf die Produkte der englischen Firma SlashPro Clothing
aufmerksam, die schnitthemmende Bekleidung herstellt. SlashPro Clothing ist
einer Tochterfirma der PPSS Group aus Wetherby in der Grafschaft West Yorkshire.
Unter dem Markennamen „Cut-Tex® PRO“ produziert die PPSS Group
schnitthemmende Fasern, aus den SlashPro unter anderem T-Shirts, Sweatshirts,
Hoodies und sogar Unterwäsche herstellt. Ein Hoodie von SlashPro soll
heute im Praxistest Zeugnis über Materialqualität,
Tragekomfort und seine Schutzeigenschaften ablegen.

Aus den Cut-Tex PRO Fasern entsteht ein schnitthemmender Stoff, der Schutz vor scharfen Messerklingen bieten soll. Er konkurriert nicht mit zentimeterdicken, beschusshemmenden Westen oder Stichschutzwestern, die durch spezielle Einlagen aus Metallfolien oder Metallringen das Eindringen von spitzen oder stanzenden Waffen verhindern.

Hoodie von SlashPro

Ursprünglich wurde die SlashPro Bekleidung für Mitarbeiter von Sicherheitsunternehmen, Justizvollzugsbeamte und Behördenmitarbeiter entwickelt, die im Rahmen ihrer Tätigkeit keine Schutzwesten höherer Schutzklassen tragen wollen oder tragen können. Seit einiger Zeit bietet das englische Unternehmen seine Produkte aber auch Privatpersonen an. Der Vertrieb erfolgt hauptsächlich über das Internet und die Nachfrage für zivile Schutzbekleidung wächst derzeit weltweit.

Der Hoodie von SlashPro ist rundum mit elastischen Bündchen abgesetzt und verfügt auch über die typische „Känguru“ Tasche an der Vorderseite. Weitere Taschen sind nicht vorhanden.


SlashPro Bekleidung: Material und Tragekomfort

Neben der Schutzwirkung entscheidet vor allem der Tragekomfort über die Alltagstauglichkeit der Bekleidung von SlashPro. Wie schon erwähnt, umfasst die Produktpalette verschiedene Hemden, lange und kurze Unterhosen, Pullover, Jacken und einen Hoodie. Letzteren habe ich bewusst für den Test ausgewählt, da bei diesem Kleidungsstück der meiste Stoff verarbeitet ist und sich am SlashPro Hoodie daher Rückschlüsse auf das Gewicht der Schutzkleidung ergeben. In Größe 3XL wiegt der Hoodie von SlashPro etwa 870 Gramm und ist einerseits kein Leichtgewicht, andererseits aber auch nicht unangenehm schwer. Tatsächlich hat man sich schon nach wenigen Minuten an den Hoodie gewöhnt und nimmt ihn nicht als schwer oder gar als zu schwer wahr. Besonders positiv fällt auf, dass das Material sehr flexibel und der Hoodie bequem zu tragen ist.

Woraus Cut-Tex Pro besteht und wie die Faser hergestellt wird, ist ein Betriebsgeheimnis von der PPSS Group. Die Firma stellt übrigens auch beschusshemmende Westen her und hat daher eine breite Palette verschiedener Spezialgewebe in ihrem Portfolio. In der Vergrößerung lässt sich jedoch die Webtechnik und unter dem Mikroskop sogar eine wabenartige Struktur erkennen.

Cut-Tex Pro

Schnittschutzfaser für SlashPro Bekleidung

Cut-Tex Pro

Schlaufen und eine umwickelte Hauptfaser

Cut-Tex Pro

Faserstruktur unter dem Mikroskop

Im Alltag ist der Hoodie von Slashpro ein angenehmes Kleidungsstück, er ist gut geschnitten, weich und atmungsaktiv. Obwohl das Material aufgrund der Schutzwirkung eine gewisse Dichte besitzen muss, schwitzt man mit dem SlashPro Hoodie nicht mehr oder weniger als mit herkömmlicher Bekleidung. Die Außenseite des Hoodies wird von den Cut-Tex Pro Fasern gebildet, die deutlich glatter sind als normale Stoffe und eher an Metall als an eine Textilfaser erinnern. An der Innenseite befindet sich ein weiches, sehr engmaschiges Mesh, das nicht kratzig ist und sich auf der Haut sehr angenehm tragen lässt. Die Verarbeitungsqualität ist in allen Punkten hochwertig.

Bei den Größenangaben des Herstellers sollte man berücksichtigen, dass die Bekleidung von SlashPro klein ausfällt. Der Hoodie in 3XL entspricht in etwa der Größe XXL eines US-amerikanischen Herstellers.

Hoodie von SlashPro im Härtetest

Stammleser wissen: Videos gehören in Knife-Blog Artikeln nicht zum Standard und erscheinen nur bei besonderen Anlässen. Die Bekleidung von SlashPro ist ein solcher Anlass, denn egal wie viel Text ich schreibe, bei dieser Thematik sagen bewegte Bilder mehr als Worte. Im Video habe ich getestet, welchen Widerstand Cut-Tex® PRO der Schneide eines WE Knife Deacon und einem mit Wucht geführten Küchenmesser entgegensetzt.

Wie das Video eindeutig zeigt, ist Kleidung aus Cut-Tex PRO außerordentlich resistent gegen Messerklingen; auch das rasiermesserscharfe Küchenmesser aus der Werkstatt von Jürgen Schanz kann die Fasern selbst bei einem mit voller Wucht geführtem Hieb nicht beschädigen. Das bedeutet aber im Umkehrschluss nicht, dass der Hoodie von SlashPro aus Couch-Potatos unverwundbare Supermänner macht…

Was kostet ein Hoodie von SlashPro?

Im Onlineshop von Slash-pro.com wird der Hoodie derzeit für 217,50 Euro angeboten. Kein Pappenstiel, aber gemessen an dem verwendeten Material, der guten Verarbeitungsqualität und den Schutzeigenschaften auch kein Wucher. Ob die Produkte von SlashPro lange für die heute angegebenen Preise verfügbar sein werden, oder ob in Kürze Zölle und Einfuhrumsatzsteuer anfallen, ist beim derzeitigen Stand des Brexit-Theaters nicht absehbar.

Wichtiger als der nackte Preis ist bei Ausrüstung – und gerade bei Schutzausrüstung – immer die Frage nach der Balance aus Anschaffungskosten und praktischem Nutzwert, sollte der Schutz wirklich einmal benötigt werden. Jeder, der durch einen Angriff verletzt worden ist, wird im Nachhinein sagen, dass er das Geld gern ausgegeben hätte, wenn ihm dadurch Verletzungen erspart geblieben wären. Schnitthemmende Kleidung hat also einen ähnlichen Gedankenansatz wie eine Versicherung: man hofft, dass der Fall nie eintritt und versucht sich gegen die Folgen abzusichern, wenn es doch einmal passiert.

– Werbung –

Selbst wenn man Schutzkleidung trägt, ist es sicherer die Flucht zu ergreifen, als sich auf eine Auseinandersetzung mit einem bewaffneten Täter einzulassen. Anders sieht es aus, wenn man unvermittelt angegriffen wird und um sein Leben kämpfen muss. Auch wenn der Hoodie von SlashPro keinen Schutz vor einem Stich bietet, kann er die eigene Verteidigung wirksam unterstützen. Mit dem Unterarm lässt sich die Klinge des Messers seitlich attackieren und vom eigenen Körper wegdrücken. Gleichzeitig packt oder blockiert man mit der zweiten Hand den Unterarm des Angreifers kurz hinter dem Handgelenk. Dadurch erhält man einen starken Hebel und man kann den Täter zwingen, das Messer fallen zu lassen. Ersatzweise bricht man ihm das Handgelenk.

Schutzbekleidung von SlashPro vermindert das Verletzungsrisiko, wenn man mit einem Messer angegriffen wird.

Versucht sich ein Mensch gegen einen Messerangriff zu wehren, erleidet er dabei üblicherweise schwere Abwehrverletzungen in Form von tiefen Schnitten an Händen und Unterarmen.

Mit dem Bewusstsein, eine schnitthemmende Oberbekleidung zu tragen, besteht kein Grund mit den Händen in die Messerklinge zu greifen. Stattdessen ist es ratsam, Kopf und Hals durch gekreuzte Unterarme vor Schnitten zu schützen.

Nach Abwehr der ersten Attacke kann man nun die Klinge seitlich oder von oben mit einem Unterarm attackieren, notfalls wäre sogar ein Schlag gegen die Schneide denkbar. Verletzt wird man möglicherweise auch bei dieser Form der Abwehr, aber der Versuch mit einem geschützten Arm dem Angreifer sein Messer aus der Hand zu schlagen ist auf jeden Fall erfolgversprechender, als in eine mit Wucht geführte Schneide zu greifen.

Bei einem Angriff gegen den Hals kann ein durch Oberbekleidung aus Cut-Tex PRO geschütztes Opfer, das Messer ein kleines Stück nach unten drücken, wo eine schneidende Bewegung keinen Schaden mehr anrichten kann. Während der Täter vergeblich auf die Wirkung seines Waffeneinsatzes wartet, kann ein überraschender Gegenangriff das Blatt wenden.

– Werbung –

SlashPro Hoodie: Fazit und Bewertung

Die Cut-Tex Faser und die daraus hergestellte Bekleidung hat sich bei den Tests als sehr widerstandsfähig gegen scharfe Klingen gezeigt. Die Schutzwirkung gegen Schnitte ist hervorragend aber bei einem Stich kann das Material durchdrungen werden. Nachteilig bewerte ich diese Tatsache nicht, da der Hersteller nicht mit einer Undurchdringbarkeit bei Stichen wirbt.

Jede Art von Schutzkleidung stellt einen Kompromiss aus Gewicht, Schutzwirkung, Preis und Alltagstauglichkeit dar. Auch die Bekleidung von SlashPro befindet sich innerhalb des positiven Bereichs dieses Kräftevierecks. Statt mit stabilen Kunststoff- und Metalleinlagen eine schwere Schutzweste herzustellen, legt der Hersteller Wert auf Tragbarkomfort und Alltagstauglichkeit. Schnitte wehrt das Material perfekt ab! Auf jeden Fall gilt: Sollte man angegriffen werden, hat man mit dem Hoodie von SlashPro bessere Chancen ohne oder mit geringeren Verletzungen davonzukommen, als wenn man ungeschützt unterwegs gewesen wäre.

Sicherheitsausrüstung sollte man immer am vorliegenden Bedrohungs- oder Gefährdungspotenzial ausrichten, aber kein Schutz – egal ob Airbag, Helm oder Schutzweste – kann jemals 100%ige Sicherheit bieten. Deshalb auf schützende Maßnahmen in Gänze zu verzichten, wäre die mit Abstand schlechteste Alternative. Vor allem, wenn man doch einmal Opfer eines Messerangriffs werden sollte.

Links

Hinweis: SlashPro® und Cut-Tex® Pro sind eingetragene Handelsmarken der PPSS Group beziehungsweise ihrer Tochtergesellschaften.

Das deutschsprachige Magazin rund ums Thema Messer mit Reviews, 
Beiträgen zu Material und Technik, Recht & Gesetz, handgefertigten Messern und Firmenportraits.

© Copyright 2015-2019. Alle Rechte vorbehalten.

Knife-Blog.com

Die ganze Welt der Messer!

Die Fotos an den Positionen 1 und 6 in diesem Artikel sind Produktfotos von SlashPro.com. Alle anderen Fotos und Abbildungen sind Eigentum des Autors oder Gemeinfrei CC0 1.0 Universell (CC0 1.0).