Echte Innovationen sind in der Messerszene selten wie Schneemänner im Hochsommer und doch zaubert manch Hersteller gelegentlich etwas Neues aus dem Hut. Als CRKT die ersten Bilder seines Modells „Homefront“ über soziale Medien zu verbreiten begann, wurde klar, dass man in Oregon eine wirklich neue Idee am Start hat. Ein Klappmesser in zehn Sekunden ohne Werkzeug zerlegen und wieder zusammenbauen? Das ist der Gedanke hinter dem CRKT Homefront. Ob und wie gut das funktioniert hat sich Knife-Blog angeschaut.

Inhalt und Übersicht

Nicht alle Neuerungen, die in der Messerszene in den letzten Monaten auftauchten, haben praktischen Nutzen. Oft stellen sich wortgewaltig angekündigte Innovationen bei näherem Hinsehen als Gimmick heraus. Einige der Pseudo-Innovationen sollen nur den Preis für ein Produkt nach oben treiben, andere sind lediglich eine optische Variante von Altbekanntem oder stellen überhaupt keinen technischen Fortschritt dar.

In die Gruppe der sinnfreien Erfindungen würde ich die Griffschalen einordnen, deren Farbe oder Muster sich durch Handwärme verändern. Trotzdem konnte Lionsteel mit dieser „Innovation“ die höchste Auszeichnung auf der Blade Show 2016 gewinnen. Das wirft natürlich die Frage auf, ob es sich bei der neuen Zerlegetechnik des CRKT Homefront um eine Innovation mit Praxistauglichkeit oder wieder nur um ein verzichtbares Gimmick handelt.

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Grundsätzlich ist der Gedanke eines ohne Werkzeug in Sekundenschnelle zerlegbaren Messers reizvoll.

Schnell kann ein Messer im Einsatz oder bei Outdoor-Aktivitäten im Sand oder im Matsch landen.

Anschließend ist das Messer entweder komplett blockiert oder seine Mechanik nimmt durch Sand und Dreck Schaden.

Die Reinigung ist in solchen Fällen nur durch komplettes Zerlegen möglich, wofür bei vielen Messern mehrere TORX-Schlüssel oder sogar herstellerspezifisches Spezialwerkzeug benötigt werden. Spätestens wenn man einmal den Waldboden eine Stunde lang nach einem kleinen Schräubchen abgesucht hat, wird man dem Konzept des CRKT Homefront etwas abgewinnen können.

Warum heißt ein Messer, dass man ohne Werkzeug zerlegen kann, „Homefront“? CRKT bleibt die Antwort schuldig und die Suche nach dem Wortsinn führt schnell zu heiklen politischen Anspielungen. Aber die Technik des Messers interessiert mehr als sein Name also nehme ich die Produktbezeichnung leicht erstaunt zur Kenntnis.

CRKT Homefront disassambled
Das CRKT Homefront mit abgenommener Griffschale

Designer Ken Onion

Der Designer hinter dem CRKT Homefront ist niemand geringerer als Altmeister Ken Onion, der bereits seit vielen Jahren für CRKT tätig ist. 2014 konnte CRKT mit Ken Onions Modell „Hi Jinx“ den Preis des „Besten Messer des Jahres“ auf der Blade Show gewinnen und ist spätestens seit diesem Zeitpunkt einer der wichtigsten Designer von Firmenchef Rod Bremer. Ken Onion kam vor rund 25 Jahren als Quereinsteiger in die Messerszene und hat bereits in den 1990er Jahren durch innovative technische Lösungen und eigenständige Designs von sich Reden gemacht.

Klassischerweise wird ein modernes Einhandmesser durch die Achsschraube und ein oder mehrere „Stand-off“ genannte Distanzstücke zwischen den Griffschalen zusammengehalten. Beim CRKT Homefront ist das nicht grundsätzlich anders. Die Innovation ist genauso einfach wie genial. Statt einer Achsschraube hat Ken Onion einen Bolzen mit Bajonettverschluss eingesetzt und die Griffschalen werden am Griffende durch eine Art Rändelschraube fixiert.

CRKT Homefront: Blitzschnell zerlegt

Tatsächlich kann das Messer ohne jede Hektik innerhalb von zehn Sekunden komplett zerlegt werden. Zuerst wird ein kleiner Hebel an der Achsschraube umgelegt, dann wird die Rändelschraube am Griffende gelöst und schon zerfällt das Messer in drei Teile.

CRKT Homefront Entriegelungshebel

Mit einem kleinen Hebel neben lässt sich das CRKT Homefront entriegeln. Dabei löst sich die Achsschraube und gibt die Klinge und beide Griffschalen frei.

So einfach wie die Demontage verläuft der Zusammenbau. Mein ursprünglicher Verdacht, dass mit dieser Technik größere Toleranzen bei der Passung und unangenehmes Geklapper einhergehen könnte, bestätigen sich in der Praxis nicht. Zusammengebaut ist das Messer erstaunlich stabil und lässt sich in dieser Hinsicht nicht von einem herkömmlichen Folder unterscheiden.

Nichts wackelt, klappert oder vermittelt den Eindruck, dass das CRKT Homefront kein zuverlässiges EDC sein könnte. Das kritische Bauteil ist ohne Frage die Verriegelung an der Achsschraube. Hier besteht die Möglichkeit, dass sich nach zahllosen Demontage und Montagevorgängen ein gewisses Spiel einstellt, was zu Klingenspiel und wackelnden Griffschalen führen würde. Im neuwertigen Zustand gibt es diesbezüglich aber keine Beanstandungen.

Technische Daten

CRKT HomefrontDaten und Ausstattung
Messertyp Taschenmesser mit Flipper Öffnung
HerstellerCRKT – Columbia River Knife and Tool
Modell Homefront
Klingenlänge / Schneide89 mm / 87 mm
Klingenstärke3,3 mm
Klingenform Drop Point mit Flachschliff
Klingenhöhe27 mm
KlingenstahlAUS-8 auf 57-58 HRC gehärtet
Länge offen / geschlossen211 mm / 120 mm
GriffmaterialAluminium
Gewicht136 Gramm

CRKT Homefront – Flipper oder was?

Das CRKT Homefront ist ein Flipper. Ein hohlgebohrtes, rundes Etwas ragt auf der Messerunterseite hervor, wirkt optisch wie ein entlaufenes Lanyardhole und dient als Kicker. Bei Druck auf diesen Kicker passiert allerdings nicht viel, die Klinge lässt sich zwar mit vertretbaren Kraftaufwand aus dem Griff bewegen aber von Flippen keine Spur! Das verwundert nicht, da minimale Fertigungstoleranzen bei metallenen Unterlegscheiben oder sogar ein Kugellager für den traumhaft leichten Klingengang der meisten modernen Flipper verantwortlich sind.

Beides fehlt dem CRKT Homefront. Die Klinge läuft zwischen zwei Teflon-Scheiben und Klingenspiel wird hauptsächlich dadurch verhindert, dass diese Teflon-Scheiben seitlichen Druck auf die Klinge ausüben. Die Eigenschaften als Flipper sind lausig und damit steht die Frage im Raum, warum das CRKT Homefront nicht als Einhandmesser mit klassischem Daumenpin konzipiert wurde.

CRKT Homefront geschlossen

Für ein Einhandmesser wäre der Kraftaufwand zum Öffnen und Schließen absolut vertretbar, als Flipper ist das Homefront eine klare Fehlbesetzung.

Das Auseinander- und Zusammenbauen funktioniert hingegen einwandfrei. Griffschalen und Klinge sind sehr passgenau gearbeitet. Nach ein paar Übungen gelingen Demontage und Montage auch im Dunkeln innerhalb weniger Sekunden. Entwurf und technische Realisierung des Homefront sind eine Meisterleistung; einfach, funktionell und ohne irgendwelchen Schnickschnack. Die Verarbeitungsqualität ist gut und gibt keinen Anlass zur Kritik.

Die Griffschalen aus 6061 Aluminium besitzen eine gefräste Riffelung, die sowohl ein angenehmes Handgefühl wie auch eine halbwegs brauchbare Rutschhemmung bewirkt. Ein langer Backspacer an der Messeroberseite ist fest mit der hinteren Griffschale verbunden, am Ende des Spacers sitzt die Rändelschraube, mit der die beiden Griffschalen zusammengehalten werden. Ein kleines Highlight ist die Tatsache, dass Rändelschraube und Backspacer optisch völlig gleich gestaltet sind und das Vorhandensein der Rändelschraube von außen zunächst überhaupt nicht auffällt.

Die Verarbeitung aller Messerteile ist gut, die Materialwahl kann man diskutieren. Griffschalen aus Aluminium sind für dieses Messer durchaus vertretbar, da Titan bei diesem Konstruktionsprinzip möglicherweise größere Materialstärken erfordert hätte. Den Klingenstahl AUS-8 hingegen ist mehr als fragwürdig. Ursprünglich wurde AUS-8 von der japanischen Firma Aichi hergestellt, heute werde Stähle mit sehr ähnlicher Zusammensetzung und Wärmebehandlung vor allem in China produziert. Dort heißt der Stahl „8Cr15MoV“ und auch hinter dem hierzulande bekannten „440b“ verbirgt sich nichts anderes als AUS-8.

AUS-8 gehört heute zu den einfachen Allround-Stählen, er ist zwar brauchbar, repräsentiert aber weder Stand der Technik noch ist er für ein Messer der 150 Dollar Kategorie angemessen.

An einem Multitool mag AUS-8 als Klingenstahl gerade noch akzeptabel sein, aber für ein hochwertiges Messer ist er noch nicht einmal dritte Wahl.

TUYA Knife HintergrundTUYA Knife Messer
DMG HintergrundDMG SchmiedestahlDMG Text 1DMG Text 2
Wolfgangs - Hintergrund
Schanz Shop BackgroundSchanz Layer 1Schanz Shop Layer 2Schanz Layer 3
Steigerwald MesserSteigerwald Messer

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In Zeiten, in denen selbst in China Messer mit aus den USA importierten S35VN hergestellt werden und gute pulvermetallurgische Klingenstähle wie Elmax oder S30V für kleines Geld angeboten werden, ist AUS-8 ein Anachronismus.

Die Klinge des Homefront zeigt in vielen Details die Handschrift von Ken Onion. Ein leichter Recurve und die hoch angesetzte Gratlinie geben dem Design Schwung und die Form der Klinge ist ohne Frage praxistauglich. Der Werksschliff ist winkelstabil und symmetrisch; die Klinge besitzt entlang der gesamten Schneide ordentliche Schärfe.

Es juckt mich, den Knife-Blog Standardtest für Schnitthaltigkeit zu machen: eine Tomate filetieren, ein paar Prügel Eschenholz zuschneiden, einen Wanderstock daraus schnitzen und dann wieder eine Tomate filetieren. Dieser einfache Feldtest ist aussagekräftiger, als sämtliche Werbeaussagen und Datenblätter zusammen. Leider ist das getestete Homefront die Leihgabe eines Freundes, so dass ich auf Belastungstests dieser Art verzichten muss.

In der Hosentasche sitzt das Homefront sicher. Ein skelettierter Deep-Pocket-Clip lässt es nur ein keines Stück herausragen. Auf ein Lanyardhole muss man logischerweise verzichten, der Paracord würde die Griffschalen fixieren und das Auseinandernehmen des Messers unmöglich machen.

CRKT Homefront - Explosionszeichnung
Mit zwei Handgriffen lässt sich das Homefront in drei Teile zerlegen

Der Listenpreis für das CRKT Homefront beträgt 150 Dollar. Bei amerikanischen Internethändlern werden um einhundert Dollar verlangt und für diesen Preis ist das Homefront ein faires Angebot. In Europa beginnen die Versand- und Straßenpreise bei etwa 130 Euro. Grundsätzlich ist das Preis-Leistungs-Verhältnis des Messers in Ordnung. Dass sich CRKT die – inzwischen zum Patent angemeldete – technische Lösung bezahlen lässt, ist verständlich, schließlich dürfte ein nicht unbeträchtlicher Betrag in die Entwicklung des Messers geflossen sein.

CRKT Homefront Fazit

Das CRKT Homefront besitzt ein innovatives Konzept, das grundsätzlich gut funktioniert. Ob sich im Laufe des Messerlebens Klingenspiel durch Abrieb der Teflonscheiben einstellt, wird die Zukunft zeigen. Viele Messerfans werden kritisch fragen, wie oft man eigentlich ein Messer zerlegt und ob es Sinn macht, den kompletten Entwurf eines Messers der werkzeugfreien Zerlegung unterzuordnen. Für eine gewisse aber gar nicht so kleine Gruppe von Messerfans kann das CRKT Homefront eine interessante Alternative zum bisher getragenen Klappmesser darstellen. Wanderer, Angler, Jäger, Bushcraft- und Survivalfans werden wohl die Zielgruppen für dieses Messer bilden.

Messerfreaks, die Wert auf hochwertige Materialien und Individualität legen, werden das Homefront überwiegend verschmähen und auch bei militärischen Einsatzkräften sehe ich eher einen kleinen Markt. Die machen es wie ich und stecken ein Fixed ein, wenn es hart kommen könnte.

Auf der Habenseite des CRKT Homefront stehen ein gelungenes technisches Konzept und eine praxistaugliche Umsetzung. Negativ bewerte ich die Verwendung des AUS-8 Klingenstahl und das Konstruktionsprinzip eines „nicht flippenden Flippers“.

Die Rutschfestigkeit könnte noch verbessert werden. Als Einhandmesser mit Daumenpin und einer Klinge aus pulvermetallurgischen Stahl – zum Beispiel CPM-M4 – würde das Homefront mit einer Spitzenwertung aus dem Test gehen. So bleibt das Ergebnis mittelmäßig und der Eindruck zwiespältig.


BKT Desert
BKT Marshland
BKT Snow
BKT Woodland

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Links und Bewertung

CRKT Homefront - Bewertung