Knife-Blog Messer Lexikon

Lexikon für Begriffe zu Messern, Werkzeugen und Technik

Begriffe rund um Messer, Werkzeuge und Ausrüstung in alphabetischer Reihenfolge. Klar definiert und möglichst verständlich erklärt. Schwerpunkte des Lexikons sind weniger die historischen Begriffe, sondern das zeitgemäße Vokabular der Messerszene. Übersetzungen und Definitionen der zahlreichen englischen Begriffe bilden einen Schwerpunkt, da sich moderne Messer ohne Anglizismen kaum vollständig, korrekt und verständlich beschreiben lassen. Das Messer Lexikon wird permanent erweitert.

Achsschraube – engl.: Pivot Screw

Die Achsschraube bildet bei Taschenmessern die Drehachse der Klinge. Gleichzeitig verbindet sie beide Griffschalen, Klinge und – sofern vorhanden – auch den Rahmen. Die Achsschraube stabilisiert, zentriert und führt die Klinge entweder durch Unterlegscheiben↑ aus Teflon oder Metall (zumeist: Bronze) oder durch beidseits der Klinge auf der Achsschraube sitzende Kugellager. Der Klingengang eines Taschenmessers wird maßgeblich durch Material- und Verarbeitungsqualität der Achsschraube und Klingenführung sowie der korrekten Justage↑ (u. a. Anzugsdrehmoment) der Achsschraube bestimmt.

Assisted Opener – Halbautomat

Taschenmesser mit federunterstützter Öffnungshilfe, dessen Klinge nicht durch Knopf- oder Hebelbetätigung ihre Ruheposition verlässt. Bei einem Assisted Opener (dt. Halbautomat) wird die Klinge mit einem Finger angehoben. Erst bei Erreichen eines vorgegebenen Öffnungswinkels wird der Öffnungsvorgang durch Federkraft unterstützt. Assisted Opener gelten in Deutschland (Feststellungsbescheid des BKA) und vielen anderen Ländern nicht als Springmesser↑ oder ihre rechtliche Einordnung ist ungeklärt.

Axis Lock

Klingenverriegelungssystem für Taschenmesser. Zwanzig Jahre lang besaß die US-Firma Benchmade die exklusiven Rechte an diesem System. Seit der Patentschutz ausgelaufen ist, haben zahlreiche Hersteller eigene Varianten des Axis Lock entwickelt. Alle technischen und historischen Details zum Axis Lock hat Knife-Blog in einem Spezialartikel zusammengefasst.

Benchmade

In den 1970er-Jahren wurde die Firma in Kalifornien, USA von Les de Asis gegründet. Benchmade betrieb zunächst ein Ladengeschäft in Los Angeles und machte sich schnell einen Namen als Hersteller hochwertiger Balisong.

Seit den 1980er-Jahren stellt das Unternehmen Folder und Fixed Blades her. Berühmt sind die ebenso schönen wie teuren Sammlermesser („Gold Class“) in limitierter Auflage. Der Artikel „Firmengeschichte von Benchmade“ erzählt ausführlich von der Entstehung und Entwicklung der Firma.

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Balisong oder Butterflymesser

Balisong, ugs. auch Schmetterlings- oder Butterflymesser, haben ihren Ursprung in Südostasien und dienten dort Fischern und Bauern als Arbeitsmesser. Durch zweigeteilte, schwenkbare Griffstücke lässt sich die Klinge komplett verbergen oder mit einer Bewegung aus dem Handgelenk einhändig öffnen. In Deutschland gelten Balisong derzeit als verbotene Gegenstände; Erwerb, Herstellung und Besitz sind verboten. Ausführliche Artikel: Balisong Kompendium, Teil 1 – Herkunft und Technik, Balisong Kompendium, Teil 2 – Hersteller und Modelle, Balisong Kompendium, Teil 3 – Medien, Filme und Sport .

Ball bearing

oder verkürzt „Bearing“ bedeutet im Deutschen „Kugellager“. Die Klinge läuft in einem halb offenen oder gekapselten Kugellager anstatt zwischen Washern↑ (Unterlegscheiben), was sich positiv auf Klingengang und Zentrierung der Klinge auswirkt. Bei modernen Foldern ab der Mittelklasse gehört die Verwendung von Kugellagern zum Stand der Technik (Bild↑).

Bolster, Griffbacke

Das Wort Bolster stammt aus dem Englischen und bedeutet „stärken“ oder das Verstärken von Strukturen oder der Persönlichkeit. Bei Taschenmessern steht Bolster für eine Verstärkung am vorderen Griffende im Bereich der Achsschraube. Häufig werden Bolster auch als Verzierung oder gestalterisches Element aus Metallen oder wertvollen Materialien eingesetzt (Bild).

Detent, Detent Ball

Das Wort „Detent“ stammt aus dem amerikanischen Englisch und bezeichnet eine mechanische Sperre, die ein Bauteil vorübergehend in einer bestimmten Position relativ zur Position anderer Komponenten hält und die durch Krafteinwirkung überwunden werden kann. Bei Taschenmessern sorgt ein Detent dafür, dass die Klinge nicht von selbst aus dem Griff fällt.

Die Haltekraft für die Klinge entsteht bei Framelock Foldern durch einen Detent Ball. Dabei handelt es sich um eine Stahl- oder Keramikkugel, die auf dem Steel Insert↑ der Lock Bar↑ angebracht ist. Bei geschlossener Klinge ruht die Kugel in einer wenige Zehntelmillimeter tiefen Aussparung an der Klingenwurzel, wodurch ausreichend Haltekraft entsteht.

Edelstahl

ist ein generischer Begriff für Stähle mit einem besonderen Reinheitsgehalt, z. B. müssen die Anteile von Schwefel und Phosphor sehr gering sein. Der Begriff Edelstahl ist hinsichtlich der Stahleigenschaften nicht präzise definiert. Zusammen mit dem Adjektiv „rostfrei“ wird das Wort „Edelstahl“ zumeist umgangssprachlich verwendet oder taucht in der Werbung auf. Das Wort „Edelstahl“ gibt keine Anhaltspunkte hinsichtlich Eigenschaften, Qualität oder Korrosionsträgheit eines Stahls.

Einhandmesser

Der Begriff besitzt eine technische und eine waffenrechtliche Bedeutung. Aus technischer Sicht handelt es sich um Taschenmesser, deren Klinge sich einhändig öffnen lässt, dazu gehören die Bauformen Flipper↑, Balisong↑, Springmesser↑, OTF↑ und Taschenmesser mit Klingenheber. In vielen Fällen geht die Möglichkeit des einhändigen Öffnens mit einer Klingenverriegelung einher, solche Einhandmesser unterliegen in Deutschland einem eingeschränkten Führverbot in der Öffentlichkeit. Balisong (ugs. „Butterflymesser“) und OTF gelten in Deutschland als verbotene Gegenstände.

Fixed Blade

ist der englische Begriff für Messer mit feststehender Klinge. Diese Bezeichnung wird auch in der deutschen Sprache häufig verwendet, weil er kürzer, prägnanter und bei Weitem nicht so sperrig wie mögliche deutsche Bezeichnungen ist.

Flipper

Flipper sind eine Unterkategorie der Einhandmesser↑. Geöffnet wird die Klinge durch Fingerdruck auf den Kicker↑, Übersteigt der Druck die Haltekraft des Detent↑, schnellt die Klinge in die Verriegelungsposition.

Flipper-Action

auch „Flipper-Eigenschaften“. Die Kombination aus Klingengang (Leichtgängigkeit), Kraftwinkel bzw. Hebelkraft beim Betätigen des Kickers↑ sowie ergonomischer Charakteristika summieren sich zu guter oder schlechter Flipper-Action.

Folder

englisch: Messer mit einklappbarer Klinge.

Frame

Der Frame oder Rahmen eines Taschenmessers sind alle Teile außer Klinge, Hardware und aufgesetzte Griffschalen, die die Struktur des Messers bilden und der Konstruktion Stabilität verleihen. Dabei kann es sich um Platinen aus Edelstahl↑ oder Abstandshalter aller Art zwischen den beiden Griffseiten handeln.

Framelock Folder

Taschenmesser, dessen Klinge durch eine Lock Bar↑ verriegelt wird. Das Framelock ist auch als „Reeve integral Lock“ bekannt, da es auf eine Erfindung von Chris Reeve zurück geht. Framelock Folder besitzen zumeist Griffschalen aus Titan (seltener: Aluminium oder Zirconium↑). Das Framelock im Detail.

Friction Folder

Ein Friction Folder ist ein Klappmesser, das keine Sperre oder Federn verwendet, um die Klinge in der geöffneten Position zu halten. Rasiermesser werden üblicherweise als Friction Folder konstruiert. Bei dieser Bauform wird die Reibung (engl. „friction“) des Griffs gegen den Erl verwendet, um die Klinge in geöffneter Position zu belassen. Viele Friction Folder besitzen einen verlängerten Erl, dadurch kann die Hand des Benutzers verhindern, dass sich die Klinge schließt.

Gentleman Folder

Der Begriff ist nicht klar definiert und umfasst klassische und moderne Taschenmesser aus wertigen Materialien in guter Qualität. Messer für „den besseren Herrn“, der beim Erwerb seiner Gebrauchsgegenstände nicht aufs Kleingeld achten muss und sich einen Hauch Extravaganz leisten kann.

Atelier Perceval - Le Francais, Damast und Ebenholz
Zeitlos-eleganter Gentleman Folder aus französischer Produktion (Atelier Perceval)
Half-Stop

Federbelasteter Haltepunkt für beidhändig zu öffnende Klingen zwischen geschlossener und voll geöffneter Position, üblicherweise bei 45° oder 90° Grad Öffnungswinkel. Das Einrasten soll dem unkontrollierten Einklappen der Klinge vorbeugen und Verletzungen verhindern. Typisch für Slip Joint Taschenmesser.

Hardware

Den Angliszismus „Hardware“ hat man für die Beschreibung von Schneidwaren in die deutsche Sprache integriert, weil kein geeigneter deutscher Ausdruck vorhanden war. Im Englischen ist „Hardware“ ein Universalbegriff für Haushaltswaren, Eisenwaren, Maschinenteile, Beschläge, Grundausrüstung bei der Metallbearbeitung oder für Bauteile von Computern.

Bei Messern werden alle Anbau- und Kleinteile, also Taschenclip, Schrauben, Muttern, Abstandshalter und Ähnliches gemeinsam als Hardware bezeichnet.

Inlay

Inlays sind in Griffschalen eingelegte Verzierungen. Die Verzierung kann kunstvoll sein oder nur ein geometrisches Muster darstellen; Inlays können bündig oder erhaben ausgeführt werden. Zumeist werden Griffschalen aus Titan↑ bei hochpreisigen Taschenmessern mit Inlays aus Edelholz, Carbon oder Titandamast↑ verziert (Bild↑).

Jimping

Das englische Wort „Jimping“ taucht regelmäßig in Reviews auf, da es keine wirklich brauchbare Alternative im Deutschen gibt. Jimpings sind Reihen von Kerben entlang des Klingenrückens oder an der Griffunterseite. Die raue Oberfläche soll Halt gewähren und dem Abrutschen eines Fingers von seiner Auflagefläche vorbeugen. Manche Messer besitzen nur flache Jimpings oder solche mit weit auseinanderliegen Kerben, sodass die Wirkung der Jimpings gering ist und sie eher als Gestaltungselement dienen (Bild↑).

Justage

Zentrierung der Klinge, Einstellung von Achsschraube sowie Optimierung des Klingengangs↑. Einstellung und Feintuning von Öffnungshilfen und – sofern vorhanden – der Klingenentriegelung,

Kicker

Kicker findet man nur an Taschenmessern, deren Klinge sich durch Fingerdruck „flippen↑“ lässt. Bei geschlossener Klinge ragt der Kicker an der Unterseite des Griffs im Bereich der Achsschraube↑ heraus. Druck mit einer Fingerkuppe auf den Kicker lässt die Klinge herausschnellen (Bild↑).

Klinge (Bauformen)

Klingen von Werkzeugen und Waffen besitzen eine oder mehrere Schneiden in Form scharf zugeschliffener Kanten. Während Messer- und Werkzeugklingen zumeist ein flaches Klingenblatt↑ mit einer Schneide besitzen, finden sich an Schwertern, Degen und Dolchen auch diamantförmige Querschnitte mit zwei bis vier Schneiden. Freiformen und künstlerisch gestaltete Klingen können über eine größere Zahl geschliffener Kanten verfügen.

Klinge (Geometrie)

Die seitliche Silhouette eines Klingenblattes ist die Klingengeometrie. Neben zahlreichen Standardformen (u. a. Drop Point, Clip Point, Spear Point) gibt es unzählige Freiformen, die sich mehr oder weniger an Standardformen orientieren. Die Klingengeometrie ist mitentscheidend für den Einsatzzweck eines Messers.

Klingengang

Leichter, geschmeidiger Lauf einer Klinge bei perfekter Zentrierung bezeichnet man als „guten Klingengang“. Dazu müssen die Fertigungstoleranzen bei allen Bauteilen sehr gering und die Justage↑ der Klinge optimal sein. Wichtig ist guter Klingengang vor allem für Einhandmesser↑, Balisong↑ und Flipper↑.

Klingenschliff

Die Schneide einer Klinge entsteht durch eine scharf geschliffene Kante. Der Anschliff kann einseitig oder beidseitig erfolgen. Einseitige Anschliffe findet man außer bei japanischen Küchenmessern vor allem bei Werkzeugen für die Holzbearbeitung und an Industriewerkzeugen. Der einseitige Anschliff wird auch „Meißelschliff“ (engl.: Chisel Grind) genannt. Bei modernen Foldern und Fixed Blades kommt der einseitige Anschliff nur selten zum Einsatz.

Anschliffe für Messerklingen

Deutsch

  1. Flachschliff
  2. Skandinavischer Schliff
  3. Hohlschliff
  4. Balliger Schliff
  5. Säbelschliff
  6. Meißelschliff

Englisch

  1. Flat Grind
  2. Scandi Grind
  3. Hollow Grind
  4. Convex Grind
  5. Sabre Grind
  6. Chisel Grind

Die drei gängigsten Varianten für Klingen mit beidseitigem Anschliff in Europa:

  • Beim V-Schliff oder Keilschliff (Abb. 1) wird seitensymmetrisch eine Gerade zwischen Schneidkante und Klingenrücken mit einer Fase geschliffen. Anschliffe mit zwei Fasen sind möglich, werden aufgrund des hohen Aufwands und zusätzlicher Kosten aber nur in Ausnahmefällen vorgenommen. Durch den Schleifwinkel werden Schneidleistung und Stabilität der Schneide bestimmt.
  • Beim Hohlschliff (Abb. 3)wird der Bereich zwischen Schneidkante und Klingenrücken in einem konkaven Bogen ohne zusätzliche Fase geschliffen. Der Radius des Hohlschliffs entscheidet über die Stabilität der Schneide und die Schneidleistung des Messer. Klingen mit Hohlschliff kommen immer dann zum Einsatz, wenn höchste Schneidleistung mit wenig Druck auf die Klinge realisiert werden soll (z. B. Rasiermesser).
  • Balliger Anschliff (Abb.4 ) ist das Gegenteil des Hohlschliffs. Der Übergang vom Klingenrücken zur Schneide wird konvex geschliffen (nach außen bauchig). Durch den balligen Anschliff wird die mechanische Belastbarkeit der Klinge erhöht, gleichzeitig nimmt aber der Kraftaufwand beim Schneiden zu. Ballige Anschliff findet man zumeist an Klingen, die mit hohen Krafteinsatz gehandhabt werden und zum Hacken (Macheten, Survival-Messer) oder Spalten (Äxte, Beile) eingesetzt werden.
Lock Bar (dt. Verriegelungsstange)

Verriegelungsmechanismus der Klinge an Titan-Framelock Foldern. Ein längliches Teil der hinteren Titan-Griffschale gleitet in eine Aussparung an der Klingenwurzel und blockiert so die Klinge in der geöffneten Position.

OTF

Für diesen Messertyp gibt es in der deutschen Sprache keinen ausreichend prägnanten Begriff, daher hat das amerikanische Akronym „OTF“ Eingang in die Umgangssprache gefunden. „OTF“ bedeutet „Out The Front“ und bezeichnet Taschenmesser, deren Klinge nach Betätigung eines Auslösers durch Feder- oder Schwerkraft an der Vorderseite zwischen den Griffen austritt (Bild↑).

Overtravel Stop, auch: Lock Bar Stabilizer

Die Erfindung des „Overtravel Stop“ geht auf den amerikanischen Messermacher Rick Hinderer zurück. Ein mechanische Sperre verhindert, dass die Lock Bar↑ eines Framelock Folders beim entriegeln der Klinge weiter als notwendig nach außen gedrückt wird. Dadurch werden Bruchgefahr und Verschleiß reduziert (Bild↑).

Presentation Side – Griffschale an der Frontseite Messers

Im Englischen bezeichnet man die Vorderseite eines Taschenmessers als „Presentation Side“, also quasi die Schokoladenseite. Bolster↑ aus Titandamast↑ oder andere teure Dekorelemente werden bevorzugt auf der Presentation Side platziert.

Scandi-Grind, Scandinavian Grind

Der Scandi-Grind oder skandinavische Anschliff (s. Klingenschliff↑, Abb. 2) setzt einige Millimeter oberhalb der Schneide an. Der Haupt- oder Primärschliff bildet gleichzeitig die Kantenfase, es gibt also keine sekundäre Abschrägung des Klingenrückens. Der Primärschliff wird auf Null ausgeschliffenen. Dadurch bleibt hinter dem Anschliff viel Material stehen, was zu einer stabilen Schneide führt aber keine filigranen Schnitte ermöglicht, da der Klingenrücken die Tendenz hat, das Schnittgut auseinanderzudrücken.

Schleifwinkel – Schneidenwinkel

Beide Begriffe werden oft synonym verwendet, sie beschreiben jedoch zwei verschiedene Winkel an einer Schneide. Der Schneidenwinkel ist der Winkel, den die Schneidkanten der rechten und linken Klingenseite gemeinsam bilden. Der Schleifwinkel bezieht sich auf die Schleifkante einer Klingenseite. Daraus ergibt sich: Schleifwinkel rechts + Schleifwinkel links = Schneidenwinkel. Der Schleifwinkel wird auch als Schärfwinkel bezeichnet.

Wicked Edge , Einmessen des Schleifwinkels

Der Unterschied wird wichtig bei der Verwendung von Schleifhilfen. Bei manchen Geräte muss der Schneidenwinkel (Sharpmaker) eingestellt werden, bei anderen (Wicked Edge, Lansky Sharpener) wird der Schleifwinkel eingestellt.

Mittelwerte üblicher Schleifwinkel: Rasiermesser 9° Grad, Kochmesser (Gyuto) 12° Grad, Kochmesser (Allzweck) 18°, Taschenmesser 20° Grad, Survival-Messer 25° bis 30° Grad je nach Einsatzzweck, Spaltaxt 35° Grad.

Bild: Einstellung des Schleifwinkels (!) mithjilfe eines digitalen Winkelmessers bei einem Wicked Edge System.

Grundsätzlich gilt, je höher die Kraft ist, die auf eine Schneide durch Hacken oder Druckschnitte wirkt, desto größer soll der Schleifwinkel sein. Zu kleine Schleifwinkel für die angedachte Aufgabe lassen die Klinge schnell stumpf werden, zu große Schleifwinkel vermindern die Schneidleistung.

Slip Joint

Taschenmesser mit einhändiger oder beidhändiger Klingenöffnung, aber ohne Klingenverriegelung. Stattdessen wird die Klinge federbelastet in der geöffneten Position gehalten. Viele Slip Joint besitzen einen Half-Stop↑. Im Gegensatz zu Einhandmessern↑ dürfen Slip Joint in Deutschland in der Öffentlichkeit geführt werden (außer Demonstrationen, Großveranstaltungen, etc.).

Springmesser

Die Bezeichnung stammt ursprünglich aus der Umgangs- bzw. Jugendsprache, dennoch hat es das Wort bis ins deutsche Waffengesetz geschafft. Da es bis zur Verschärfung des Waffenrechts 2002 keine Definition des Begriffs gab, wurde die juristische Definition in die Anlage 1 des Waffengesetzes vorgenommen. Dort heißt es: „„Springmesser sind Messer, deren Klingen auf Knopf- oder Hebeldruck hervorschnellen und hierdurch oder beim Loslassen der Sperrvorrichtung festgestellt werden können.“

Die Mühe hätte man sich sparen können, denn der Gesetzgeber hat lediglich die Definition für einen Vollautomaten kopiert. Springmesser mit Klingenlängen über 85 Millimetern gelten in Deutschland als verbotene Gegenstände, bei kürzeren Klingen gelten die gleichen Beschränkungen wie für Einhandmesser↑, s. Waffenrecht für Messer.

Spyderco

ist einer der ältesten Hersteller von Serienmessern in den USA und weltweit bekannt. Markenzeichen des Unternehmens sind eine stilisierte Spinne sowie Klingenbohrungen als Daumenanker („Spydie Hole“), die als Öffnungshilfe dienen. Anfang der 1980er-Jahre wurde Spyderco von Sal Glesser und seiner Frau gegründet. Ursprünglich verkaufte die Firma Werkzeuge und Bastlerbedarf auf Messen, später spezialisierte sich das Unternehmen auf die Herstellung von Taschenmessern. Der Artikel „Spyderco Story“ erzählt von der Entstehung und Entwicklung der Firma.

Spyderco stellt jedes Jahr eine große Zahl neuer Messermodelle vor, die überwiegend in Zusammenarbeit mit externen Designern entstehen. Die Firma aus dem US-Bundesstaat Colorado gilt bis heute bei Formgebung und Materialien als innovativ und experimentierfreudig. Die schnelle Modellfolge sowie zahlreiche limitierte Auflagen etablierter Modelle („Sprint Runs“) befördert den Preisverfall für Spyderco Produkte.

Steel Insert – Stahleinsatz

Bei Framelock Foldern am klingenseitigen Ende der Lock Bar↑ angeschraubter Stahleinsatz, der im verriegelten Zustand den Kontakt zur Klingenwurzel herstellt. Durch den Steel Insert wird der Verscheiß am Titan der Lock Bar minimiert und gleichzeitig die Gefahr des Klebens von Titan und Stahl verhindert (s. Sticky Lock↑), s. Bild.

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Sticky Lock – Schwergängiges Lösen der Klingenverriegelung

Lässt sich die Lock Bar↑ eines Liner Lock oder Framelock Folders nur mit Mühe lösen, spricht man von einem „Sticky Lock“. Ursache können fehlerhaft geschliffene Profile an Klingenwurzel oder Lock Bar sein. Hauptgrund bei Sticky Lock ist jedoch das „Festkleben“ von Titan auf Stahl. Dauerhafte Abhilfe schafft nur ein Stahleinsatz an der Lock Bar, der deshalb zur Grundausstattung hochwertiger Framelock Folder gehört.

Swedge

Das Wort „Swedge“ ist dem Englischen entnommen und kann dort mehrere Bedeutungen haben. Es kann für das handwerkliche Hämmern einer Klinge oder für Zechprellerei stehen (beides veraltet/regional). Heute bezeichnet „Swedge“ eine angedeutete aber nicht scharf geschliffene Kante auf dem Klingenrücken (Bild).

Im Deutschen spricht man von eine „falschen Schneide“ oder einer „Fehlschärfe“. Da beide deutschen Begriffe aus einer Zeit stammen, in der Klingengeometrien mit einer Swedge noch nicht bekannt/gebräuchlich waren, sind in beiden Fällen Doppeldeutungen oder missverständliche Verwendungen möglich. Aufgrund seiner präzisen Definition und der Positionsangabe (Klingenrücken vorn) wird der englische Begriff „Swedge“ bei der Beschreibung von Klingen gegenüber dem allgemeinen Begriff „Fehlschärfe“ bevorzugt.

Switchblade, Flick Knife

Die Bezeichnung „Switchblade“ entstammt der US-amerikanischen Umgangssprache und wird nicht einheitlich verwendet. Zumeist bezeichnet er Taschenmesser mit automatischer Klingenöffnung , wobei die Klinge nach Betätigung eines Auslösers durch Federkraft nach vorn oder zur Seite austritt. Nicht einheitlich ist die Verwendung des Begriffs „Switchblade“ für die Bauformen Assisted Opener und Flipper↑. In Großbritannien und Australien spricht man anstatt von Switchblades von „Flick Knives“.

Tactical, taktische Messer, Tactical Knives

Gemäß Duden steht „Taktik“ für planvolles Denken oder Handeln und ist bei der Beschreibung von Design-Eigenschaften bei Messern scheinbar unpassend. Wie viele andere moderne Wortschöpfungen wurde dieser Begriff aus dem Englischen übernommen. „Tactical“ bedeutet im Slang des US-Militärs in manchem Kontext „Einsatz“ oder „Kampfeinsatz“. Tactical Knives sind letztlich Einsatzmesser für Militärangehörige.

In Deutschland ein frei verkäufliches Messer als „Einsatzmesser für kriegerische Auseinandersetzungen“ anzubieten, würde umgehend die sattsam bekannte Schar selbsternannter Pazifistinnen in ihren Paraderollen als Sprach- und Gesinnungspolizistinnen auf den Plan rufen und zu neuen Versuchen führen, Messerbesitzer per se zu kriminalisieren.

In Deutschland darf man Messer nicht einsetzen und schon gar nicht mit Kampf- oder Einsatzmessern liebäugeln. Durch die langjährige Gedanken- und Begriffsverdrängung haben sich im deutschen Sprachraum die Begriffe „tactical“ oder „taktisch“ als verharmlosende Synonyme für militärische Einsatzmesser oder deren Merkmale etabliert. Ob das notwendig, sinnlos, clever oder überflüssig ist, soll an dieser Stelle nicht entschieden werden.

Tacticool

Kunstwort aus den Begriffen „tactical↑“ und „cool“. Als „tacticool“ werden abschätzig Messer bezeichnet, die Elemente von Kampf- oder Einsatzmessern prominent zeigen, aufgrund mangelnder Qualität oder fragwürdigem Design aber nicht für den behaupteten Zweck taugen.

Thumb Stud (auch: Klingenheber, Daumenheber)

Bolzen, Schrauben oder Verbreiterungen am Klingenrücken eines Taschenmessers, die als Daumenanker zum Anheben der Klinge dienen. Typische Öffnungshilfe für Einhandmesser↑.

Timascus – Titandamast

Timascus besteht aus zwei oder mehr Titanlegierungen (derzeit CP und 6AL4V) und ist korrosionsbeständig, nicht magnetisch und leicht. Das Aussehen ähnelt einer Struktur, wie man sie von Stahldamast kennt, aber Titan lässt sich anodisieren und kann eine weite Farbpalette von Gold- und Bronzetönen bis zu allen Schattierungen von Blau annehmen.

Den Namen „Timascus“ haben sich die amerikanischen Erfinder (Tom Ferry, Bill Cottrell, Chuck Bybee) wie auch das Herstellungsverfahren schützen lassen (US-Patent 6,857,558). Daher findet sich bei deutschen Herstellern wie auch in der Literatur zumeist die Bezeichnung „Titandamast“, dessen Herstellung keine Lizenz erfordert. Titandamast wird bei Taschenmessern als Ziermaterial für Griffschalen oder Inlays verwendet (s. Abb. 3).

Bestech Norgard "full dressed", titan, clip side
Abb. 3: Taschenmesser mit Titan-Griffschalen, reichhaltig mit Titandamast verziert
Titan

Titan ist ein Element mit der Ordnungszahl 22, dem Elementsymbol Ti und gehört zu den Übergangsmetallen. Da es an in der obersten Zeile bei den Übergangsmetallen steht, fungiert es als Namensgeber für die „Titan-Gruppe“. Zu dieser Gruppe gehören Zirkonium, Hafnium und das nicht natürlich vorkommende radioaktive Rutherfordium.

Titan hat sich als Werkstoff für die Rahmen, Griffe oder Griffschalen hochwertiger Taschenmesser etabliert. Titan ist deutlich leichter als Stahl, aber mit einer Mohshärte von 6 stabil und bruchsicher. Titan lässt sich gehärteten Werkzeugen bohren, fräsen sich ähnlich wie austenitischer Stahl zerspanen. An der Oberfläche bildet Titan ein schützende Oxidschicht, die das Material unempfindlich gegen Umwelteinflüsse macht. Durch Anodisieren (Eloxalverfahren) kann die Oberfläche von Titan farblich verändert werden.

Washer – Unterlegscheibe

Vor Einführung des Kugellagers↑ wurde bei Klappmessern die Klinge zwischen Washern geführt, um die Klingengang zu verbessern und die Klinge möglichst präzise zu zentrieren. Bei preiswerten Messern kann man Unterlegscheiben bis heute finden, manchmal werden Unterlegscheiben aber auch zum Ausgleich von Fertigungstoleranzen eingesetzt. Die gängigsten Materialien für Washer sind Bronze und Teflon.

Wolframcarbid (auch: Wolfram-Monocarbid)

Bei Wolframkarbid handelt es sich nicht um eine Legierung auf der Basis von kein Stahl, sondern um einen eisenfreien Metallmatrix-Verbundwerkstoff, dessen Dichte mehr als doppelt so hoch ist wie die Dichte von Stahl. Die in Wolframkarbid enthaltenen Hartstoffe, die als kleine Partikel vorliegen, werden durch eine Matrix aus Metall zusammengehalten. Die Härte von Wolframcarbid beträgt 71 HRC (nach Rockwell Skala „C“), somit kommt der Werkstoff der Härte von Diamanten nahe. Umgerechnet in Mohshärte liegt Diamant bei 10 und Wolframcarbid bei 9.5 (Bild↑).

Zirconium, auch: Zirkonium

Das Element Zirconium ist ein silbrig-glänzendes Schwermetall (Dichte 6,501 g/cm3 bei 25 °C). Äußerlich ähnelt es rostträgem Stahl. Im Periodensystem der Elemente gehört Zirkonium zu den Übergangsmetallen, trägt die Ordnungszahl 40 und wird in der Titangruppe geführt.

Bei Messern wird Zirconium für Griffschalen, Bolster oder Verzierungen eingesetzt. Als Klingenmaterial ist Zirconium aufgrund zu geringer Härtbarkeit nicht geeignet, die Härte nach Mohs beträgt 5. Verglichen mit Titan↑ besitzt Zirkonium eine höhere Masse, wodurch Griffschalen aus Zirconium deutlich schwerer sind als Griffschalen aus Titan. Zirconium ist teurer als Stahl oder Titan und kann den Preis für ein Messer deutlich nach oben treiben. Zirconium ist nicht toxisch; biologische Funktionen sind nicht bekannt.

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