Das Desert Warfare Col Moshin ist ein Einsatzmesser der italienischen Firma Extrema Ratio. Neben seiner Qualität als Schneidwerkzeug hat es auch das Potenzial zu spalten, denn seine kompromisslos militärische Optik könnte zarte Gemüter abschrecken. Tatsächlich ist es ein Survival-Messer, zugeschnitten auf die Erfordernisse der berühmten Spezialeinheit Col Moschin. Extrema Ratio hat ein extrema spannendes Messer (sic!) entworfen und die Erwartungen von Knife-Blog vor dem Praxistest liegen dementsprechend hoch.

Inhalt und Übersicht

Beim Extrema Ratio Col Moschin Desert Warfare muss man nicht lange warten, bis das böse Wort „Kampfmesser“ fällt. Der Begriff impliziert, dass das Messer zu nichts anderem zu gebrauchen wäre, als Mitmenschen zu massakrieren. Das ist natürlich Unfug, denn ein (zulassungsfähiger) Sportwagen ist ebenso wenig auf den Motorsport beschränkt wie ein Nudelholz auf die Herstellung von Nudeln. Das Wort „Kampfmesser“ ist einfach nur ein unpräziser Sammelbegriff für Messer, deren Eigenschaften mehr oder weniger auf die Anforderungen von Einsatzkräften abgestimmt sind.

Klingenreich HintergrundKlingenreich MesserKlingenreich Text 1
Tools for Gents HintergrundTTools for Gents LogoTools for Gents Button
WE Knife 2019-09WE Knife Logo
Bestech Knives - HintergrundBestech Knives 01Bestech Knives KendoBestech Knives Logo
WTF BackgroundWTF Layer 2WTF Layer 1WTF Button
Joes Messershop 1200Joes Messershop Layer 1

Werbung

Die Abstimmung oder Optimierung für Einsatzkräfte sagt für sich allein genommen nichts über die Verwendungsmöglichkeiten des Messers aus.

Tatsächlich geht die Verwendung solcher Messer weit über den Einsatz gegen Menschen hinaus und deckt den klassischen Bereich Messer als Werkzeug ab.

Messerkampf im Soldatenalltag entspringt eher Hollywood-Filmen als der Lebensrealität.

Im Fall des Extrema Ratio Col Moschin Desert Warfare handelt es sich nicht um ein Mordwerkzeug, sondern um ein Allzweckmesser für Fallschirmspringer. Leinen kappen, Äste durchtrennen und natürlich alle anderen typischen Survival-Aufgaben fallen diesem Messer zu.

Einsatzmesser sind Werkzeuge

Damit nicht irgendein Redakteur oder Politiker diesen Artikel als Begründung für die These missbraucht, dass dieses Messer oder dieser Messertyp gefährlicher seien als ein x-beliebiges Haushaltsmesser aus dem Supermarkt nebenan, noch ein Hinweis: Die meisten gefährlichen Attacken mit Klingenwerkzeugen weltweit finden nicht mit Einsatzmessern statt, sondern mit Messern, die sich in jedem Haushalt finden lassen.

Extrema Ratio Col Moschin Desert Warfare
Extrema Ratio Col Moschin Desert Warfare

Gegen die Verwendung dieses Messers als Waffe spricht vor allen eines: sein Preis! Es stammt aus der Preisoberklasse und selbst der dümmste Täter opfert nicht 400 Euro für ein Messer, das er nach der Tat schnellstmöglich loswerden muss. Ein klares Statement von Knife-Blog zum Thema „Kampfmesser“ findet sich im Abschnitt „Links“ und über den Preis sprechen wir noch einmal am Ende des Reviews.

Wie alle Produkte der Desert Warfare Reihe sind Messergriff und Cordurascheide in einer beige-olivfarbenen Wüstentarnfarbe gehalten. Die Klinge des Col Moschin Desert Warfare ist mit einer schwarzen Beschichtung nach MIL-C-13924 Rev. C versehen und weist die firmentypischen, beigefarbenen Querlinien auf.

Wer ist Col Moschin?

Das Desert Warfare verdankt seinen Namenszusatz Col Moschin, einer italienischen Einheit von Spezialkräften, deren voller Name „9º Reggimento d’assalto paracadutisti Col Moschin” lautet. Es handelt sich um eine Fallschirmspringereinheit, die auf asymmetrische Kriegsführung, aber auch auf Geiselbefreiungen, Rettung von Zivilisten aus Kriegsgebieten und Aufklärungseinsätze spezialisiert ist.

Der Spezialkräfteverband besteht neben je einer Stabs- und Versorgungskompanie auch aus einer Fernmeldekompanie und natürlich dem Spezialkräftebatallion mit vier Stabszügen. Das Regimentslogo, das einen stilisierten Fallschirm mit Schwingen und gekreuzten Messern zeigt, befindet sich auf beiden Seiten der Klinge des Extrema Ratio Desert Warfare Col Moschin. Die Spezialeinheit hatte Extrema Ratio einen Auftrag zur Herstellung eines Einsatzmessers gegeben. 2002 wurde das aktuelle Modell von der Einsatzleitung zertifiziert und seitdem gehört es zur Ausrüstung der Soldaten.

Das Extrema Ratio Desert Warfare Col Moschin

Das Messer ist nicht gerade klein, aber bei Weitem nicht so groß, wie man bei einem Einsatzmesser für Spezialkräfe vielleicht vermuten würde. Die Gesamtlänge beträgt 290 Millimeter, die sich auf 160 Millimeter Klingenlänge und den 130 Millimeter langen Griff verteilen. Das Desert Warfare Col Moschin besitzt einen Flacherl (Full Tang), der mit einer Breite von 6,25 Millimetern üppig bemessen ist.

Die Formgebung der Klinge ist in mehrfacher Hinsicht spannend. Der Klingenrücken weist eine sanfte Bogenlinie in Richtung der Spitze auf und besitzt eine nicht geschärfte Rückenschneide (Swedge), die fast bis zum Griffansatz reicht. Unterhalb der im oberen Drittel verlaufenden Gratlinie setzt ein ausgeprägter Hohlschliff an.

Die Klingenform ist eine einzigartige Mischung aus Clip Point, Drop Point und American Tanto. Die Schnittmenge der drei Formen lässt sich kaum in verständliche Worte fassen. Der kantige Winkel zwischen Haupt- und Querschneide, die typisch für eine American Tanto Klinge wäre, ist beim Desert Warfare Col Moschin als sanfte Biegung ausgeführt.

Extrema Ratio Desert Warfare Col 
Mmoshin Klinge

Die Gestaltung der Klingenform ist aufwendiger, als es auf den ersten Blick den Anschein hat.

Eine Besonderheit dieses Messers ist, dass sich die Gratlinie nicht als Gerade über die gesamte Klinge erstreckt, sondern kurz vor der Spitze in Richtung Klingenrücken ansteigt. Dadurch wird optisch der Eindruck einer American Tanto Klinge unterstützt und praktisch kann so der Hohlschliff bis an die Klingenspitze geführt werden. Gleichzeitig wird die Klingenspitze nicht zu stark verjüngt und bleibt ausreichend stabil.

Zwischen der Biegung in Richtung Querschneide und dem Ricasso verläuft die Schneide in einer gerade Linie. Im letzten Drittel vor dem Heft sind 40 Millimeter der Schneide mit einem Wellenschliff versehen; technisch ist es also eine Combination Edge (Teilwelle), wie sie früher bei vielen taktischen Messern von Spyderco, Chris Reeve Knives und anderen Herstellern üblich war und heute immer seltener zu finden ist.

Der Wellenschliff ist dazu gedacht, weiche Materialien zu durchtrennen. Dabei kann es sich um die Fallschirmleinen (Paracord) oder auch die Kleidung eines verletzen Kameraden handeln. Ein Wellenschliff durchtrennt Seile und Textilien deutlich effektiver als eine glatte Schneide und der Wellenschliff des Extrema Ration Desert Warfare Col Moschin leistet in dieser Hinsicht besonders gute Dienste. Der Wellenschliff ist dermaßen giftig scharf, dass man versucht ist, ihn auf einer 100 Punkte Skala mit dem Wert 105 zu benoten.

Der gute Eindruck setzt sich auch bei der Hauptschneide fort. Auch sie ist perfekt geschliffen und liegt bei Schärfe und Schneidleistung in der absoluten Spitzenklasse. Als Klingenstahl setzt Extrema Ratio, wie immer, auf Böhler N690Co. So gut wie alle Messer des italienischen Herstellers sind seit Jahren mit diesem Klingenstahl ausgerüstet und dementsprechend gut hat die Firma die Wärmebehandlung des Stahls im Griff.

Desert Warfare Col Moschin Technische Daten
Gesamtlänge290 mm
Klingenlänge / geschliffene Länge160 mm / 153 mm
Klingenstärke6,25 mm
KlingenstahlBöhler N690Co
Gewicht ohne / mit Scheide263 g / 450 g

Ergonomie und Handling

Der Griff des Desert Warfare Col Moschin ist aus dem Kunststoff Forprene. Auch dieses Material ist bei Extrema Ratio quasi gesetzt und wird bei vielen Modellen verwendet. Gegenüber G-10 oder anderen Kunststoffen hat Forprene einige Vorteile. Er erzeugt ein angenehmeres Handgefühl, da das Material nicht hart wirkt, obwohl es sehr widerstandsfähig gegen mechanische Beanspruchung ist. Zudem ist Forprene UV-stabil und besitzt eine natürliche Rauheit, die dem Verrutschen des Griffs in der Hand entgegenwirkt.

Das Griffmaterial umschließt den Erl vollständig, nur am hinteren Ende tritt der Erl in Form eines kantigen Glasbrechers mit integriertem Lanyard Hole wieder hervor. Der Griff ist mit einer Verschraubung befestigt, die auf beiden Seiten als Schlitzschraube sichtbar wird. Nach dem Lösen der Schrauben lässt sich der Forprene-Griff vom Erl abziehen und das zerlegte Messer kann gründlich gereinigt werden.

Desert Warfare Col Moschin - Griff
Der Griff des Desert Warfare Col Moschin zeigt nach dem Testzeitraum leichte Abriebspuren, die Klinge nicht

Die Anforderungen an den Griff eines Einsatzmessers beinhaltet, dass er mit bloßen Händen und Einsatzhandschuhen gleichermaßen sicher und bequem in der Hand liegen muss. Beides funktioniert beim Extrema Ration Desert Warfare Col Moschin in der Praxis ausgesprochen gut, wobei vor allem die Rutschfestigkeit besonders hervorzuheben ist. Selbst mit nassen Händen oder Handschuhen bietet der Griff guten Halt.

Zwischen Griff und Klinge verhindert ein Handschutz, dass man beim Schneide mit der Hand in die Schneide rutscht, wenn die Klingenspitze auf ein Hindernis trifft oder die Schneide im Schnittgut stecken bleibt. Der Handschutz ist knapp 55 Millimeter hoch und überragt den Griff oben und unten um jeweils rund 12 Millimeter. Dieser geringe Überstand reicht bereits aus, um das Durchrutschen des Griffs zu verhindern.

Qualität und Verarbeitung

Das Finish der Klinge des Desert Warfare Col Moschin ist ein Traum. Der Kontrast zwischen der schwarzen Beschichtung und den beigefarbenen Linien ist ein Augenschmaus. Schönes Aussehen ist natürlich bei einem Einsatzmesser nur ein Nebeneffekt, aber der ist wirklich gelungen. Auch an der technischen Qualität der Beschichtung gibt es nichts zu bemängeln; die Beschichtung ist gleichmäßig, fleckenfrei und auch nach einigem Gebrauch frei von Abriebstellen.

Beim Klingenschliff lässt Extrema Ratio keinen einzigen Punkt liegen. Ich verwende nicht gerne Superlative bei der Beurteilung eines Messers, muss aber konstatieren, dass man die Klinge eines Messers nicht besser schleifen kann. Entlang der gesamten Schneide, auch im Bereich des Wellenschliffs, sind Schleifwinkel und Höhe des Anschliffs identisch. Auch zwischen linker und rechter Klingenseite lassen sich keine Unterschiede erkennen.

Zum Messer gehört eine Scheide aus Cordura, die ebenfalls durch aufwendige Gestaltung und sehr gute Material- und Verarbeitungsqualität auffällt. Die Materialstärke an der Rückwand der Scheide und dem Überwurf ist so hoch, dass beide Elemente eine leichte Steifigkeit aufweisen.

Das ist keineswegs störend, sondern verbessert sowohl das Handling des Überwurfs wie auch den Sitz des Messers am Gürtel oder der Ausrüstung.

TUYA Knife HintergrundTUYA Knife Messer
DMG HintergrundDMG SchmiedestahlDMG Text 1DMG Text 2
Wolfgangs - Hintergrund
Schanz Shop BackgroundSchanz Layer 1Schanz Shop Layer 2Schanz Layer 3
Wolfster BackgroundWolfster Layer 1Wolfster Layer 2

Messer, Tools, Zubehör und mehr...

Werbung

Die Klinge des Desert Warfare Col Moschin steckt innerhalb der Scheide in einem soliden Plastikeinsatz. In ihm sitzt die Klinge beinahe spielfrei und das Messer rastet in zwei Plastikzungen ein. Einstecken und Ziehen des Messers erfordert nur minimalen Krafteinsatz: Von „Kraft“ kann man in diesem Zusammenhang kaum sprechen, so spielerisch einfach lässt sich das Messer ziehen und wieder in seiner Scheide verstauen. Erstaunlich ist, dass sich das Desert Warfare Col Moschin trotzdem nicht aus der Scheide schütteln lässt.

Die Nähte der Cordurascheide sind mit einem Saum unterlegt, der zusätzlich verklebt ist. Alle Nähte sind sauber gearbeitet und lassen gerade noch erkennen, dass es sich um Handarbeit handelt. Überstehende Fadenenden finden sich an keiner Stelle.

Eine gute Idee ist der Überwurf, der an einer Lasche befestigt, den Messergriff vollständig abdeckt und mit einem Klickverschluss gesichert wird. Durch die Befestigung über eine bewegliche Lasche lässt sich der Überwurf komplett aus dem Weg manövrieren oder sogar vollständig entfernen. Dies geschieht über einen Cordura-Strap auf der Rückseite der Scheide, der durch vier Molle-Pals läuft und am unteren Ende mit einem Druckknopf befestigt ist.

Auch ohne den schützenden Überwurf ist das Desert Warfare durch zwei breite Bänder aus Cordura, die mit zwei Druckköpfen verschlossen werden können, gegen Verlust gesichert. Die Scheide ist Molle-kompatibel und lässt sich an der entsprechenden Ausrüstung mit Molle-Sticks befestigen.

Das Desert Warfare Col Moshin in der Praxis

Das Einsatzmesser ist als Allrounder konzipiert und das Konzept geht auf, dabei kann es das gesamte Spektrum zwischen EDC mit leichten Alltagsaufgaben bis zur harten Beanspruchung als Survival-Messer abdecken. Das Desert Warfare Col Moshin beweist, dass eine 16 Zentimeter Klinge für fast alle denkbaren Aufgaben völlig ausreichend ist. Nur wer sich Wege durch den Urwald freischlagen muss, wird lieber auf eine Machete oder ein Messer mit Riesenklinge zurückgreifen.

Survival-Messer: Desert Warfare Col Moschin
Als EDC und als Survival-Messer bestens geeignet: Desert Warfare Col Moschin

Seine Größe macht das Messer alltagsfähig. Es ist weder zu groß noch zu schwer, um ein angenehmer Begleiter zu sein. Die voluminöse Cordurascheide beansprucht allerdings einiges an Platz im Rucksack. Das Messer hat mich einige Wochen durch den Alltag begleitet und sich in jeder Hinsicht als veritables EDC bewährt.

Anfänglich habe ich – wie viele Messerfans in Europa – den Wellenschliff mit Argwohn betrachtet. Je länger man das Messer mitführt, umso mehr lernt man jedoch die Teilwellenklinge schätzen. Der Abschnitt mit dem Wellenschliff stört bei keiner Aufgabe, zeigt sich aber als sehr wirkungsvoll, wenn Stoffe, Schnüre, Plastikbänder oder Kabelbinder durchtrennt werden müssen.

Darf ein Fixed Blade 400 Euro kosten?

Soviel Gutes hat seinen Preis. Messer von Extrema Ratio sind grundsätzlich nichts für Schnäppchenjäger. Ich habe es eingangs schon erwähnt: Der Listenpreis für das Desert Warfare Col Moschin liegt mit 402,95 Euro in einem Bereich, in dem auch hart gesottene Messerfans mindestens zweimal nachdenken. Im Onlineshop von Klingenreich ist das Desert Warfare Col Moschin für knapp 400 Euro erhältlich.

Das Desert Warfare kostet ein paar Euro mehr als ein Chris Reeve Pacific vom billigsten Online-Händler und liegt im gleichen Preisniveau mit das bereits auf Knife-Blog getestete M311 Spelter von ANV Knives. Wir sind also nicht nur in der Qualitätsoberklasse, sondern auch in einer hohen Preisregion für Einsatzmesser aus Serienfertigung. Beim Vergleich mit hochwertigen Foldern relativiert sich der Anschaffungspreis für dieses Fixed Blade allerdings deutlich.

Ist das Desert Warfare Col Moschin 400 Euro wert? Ich meine: Ja! Es ist in vielerlei Hinsicht einzigartig, rundum praxistauglich und von einer Verarbeitungsqualität, vor der man den Hut ziehen muss.


BKT Desert
BKT Marshland
BKT Snow
BKT Woodland

Werbung

Links und Bewertung

Extrema Ratio Desert Warfare Col Moschin
Design / Ergonomie
Material / Verarbeitung
Survival-Faktor
Klingenstahl / Schliff
Ausstattung / Zubehör
Preis-Leistungs-Verhältnis
4.9Knife-Blog Wertung