In der Reihe „Mit Messern nach…“ überqueren wir heute den Bodensee und werfen einen Blick in die Schweiz. Erfreulicherweise haben unsere Nachbarn viele Gesetze und Verordnungen im Bezug auf Messer nicht nur mit mustergültiger Klarheit abgefasst, sie sind außerdem sogar noch verständlich formuliert. Trotzdem kann es aufgrund unklarer Ermessensspielräume mit Klappmessern zu Problemen durch das Waffengesetz in der Schweiz kommen.

Inhalt und Übersicht

Trotzdem eine gute Nachricht: Bei Reisen in die Schweiz dürfen zwar nicht alle Messer mit, aber die Auswahl möglicher Reisebegleiter ist doch ein wenig größer als in vielen anderen europäischen Ländern. Wer in die Schweiz reist und als Angler, Wanderer oder Outdoor-Sportler ein Messer mitführt, sollte das Waffengesetz in der Schweiz bezüglichen Messern kennen. Da die waffenrechtlichen Bestimmungen in jedem europäischen Land unterschiedlich sind , lässt sich kein Wissen vom Heimatland auf ein Reiseland übertragen.

Klingenreich HintergrundKlingenreich MesserKlingenreich Text 1
Tools for Gents HintergrundTools for Gents ButtonToolsforGents Logo
WE Knife 2019-09WE Knife Logo
Bestech Knives - HintergrundBestech Knives 01Bestech Knives KendoBestech Knives Logo
WTF BackgroundWTF Layer 2WTF Layer 1WTF Button
Joes Messershop 1200Joes Messershop Layer 1

Werbung

Das Wissen um gesetzliche Regelungen, Einfuhrbestimmungen und die Praxis im Land hilft, Ärger mit den Behörden zu vermeiden.

Schließlich soll die schönste Zeit des Jahres nicht zum längsten Albtraum des Jahres werden …

Das Waffengesetz gehörte in der Schweiz lange Zeit zu den kantonalen Angelegenheiten. Dadurch gab es große Unterschiede bei der Handhabung waffenrechtlicher Bestimmungen und die einzelnen Regelungen waren für Reisende vorab nur mühsam in Erfahrung zu bringen.

Seit der Reform 1999 wird versucht, ein (fast) einheitliches Waffengesetz in der Schweiz zu etablieren. Im Jahr 2008 erfolgte eine weitgehende Überarbeitung des Waffenrechts; weitere Ergänzungen und Verschärfungen des Schweizer Waffenrechts traten am 1. Januar 2010 und zum 1. Juli 2013 in Kraft.

Messerrecht und Waffengesetz in der Schweiz

Den größten Freiraum in der Schweiz besitzen Messer mit feststehender Klinge und nur einer geschliffenen Schneide. Hier gibt es keine Einschränkungen hinsichtlich Größe, Klingenlänge oder andere Spezifika. Selbst Samurai Schwerter gelten nicht als Waffe. Ebenfalls weitgehend unkritisch sind Klappmesser ohne Öffnungsunterstützung also Einhandmesser, die sich per Klingenheber oder Daumenloch betätigen lassen. Sie gelten weder als Waffen noch als gefährliche Gegenstände und können mitgeführt werden.

Waffengesetz in der Schweiz: Die Polizei kontrolliert peinlich genau!

Auch wenn Zürich beschaulich wirken mag: Die Polizei ist wachsam und geht Verstößen gegen das Waffengesetz in der Schweiz mit eidgenössischer Gründlichkeit nach.

Jetzt kommt der Haken. Kantonsregierungen können das Tragerecht in bestimmten Bereichen einschränken, in größeren Städten kann die Polizei Sperrzonen verfügen. Dort wäre das Mitführen eines Einhandmessers ein Gesetzesverstoß und das Messer könnte nach Art. 28a WG beschlagnahmt werden. Da sich solche Sperrzonen erfahrungsgemäß verändern oder neue hinzukommen, bitte vor Ort informieren. Dies gilt vor allem für Zürich, Bern, Luzern und St. Gallen.

Verbotene Gegenstände in der Schweiz

Das Schweizer Waffengesetz kennt seit der Waffenverordnung 2008 die Definition „gefährlicher Gegenstande“. Dazu können auch Werkzeuge, Sport- oder Haushaltsgeräte gehören. Diese Gegenstände dürfen nur mitgeführt werden, wenn wenn ein nachvollziehbarer, rechtmäßiger Grund vorliegt. Das ermöglicht bei Camping, Trekking- oder Wandertouren die Mitnahme eines Tomahawk. Sicherheitshalber sollte das Tomahawk nicht offensiv zur Schau gestellt oder demonstrativ zugriffsbereit getragen werden.

Folgende Messer bzw. Gegenstände gelten als Waffen im Sinne von Art.4 Abs.1 Bst.c Waffengesetz (WG; SR 514.54) in Verbindung mit Art.7 Waffenverordnung (WV; SR 514.541):

  • Dolche und Wurfmesser mit einer feststehenden, symmetrischen, spitz zulaufenden Klinge, welche weniger als 30 Zentimeter lang ist;
  • Balisong und Messer mit einem einhändig bedienbaren automatischen Öffnungsmechanismus (Springmesser u.ä.) deren Klinge mehr als 5 Zentimeter lang ist UND die Gesamtlänge geöffnet mehr als 12 Zentimeter beträgt.
  • Klappmesser mit einem federunterstützten Öffnungsmechanismus verfügen. Darunter fallen alle Voll- und Halbautomaten sowie OTF’s, Stiletts und ähnliche Bauformen.
  • Alle Gegenstände, die dazu bestimmt sind, Menschen zu verletzen. Namentlich erwähnt werden: Schlagstock, Schlagrute, Wurfstern, Schlagring, Schleuder mit Armstütze, Nunchaku, und Tonfa. Die Aufzählung im Waffengesetz ist ausdrücklich nicht vollständig und erstreckt sich automatisch auch auf ähnliche Gegenstände.
  • Elektroschockgeräte sowie Sprayprodukte mit Reizstoffen nach Anhang 2 Waffenverordnung (WV), ausgenommen Pfefferspray.
  • Gegenstände, in denen eine Schusswaffe oder eine geschliffene Klinge verborgen ist.

Verbotene Gegenstände dürfen ohne behördliche Genehmigung nicht in die Schweiz eingeführt werden. Dieses Verbot gilt auch beim durchqueren der Schweiz und auch dann, wenn sich die Gegenstände nicht zugriffsbereit in einem verschlossenen Behältnis befinden. Also juristisch ein Verbringungsverbot oder auf gut deutsch: Totalverbot.

Verboten sind außerdem sogenannte Anscheinswaffen, also Gegenstände, bei denen eine Verwechslungsgefahr mit die einer Feuerwaffe oder einem verbotenen Gegenstand besteht.

Darunter zählen insbesondere Soft-Air und CO2-Waffen.

Ebenfalls verboten sind Luftdruck und CO2-Waffen mit einer Mündungsenergie von mehr als 7,5 Joule, oder wenn die Gefahr einer Verwechslung mit einer Feuerwaffe besteht.

Vergleichbar mit den Vorschriften für „Anscheinswaffen“ in Deutschland.

TUYA Knife HintergrundTUYA Knife Messer
DMG HintergrundDMG SchmiedestahlDMG Text 1DMG Text 2
Wolfgangs - Hintergrund
Schanz Shop BackgroundSchanz Layer 1Schanz Shop Layer 2Schanz Layer 3
Wolfster BackgroundWolfster Layer 1Wolfster Layer 2

Messer, Tools, Zubehör und mehr...

Werbung

Haushaltsgegenstände wie Äxte, Scheren oder Fahrradketten, Sportgeräte wie Baseballschläger und Werkzeuge, wie Schraubendreher oder Hämmer dürfen nicht mitgeführt werden, wenn nicht glaubhaft gemacht werden kann, dass dies durch die bestimmungs­gemäße Verwendung oder Wartung der Gegenstände gerechtfertigt ist. Missbräuchlich getragene gefährliche Gegenstände können von der zuständigen Behörde beschlagnahmt und eingezogen werden.

Waffengesetz in der Schweiz: Schusswaffen

Die Schweiz war früher bekannt für ungewöhnlich liberale Bestimmungen hinsichtlich Schusswaffen. Heute ist die Freizügigkeit deutlich geringer, viele Bestimmungen wurden im Rahmen europaweiter Harmonisierung aufgrund des Schengener Abkommens deutlich verschärft.

Das (nicht gewerbsmäßige) Verbringen (die Einfuhr) von Waffen, wesentlichen Waffenbestandteilen, Munition oder Munitionsbestandteilen ins schweizerische Staatsgebiet bedarf einer Bewilligung. Sie wird von der Zentralstelle Waffen erteilt. Das Gesuchsformular ist beim kantonalen Waffenbüro oder im Internet erhältlich, siehe unter Links. Eine Übersicht mit Adressen und Telefonnummern der kantonalen Waffenbehörden befinden sich ebenfalls am Ende des Artikels.

Waffen, wesentliche und besonders konstruierte Waffenbestandteile, Waffenzubehör, Munition und Munitionsbestandteile sind grundsätzlich beim Verbringen in das schweizerische Staatsgebiet nach den Bestimmungen des Zollgesetzes anzumelden. Die Vorweisung einer Quittung erleichtert die Zollveranlagung. Auch das vorübergehende Verbringen (die Einfuhr) ins schweizerische Staatsgebiet von Feuerwaffen im Reiseverkehr bedarf einer Bewilligung.

Stammt die Feuerwaffe aus einem Schengen-­Staat ist, wird die Bewilligung nur erteilt, wenn diese Waffe im Europäischen Feuerwaffenpass aufgeführt ist. Die Bewilligung wird im Europäischen Feuerwaffenpass eingetragen.

Jäger und Sportschützen benötigen die angesprochene Bewilligung nicht, aber:
Zusätzlich zum Europäischen Feuerwaffenpass müssen Jäger und Sportschützen eine Einladung mitzuführen, aus der glaubhaft hervorgeht, dass sie an einer Jagd-­ oder Sportveranstaltung teilnehmen werden.

Grundsätzlich sind Erwerb, Besitz, Herstellung oder Verbringen von folgenden Munitionsarten ins schweizerische Staatsgebiet nach dem Waffengesetz in der Schweiz strikt verboten:

  • Munition mit Hartkerngeschossen,
  • Munition mit Geschossen, die einen Explosiv­ oder Brandsatz enthalten
  • Munition mit einem oder mehreren Geschossen zur Freisetzung von Stoffen, welche die Gesundheit von Menschen auf Dauer schädigen
  • Munition, Geschosse und Flugkörper für militärische Abschussgeräte mit Sprengwirkung
  • Munition mit Geschossen zur Übertragung von Elektroschocks
  • Munition für Faustfeuerwaffen mit Deformationswirkung

Wissenswertes bei Reisen in die Schweiz

Der Gesetzgeber hat eine reizende Regelung zum Wohl der heimischen Wirtschaft im Waffengesetz verankert: Schweizer Taschenmesser sind hier explizit ausgenommen und werden grundsätzlich nicht als „gefährliche Gegenstände“ angesehen. In diesem Zusammenhang sind zwei Fragen ungeklärt: Sind auch Messer im Schweizer Look mit Klingenarretierung von der Waffeneigenschaft freigesprochen und bezieht sich diese Erlaubnis auch auf Modelle mit sehr ähnlicher Bauweise, die nicht in der Schweiz hergestellt werden.

Links und Adressen


BKT Desert
BKT Marshland
BKT Snow
BKT Woodland

Werbung


(Quellen: Schweizerische Botschaft in der Bundesrepublik Deutschland, Schweizer Bundesamt für Polizei Zentralstelle Waffen)

Die Informationen in diesem Artikel beruhen auf gründlicher Recherche und den angegebenen Quellen, geben aber Meinung und Verständnis eines juristischen Laien wieder und sind daher unverbindlich!