Bestech Eskra Praxistest und Review

Bisher stammte die Mehrzahl der Messermodelle von Bestech Knives aus der Feder des hauseigenen Designteams, doch in den letzten Monaten ging die Firma mehr und mehr Kooperationen mit bekannten Messer-Designern ein. Heidi Blacksmith ist eines der positiven Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit. In Kooperation mit dem polnischen Designer Grabarski Grzegorz, entstand nun das Bestech Eskra. Die Besonderheit: An diesem Messer findet sich keine einzige gerade Linie. Taugt es dennoch für die Praxis?

Inhalt und Übersicht

Schon der erste Blick auf das Bestech Eskra bringt eine Überraschung. Klinge und Griff bestehen aus Bögen, Schwüngen, Wölbungen und gebogenen Facetten. Vergeblich sucht das Auge nach einem optischen Anker in Form einer geraden Linie. Trotzdem wirkt das Design weder zwanghaft noch gekünstelt.

Das Gedankenkonzept des Designers ist spannend. Kann es aufgehen? Ist das Bestech Eskra ein brauchbares Alltagsmesser, eine Design-Studie oder gar nur ein nutzloses Sinnbild optischer Harmonie?

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Das Bestech Eskra ist ein Framelock Flipper mit Griffschalen aus Titan. Es gehört mit seiner 89 Millimeter Klinge und einer Gesamtlänge von 21,5 Zentimetern schon zu den großen Foldern. Das Gewicht liegt bei 140 Gramm.

Die Zutaten des Bestech Eskra können sich sehen lassen. Griffschalen aus anodisiertem Titan, eine kugelgelagerte Klinge aus Böhler M390 Microclean und natürlich auch eine Lock Bar mit Stahleinsatz, Detent Ball und Überdehnschutz. Ein Framelock Folder mit Vollausstattung.

Exzellente Klingenstähle gehören inzwischen bereits ab der 200,- Euro Klasse zur Serienausstattung. Mit AISI440C, AUS-10 oder 8Cr13MoV ist für einen Hersteller kein Blumentopf mehr zu gewinnen. Die chinesischen Top-Hersteller haben die Zeichen der Zeit erkannt und setzen mittlerweile bei ihren Eigenmarken auf Hochleistungsstähle.

Bestech Eskra Lock Side
Das Bestech Eskra ist eine Orgie aus geschwungenen Linien

Designer Grabarski Grzegorz

Der Name des Designers taugt als Zungenbrecher: Grabarski Grzegorz. Der junge Pole ist daher unter seinem Künstlernamen „Kombou“ bekannter als unter seinem richtigen Namen. Grabarski Grzegorz hat seine Wurzeln in der Fotografie und im Grafikdesign. Sein Instagram Kanal sei allen Messerfans ausdrücklich ans Herz gelegt, denn die Bilder von Kombou besitzen einen markanten Stil und gehören für viele Messerfans zum Olymp der modernen Messerfotografie.

Die geschwungene Linienführung ist typisch für Entwürfe von Grabarski Grzegorz. Er zeichnete für Bestech Knives das Modell Ornetta, das bei seiner Vorstellung große Aufmerksamkeit erzielte. In Zusammenarbeit mit der Custom Knife Factory (CKF) aus Moskau entstand das BRAGGA Knife, das in Deutschland eher unbekannt blieb, aber in den USA zum Verkaufsschlager wurde.

Instagram Posts von Grabarski Grzegorz
Der Designer des Bestech Eskra ist bekannt für seine grafischen Darstellungen von Messern (Fotos: Grabarski Grzegorz)

Grabarski Grzegorz gehört nicht zu den Designern, die stets nur ein und dieselbe Idee variieren. Obwohl fließende Formen und geschwungene Linien sein Markenzeichen sind, besitzt jedes seiner Messer optische Eigenständigkeit. Auch bei der Materialqualität geht Kombou keine Kompromisse ein: Griffschalen aus Titan, PM-Stähle und kugelgelagerte Klingen sind gesetzt.

Bestech Eskra

Das Bestech Eskra ist ein Taschenmesser, in dessen Design sich die Handschrift von Kombou unschwer erkennen lässt. Das Besondere an seinem Entwurf ist, dass sich am gesamten Messer keine einzige gerade Linie entdecken lässt. Selbst das Jimping auf dem Klingenrücken, das auf den ersten Blick ein Gerade zu sein scheint, weist beim genauen Hinsehen eine sanfte Bogenlinie auf.

Die Klinge des Eskra besitzt eine Form, die entfernt an die Leaf-Shape Modelle von Spyderco erinnert. Gut 28 Millimeter misst die Klinge des Eskra an der höchsten Stelle etwa am Ende des ersten Klingendrittels. Trotzdem ist das Messer ein ausgesprochener Schneidteufel. Der M390 Klingenstahl wie auch der gleichmäßige und seitensymmetrischen Anschliff tragen das Ihre dazu bei.

Bestech Eskra
Am Bestech Eskra findet das Auge keine einzige Gerade

Eingangs wurde es bereits angesprochen: Auf der technischen Seite bringt das Bestech Eskra alles mit, was man von einem modernen Titan Framelock Folder erwarten kann. Der pulvermetallurgische Klingenstahl M390 gehört zum Besten, was die Messerwelt derzeit zu bieten hat. Ein halb offenes Käfigkugellager sorgt für geschmeidigen Klingengang. Ein Stahleinsatz am Ende des Lock Bar stellt den Kontakt zur Klingenwurzel her und beherbergt den Detent Ball sowie einen Überdehnschutz.

Design kontra Ergonomie?

Ungewöhnliches Design und ein schicker Frack helfen wenig, wenn die Ergonomie des Messers am Ende nicht stimmt. Doch genau in diesem Punkt leistet sich Grabarski Grzegorz keinen Lapsus. Wenn man eines seiner Messer in die Hand nimmt, dann passt es perfekt. Selbst dann, wenn die ungewöhnliche Form beim Erstkontakt den Verdacht aufkommen lässt, dass dieses Messer eigentlich nicht funktionieren kann.

Das Eskra stellt keine Ausnahme dar. Der mit Linien, Bögen und Facetten versehene Griff erzeugt Misstrauen. Dann Erstaunen, die Handlage ist traumhaft! Der Griff schmiegt sich in die Faust und gewährt ermüdungsfreien, sicheren Halt. Der Daumen kann auf dem weit nach vorn gezogenen Jimping viel Druck auf die Klinge ausüben.

Auch der Komfort beim Öffnen und Schließen des Taschenmessers geht in die Ergonomiewertung ein. Zwei Varianten bietet das Bestech Eskra an: Flipper und Einhandöffnung. Die Flipper-Eigenschaften sind ausgezeichnet: Der Kicker ist ausreichend dimensioniert, griffig und sitzt genau an der richtigen Stelle. Durch den günstigen Kraftwinkel genügt ein kleiner Impuls, um die Klinge ins Lock zu befördern.

Nicht jeder Messerfan mag Flipper, nicht in jeder Situation ist das Aufflippen einer Klinge umweltverträglich. Wer es gemütlich oder unauffällig liebt, kann die Klinge wie bei einem Einhandmesser öffnen. Auf einen Klingenheber verzichtet Grabarski Grzegorz beim Bestech Eskra ebenso, wie bei seinen anderen Taschenmessern und stellt dafür eine längliche, beinahe dreieckige Klingenbohrung zur Verfügung.

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Üblicherweise wird die Klinge eines Einhandmessers nur mit dem Daumen angehoben; beim Bestech Eskra funktioniert eine andere Methode besser. Während sich der Griff im Handrücken abstützt, greift man die Klingenbohrung mit dem Daumen von der einen und dem Mittelfinger von der anderen Seite. So lässt sich die Klinge mühelos einige Millimeter anheben, den restlichen Öffnungsweg schafft der Daumen dann allein.

Die Öffnung nur mit dem Daumen gelingt mit etwas Übung ebenfalls, doch der Detent ist dabei nicht leicht zu überwinden. Eine Keramikkugel auf dem Stahleinsatz am vorderen Ende der Lock Bar liegt bei geschlossener Klinge in einer Vertiefung auf der rechten Klingenseite und verhindert das Herausfallen der Klinge. Etwa einen Millimeter hebt sich die Lock Bar, wenn die Klinge ihre Ruheposition verlässt. Obwohl der Detent gefühlt nicht straff eingestellt ist, benötigt das Anheben der Klinge einen deutlichen Impuls.

Bestech Eskra im Alltag

Zugegeben, ich bin kein Fan hoher Klingenblätter bei Foldern und trete den Praxistest mit einem kleinen Vorurteil an. Drei Wochen Alltagsarbeit erledigt das Eskra jedoch, ohne Schwächen zu zeigen. Natürlich ist die Schnittführung, zum Beispiel durch Karton, mit einer hohen Klinge nicht so wendig wie mit einer nur 20 Millimeter hohen Klinge. Ein wirklicher Nachteil ergibt sich daraus aber nicht. Einmal „in Fahrt“ hält die Klinge im Schnittgut die Spur und produziert mühelos lange, gerade Schnitte.

Natürlich sind Schnitzarbeiten nicht die Domäne des Bestech Eskra, aber es schlägt sich auch in dieser Disziplin ordentlich. Sehr gute Ergebnisse liefert das Eskra auf Wanderungen als Brotzeitmesser und kann in der Outdoor-Küche oder beim Grillen sogar ein Kochmesser ersetzen.

Das Handling des Messers ist unkompliziert und macht Spaß. Die Klinge steht zentriert und läuft geschmeidig im Kugellager. Der Stahleinsatz am Framelock ist perfekt justiert, überdeckt die Klingenwurzel zu 25 -30 Prozent und verriegelt die Klinge sicher. Das Entriegeln verlangt keinen Kraftakt, da die Auflage für den Daumen an der Lock Bar groß genug und gut erreichbar ist.

Bestech Eskra, halboffen
Das Bestech Eskra macht als EDC eine gute Figur.

Klingenstahl, Größe und vor allem die Stabilität des Bestech Eskra entsprechen einem „Hard Use Knife“, wenn man „Hard Use“ nicht mit sinnloser Gewalt übersetzt. Die Kollegen vom Knife Informer haben kürzlich in einem Vergleichstest unter anderem das LionSteel TM1, das Umnumzaan, das Reate Horizon sowie das Strider SnG zu den „Hard Use Knives“ gezählt. In dieser Aufzählung muss sich das Bestech Eskra nicht verstecken und kann mit jedem dieser Messer locker mithalten.

Bestech Eskra – Bewertung

Perfekte Handlage, stimmiges Design und keine Schwächen bei der Funktion sind bei hochwertigen Taschenmessern mittlerweile eher die Regel als die Ausnahme. So ist es auch beim Bestech Eskra. Das Messer ist in vielerlei Hinsicht ungewöhnlich und überzeugt trotzdem mit hoher Praxistauglichkeit. Doch oft sind oft es kleine Dinge, die ein Messer aus der Masse herausheben und im Alltag Spaß machen.

Auch in diesem Punkt hat das Bestech Eskra etwas zu bieten. Im geschlossenen Zustand steht es stabil und sicher auf Rahmen und Kicker. Es lässt sich während der Arbeit auf den Schreibtisch oder die Tastatur stellen. Zugegeben, das ist alles andere als wichtig, aber Spaß macht es trotzdem …

Das Bestech Eskra ist in fünf Farben erhältlich. Neben der grünen Variante stehen Blau, Schwarz, Titangrau und ein Modell mit goldfarbener Anodisierung zur Auswahl. Bei der Klingenform oder dem Material sind alle Eskra-Varianten identisch.

Bestech Eskra – Technische Daten

  • Bauform: Framelock Folder
  • Klingenlänge: 89 mm
  • Klingenstärke: 3,9 mm
  • Klingenstahl: M390
  • Gesamtlänge: 215 mm
  • Gewicht: 140 g

Bestech Eskra – Ausstattung

  • Öffnungsmechanismus: Flipper, Einhand
  • Lager: Kugellager
  • Verriegelung: Framelock
  • Klingenstahl: M390
  • Griff und Clip: Titan, anodisiert
  • Zubehör: Pouch

Bestech Eskra – Bewertung

  • Flipper- und Einhandöffnung
  • Justage
  • Klingenstahl
  • Außergewöhnliches Design
  • keine
Bestech Eskra als Dekoration
Das Bestech Eskra besitzt dekorativen Charme

Positiv ist auch zu vermerken, dass das Messer ohne Spezialwerkzeug demontiert werden kann. Handelsübliche Torx T6 und T8 Schraubendreher reichen aus, um das Bestech Eskra zu zerlegen.

Im Marktsegment der Titan Framelock Flipper chinesischer Herkunft ist das Bestech Eskra nicht das günstigste Messer. Es kostet im deutschen Fachhandel 289,- Euro. Für das Geld bietet das Messer viel Gegenwert. Bei Materialwahl, Verarbeitung, Klingenschliff, Justage und Alltagstauglichkeit hat sich kein einziger Kritikpunkt ergeben.

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