Nach der Blade Show, wenn sich der Stress etwas gelegt hat, bringen alle Firmen ihre neuen Modelle auf den Markt. Die Händler füllen ihre Lager, die Kunden stürzen sich auf neue Messer und der Dollar rollt. Friede, Freude, Eierkuchen. Nicht so in diesem Jahr! Präsentierte sich die Messerwelt auf der Blade Show noch als große Familie, heißt die Ansage nun: Cold Steel vs CRKT und die Anwälte haben jetzt das Wort.

Inhalt und Übersicht

Wir kennen es seit Jahren aus der Smartphone Szene. Hersteller A verklagt jeden, der es wagt, ein Smartphone zu bauen und wird am Ende selbst von allen verklagt. Hersteller B verklagt seine Konkurrenz wegen angeblichem Ideenklau und steht am Ende mit schlechter Presse und einem Haufen Kosten da. Zwar gab es in der Messerszene schon des Öfteren juristische Auseinandersetzungen, aber was zur Zeit passiert, dürfte recht einmalig sein.

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Zwei große Hersteller der US-amerikanischen Messerszene haben das Kriegsbeil ausgegraben und suchen den Kampf.

Natürlich nicht wörtlich mit Faust oder Steitaxt, sondern vor Gericht. Dabei wird der Konflikt publikumswirksam in der Öffentlichtkeit ausgetragen.

Geht es um Geld, Marketing oder nur darum, einmal richtig auf „dicke Hose“ zu machen?

Was ist passiert? Am 03. Juni 2015 hat Cold Steel beim zuständigen Bundesgericht eine Klage gegen seinen Konkurrenten CRKT eingereicht (Case 2:15-cv-04166). Gegenstand der Klage ist eine angebliche Verbrauchertäuschung von CRKT in Werbeaussagen beim Verriegelungssystem mehrerer CRKT Folder.

Hintergrund. In den letzten Jahren hat CRKT eine Reihe von Patenten angemeldet. Einige Patente beziehen sich auf Öffnungsmechanismen (OutBurst®, Fire Safe®), andere haben besondere Lösungen bei Verriegelungssystemen von Taschenmessern zum Inhalt.

LAWKS System von CRKT

Cold Steel vs CRKT: Das LAWKS System von CRKT in der schematischen Darstellung

Zwei davon sind das LAWKS® bzw. AutoLAWKS®, die ich schon im Firmenportrait von CRKT vor einigen Monaten beschrieben habe. Die Abkürzung LAWKS® steht für „Lake and Walker Knife Safety“ und bezeichnet ein System, bei dem ein zusätzlicher Pin den Liner bei geöffneten Messer so blockiert, dass die Klinge nicht versehentlich entriegelt werden kann. Das LAWKS® ist ein manuelles System, das von Hand aktiviert und deaktiviert wird, AutoLAWKS® hingegen aktiviert den Sicherheitspin automatisch.

CRKT LAWKS Systems

Streitfall Cold Steel vs CRKT: Das LAWKS-System an einem Folder von CRKT

CRKT rüstet zahlreiche Messer mit diesem Systemen aus, unter anderem die Modelle Thunderbolt Hissatsu 2 Folder, M4, Folding Razel, Fire Spark und M16. CRKT bewirbt beide Verriegelungssysteme mit den Worten: „LAWKS® macht aus ihrem Folder ein virtuelles Fixed“ (frei übersetzt) und hebt in weiteren Aussagen den Gewinn an Sicherheit gegen das unbeabsichtigte Einklappen der Klinge hervor.

Cold Steel vs CRKT – Die Klage

Normalerweise würde man einen Patentstreit nach dem Muster „du hast meine Ideen geklaut“ erwarten. In der bereits angesprochenen Smartphone-Szene drehen sich die Klagen seit Jahren fast ausschließlich um Patentverletzungen durch Konkurrenten. Cold Steel geht einen anderen Weg, mangels eigener Patente nimmt man die Werbeaussagen von CRKT zum Ziel.

Cold Steel begründet seine Klage auf der Feststellung, dass die Klinge eines mit LAWKS® ausgerüsteten Messers versagt, wenn man genügend Druck auf die Klinge ausübt. In der Klage heißt es unter anderem: „Wir sind ein Volk von Menschen, die ihre Messer benutzen […] Kunden haben ein Recht auf ehrliche Werbeaussagen“.

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Rechtliche Substanz. Die Klage von Cold Steel steht vermutlich auf wackeligen Beinen. CRKT hat zwar in mehreren Werbeaussagen die Formulierung „…verwandelt ihren Folder in ein virtuelles Fixed Blade“ verwendet aber in diesem Zusammenhang keine Aussagen zur Belastbarkeit der Klingenarretierung gemacht. Genau da setzt aber Cold Steel mit seiner Klage an und argumentiert: „…dass trotz LAWKS® kein größerer Kraftaufwand benötigt wird, um das Lock gewaltsam zu überwinden“ und der Vergleich mit einem Fixed daher eine irreführende Verbrauchertäuschung sei.

Cold Steel vs CRKT – Die Argumente

Bei Bekanntwerden der Klage rieb sich die Messerszene erst einmal kollektiv die Augen – einen Tag nach der Blade Show setzten die Reaktionen ein. Ein Shitstorm mit einer Mischung aus Zorn, Spott und Häme ergoss sich über Cold Steel und die negative Reaktion der User zwang Cold Steel Boss Lynn C Thompson zu einer öffentlichen schriftlichen Erklärung.

In dieser Erklärung versucht Lynn C Thompson die Klage zu rechtfertigen und gibt dabei eine Reihe abenteuerlicher Begründungen zum Besten:

  • In den 35 Jahren seiner beruflichen Laufbahn habe er (Lynn C Thompson), immer das Wohl der Verbraucher und die Sicherheit seiner Messer im Auge gehabt …
  • Cold Steel habe immer versucht, die Grenzen der Festigkeit von Klappmessern zu verbessern und Millionen Dollar in die Erforschung von Verriegelungssystemen investiert …
  • Da Cold Steel die Finger seiner Kunden lieben würde, könne man nicht still sitzen, wenn Konkurrenten leere Versprechungen zu den Eigenschaften ihrer Messer abgeben …

Der volle Wortlaut der Einwände von Cold Steel war unter der URL “ http://www.coldsteel.com/crkt_lawsuit.aspx “ zu lesen. Auch eine ausführliche Stellungnahme von Lynn C Thompson zur Kritik an der Vorgehensweise von Cold Steel war abgedruckt. Inzwischen hat Cold Steel aber alle Hinweise auf das von Ihnen angestrengte Verfahren von seiner Website entfernt.

In seiner Stellungnahme argumentierte Firmenboss Thompson, dass Cold Steel seit Jahren mehrere Millionen Dollar in die Entwicklung neuer Verriegelungssysteme investiert hätte. Der Zusammenhang mit Entwicklungen anderer Firmen will sich dabei aber nicht recht erschließen. Meine Frage an Lynn C Thompson wäre gewesen, warum sein Millionen-Dollar-Engagement nur zu einer einzigen Neuentwicklung und einem einzigen Patent seitens Cold Steel geführt hat.

Hat die Klage Aussicht auf Erfolg?

Was steckt dahinter? Wie bereits geschildert, CRKT hat in den letzten Jahren „seinen Claim“ mit einer Reihe von Patenten abgesteckt. Das nimmt den Konkurrenten die Möglichkeit, technisch ähnliche Systeme zu verwenden, ohne an CRKT Lizenzgebühren zu zahlen. Also versucht man, die Patente auf dem Klageweg zu eliminieren.

Cold Steel vs CRKT -Wird das klappen? Vermutlich nicht. Die Chancen von Cold Steel muss man als eher gering einstufen. Hauptsächlich wird eine angebliche Werbeaussage von CRKT attackiert, die so überhaupt nicht geäußert wurde. Dass ein Richter das Patent von CRKT annulliert ist ausgeschlossen, eine Verurteilung wegen Verbrauchertäuschung aber nicht unmöglich.

Was wird Cold Steel erreichen? Ein juristischer Sieg ist unwahrscheinlich und der Schuss dürfte nach hinten losgehen. Cold Steel möchte sich als Anwalt der Kunden seiner Konkurrenz präsentieren. Dass diese Strategie sehr clever ist, darf man bezweifeln, denn zwischen den Zeilen unterstellt Cold Steel allen Besitzern der CRKT Messer, nicht genug Sachverstand zur Beurteilung von technischen Lösungen zu besitzen.

Cold Steel vs CRKT – Knife-Blog meint:

Kein guter Versuch, um in der Szene zu punkten! Viele Messerfreunde haben wenig Verständnis für an den Haaren herbeigezogenen juristischen Hick-Hack und Cold Steel hat dementsprechend bereits eine Flut von negativen Reaktionen eingesammelt.

Schlechter Stil ist es ohnehin. Selbstverständlich ist es gerechtfertigt, wenn eine Firma gegen andere Hersteller ein Patentverletzungsverfahren anstrengt oder gegen unlauteren Wettbewerb vorgeht, aber eine Klage, um die Kunden der Konkurrenz vor dessen Produkten zu schützen, ist mehr als nur ein schlechter Scherz. Gut möglich also, dass die Geschichte juristisch im Sande verläuft und mit einem massiven Image-Verlust für Cold Steel endet.

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