Edle Taschenmesser 2022 - Bestech Sondermodelle

Edle Taschenmesser 2022 – Teil 2 – Bestech gibt Gas!

Bestech Knives gilt Liebhabern hochwertiger Taschenmesser seit Jahren als gute Wahl, wenn es um den Erwerb eines praktischen, zuverlässigen und gut gestalteten EDC geht. Doch Anfang 2022 erscheinen eine Handvoll Bestech Sondermodelle, mit denen der Hersteller die Schranken typischer Gebrauchsmesser durchbricht und in den Markt edler Sammlermesser vorstößt. Und dabei wird nicht gekleckert, sondern mit Damastklingen und Inlays aus Timascus ordentlich geklotzt. Sind die Messer EDC-tauglich oder nur in einer Vitrine gut aufgehoben? Knife-Blog hat sich vier der neuen Bestech Sondermodelle im Detail angesehen.

Inhalt und Übersicht

Es ist kein Wunder, dass sich eine Firma, deren Name bei Messern für den EDC-Alltag einen guten Klang erreicht hat, sich auch in der Oberklasse präsentieren möchte. Am besten ganz oben in der ersten Liga! Auf Augenhöhe mit namhaften Herstellern aus den USA, die oft für gleichwertige oder gar qualitativ schlechtere Messer den doppelten, dreifachen oder vierfachen Lohn einstreichen.

Natürlich spielt bei den Bestech Sondermodellen auch der Wunsch eine Rolle, den Ruf als „Billigheimer“ aus China abzustreifen und gleichzeitig möchte man die letzten Zweifler von der eigenen Leistungsfähigkeit überzeugen.

Die Sonderrolle der Messer zeigt sich bereits an der Verpackung. Statt in schlichtem Weiß sind Logo und Dekor in Gold auf die gewohnte schwarze Schachtel gedruckt.

Hinsichtlich der Material- und Verarbeitungsqualität ist gegenüber den Serienmodellen kaum Luft nach oben, sodass sich die Bestech Sondermodelle statt mit erhöhter Qualität durch wertige und optisch ansprechende Materialien auszeichnen.

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Timascus wird bei drei der Bestech Sondermodelle in üppiger Menge verwendet und der Titan-Damast wird auch der Grund sein, warum die Messer auf zwei unterschiedliche Meinungen treffen werden. Viele Messerfans und Sammler sind Timascus Liebhaber und schätzen die Einzigartigkeit der Muster, die jedes Messer zu einem unverkennbaren Unikat machen.

Anderen hingegen ist Timascus zu bunt, manchmal sogar zu grell, in jedem Fall aber optisch zu dominant. Wie immer beim Design von Messern trennen sich die Geister. Gut und schlecht, richtig und falsch gibt es nicht. Der eigene Geschmack entscheidet. Was für die einen der heilige Material-Gral ist, wird von anderen verschmäht und mit dem despektierlichen Begriff „Einhornkotze“ belegt.

Bestech Sondermodelle

Vor den Einzel-Reviews der Bestech Sondermodelle ein Wort zu den Gemeinsamkeiten der vier Messer, damit nicht bei jedem Folder identische Aussagen zu technischen Details und textbausteinartige Qualitätsbewertungen auftauchen. Alle vier Bestech Sondermodelle sind mit Kugellagern aus Keramik, Overtravel-Stop und austauschbarem Stahleinsatz an der Lockbar technisch auf dem Stand der Zeit. Bei der Material- und Verarbeitungsqualität haben sich – trotz akribischer Suche – keine Kritikpunkte ergeben. Alle Inlays aus Timascus sind perfekt eingepasst und deren Oberflächen gleichmäßig poliert.

Dass Metallarbeit und Frästechnik auf höchstem Niveau liegen, ist für Messer der gehobenen Preisklasse eine Selbstverständlichkeit und so sei es nur der Vollständigkeit halber erwähnt. Nichts anderes gilt für den Klingengang. Die Kugellager lassen die Klingen aller vier Messer seidig weich laufen, entsprechend gut sind Handhabung und Flipper-Eigenschaften. Natürlich stehen die Klingen auch perfekt zentriert.

Bei der Justage der Lockbar zeigen sich ebenfalls keine Unterschiede. Der Stahleinsatz überdeckt die Klingenwurzel bei allen Messern etwa um ein knappes Drittel. Das ist der optimale Wert für ein nagelneuen Framelock Folder und ebenfalls nur zur Wahrung der Vollständigkeit erfolgt der Hinweis, dass die vier Folder alle Sicherheitsprüfungen bestanden haben. Auch über den Anschliff der Bestech Sondermodelle lässt sich nur Gutes berichten, alle vier Messer würden im Einzel-Review in dieser Wertungskategorie mindestens 4.8 von 5 möglichen Sternen erreichen.

Edle Taschenmesser 2022 - Bestech Samari

Bestech Knives Samari (BT2009G)

Für alle Nicht-Timascus-Liebhaber kommt eines der Bestech Sondermodelle mit klassisch-zurückhaltenden „Plain Jane“ Titangriffschalen. Diese sind allerdings nicht schmucklos glatt, wie man es von Chris Reeve Knives kennt, sondern sind mit einem eingefrästen Muster versehen. Die leichte Kontur der Griffschalen sieht nicht nur ansprechender aus, sie erhöht auch die Rutschhemmung des Griffs.

Nur bei Taschenclip und Backspacer blitzt beim Modell „Samari“ etwas Timascus als optischer Akzent auf und bildet einen Kontrapunkt zu den nicht anodisierten Oberflächen der Titangriffschalen. Das Prunkstück des Messers ist die Klinge aus Damasteel und die ist ein optischer Leckerbissen. Die dunkle Stahlsorte ist anthrazitfarben, ja beinahe schwarz, sodass sich zwischen den beiden miteinander verschmiedeten Stählen ein starker Kontrast einstellt.

Das Bestech Samari ist ein Framelock Folder mit Flipper-Öffnung. Wenn man das Messer dezent öffnen möchte, lässt sich die Klinge mit Daumen und Mittelfinger anheben und mit dem Daumen ins Lock schieben. Das benötigt freilich ein wenig Übung, klappt aber dank der punktgenauen Justage und des guten Klingengangs zuverlässig.

Edle Taschenmesser 2022 - Bestech Samari, Clip Side

Mit 1,295 cm Breite ist der Griff des Bestech Samari erstaunlich schmal, denn die Titan-Griffschalen besitzen eine Stärke von jeweils 4 Millimetern. Die Klinge ist an der Wurzel 3,9 Millimeter stark und die Addition der Zahlen zeigt, dass Bestech keinen Platz verschwendet hat. Trotz der Klingenhöhe von ca. 20 Millimetern liegt das Samari bequem und sicher in der Hand. Ergonomisch ist alles im Lot.

Mit seiner 10 Zentimeter langen Klinge ist das Bestech Samari ein Schneidteufel erster Güte. Die hoch angesetzte Gratlinie und der fast über das gesamte Klingenblatt reichende Flachschliff bringen den Damaststahl optisch hervorragend zur Geltung.

Bestech Samari – Technische Daten

  • Klingenlänge / -stärke: 100 mm / 3,9 mm
  • Klingenstahl: Damasteel
  • Länge offen / geschlossen: 222 mm / 124 mm
  • Gewicht: 108 g

EDC-tauglich ist das Bestech Samari auf jeden Fall – nur der Preis von 699,- Euro könnte gegen seinen Einsatz im harten Alltag sprechen.

Bestech Knives Thyra Timascus (BT2106F)

Bevor es richtig bunt wird, tritt mit dem Modell „Thyra Timascus“ ein optisch eher zurückhaltendes Messer an. Die Grundform des Thyra ist an ein klassisches Kaiken angelehnt. Der Einsatz von Timascus beschränkt sich wie beim Vorgänger auf wenige Bereiche: Clip, Backspacer und eine Bolster-ähnliche Verzierung im Bereich der Achsschraube. Anstelle einer Damastklinge kommt beim Bestech Thyra der M390 Stahl von Böhler zum Einsatz.

Die Formensprache des Bestech Thyra ist sachlich und beinahe ein wenig kühl, wozu der sparsame Einsatz von Timascus passt. Die Farbgebung des Timascus umfasst hauptsächlich Blautöne. Blau und Silber geht immer – und wirkt edel. Im Vergleich der Bestech Sondermodelle legt das Thyra den optisch „leisesten“ Auftritt hin. Dieses Taschenmesser beinhaltet eine gute Portion Understatement, denn der hohe Aufwand bei Fertigung und Finish zeigt sich erst beim zweiten Blick.

Edle Taschenmesser 2022 - Bestech Thyra, front, open

Der erwähnte Aufwand zeigt sich zum Beispiel nicht nur bei der perfekten Anpassung des Timascus Bolsters, sondern bei der Fortführung einer eingefrästen Konturlinie auf der Presentation Side, die sich über die Titangriffschale und den Bolster erstreckt. Dahinter steckt eine Design-Finesse, denn die eingefräste Linie rekapituliert den Verlauf einer optischen Linie von Lockbar und Taschenclip auf der Lockside des Messers. Viele Messerfans schätzen solch gestalterische Kunstgriffe, denn sie heben Messer unaufdringlich aus der Masse heraus.

Die Klinge des Bestech Thyra besitzt eine feine Satinierung, deren Verlauf gerade in Längsrichtung verläuft. Das Finish der Klinge verleiht dem Thyra eine wertige Anmutung und passt mit seiner schlichten Schönheit zur unaufdringlichen Erscheinung des Messers.

Bestech Thyra Timascus – Technische Daten

  • Klingenlänge / -stärke: 92 mm / 3,90 mm
  • Klingenstahl: Böhler M390
  • Länge offen / geschlossen: 212 mm / 121 mm
  • Gewicht: 116 g

Exkurs: Unter Satinieren versteht man, dass die oberen Spitzen einer geschliffenen Oberfläche gebrochen werden. Dadurch entsteht der Eindruck einer gleichmäßigen, seidenmatten Oberfläche, die mit feinen Schleifbändern erzeugt wird. Bei Verwendung eines Schleifmittels mit geeigneter Korngröße kann die Satinierung einerseits völlig glatt wirken und andererseits – ähnlich einem Bürstenstrich – erkennbar in eine Richtung weisen.

Wie alle anderen Bestech Sondermodelle ist auch das Thyra als Flipper konzipiert. Das Anheben der Klinge mit den Fingern ist im Gegensatz zum Samari nicht möglich. Dafür flippt Bestechs Thyra hervorragend!

Der Kicker ist gut platziert, der Druckpunkt zum Überwinden des Detent ist klar definiert und knackig.

Ein weiteres Mal treffen wir auf einen schmalen, nicht sehr hohen Griff und doch lässt die Ergonomie des Thyra für kleine und große Hände keine Wünsche offen.

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Beim Preis von 549,- Euro für einen Titan-Framelock Folder mit kleinen Timascus Applikationen werden einige Messerfans Einspruch erheben und einwenden, dass der technische und qualitative Abstand zu deutlich günstigeren Messern von Bestech nicht sehr groß ist. Der Einwand ist nicht unberechtigt. Allerdings merkt man den Bestech Sondermodellen an, dass an allen Ecken und Enden von Finish, Anschliff und Justage mit besonders großer Sorgfalt gearbeitet wurde.

Die Preisgestaltung bei Sondermodellen kennen Messerfans zur Genüge. Ein paar bunte Akzente in Form anodisierter Titanhardware und schon kostet ein Messer aus fernöstlicher Massenfertigung mit Zero Tolerance Logo keinen Deut weniger das Bestech Thyra Timascus. Bei Chris Reeve erhöht sich der Preis durch eine in limitierter Auflage verwendete Lasergrafik auf einer Griffschale spürbar. Statt anodisierte Backspacer oder gefräste Computergrafiken erfahren die Bestech Sondermodelle mit dem vergleichsweise teuren Timascus allerdings tatsächlich eine Aufwertung. Das relativiert die Preisgestaltung, insbesondere, wenn man sie mit anderen Anbietern vergleicht.

Bestech Knives Nogard full dressed Damasteel (BT2105G)

Wie immer kommt das Beste zum Schluss. Das gilt vorrangig für Messerfans, die kräftige Farben und knallige Dekors lieben. Die Bestech Sondermodelle Nogard sind in verschiedenen Ausstattungsvarianten erhältlich. Stellvertretend sind hier zwei Modelle mit Damastklinge und Timascus Inlays aber mit unterschiedlicher Anodisierung am Start. Die Produktbezeichnung „full dressed“ lässt keine Zweifel aufkommen: Viel mehr geht beim besten Willen nicht.

Bestech Norgard "full dressed", bronze, front

Gemeinsam haben beide Messer die Klinge aus schwedischem Vinland DS93X Damasteel. Wie beim Bestech Samari ist auch dieser Damast korrosionsträge und pflegeleicht. Die Klingenform macht das Messer in Kombination mit dem Damaststahl unverkennbar und die Größe der Klinge gibt genügend Raum, um das Damastmuster ausgiebig genießen zu können. Damasteel Vinland ist eine Variante des „wilden“ Damasts mit Linien, Bögen und Augen. Ebenso besitzt diese Stahlsorte eine optische Nähe zu den psychedelischen Mustern der späten 1960er-Jahre. Das „Vin“ in der Produktbezeichnung könnte also durchaus für „Vintage“ stehen, tatsächlich verweist der Name aber auf die Wikingerzeit. Um das Jahr 1.000 herum wurde Nordamerika von den Wikingern entdeckt und fortan „Vinland“ genannt.

Die Besonderheit beim Bestech Nogard ist, wie sich Damastmuster und Klingenform zu einem harmonischen Ganzen vereinigen. Gerade Linien folgen der Schneide, ein nach oben filigraner werdendes Damastmuster und auf der Fehlschärfe ein Wellenmuster, das wieder exakt zur oberen Kontur der Klinge passt. Hut ab, das muss man erst mal hinbekommen!

Bestech Nogard full dressed Damasteel – Technische Daten

  • Klingenlänge / -stärke: 85 mm / 3,80 mm
  • Klingenstahl: Damasteel
  • Länge offen / geschlossen: 202 mm / 117 mm
  • Gewicht: 152 g

Die großflächigen Inlays aus Timascus finden sich beim Bestech Norgard nicht nur auf der Presentation Side, sondern auch auf der Clip Side. Backspacer und Taschenclip sind aus dem gleichen Stück Timascus gefertigt und passen daher farblich perfekt zu den Inlays.

Die Form des Nogard macht das Messer zum Hingucker, aber ist es auch praktisch und alltagstauglich? Zunächst einmal ist es sowohl ein Flipper wie auch ein lupenreines Einhandmesser, dessen Klinge sich mühelos mit einem Finger anheben lässt. Beim Flippen ist der voluminösen Klinge etwas Tribut zu zollen. Auch wenn das Flippen mühelos und zuverlässig funktioniert, öffnet die Klinge nicht so blitzartig und knackig wie bei den Modellen Samari und Thyra. Sie läuft etwas langsamer und steuert ihr Lock eher gelassen an. Ein Nachteil für den Gebrauch als EDC entsteht dadurch nicht.

Bestech Norgard "full dressed", titan, clip side

Ungeachtet der außergewöhnlichen Gestaltung des Messers sind die ergonomischen Eigenschaften gut. Der Griff des Nogard wirkt in der Hand deutlich schmaler als die Griffe von Samari und Thyra. Es ist ein großes Messer, das auch für kleine Hände gut geeignet ist.

Die fast vollflächigen Timascus Inlays auf beiden Griffschalen heben nicht nur das Gewicht des Folders, sie wirken sich auch auf den Preis aus. Schlappe 800,- Euro werden für die „full dressed“ Version des Nogard fällig, wobei keine Rolle spielt, ob das Titan anodisiert oder naturbelassen ist. Einatmen – ausatmen, ruhig weiter atmen. Die fette (handverlesene) Damastplatte, die für die Klinge benötigt wird, treibt den Preis ebenso wie das gefühlt halbe Pfund Timascus. Die 799,- Euro zerren ordentlich am Portemonnaie, gehen aber noch in Ordnung, wenn man Ausstattung und Qualität des Messers der Konkurrenz gegenüber stellt.

Messer von chinesischen Firmen mit hohem dreistelligen oder gar vierstelligen Preisschild sind nicht neu. Die kann man auch bei WE Knife oder Reate finden. Bestech Knives hat also keine neue Tür aufgestoßen, sondern die Tür nur zum ersten Mal durchquert.

Fazit

Die Bestech Sondermodelle punkten nicht nur mit guter Materialausstattung und optischen Finessen, sondern auch mit hoher EDC- und Alltagstauglichkeit. Exklusivität und der Aufwand beim Materialeinsatz schlagen sich natürlich auf die Preise nieder. Überteuert sind die Messer nicht, wie ein Blick auf die Angebote der Konkurrenz erkennen lässt. Als EDC taugen alle vier Messer genauso gut wie als Schaustück – genau in diesem Punkt findet man den entscheidenden Unterschied zu vielen Schaustücken anderer Hersteller.

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