Heute liegt wieder einmal ein Outdoor-Messer auf dem Tisch, das in Deutschland anno 2017 nicht unter das Führverbot fällt. Keine Frage, das Waffenrecht hat die Klingen in Deutschland während der letzten Jahre schrumpfen lassen. Messer mit 12 Zentimeter Klingen für den Outdoor-Einsatz sind für manche ein Reizthema. Völlig ausreichend sagen die einen, viel zu klein und daher unbrauchbar schimpfen die anderen. Vor dem Urteil muss man dem Lucidus Outdoor-Messer jedoch erst einmal einen detaillierten Blick zuwerfen, denn das Messer bringt nicht nur einen tadellosen Stammbaum, sondern auch viele gute Ideen mit.

Inhalt und Übersicht

Bevor die Crocodile Dundees mit ihren 11 Zoll Klingen aufschreien: Wer eine Reise ins australische Outback plant oder die Quelle des Amazonas besuchen will, darf weiterblättern. Wer hingegen in Mitteleuropa wandert, zeltet, angelt oder mal ein „Indianer Wochenende“ im Wald verbringen will, muss weder Bäume fällen noch armdicke Lianen kappen. Diskussionen um Klingenlänge sind weitgehend Scheindiskussionen, denn nur sehr wenige Messerfreunde nutzen ihr Schneidwerkzeug für Aufgaben, die wirklich eine Klinge über 12 Zentimeter Länge erfordern.

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Die Lucidus Outdoor Messer sind eine Entwicklung von Claudia und Wolfgang Rudi vom Messerkontor.

Ein Novum, denn bisher stand der Name Messerkontor nicht für Design und Entwicklung von Outdoor-Messern, sondern für den Handel mit hochwertigen Taschen- und Küchenmessern.

Mit dem Lucidus Outddor-Messer liegt nun die erste Eigenentwicklung auf dem Tisch.

Der Name Lucidus ist Messerfans schon als Produktlinie im Bereich Küchenmesser bekannt, die von Jürgen Schanz exklusiv für das Messerkontor hergestellt werden. Auch die Lucidus Outdoor-Messer kommen aus der Werkstatt von Jürgen Schanz; die maßgefertigten Kydex-Scheiden stellt Andreas Müller von com2you-biwak im saarländischen Homburg her.

Die Lucidus Outdoor-Messer

Wer sich eingangs über den Plural gewundert hat, ahnt es bereits: Es gibt zwei unterschiedliche Modelle. Der Hauptunterschied zwischen dem „Lucidus Outdoor Thin Cut“ und dem „Lucidus Outdoor Heavy Duty“ ist die Klingenstärke. Während der Klingenrücken des „Thin Cut“ eine Stärke von drei Millimetern aufweist, bringt das „Heavy Duty“ eine fünf Millimeter starke Klinge mit. Der Unterschied ist alles andere als marginal. Obwohl beide Modell in Länge, Form und Material exakt übereinstimmen, sind zwei völlig unterschiedliche Messer entstanden.

Lucidus Outdoor-Messer mit zwei verschiedenen Klingenstärken
Das Lucidus Outdoor-Messer gibt es mit zwei verschiedenen Klingenstärken

Rund neun Monate sind von der Zeugung des Gedankens bis zum fertigen Produkt vergangen. Nach vielen Ideen von Claudia und Wolfgang, stundenlangen Messergesprächen und ungezählten Zeichnungen, nahm das Projekt allmählich Gestalt an. Der erste „Alpha“ Prototyp aus nicht gehärtetem Stahl war der entscheidende Meilenstein auf dem Weg zum fertigen Produkt.

Aufbau und Material

Die Lucidus Outdoor-Messer verfügen über eine 39 Millimeter hohe Drop Point Klinge. Der Flachschliff reicht vom Klingenrücken bis zur balligen Schneide. Der Klingenrücken besitzt ein gut konturiertes Jimping mit abgerundeten, seitlichen Kanten. Zwischen Jimping und Klingenspitze bildet der Klingenrücken einen leichten Bogen. In diesem Bereich sind die Kanten nicht abgerundet und der Rücken gerade, um das Anreißen eines Feuerstabs zu erleichtern.

Handlage und Ergonomie sind bei jedem Messer wichtige Kriterien für die Praxistauglichkeit. Bei Messern, die gelegentlich mit hohem Kraftaufwand eingesetzt werden, kann jedes Defizit bei der Handhabung zum K.-o.-Kriterium werden. In diesem Punkt haben Claudia und Wolfgang Rudi aber ganze Arbeit geleistet. Die Griffe der Lucidus Modelle liegen satt und sicher in der Hand. Die Wölbung der Griffoberseite schmiegt sich in die Faust und der Griff bietet ausreichend Platz für eine bequeme Fingerhaltung.

Technische Daten Lucidus Outdoor-Messer

Lucidus Outdoor-MesserDaten und Ausstattung
Messertyp Fixed Bladein Full Tang Bauweise
HerstellerJürgen Schanz
Klingenlänge Heavy Duty / Thin Cut115 mm / 115 mm
Klingenstärke Heavy Duty / Thin Cut5 mm / 3 mm
Klingenform Clip Point – Drop Point Mix
Klingenhöhe39 mm
KlingenstahlSB1
Gesamtlänge 230 mm
GriffmaterialG-10 oder Canvas Micarta
Gewicht Heavy Duty / Thin Cut 272 g / 170 g plus ca. 100g für Kydexscheide

Spezifikation: SB1

C Cr Mo V Nb
0,80 % 12,7 % 1,1 % 0,9 % 0,70 %

Wahlweise kann man das Messer so greifen, dass entweder das erste oder dritte Fingerglied des Daumens auf dem Jimping ruht. Im ersten Fall kann die Hand mehr Druck auf die Klingenspitze, im zweiten Fall auf die Schneide ausüben. Die Form des Griffs lässt auch einen komfortablen Reverse-Grip zu. Die Rutschfestigkeit des Griffs ist gut, obwohl die Oberflächen der Griffschalen glatt sind und kein rutschhemmendes Fräsmuster besitzen. Beide Lucidus Outdoor-Messer eignen sich sowohl für große wie auch für kleine Hände. Tendenziell werden Männerhände mit Handschuhgrößen oberhalb von 9.5 aber mit der „Heavy Duty“ Ausführung etwas besser zurechtkommen.

Die Klingen der Lucidus Outdoor-Messer bestehen aus SB1. Dieser Stahl, der auch unter dem Namen Niolox bekannt ist, wurde schon mehrfach auf Knife-Blog besprochen. Er besitzt gute Allround-Eigenschaften und hat keine Schwächen. SB1 gehört zu einer kleinen Zahl von Schmiedestählen, die es mit den modernen pulvermetallurgischen High End Stählen aufnehmen können.

Lucidus Outdoor-Messer: Pimp your Knife

Zwei weitere Besonderheiten kennzeichnen das Design der Lucidus Outdoor-Messer. Das „Heavy Duty“ Modell besitzt am Griffende eine Bohrung, die entweder eine Blindschraube oder einen Glasbrecher aufnehmen kann. Bei installiertem Glasbrecher kann der Daumen keinen Druck auf das Messer im Reverse-Grip ausüben, dafür kann man problemlos Fenster- oder Autoscheiben einschlagen. Ob diese Funktion benötigt wird, kann jeder Messerbesitzer selbst entscheiden und sein Messer entsprechend ausrüsten. Beim „Thin Cut“ kann aufgrund des schmalen Erls kein Glasbrecher angebracht werden.

Die zweite Möglichkeit zur Individualisierung bieten die abnehmbaren Griffschalen. Zurzeit stehen G-10 und Canvas Micarta Griffschalen in vielen Farben zur Verfügung.

„Weitere Materialien sind in Planung“, verrät Claudia Rudi im Gespräch mit Knife-Blog. Die Griffschalen lassen sich in wenigen Sekunden austauschen und passen universell zum „Thin Cut“ sowie zum „Heavy Duty“ Modell.

TUYA Knife HintergrundTUYA Knife Messer
DMG HintergrundDMG SchmiedestahlDMG Text 1DMG Text 2
Wolfgangs - Hintergrund
Schanz Shop BackgroundSchanz Layer 1Schanz Shop Layer 2Schanz Layer 3
Wolfster BackgroundWolfster Layer 1Wolfster Layer 2

Messer, Tools, Zubehör und mehr...

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Zum Lösen der Schrauben wird nur ein 5 Millimeter starker Inbusschlüssel benötigt. Die Verwendung von standardmäßigen Kettenblattschrauben aus dem Radsport ermöglicht parallel zum Austausch der Griffschalen auch den Austausch der Schrauben selbst. Auf dem Zubehörmarkt für Rennräder und Mountainbikes gibt es eine große Auswahl anodisierter Titanschrauben oder Modelle aus poliertem Edelstahl in passender Größe.

„Pimp your knife“ hat sich längst zu einem Trend entwickelt. Viele Firmen bieten individuelle Gravuren oder Titan-Hardware für ihre Messer an. Die Ludicus Outdoor-Messer bringen viel Potenzial zur Individualisierung mit. Manch Messerbesitzer wird die einfache Griffmontage nutzen, um selbst einmal einen Messergriff zu bauen. Abgesehen von Abwechslung und Verschönerung ist es auch möglich, die Messer mit Griffschalen in Wunschgröße oder mit Spezialgriffen für besondere Anwendungen auszustatten.

Verarbeitung und Schliff

Die Verarbeitung der Messer ist absolut untadelig. Das Klingenblatt ist senkrecht gebürstet; das Finish ist gleichmäßig. Die Stahlarbeit von Jürgen Schanz ist perfekt und die handgemachten Kydexscheiden von Andreas Müller liegen auf dem gleichen hohen Qualitätslevel.

Griffe und Liner sind sauber gearbeitet und die Bohrungen sind passgenau. Auch am Klingenschliff gibt es nichts zu bemängeln: die Schneiden beider Messer sind winkelstabil und seitensymmetrisch geschliffen. Die Klingen sind entlang der gesamten Schneide sehr scharf (9.5/10).

So ähnlich wie beide Messer in der Optik sind, so unterschiedlich sind sie in der Handhabung. Der Unterschied durch die zwei Millimeter schmalere Klinge beim Thin Cut gegenüber der Heavy Duty Version ist gewaltig. Der Gewichtsunterschied von rund 100 Gramm ist dabei nur ein Faktor. Das Handling der beiden Messer macht den größeren Unterschied.

Lucidus Outdoor-Messer mit Kydex-Scheide
Die Lucidus Outdoor-Messer kommen mit einer passgenauen Kydexscheide

Das Ludicus Outdoor Thin Cut ist ein führiges Allzweckmesser für leichte Schneidaufgaben. Trotz des hohen Klingenblatts wirkt es nicht massig. Das Thin Cut bringt Qualitäten als Brotzeitmesser mit und eignet sich gut für Angler und Wanderer.

Ein ganz anderes Bild vermittelt das Ludicus Outdoor Heavy Duty. Es schneidet keine Äpfel, es spaltet sie. Trotz der für ein Outdoor-Messer kurzen Klinge kann man es zum Hacken und Batoning einsetzen. Beides nimmt die stabile Klinge nicht übel.

Zwei Klingenstärken – zwei Charaktertypen

Das Lucidus Outdoor Thin Cut ist beim Messerkontor mit Griffschalen aus Canvas Micarta und Kydex-Scheide für 299,- Euro erhältlich. Für diesen Preis erhält man ein mit viel Liebe und Fachkenntnis entwickeltes Messer, das von Jürgen Schanz in hervorragender Qualität gefertigt wird. Die Kydexscheide überzeugt ebenfalls – das Paket stimmt.

Alle positiven Eigenschaften gelten auch das Lucidus Outdoor Heavy Duty. Auch hier ist die Qualität in allen Bereichen top. Dafür muss der Messerfreund etwas tiefer in die Tasche greifen und beim Messerkontor 349,- Euro auf den Tresen legen. Kydexscheide und Teklok sind bei beiden Messern im Preis enthalten. Das Preis-Leistungs-Verhältnis geht für beide Messer in Ordnung.

Lucidus Heavy Duty und Thin Cut
Lucidus Heavy Duty und Thin Cut

Wenn ich mich zwischen Thin Cut und Heavy Duty  entscheiden müsste, würde meine Wahl auf das Heavy Duty fallen. Die fünf Millimeter starke Klinge des Heavy Duty könnte überall dort zum Einsatz kommen, wo der ohnehin mitgeführte Folder oder das Neck Knife überfordert wären. Ein kurzes Fixed Blade fürs Grobe.

Die Idee von Claudia und Wolfgang Rudi, ein Messermodell mit zwei Klingenstärken zu entwickeln und damit unterschiedliche Kundengruppen anzusprechen, ist ein neuer, interessanter Ansatz. Die Frage, ob der Kompromiss zwischen den Beschränkungen des Waffengesetzes und einem Outdoor-Messer funktioniert, muss jeder Messerfreund anhand des geplanten Einsatzprofils selbst entscheiden.


BKT Desert
BKT Marshland
BKT Snow
BKT Woodland

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