Das Waffengesetz für Messer in Schottland

Die Geschichte Schottlands liest sich beinahe wie das Who-is-Who der nordeuropäischen Geschichte. Kelten, Römer, Normannen, Wikinger. Alle haben ihren Anteil an der Geschichte des Landes und alle hatten scharf geschliffene Gegenstände aus Eisenlegierungen am Gürtel. Wer heute als Tourist mit einem Messer in Schottland unterwegs ist, unterliegt dem rigiden Waffengesetz für Messer in Schottland und riskiert sogar bei Bagatellverstößen eine Haftstrafe.

Inhalt und Übersicht

Wer nach Schottland reist und als Angler, Wanderer oder Outdoor-Sportler ein Messer mitführt, sollte das Waffengesetz für Messer in Schottland kennen. Da die waffenrechtlichen Bestimmungen in jedem europäischen Land unterschiedlich sind, lässt sich kein Wissen vom Heimatland auf das Reiseland übertragen. Das Wissen um gesetzliche Regelungen, Einfuhrbestimmungen und die Praxis im Land hilft, Ärger mit den Behörden zu vermeiden. Schließlich soll die schönste Zeit des Jahres nicht zum längsten Albtraum des Jahres werden…

Angler, Jäger, Wanderer und andere Outdoor-Sportler haben in Schottland ein Problem. Ein Problem mit ihren Werkzeugen. Egal ob eine Reise durch die Highlands, ein Besuch in Glasgow oder eine Tour entlang des Great Glen: In ganz Schottland gilt ein einheitliches Waffengesetz für Messer, das man als das schärfste der Welt bezeichnen kann.

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Messer in Schottland – Das Wichtigste in Kürze

Wie in England ist auch das schottische Waffengesetz äußerst restriktiv, was das Führen von Messern betrifft. Die Kurzform lautet: Jedes Messer unterliegt einem Führverbot, dessen Klinge länger als 7,5 cm (3 Zoll) ist. Auch bei den Öffnungs- und Verriegelungssystemen gibt es Einschränkungen. Legale Messer dürfen nicht einhändig zu öffnen sein und dürfen nicht über eine Klingenarretierung verfügen.

Was bleibt übrig? Ein Slipjoint mit Nagelhau zum Öffnen mit einer Klingenlänge unter 7,5 Zentimeter. Neben klassischen Taschenmessern im Kleinformat bleiben also nur einige Gentleman Folder, die kleinere Exemplare der Schweizer Offiziersmesser sowie eine Handvoll Messermodelle verschiedener Hersteller übrig.

England und Schottland haben bereits, was Deutschland im zweiten Halbjahr 2019 bekommen soll: Flächendeckende Waffenverbotszonen. In Glasgow und Edinburgh kann jeder Bürger oder Tourist von der Polizei gestoppt, befragt und durchsucht werden. „Stop-and-Search“ heißt das im Vereinigten Königreich. Allerdings ist man nicht gezwungen zu kooperieren. Lässt man die Durchsuchung zu und wird dabei ein Einhandmesser, ein Messer mit feststehender Klinge oder gar ein Kubotan gefunden, droht eine Haftstrafe!

Stop-and-Search

Die Rechte der Polizei

Ein Polizist kann Sie auf der Straße anhalten und fragen:

  • Wie heißen Sie?
  • Warum halten Sie sich in dieser Gegend auf?
  • Wohin sind Sie unterwegs?

Sie sind nicht verpflichtet anzuhalten und Fragen zu beantworten. Wenn kein begründeter Verdacht vorliegt, kann die Verweigerung anzuhalten und Fragen zu beantworten nicht als Grund für die Erzwingung einer Durchsuchung oder eine Inhaftierung dienen. Ohne einen begründeten Verdacht kann ein „Senior Police Officer“ eine Durchsuchung anordnen, wenn

  • schwere Gewalttaten drohen,
  • Sie möglicherweise eine Waffe mitführen,
  • Sie sich in einem besonders gefährdeten Gebiet aufhalten (Waffenverbotszone).

Eine Durchsuchung kann ein Polizist jederzeit erzwingen, wenn begründeter Verdacht besteht, dass Sie eine Waffe, Drogen, Diebesgut oder einen Gegenstand mitführen, mit dem eine Straftat begangen werden kann (z. B. Brecheisen).

Die beiden größten Städten des Landes, Glasgow und Edinburgh, sind de facto undeklarierte Waffenverbotszonen. Dort sollte überhaupt kein Gegenstand mitgeführt werden, der den Verdacht zulassen könnte, gefährlich zu sein. Obwohl die kleinen Slipjoints nicht verboten sind, kann es in den Metropolen deswegen zu Diskussionen mit der Polizei und auch zu einer eingehenden Durchsuchung des Messerbesitzers kommen.

Bevor Sie durchsucht werden

Der Polizist ist verpflichtet:

  • seinen Namen und seine Dienststelle nennen,
  • zu erklären, nach welchen Gegenständen er sucht,
  • zu begründen, warum Sie durchsucht werden sollen,
  • die Rechtsgrundlage für die Durchsuchung zu nennen,
  • auf Verlangen eine Bestätigung über die erfolgte Durchsuchung auszustellen.
Messer in Schottland dürfen nicht einhändig zu öffnen oder mit einer Klingenverriegelung ausgestattet sein.
Messer in Schottland dürfen nicht einhändig zu öffnen oder mit einer Klingenverriegelung ausgestattet sein.

Waffengesetz für Messer in Schottland

Die wichtigsten Regeln des schottischen Waffengesetzes für Messer in Kurzform. Es ist verboten:

  • Verbotene Messer oder verbotene Gegenstände in der Öffentlichkeit mitzuführen.
  • Ein Messer mit feststehender Klinge mitzuführen.
  • Ein Multitool zu führen, sofern es eine Klinge mit Verriegelungsmechanismus besitzt.
  • In der Öffentlichkeit ein Taschenmesser zu tragen, dessen Klinge verriegelt oder einhändig geöffnet werden kann und/oder dessen Klinge länger als 7,5 Zentimeter ist (3 Zoll).
  • Ein Messer in der Öffentlichkeit in drohender Weise zu verwenden. Dies gilt auch für erlaubte Messer.
  • Ein Messer an Personen unter 18 Jahren zu verkaufen oder zu überlassen. Ausgenommen sind in Schottland nur Bestecke, Besteckteile und Küchenmesser, sofern die Person das 16. Lebensjahr vollendet hat.

Wie für jedes andere Land gilt auch für Schottland: Fragen Sie die örtliche Polizei, ob Sie fernab der Metropolen als Outdoor-Sportler ein Messer mitführen dürfen. Vieles, was in Glasgow oder Edinburgh undenkbar ist, kann auf dem Land gestattet werden.

Verbotene Messer in Schottland

Verboten bedeutet: kein Import, kein Verkauf! Die Bezeichnungen, die im britischen und schottischen Waffengesetz verwendet werden, stehen in Klammern.

  • Jedes klappbare Messer, dessen Klinge verriegelt und durch einen Knopf oder ähnlichen Mechanismus entriegelt werden kann.
  • Balisong („Butterfly Knives“)
  • Gegenstände, die eine versteckte oder verdeckte Klinge besitzen („Disguised Knives“)
  • Taschenmesser, deren Klinge sich einhändig durch Fingerkraft, Schwerkraft oder durch einen Federmechanismus öffnen lässt (Flick Knives).
    (Anm. d. Red.: Betroffen sind alle Einhandmesser, Flipper, Fallmesser, Halb- und Vollautomaten!)
  • Nichtmetallische Gegenstände, die eine Schneide oder einen Sporn enthalten („Stealth Knives“).
    Messer mit einer Schneide und einer Rückensäge, die mit Worten oder Abbildungen kenntlich machen, dass sie zur Ausübung von Gewalt eingesetzt werden („Zombie Knives“).
  • Schwerter aller Art. Kein Besitzverbot besteht für antike Schwerter, die vor 1954 auf traditionelle Weise hergestellt wurden.
  • Stockdegen („Sword Sticks“)
  • Blasrohre („Blow guns“)
  • Schlagstöcke, Tonfa, Nunchaku und Telekopschlagstöcke („Telescopic Trucheons“)
  • Kubotan („Hollow Kubotan“)
  • Wurfsterne („Shaken“, „Death Stars“, „Throwing Stars“)
  • Schlagringe und Gegenstände, die sich bauartbedingt als Schlagring eignen („Knuckleduster“)
  • Gegenstände, bei denen ein Haken, eine Klinge oder ein Sporn an einem Seil befestigt ist („Kusari Gama“, „Kyoketsu Shoge“).

Akzeptierte Gründe Messer zu führen oder zu befördern

Wenn die Polizei ein Messer sicherstellt, wird ein Gericht darüber entscheiden, ob das Messer oder der Gegenstand legal getragen wurde und ob eine Bestrafung wegen des Mitführens des Messers erfolgt.

Akzeptierte Gründe können sein:

  • Transport von Messern aus beruflichen Gründen von oder zur Arbeit
  • Transport zu einem Museum oder einer Ausstellung, wenn das Messer dort gezeigt werden soll
  • Verwendung des Messers für Theateraufführungen oder Film, Fernsehen, Historische Nachstellungen („historical reenactment“)
  • Schulungszwecke, bei denen Personen in der Benutzung des Messers unterwiesen werden (?!)

Ausgenommen vom Führverbot sind Personen, die ein Messer, Dolch oder Säbel aus religiösen Motiven führen. Darunter fällt unter anderem das Kirpan der Sikhs, das ursprünglich als Kriegswaffe entwickelt wurde.

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Keine Ausnahmen für Outdoor-Sportler

Bei den akzeptierten Gründen ist zu beachten, dass jeglicher Hinweis auf einen Bedarf des Messerbesitzers oder einen „anerkannten Zweck“ fehlt. Also keine Rechtfertigung für einen Angler, ein Filetiermesser zu transportieren, kein Brotzeitmesser für Wanderer und schon gar kein Survival-Messer für Camper oder Outdoor-Fans. Polizisten können von einer Strafverfolgung absehen, wenn offenbar keine Gefahr durch den Messerbesitzer für die Öffentlichkeit ausgeht. Verbindlich geregelt ist die Einordnung allerdings nicht.

Auch bei der Mitnahme eines Messers gibt es eine abweichende Auslegung gegenüber Deutschland und den meisten EU-Staaten. In Schottland, wie auch im Rest Großbritanniens, wird nicht zwischen dem zugriffsbereiten Führen eines Messers und seinem Transport im verschlossenen Gepäck unterschieden.

Es ist also gleichgültig, ob eine Person ein nicht erlaubtes Messer am Körper führt, es in einem verschlossenen Behältnis oder im Kofferraum seines Fahrzeuges transportiert. Rechtlich relevant für den Vorwurf einer Straftat ist nur, dass er das Messer in der Öffentlichkeit im Besitz hat. In Schottland stellt der Besitz eines nicht legalen Messers keine Ordnungswidrigkeit, sondern eine Straftat dar.

Wegnahme des Messers und Geldstrafe sind garantiert, wenn es nicht den engen Vorschriften entspricht. Ein mehrstündiger Aufenthalt auf einer Polizeiwache ist wahrscheinlich und ein Gerichtsverfahren ist definitiv im Bereich des Möglichen.

Messerverbote in Schottland haben Tradition

Traditionen können in der Weitergabe des Feuers, aber auch in der Anbetung der Asche bestehen. Beim Waffenrecht für Messer in Schottland muss man von der zweiten Variante ausgehen. Seit 1959 ist das Waffenrecht mehrfach deutlich verschärft worden, ohne dass dies erkennbare Auswirkungen auf die Kriminalitätsrate gehabt hätte.

Schottische Traditionen gelten auch für Messer in Schottland

Vor einige Jahrzehnten galt Glasgow als die Verbrechenshauptstadt Europas und belegte im internationalen Ranking der Kriminalitätshochburgen einen vorderen Platz. Die Mordrate in Glasgow gehörte zu den höchsten der Welt und Gewaltkriminalität war allgegenwärtig.

Viele Bereiche Großbritanniens haben bis heute das gleiche Problem. Fachleute sehen den Grund in der gescheiterten Integrations- und Sozialpolitik des Vereinigten Königreichs.

Alle Verschärfungen des Waffenrechts konnten die negativen Entwicklungen nicht stoppen. Als keine weiteren Verschärfungen der Waffengesetze mehr möglich waren, wandte man sich alternativen Denkansätzen zu. Dabei wurden Polizei- und Sozialbehörden vernetzt. Potenzielle und überführte Gewalttäter wurden zu Informationsgesprächen geladen und mit deutlicher Ansprache auf die Unausweichlichkeit einer Haftstrafe hingewiesen. Parallel wurden Angebote zur Aus- und Weiterbildung unterbreitet, um Gefährder in die Gesellschaft zu integrieren.

Der „schottische Weg“ mit drakonischen Strafen bei Gewaltdelikten einerseits und Ausstiegsangeboten andererseits hat zu Erfolgen geführt. Die Fallzahlen im Bereich Gewaltkriminalität sinken seit einigen Jahren und die Mordrate in den Großstädten hat sich mehr als halbiert. Die wenig hilfreichen Verschärfungen der Waffengesetze blieben jedoch in Kraft.

Hinweise für Reisen nach Schottland

Anders als in England liegt die Promillegrenze für Kraftfahrer nicht bei 0,8 Promille, sondern bei 0,5 Promille.

Viele Gegenstände, die in Deutschland frei erworben werden können, dürfen nicht nach Schottland eingeführt werden. Dazu gehören unter anderem Reizgassprühgeräte und Schreckschusspistolen.

Wird bei einer Sicherheits- oder Zollkontrolle bei der Einreise ein verbotener Gegenstand festgestellt, ist mit der sofortigen Festnahme und einer Gerichtsverhandlung zu rechnen. Bei einer Verurteilung drohen hohe Geldstrafen. Auch Haftstrafen sind möglich.

In Deutschland ausgestellte Waffenscheine, kleine Waffenscheine oder Waffenbesitzkarten werden nicht anerkannt. Vor der Einreise mit legal besessenen Waffen sollte man sich unbedingt bei der britischen Botschaft oder bei einem der britischen Generalkonsulate in Deutschland nach den geltenden Regelungen und Vorschriften erkundigen.

Touristen sollten auf keinen Fall Anhalter mitnehmen. Sollte sich der Anhalter unberechtigt in Schottland aufhalten, droht ein Verfahren wegen „Beihilfe zur illegalen Einreise“. Dieses Delikt kann mit Haftstrafen bis zu zehn Jahren oder Geldstrafen bis zu 2.000 Pfund bestraft werden.

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