Die Messerszene ist ein Karussell. Neue Produkte kommen beinahe im Stundentakt und etablierte Modelle werden vom Markt genommen, sowie die Absatzzahlen zurückgehen. Kein Tag vergeht, an dem nicht ein Hersteller per Twitter ein neues Modell vorstellt. Reizüberflutung scheint das Zauberwort der Marketingstrategen zu sein, „Picture Bombing“ bis der Kunde kauft. Wohltuend sind dagegen Messer, die sich zwanzig und mehr Jahren nahezu unverändert am Markt behaupten können und die jedem Messerfan vertraut sind. Einem solchen Messer ist das heutige Review gewidmet: dem Small Sebenza von Chris Reeve.

Inhalt und Übersicht

25 Jahre sind in der Messerwelt eine kleine Ewigkeit. Zählen sie mal die Messermodelle an ihren Fingern ab, die seit über zwanzig Jahren auf dem Markt sind. Gut, da sind die Franzosen: Opinel, Laguiole und Dozorme – berühmt für die Kontinuität ihrer Erzeugnisse.

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Vermutlich reicht eine Hand zum Zählen trotzdem aus denn in der „modernen“ Messerwelt ist Schnelllebigkeit Trumpf.

Nur wenige Klassiker von großen Herstellern kratzen an der 20 Jahres Grenze, beispielsweise das Spyderco Military, das „Sere“ von Al Mar Knives oder das Benchmade 710.

Auf jeder Blade Show ergießt sich eine Flut neuer Modelle über die Messerszene. Alle Hersteller fahren auf dem immer schneller drehenden Karussell der Produktneuheiten mit. Alle? Nein! Eine kleine Firma leistet Widerstand genauso wie das berühmte gallische Dorf von Asterix und Obelix. Im Gegensatz zum erwähnten Dorf existiert diese Trutzburg der Kontinuität im realen Leben. Es ist die Firma Chris Reeve Knives aus Boise im amerikanischen Bundesstaat Idaho.

Das Messer im Review ist das abgebildete Small Sebenza mit Damastklinge und Cocobolo Inlays. Es steht stellvertretend für das Sebenza Standardmodell sowie die wenigen anderen Sonderversionen mit Klingen aus CPM-S30V und Inlays aus Carbon oder anderen Edelhölzern.

Small Sebenza Damastklinge
Small Sebenza mit Klinge aus Devin Thomas Damast und Cocobolo Inlays

Chris Reeve Sebenza und Small Sebenza

1987 begann Chris Reeve mit der Entwicklung des Sebenza. Geplant war ein klappbares Messer, das eine so große Klinge besaß, dass es allen Alltagsaufgaben gewachsen war und das gleichzeitig klein genug war, um es ständig bei sich tragen zu können. Bis 1990 erprobte Chris Reeve unterschiedliche Bauformen und Bearbeitungstechniken und verfeinerte sein Konzept kontinuierlich.

Don’t hurry a folder„, ist einer seiner Ratschläge, den er schon vielen Kollegen mit auf den Weg gab. Um seine Messer mit einer stabilen, zuverlässigen Verriegelung ausstatten zu können, konstruierte er den Mechanismus, den wir heute als Framelock bezeichnen. Bei Chris Reeve heißt diese Verriegelungsmethode „Sebenza Integral Lock“ (SIS). Viele andere Hersteller haben das Framelock übernommen, manche Hersteller – zum Beispiel Spyderco – erweist dem Erfinder die Ehre und nennt das Framelock noch heute „Reeve Integral Lock„.

Im Jahr 1989 wanderte Chris Reeve mit seiner Frau Anne von Südafrika in die USA aus. Seit 1990 wird das Sebenza Classic, dessen Serienversion wir als Sebenza 21 kennen, nahezu unverändert gebaut. Der Name entstammt der Sprache der Zulu und bedeutet „Arbeit“. Viele Messer von Chris Reeve tragen Namen die auf Begriffe des „Isizulu“, der Sprache der Bantu zurückgehen, Umnumzaan („Chef„) oder „Mnandi“ („schön, appetitlich“) sind nur zwei Beispiele.

Chris Reeve Small Sebenza Titan

Das Sebenza ist seit gut 20 Jahren auf dem Markt und hat verschiedene Evolutionsstufen durchlaufen.

Mit diesem Messermodell begann die internationale Karriere von Chris Reeve und garantierte der Firma zwei Jahrzehnte lang gute Umsätze.

Das Large Sebenza besitzt eine Klinge von 92 mm Länge und wird dem Anspruch von Chris Reeve, allen Alltagsaufgaben gewachsen zu sein in der Praxis gerecht. Viele Messerfreunde wünschten sich jedoch ein etwas kleineres Messer, das keine Hosentasche ausbeult und als Begleiter im Berufsleben taugt. So war die Entwicklung des Small Sebenza schnell beschlossene Sache.

Chris Reeve Small Sebenza

Das Small Sebenza scheint eine beinahe maßstabsgetreue Verkleinerung des Sebenza 21 zu sein. Tatsächlich gibt es aber eine Reihe von Veränderungen, die hauptsächlich besserer Ergonomie und Handhabung geschuldet sind. Trotzdem ist es nicht einfach, auf einem Foto ohne Größenmaßstab zu bestimmen, ob das Bild ein Sebenza 21 oder ein Small Sebenza zeigt.

Technische Daten Small Sebenza

Chris Reeve Small SebenzaDaten und Ausstattung
Messertyp Titan Framelock Folder mit Einhandöffnung
Klingenlänge / Schneide75 mm / 76 mm
Klingenstärke3,175 mm
Klingenform Drop Point, mit leichtem Hohlschliff
Klingenhöhe23 mm an der Klingenwurzel
KlingenstahlCPM-S30V, später CPM-S35VN oder Damastklinge
Länge offen / geschlossen175 mm / 101 mm
GriffmaterialTitan, bei Sondermodellen mit Inlays oder Gravuren
Gewicht80 bis 85 Gramm je nach Klingenstahl

Die gesamte Small Sebenza Familie umfasst neben dem Standardmodell mit S35VN Klinge und Titan-Griffschalen eine Vielzahl von Ausstattungsvarianten. Abmessungen und Geometrie des Small Sebenza ändern sich bei diesen Varianten nicht, sodass wir trotz unterschiedlichen Aussehens vom gleichen Messer sprechen können. Für Freunde von Damaststahl fertigt Chris Reeve für alle Sebenza Klingen aus Damast von Devin Thomas. Nur Stähle mit besonders schöner Maserung kommen beim Sebenza zum Einsatz, und tragen einen zu ihrem Muster passenden Namen.

Alle Griffe für die Sebenza fertigt Chris Reeve aus Titan, bei Sondermodellen können die Griffschalen mit Einlagen aus Cocobolo, Bocote, Snakewood, Micarta oder Carbon verziert sein. Alle Produkte tierischen Ursprungs, zum Beispiel das umstrittene Elfenbein, hat Chris Reeve vor einiger Zeit aus dem Programm genommen.

Small Sebenza mit CGG Grafik

Eine weitere Möglichkeit ein Chris Reeve Sebenza optisch aufzuwerten sind die mittels Computer gesteuerter Frästechnik (CGG, Compunter Generated Graphics) gravierten Titan-Griffschalen. Die Motive sind zahlreich und reichen von einer dem Damaststahl der Klinge nachempfundenen Muster bis zu bunten, fast psychedelisch wirkenden Collagen, zeigen Tiermotive oder bilden Ereignisse der amerikanischen Geschichte ab.

Das Small Sebenza in der Praxis

Das Serienmodell mit S35VN Klinge bringt gerade einmal 85 Gramm auf die Waage, das Sondermodell mit der Damastklinge von Devin Thomas sogar nur 80 Gramm. Das Small Sebenza passt selbst bei leichter Sommerbekleidung problemlos in jede Tasche und wird durch den 55 mm langen Taschenclip aus 6Al4V Titan sicher festgehalten.

Das Öffnen des Messers erfolgt über einen Daumenpin, der beim Standardmodell ebenfalls aus Titan besteht und in höheren Preisklassen vergoldet sein kann.

Diese Pins werden werksseitig eingepresst und sind ohne Spezialausrüstung nicht zu entfernen. Nicht wenige Messerfans haben beim Versuch, den Pin zu entfernen, die Klinge des Messers ruiniert.

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Als Verriegelung des Small Sebenza dient der bereits erwähnte „Sebenza Integral Lock“ oder Framelock. Dabei legt sich bei geöffneten Messer ein Titanarm so in eine Aussparung der Klinge, dass diese spielfrei verriegelt wird. Zum Entriegeln des Messers schiebt man den Lock Arm nach außen, bis er die Klinge freigibt. Der Taschenclip fungiert dabei als Endanschlag der Lock Bar, so dass diese nicht versehentlich überdehnt werden kann.

Das Small Sebenza punktet nicht mit Individualisierungsmöglichkeiten. So wenig wie sich der Daumenpin demontieren lässt, kann man den Taschenclip umsetzen. Das sieht auf den ersten Blick nach einem Manko aus, wird aber durch die Tatsache relativiert, dass es das Small Sebenza in einer Rechts- und einer echten Linkshänderausführung gibt.

Selbstverständlich wird beim Linkshändermodell die Klinge durch Druck von links auf die Lock Bar entriegelt. Es handelt sich also um ein „echtes“ Linkshändermodell, dass praktisch spiegelverkehrt konstruiert ist und nicht nur durch das Umsetzen von Daumenpin und Taschenclip auf „Links“ getrimmt wird.

Chris Reeve Small Sebenza Framelock

Der von Chris Reeve erfundene Framelock verriegelt die Klinge sicher und trat einen Siegeszug rund um die Welt an.

Die Verarbeitungsqualität des Messers von Chris Reeve kann man mit einem Wort beschreiben: Perfekt! Es gibt keinen Winkel und keine Ecke in dem das Oberflächen-Finish nicht absolut makellos ist, alle Fräskanten und Bohrungen sind mit absoluter Präzision ausgeführt. Lange Rede – kurzer Sinn: Besser kann man es auf dem heutigen Stand der Technik nicht machen.

Die Handhabung des Small Sebenza im Alltag ist praxisgerecht und völlig problemlos. Das Messer lässt sich ohne Kraftaufwand öffnen, entriegeln und schließen. Obwohl das Small Sebenza eher den kleinen Foldern zuzurechnen ist, lässt es sich auch mit Händen der Handschuhgröße 10 gut bedienen. Die Länge des Griffs ist soeben noch ausreichend, um das Small Sebenza sicher zu halten und volle Kontrolle über den Schnitt auszuüben.

Die Klingen des Small Sebenza Standardmodells besitzen ein feines und völlig gleichmäßiges Stonewash Finish. Die seitlichen Kanten des Klingenrückens sind abgerundet, so dass man bei diesem Messer nie das Gefühl hat, auf eine scharfe Kante zu greifen. Das Handgefühl ist angenehm und auch längeres Arbeiten mit dem Small Sebenza ändert an diesem Eindruck nichts.

Schliff, Schärfe, Schneidleistung. Es ist fast peinlich diese Eigenschaften überhaupt zu erwähnen. Natürlich geben sich weder Chris Reeve noch das Small Sebenza in diesen Punkten eine Blöße. Das einhändige Öffnen benötigt etwas Geschick, da der Kraftwinkel, wie auch bei anderen Taschenmessern von Chris Reeve Knives, etwas anders gewählt ist.

Small Sebenza – Fazit

Das Small Sebenza von Chris Reeve kommt dem perfekten Messer schon beängstigend nahe. Man kann das Messer und seinen Stil mögen oder nicht aber Schwächen sind selbst für einen kritischen Geist nicht auszumachen. Dieses Urteil relativiert den Preis. Natürlich gibt es Messer dieser Qualitätsstufe nicht als Sonderangebot, der Einstiegspreis für ein Small Sebenza liegt im Fachhandel konstant im Bereich um 400 Euro. Sondermodelle mit Damastklinge und Inlays können locker das Doppelte kosten.

Small Sebenza, Plain und Damast

Klassisches Gentleman Messer, EDC oder erlesenes Sammlerstück, das Sebenza kann alle Welten bedienen.

Ist das Small Sebenza seinen Preis wert? Ja, und zwar aus zwei Gründen. Erstens erhält man ein in jeder Hinsicht hervorragendes Messer und zweitens, die Messer von Chris Reeve verlieren kaum an Wert, langfristig gesehen steigt der Wert sogar leicht an. Diese in der Messerszene fast einmalige Wertstabilität ist das Ergebnis von Qualität bei gleichzeitiger Kontinuität in der Modellpolitik. Die Anschaffung eines Small Sebenza von Chris Reeve ist also nicht nur ein Messerkauf, sondern gleichzeitig auch eine gute Investition!


BKT Desert
BKT Marshland
BKT Snow
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Links und Bewertung

Chris Reeve Small Sebenza - Bewertung