Manche Geschichten in der Messerszene klingen eher nach einer Story aus Hollywood. Mit einem Drehbuch, in denen ein unglaublicher, beinahe verrückter Gedanke aufflackert und sich in Rekordzeit zu einer erfolgreichen Geschäftsidee entwickelt. Die Rede ist von Daily Customs oder der Idee, auswechselbare und individualisierte Griffschalen für Schweizer Taschenmesser herzustellen. Einem erfolgreichen aber leicht angestaubten Messerkonzept ein neues Outfit verpassen – das klang anfänglich nach einem Nischenprodukt mit begrenztem Potenzial. Doch weit gefehlt, Daily Customs schreibt seit drei Jahren eine lupenreine Erfolgsgeschichte.

Inhalt und Übersicht

Schweizer Taschenmesser sind eine Institution. Auch wenn es mittlerweile eine Handvoll Anbieter dieser Messer gibt, beherrscht die Schweizer Firma Victorinox diese Produktkategorie seit Jahrzehnten. Deren Messer kennt jedes Kind: Kleine Taschenmesser, die als Mehrwert eine unterschiedliche Zahl von zusätzlichen Werkzeugen mitbringen. Die Spanne der Tools reicht von Scheren über Sägeblätter bis zum Marlinspike und von der Mini-Pinzette bis zum USB-Stick. Das Swiss Army Knife oder SAK ist ein Messer, das auch Menschen ein Begriff ist, die sonst mit Messern nichts am Hut haben.

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Wer hat’s erfunden? Die Schweizer!

Erfolgsgarant der Schweizer Taschenmesser ist ihre Wandlungsfähigkeit. Durch die Skalierbarkeit der Ausstattung können völlig unterschiedliche Kundengruppen angesprochen werden.

Der Gedanke des preiswerten und sozial verträglichen Universalmessers für jedermann lebt. Bis heute!

Doch so wandlungsfähig das klassische Schweizer Taschenmesser hinsichtlich seiner Ausstattung und seiner Einsatzgebiete auch sein mag, genauso eintönig war lange Zeit seine optische Aufmachung. Rote Kunststoffgriffschalen mit weißem Kreuz sind das Markenzeichen von Victorinox und zieren den allergrößten Teil der Schweizer Messer. Diese Optik repräsentiert das Produkt wie seinerzeit die orangefarbene Creme21 Dose oder die kultige Spültante Tilly ihre handfreundliche Flüssigseife.

Aber Victorinox musste erkennen, dass der optische Wiedererkennungseffekt bei Messern nicht nur positive Effekte hat. Messer sind keine Verbrauchsartikel wie Creme oder Spülmittel und viele Messerbesitzer kaufen keine neuen Modelle, wenn sie so aussehen, wie die Messer in ihrer Gürteltasche. Griffschalen aus Plastik oder Aluminium in verschiedenen, teils poppigen Farben und sporadische Holzgriffschalen lindern zwar das Problem und generieren zusätzliche Verkäufe, ohne allerdings das Problem an der Wurzel zu packen.

Griffschale von Daily Customs als Einzelanfertigung
Da muss Emily schmollend passen: Daily Customs Griffschale (Design: Sten Schiller) für ein SAK

Der marketingtechnischen Notwendigkeit, das eigene Produkt optisch so zu modifizieren, dass nicht nur neue Kundenschichten angesprochen werden und Zusatzverkäufe möglich werden, hat sich Victorinox lange Zeit nicht gestellt. Kein Wunder also, dass ein pfiffiger Erfinder diese Marktlücke mit Leben erfüllt.

Daily Customs

Serienmesser pimpen. Dieser Gedanke ging Messerfan Jannik Ostermoor durch den Kopf, als er im Sommer 2017 – mit einem klassischen Swiss Army Knife ausgestattet – eine mehrwöchige Radtour durch Norwegen unternahm. Endlose Straßen gen Norden und jeden Tag acht Stunden im Sattel, da bestand jede Menge Zeit, die Gedanken kreisen zu lassen. Und Janniks Gedanken kreisten. Um Messer. Genauer gesagt, um das Schweizer Taschenmesser in seinem Rucksack.

Beim Radeln entwickelt sich eine Idee. Nicht plötzlich, wie bei einem Blitzschlag, sondern allmählich, gleich einem über den Horizont emporkriechenden Nordlicht. Schweizer Messer veredeln. Neue Griffschalen aus hochwertigen Materialien. Gedanken schießen umher! Unterschiedlich gestaltete Oberflächen. Silber, Bronze, Damast, Titan. Neue Ornamente, persönliche Motive, Einzelstücke. Ein veredeltes Alltagsprodukt mit individueller Gestaltung. Custom Knives für den täglichen Gebrauch. Daily Customs!

Zurück in Hamburg beginnt die Realisierung der Idee. Der Glücksfall ist, dass Janniks Vater einen metallverarbeitenden Betrieb besitzt und Jannik schon als Heranwachsender Erfahrungen im Drehen, Fräsen und Bohren sammeln konnte. Jannik studiert Betriebswirtschaft und rechnet seine Ideen mit spitzem Bleistift durch. Erste Experimente. Nach kurzer Zeit stößt mit Pierre ein Designprofi zum Team. Entwürfe werden gezeichnet, Prototypen gefertigt und zahllose Tests absolviert. Einige Monate später liegen die ersten serienreifen Griffschalen für ein Schweizer Armeemesser auf dem Tisch.

Griffschalen für das Swiss Army Knife

Die Produktidee von Daily Customs ist schnell erklärt. Das Urprodukt von Daily Customs sind Griffschalen aus Metall für das Swiss Army Knife (SAK 91) von Victorinox. Hinter der Zahl verbirgt sich weder eine Modellbezeichnung noch eine Jahreszahl, sondern ganz schlicht die Länge der Griffplatinen in Millimeter, die sich umgangssprachlich zur Unterscheidung der Messermodelle eingebürgert hat. Seit dem Start ist die Produktpalette von Daily Customs deutlich gewachsen und umfasst neben 58 Millimeter langen Griffschalen für das „Schlüsselbund SAK“ auch Beads, Pouches und weiteres Zubehör.

Griffschalen aus Titan für das SAK 91 von Daily Customs

Griffschalen aus Titan der Modellreihe 91.2 mit graviertem Kreuz und Bohrungen für einen Taschenclip.

Kaum 40 Euro kostet ein SAK von Victorinox mit roten Plastikgriffschalen und bringt für diesen Preis eine umfangreiche Werkzeugausstattung mit. Die Griffschalen lassen sich mit einem spitzen Gegenstand und einem flachen Hebel lösen, ohne zu brechen. Nun ist Platz für die Griffschalen von Daily Customs, die nach gründlicher Reinigung der Platinen mit dem beiliegenden Spezialkleber fixiert werden. Mit Klemmen werden die Griffschalen einige Stunden fixiert, bis der Kleber getrocknet ist. Daily Customs erklärt den Umbau Schritt-für-Schritt auf seiner Homepage.

Sind die Plastikgriffschalen erst einmal entsorgt, liegt ein nicht nur ein deutlich wertvolleres Messer, sondern ein Custom auf dem Tisch. Ein Messer, dass sein Besitzer selbst nach seinem Geschmack individualisiert hat. Modding nennt man Umbau und Individualisierung von Serienmessern in der Szene, wobei nie gesagt ist, dass das Endprodukt besser aussieht oder besser funktioniert als das Ausgangsmodell. Aber bei den mit großer Liebe zum Detail gefertigten Griffschalen von Daily Customs besteht in diesem Punkt kein Grund zur Sorge, denn die Griffschalen sind ebenso aufwendig gestylt wie passgenau.

Daily Customs – Haptik und Style

Mit den Griffschalen von Daily Customs ändert das Schweizer Armeemesser seinen Charakter. Das billig wirkende Plastik ist verschwunden und das Messer ist kein anonymes Massenprodukt mehr. Plötzlich wirkt das Messer wertig, hat spürbar an Gewicht zugelegt und macht subjektiv einen deutlich stabileren Eindruck. Gebrauchseigenschaften und Qualität der Schweizer Armeemesser waren schon immer gut, kommen nach dem Umbau aber tatsächlich auf einem höheren Niveau zur Geltung. Der Effekt ist faszinierend: Durch den Wechsel der Griffschalen wird ein Massenartikel zum Premiumprodukt.

Mit den Griffschalen von Daily Customs ist man nicht auf einen einzigen Individualisierungslevel festgelegt. Die Griffschalen einer Modellreihe besitzen ein eingefrästes Kreuz (Modell 91.2), bei der Serie 91.1 befindet sich an dieser Stelle eine Bohrung. Auf der Innenseite der Griffschale lässt sich eine runde Scheibe in eine Aussparung einlegen, sodass das stilisierte Schweizerkreuz nicht nur plastisch, sondern – wenn gewünscht – auch in anderer Farbe dargestellt werden kann.

Daily Customs Griffschalen in Box

Griffschalen der Modellreihe 91.1 aus Messing für das SAK 91 mit zusätzlichem Cross Inlay aus Mokume.

„Cross Inlay“ nennt Daily Customs diese Metallscheiben. Jedem Griffschalenpaar liegt ein Cross Inlay aus dem gleichen Material und in gleicher Farbe bei. Kupfer, Messing und Titan sind als Basismaterialien verfügbar, aber wer sein Schweizer Messer edler gestalten möchte, kann auch auf Titandamast oder Mokume zugreifen. Das Cross Inlay verleiht dem Kreuz ungewohnten Style und ermöglicht eine individuelle Kombination.

Jedes Cross Inlay passt in jede 91.1er Griffschale, was eine Vielzahl sehr individueller Kombinationen ermöglicht. Ein Wechsel des Cross Inlay ist jedoch nicht ohne Weiteres möglich, da die verklebte Griffschale gelöst werden muss, um das Inlay wechseln zu können.

Das Faszinierende ist, dass Daily Customs die gewohnte Logik umgekehrt hat: Man kauft sich keine neuen Griffschalen für sein Messer, sondern gelegentlich ein neues Messer für seine Griffschalen!

Material, Qualität Passgenauigkeit

Die Produkte von Daily Customs gehören zum Luxussegment, denn sie steigern oder verbessern die Gebrauchsfähigkeit des Messers nicht. Der Gesamtwert von Griffschalen und Cross Inlay können den Anschaffungspreis des Messers locker um das Zehnfache übersteigen. Luxus pur, wie eine Feder aus Gold für den Lieblingsfüller oder Karosserieteile aus Carbon für Papas Rennsemmel.

Luxus macht Spaß, aber nur, wenn er sich sehen und fühlen lässt. Dazu gehören, neben der edlen Haptik, natürlich feinste Materialqualitäten und eine makellose Verarbeitung.

Dass diese drei Komponenten die Eckpfeiler des Erfolges bilden würden, war Jannik schon auf seiner Radtour klar.

Heute lebt Daily Customs den Qualitätsgedanken wie kaum eine andere Firma.

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Fertigungstoleranzen im hundertstel Millimeter Bereich sind bei Daily Customs ebenso Standard wie die Unternehmensphilosophie, alle Herstellungsschritte im eigenen Haus durchzuführen und auf Lohndienstleister soweit wie möglich zu verzichten. „Nur so behalten wir volle Kontrolle über die Qualität unserer Produkte, können notwendige Korrekturen ohne Verzögerung umsetzen und die Qualitätskontrolle bereits im Produktionsprozess verankern“, begründet Jannik Ostermoor seine Entscheidung im Knife-Blog Interview.

Natürlich die Frage von Knife-Blog, warum die Griffschalen auf den Platinen nicht einfach mechanisch verriegelt werden, denn dann könnte man sie jederzeit wechseln und so das Messer an Stimmung oder Outfit anpassen. Bei der Antwort druckst Jannik etwas herum, bevor er sagt: „Das würden wir gerne machen, aber dazu müssten der Verriegelungsmechanismus und die Pins auf den Platinen perfekt zueinander passen. Dafür ist die Exemplarstreuung bei Victorinox leider zu hoch und wir könnten die perfekte Funktion nicht bei allen Messern garantieren.

Griffscshalen aus Mokume von Daily Customs

Bei der Materialwahl setzt Daily Customs auf Qualität aus Deutschland. Titandamast, Mokume und handgeschmiedeter Damast kommen von Markus und Lukas Balbach.

Luxus muss nicht immer aufdringlich oder hochglänzend sein. Seit Jahren gibt es in den USA Airbrush-Künstler, die nagelneue Luxusschlitten für fünfstellige Beträge per Sprühpistole mit Beulen, Rostflecken und Einschusslöchern versehen. Für den trendigen „Used Look“ werden auch Designerjeans mit Schrotflinten malträtiert oder Messerklingen künstlich oxidiert.

Messerfans haben nun eine weitere Option und können sich bei Daily Customs in der Kategorie „Rusty Ti“ bedienen. Das Rusty Finish entsteht durch eine spezielle Oberflächenbehandlung des Titans, bei der die Griffschalen eine Färbung annehmen, als wären sie bereits seit Jahrzehnten im Gebrauch.

Customs und Kleinserien

Anfänglich hat Daily Customs tatsächlich Einzelanfertigungen von Griffschalen nach Kundenwunsch angefertigt. Das Messer im Titelbild stammt aus dieser Zeit. Inzwischen sind individuelle Motive auf den Griffschalen nicht mehr möglich, erklärt Jannik im Interview. „Die Abstimmung eines Motivs mit dem Kunden ist sehr zeitaufwendig, zudem müssen wir die Griffschalen schon in einem frühen Stadium aus dem Produktionsprozess nehmen und von Hand bearbeiten. Wir haben schlicht gesagt nicht genügend Manpower, um diesen Service weiterhin anbieten zu können und qualifizierte Mitarbeiter sind kaum zu finden.“

Tipp: Wer Griffschalen nach eigenen Entwürfen herstellen lassen möchte kann sich an Peter Döring oder Sten Schiller wenden.

Messerfans, die ein möglichst individuelles SAK tragen möchten, können die Website von Daily Customs sowie die Social Media Kanäle im Auge behalten. Von Zeit zu Zeit werden limitierte Sonderserien angeboten, die sich durch edle Materialien, besondere Motive oder beides auszeichnen.

Einzelstück von Daily Customs
Jetzt wird sogar der Rolls blass….

Der Erfolg in Deutschland, Österreich und der Schweiz bringt Daily Customs auch ohne die Anfertigung von Einzelstücken an die Kapazitätsgrenze, wie sich an den häufigen Einblendungen „Ausverkauft“ oder „Geringer Lagerbestand“ im Onlineshop der Firma ablesen lässt. Beide Texte werden zukünftig wohl sogar eher häufiger als seltener zu lesen sein, denn Daily Customs steht der Sprung über den Teich bevor. Die ersten Messerfans in den USA sind auf die „Incredible Kraut Factory“ aufmerksam geworden und Lieferungen nach New York oder San Francisco sind keine Seltenheit mehr.

Zukunftspläne von Daily Customs

Der nächste logische Schritt für Daily Customs wäre die Vorstellung eines eigenen Messermodells. Natürlich mit individualisierbaren Griffschalen, natürlich aus eigener Produktion und natürlich in der gewohnten Qualität.

Zukunftsmusik? Nein! Das Messer ist bereits in der Planung, ein bekannter Messermacher soll seine Erfahrungen ins Design einbringen und als technischer Ratgeber fungieren. Die entsprechenden Gespräche laufen derzeit und Entwurfsskizzen für das kleine Fixed Blade liegen längst im Tresor. Mehr darf Knife-Blog in diesem Stadium leider noch nicht verraten…


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