Wenn sich drei Männer abends auf ein paar Bier zusammensetzen, kann viel herauskommen. Gutes, Schlechtes oder GiantMouse als neuer Hersteller für Taschenmesser. So geschehen an einem Abend während der Blade Show 2015, als Jens Ansø und Jesper Voxnaes mit ihrem amerikanischen Geschäftspartner Jim Wirth die anstrengenden Stunden auf der Show entspannt ausklingen lassen wollten. Doch Messerverrückte kennen auch nach einem Arbeitstag auf der Blade Show nur ein Thema: Messer! Worte und Ideen flogen durch den Raum. Am Ende stand der Plan, die wohl verrückteste Messerfirma der Welt zu gründen. GiantMouse.

Inhalt und Übersicht

GiantMouse wurde als internationales Unternehmen geboren, zwei Designer aus Dänemark, ein Unternehmer aus den USA und eine Produktionsfirma in…? Dazu kommen wir später. Dass GiantMouse keine eigenen Fabrikhallen bauen würde, war vom ersten bis zum letzten Bier klar. Zu teuer, zu langwierig und letztlich hätte der Preisdruck aus Asien weder kurz- noch langfristig schwarzen Zahlen ermöglicht.

Neugründungen von Messerfirmen sind selten und noch seltener sind erfolgreiche Projekte, die weltweite Aufmerksamkeit erzielen.

Messermacher ausgenommen.

Stattdessen Designer mal als Selbstvermarkter mit eigenem Shop. So wird GiantMouse zu einer Besonderheit in der Messerszene, vor allem auf dem amerikanischen Markt.

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Designer, die mit etablierten Herstellern der Messerszene zusammenarbeiten, sind eher die Regel als die Ausnahme. Ansø und Voxnaes arbeiten seit Jahren mit Firmen aus Europa, den USA und Fernost zusammen, die bezahlbare Messer nach Entwürfen der Designer in Serie fertigen. Was also ist neu an der Idee hinter GiantMouse? Neu ist, dass neben dem Design auch der gesamte Produktionsprozess von der Materialwahl bis zur Qualitätskontrolle in den Händen der Entwickler bleibt.

Jens Ansø und Jesper Voxnaes haben durch GiantMouse ihr Mitspracherecht gegen die absolute Kontrolle über das Produkt getauscht. Bei der Zusammenarbeit mit einem weltweit agierenden Partner sind Kompromisse unerlässlich. Financial Controller knapsen am Klingenstahl herum, Techniker passen Linienführungen den Fähigkeiten ihrer Maschinen an und Marketingabteilungen verlangen Modefarben, vermeintlich angesagte Griffmaterialien und manchmal auch zweifelhafte Namen.

Giant Mouse Nimbus V2, Micarta

Die Firma GiantMouse

Die Freiheiten und Möglichkeiten, die sich Jens Ansø und Jesper Voxnaes mit dem Projekt GiantMouse geschaffen haben, gehen weit über die Gestaltung von Messermodellen hinaus. Egal ob Kooperationen mit Böker, Spyderco oder Real Steel, ein Messer aus einer Kooperation bleibt immer ein Böker, Spyderco oder Real Steel Messer. Der Kooperationspartner redet in allen Belangen mit und bestimmt letztlich auch die Preisgestaltung. Schließlich weist er dem Messer einen Platz in seiner Produktpalette zu und übernimmt das Marketing.

Bei GiantMouse ist alles anders. Die eigene Marke gewährt volle Kontrolle über alle Bereiche des Marketings, von der eigenen Homepage bis zur Preisgestaltung. Letzteres ist Ansø und Voxnaes wichtig, denn bezahlbare Qualität für jedermann zu produzieren, ist ein Grundgedanke des skandinavischen Designs (vergl. „Skandinavisches Design“ im Artikel zum Chefmesser Böker Pure).

Ein Leitmotiv des skandinavischen Designs ist die Demokratisierung von Qualität. Das bedeutet in der Praxis, hochwertige Produkte zu erschwinglichen Preisen zu produzieren und sie dadurch einer großen Käuferschicht verfügbar zu machen. Produkte zu schaffen und dabei auch die soziale Verantwortung nicht außer Acht zu lassen ist ein weiterer Ansatz von GiantMouse. Für jedes verkaufte Messer spendet die Firma zehn US-Dollar an die Organisation „Save the children“, die in vielen Ländern Not leidende Kinder unterstützt und Bildungseinrichtungen fördert.

Der Firmenname GiantMouse ist für einen Messerhersteller mehr als ungewöhnlich und dürfte sowohl der späten Stunde wie auch dem einen oder anderen Bier geschuldet sein. Der Name zeugt nicht nur von Humor, sondern beinhaltet auch eine Anspielung auf ein gängiges amerikanisches Sprichwort.

Build a better mousetrap and the world will beat a path to your door.
Bau eine bessere Mausefalle und die Welt wird an deine Tür klopfen (sehr frei übersetzt).

— Ralph Waldo Emerson

Das Sprichwort wird dem amerikanischen Philosophen und Schriftsteller Ralph Waldo Emerson zugeschrieben und stammt aus einer 1871 gehaltenen Rede. Übertragen bedeutet es: Mach deine Sache gut und der Erfolg kommt von allein. Große Fallen fangen große Mäuse. Oder viele Kunden. GiantMouse!

Folgerichtig zeigt das Logo der Firma eine stilisierte Maus, doch das Spiel mit Begriffen und Akronymen ist damit noch nicht erschöpft. Die Produktlinie der preisgünstigen Taschenmesser von GiantMouse trägt den Namen „ACE“, der wohl eine Doppelbedeutung besitzt.

Giant Mouse Nimbus V2, open, front

Einerseits steht „Ace“ für Topleistung, also für Asse in Sachen Messerbau. Anderseits steht die Abkürzung ACE in der amerikanischen Umgangssprache – unter anderem – für „Adverse Childhood Experiences“ womit traumatische Kindheitserlebnisse gemeint sind. Eine Anspielung auf die Unterstützung von GiantMouse für das Projekt „Save the children“. Ebenso gut kann man die Abkürzung „ACE“ als „A Cool Experience“ interpretieren. Jeder darf sich nach seinem Gusto eine Variante aussuchen…

GiantMouse Nimbus V2

Bei der Verpackung beschränkt sich GiantMouse aufs Wesentliche. Eine einfache Pappschachtel ohne Pouch beherbergt das in Luftpolsterfolie gewickelte Nimbus V2. Dafür Lobenswertes beim Klingenstahl: Elmax! Dieser Klingenstahl war schon so oft Thema bei Knife-Blog, dass für dieses Review ein kurzer Satz reicht: Gute Wahl!

Das GiantMouse Nimbus V2 ist ein Einhandmesser mit einer Klingenbohrung zum Öffnen. Das tropfenförmige Loch ist groß genug um die Klinge bequem anheben zu können. Ein Kicker ist nicht vorhanden. Die Formgebung der Klinge orientiert sich an einer klassischen Drop Point, weist mit dem ausgeprägten Bogen der Schneide aber auch Ähnlichkeit mit der Klinge eines Puuko auf. Die Schleifkerbe ist winzig und wurde weit hinten am Ricasso untergebracht. Dadurch geht kaum Platz für die nutzbare Schneide verloren und so reichen die 76 Millimeter der Klinge für eine respektable Schneide von 83 Millimetern Länge.

Die Klinge des GiantMouse Nimbus V2 verriegelt per Liner Lock. Zugegeben, ich bin nicht der größte Fan des Liner Locks, aber die Variante am GiantMouse Nimbus V2 kann sogar mich überzeugen. Weil sie unglaublich stabil ausgeführt ist und die Klinge dementsprechend satt arretiert. Beinahe wie ein Framelock und ebenso gut zu bedienen.

Material, Technik, Ergonomie

Der pulvermetallurgische Elmax Klingenstahl zeigt, dass Jens Ansø und Jesper Voxnaes nicht ein paar Cent an der falschen Stelle sparen wollen. Ebenso kompromisslos ist die Wahl beim Griffmaterial: Micarta. Das Vormodell des Nimbus war auch auch mit schwarzen oder grünen Griffschalen aus G-10 zu bekommen; Geld sparen lies sich dadurch nicht. Auf der Homepage von GiantMouse unterscheiden sich die Preise zwischen der Micarta und der G-10 Version nicht.

Selbst wenn das GiantMouse Nimbus V2 mit Micarta-Griff 30 Dollar Aufschlag kosten würde, wäre dieses Griffmaterial erste Wahl. Es passt hervorragend zu diesem Messer. Das haptische Erlebnis der leicht strukturierten Griffoberfläche ist dem technisch-kühlen Griffgefühl eines G-10 Griffs weit überlegen.

Auch auf der technischen Seite zeigt sich beim GiantMouse Nimbus V2 die Absicht seiner Macher, ein funktionales Taschenmesser auf die Beine zu stellen.

Die 3,5 Millimeter starke Elmax Klinge läuft zwischen Washern. Der Klingengang ist dennoch seidig und man tippt eher auf ein Kugellager.

TUYA KnifeTUYA Knife Messer
Deutsche Messermacher GildeDeutsche Messermacher GildeDMG SchmiedestahlDeutsche Messermacher Gilde
Jürgen SchanzSchanz Layer 1Schanz Shop Layer 2Schanz Layer 3
Steigerwald MesserSteigerwald Messer
Wolfgangs Knife & Outdoor W03
Reinhard Müller, Jagd- und GebrauchsmesserReinhard Müller, Jagd- und Gebrauchsmesser

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Ein interessantes Feature findet sich an der Lock Bar des Liner Locks: Sie verfügt über einen Detent Ball, wie man es von Framelock Foldern gewohnt ist. Das klingt im ersten Moment nach einer unnötigen Zutat, beweist sich in der Praxis aber schnell als nützliches Feature. Nach dem Entriegeln der Klinge lässt sie sich nur wenige Millimeter bewegen, bis sie vom Detent Ball gestoppt wird. Durch etwas höheren Druck auf die Klinge lässt sie sich einklappen.

Das Handling des GiantMouse Nimbus entspricht durch den Detent Ball der Bedienung eines Framelock Folders und so fühlt sich das Messer auch an. Die benötigten Kräfte zum Entriegeln und Einklappen der Klinge sind dabei gut kalibriert, sodass die Bedienung nie schwergängig oder gar gehemmt erscheint. Zusätzlich hält der Detent Ball die Klinge in der geschlossenen Position sicher und garantiert, dass sie weder wackelt, noch sich herausschütteln lässt. Beim Anheben der Klinge merkt man das Überwinden des Detents und zum zweiten Mal hat man das Gefühl, ein Taschenmesser mit Framelock zu bedienen.

Die Griffschalen sind auf Linern aus AISI 420 Stahl angebracht, die über die Klingenachse und zwei Stehbolzen am Griffende verbunden sind und einen sehr stabilen Rahmen bilden. Auch die Materialwahl von AISI 420 für den Rahmen unterstreicht, dass Ansø und Voxnaes beim Design des GiantMouse Nimbus ein robustes Arbeitsmesser vor Augen hatten. Das setzen sie konsequent um. Andere Hersteller verwenden AISI 420 als Klingenstahl.

Bei der Ergonomie lassen Jens Ansø und Jesper Voxnaes keine Punkte liegen, das GiantMouse Nimbus kann bei Handlage und Bedienung in jeder Hinsicht überzeugen. Der Griff mit seiner voluminösen Mulde für den Zeigefinger ermöglicht Händen unterschiedlicher Größe eine sichere und bequeme Handlage. Fast in der Klingenmitte befindet sich ein kurzes Jimping auf dem ansonsten abgerundeten Klingenrücken. Auch wenn die Position ungewöhnlich erscheint, das Jimping befindet sich exakt an der richtigen Stellen, wenn man das Messer für einen kraftvollen Schnitt einsetzen möchte.

Giant Mouse Nimbus V2, open, back

Die Qualität des GiantMouse Nimbus V2 gibt weder bei Material, Verarbeitung, Ergonomie oder Justage Anlass zu Kritik. Das bringt uns zurück auf die eingangs gestellte Frage: Wer baut dieses Messer? Die Qualität weist auf einen der chinesischen Top-Produzenten hin, aber weit gefehlt, das Messer kommt von Viper aus Italien. Viper gehört definitiv zu den besseren Adressen in Maniago und bestätigt dieses Einschätzung beim Nimbus ein weiteres Mal.

Die Qualitätskontrolle gibt GiantMouse nicht aus der Hand und prüft die Messer in den USA. Probleme mit teilweise zu geringer Härte der Klingen sind also nicht zu erwarten. Viper dürfte die diffizile Wärmebehandlung von Elmax im Griff haben und auch GiantMouse hat diesem Punkt fraglos im Blickfeld. Beim Anschliff lässt sich Viper bei keiner Nachlässigkeit erwischen: Er ist perfekt. Winkelstabil, seitensymmetrisch und präzise. Das Nimbus V2 rasiert den Unterarm mit spielerischer Leichtigkeit und dürfte auch verborgenere Körperregionen ungeniert enthaaren.

GiantMouse Nimbus – Ein rarer Artikel…

In freier Wildbahn, also im Handel, sieht man die große Maus namens Nimbus nur selten. Die Startauflage des V1 Modells war in den USA und in Deutschland praktisch über Nacht ausverkauft. Aktuell besteht nur die Möglichkeit, ein GiantMouse Nimbus V2 zu bestellen, ohne sich lange in Geduld fassen zu müssen. Als Bezugsquelle ist unter Links die Altonaer Silberwerkstatt genannt, die aktuell noch Messer vorrätig hat.

Die erstaunlich große Nachfrage ist nicht nur den technischen Eigenschaften des Messers geschuldet, sondern auch seinem Preis. Im deutschen Online-Fachhandel kosten die Nimbus Modelle knapp unter 200 Euro. Damit ist das Messer kein Preisbrecher, aber fair kalkuliert. Der Klingenstahl geht ins Geld, aber das ist bei einem pulvermetallurgischem Stahl gut angelegt. Die Qualität von Verarbeitung und Justage kann mit Taschenmessern mithalten, die man in der Preisregion oberhalb von 400 Euro erwartet und manchmal auch bekommt. Deshalb räumt das GiantMouse Nimbus bei der Wertung für das Preis-Leistungs-Verhältnis beachtliche 4.5 von fünf möglichen Sternen ab.

Den Namen Nimbus haben sich Jens Ansø und Jesper Voxnaes bei einem Motorrad geborgt, das 1915 vom dänischen Designer Peder Fisker entworfen wurde. Gleichzeitig haben sie für ihr Messer die Philosophie übernommen, die hinter dem bis 1960 gebauten Motorrads steckte. Ein robustes Arbeitstier ohne Schickimicki, kein Porsche-Killer, kein Gipfelstürmer, aber dafür ein zuverlässiger und vor allem unverwüstlicher Begleiter bei Arbeit und Freizeit. Das Konzept ist geglückt!

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Giant Mouse Nimbus V2 - Bewertung

Titelbild: iStock.com:Anatoly Pareev, Composition: Knife-Blog (Ja, ick weeß dat detn Hamster und keene Maus is…)