Spartan Blades Formido

Formido von Spartan Blades

Das Formido der amerikanischen Manufaktur Spartan Blades ist ein skelettiertes Fixed Blade, das aufgrund seiner Klingenlänge in Deutschland nicht dem eingeschränkten Führverbot nach § 42a WaffG unterliegt. So spricht das Formido einen breiten Kundenkreis an, denn Fans der Marke müssen bei diesem Messer trotz deutschfreundlicher Größe nicht auf die typischen Spartan-Blades-Gene verzichten. Das Formido gehört zu Spartan Blades oberster Qualitätsstufe, der „Elite Grade“ oder „Gold Klasse“. Knife-Blog hat Qualität und Praxistauglichkeit des Messers im Alltag getestet und erklärt, was hinter der Einteilung der Spartan Blades Messer in die Klassen Gold, Silber und Bronze steckt.

Hunderte Firmen stellen Messer mit feststehenden Klingen her, doch nur wenige sind weltweit so berühmt und anerkannt für ihre taktischen Fixed wie die Firma mit dem quergestellten Helmbusch eines römischen Centurio im Logo. Spartan Blades orientiert sich bei Design und Material an den Bedürfnissen der Militärangehörigen. Fixed von Spartan Blades sind universelle Kampfmesser, besitzen ein unverkennbares Design und Klingen aus pulvermetallurgischem Stahl.

Die Firmengründer haben als Berufssoldaten gedient und schon in ihrer aktiven Zeit für sich und ihre Kameraden Messer gebaut, die denen des Beschaffungsamtes weit überlegen waren. Dass eine Marktlücke für hochwertige Kampfmesser besteht, wussten Mark Carey und Curtis Iovito aus eigener Erfahrung und die Firmengründung war ein logischer Schritt nach dem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst.

Aus der Geschichte der Firma und ihrer Gründer erklärt sich, warum Messer von Spartan Blades stets charakteristische Merkmale moderner Einsatzmesser aufweisen. Auch das Formido macht in diesem Punkt keine Ausnahme, trotzdem eignet sich das Messer uneingeschränkt für den zivilen Alltag.

Das Spartan Blades Formido

Fixed Blade oder Neck Knife wird sich manch Messerfan beim ersten Blick auf das Formido fragen. Tatsächlich trägt das Messer Gene aus beiden Lagern, ist aber mit gut 180 Gramm inklusive Kydex-Scheide an oder sogar jenseits der Gewichtsgrenze für Neckies angesiedelt. Egal, ob an Gürtel oder Ausrüstung befestigt oder um den Hals getragen, das Formido ist ein veritables Backup-Messer und die perfekte Ergänzung zu einem Einsatzmesser mit sechs, sieben oder acht Zoll langer Klinge.

Spartan Blades Formido

Bereits die Gestaltung der Gürtelschlaufe an der Kydex-Scheide liefert einen Hinweis auf die Rolle des Formido als Backup-Messer, denn mit einem durch die Schlaufe gezogenem Gürtel kann das Formido unter dem Hosenbund getragen werden („Inside-the-waistband carry“). So bleiben Messer und Scheide für Außenstehende unsichtbar, wenn der Griff durch Hemd, Weste oder Jacke verdeckt ist.

Seit Gründung der Firma hat Spartan Blades auf die pulvermetallurgischen Klingenstähle von Crucible Steel gesetzt, die speziell für die Verwendung als Messerklingen entwickelt wurden. Die Stähle wurden mit Hilfe erfahrender Messermacher und Designer entwickelt, zu denen neben Chris Reeve auch Bill Harsey gehörte. Letzterer hat viele Fixed Blades und einen Folder für Spartan Blades gezeichnet. So schließt sich der Kreis.

Nach ihrer Gründung verwendete Spartan Blades S30V, ab Ende 2011 den weiterentwickelten S35VN und ab 2020 dessen Nachfolger CPM-S45VN. Genaugenommen ist S45VN eher eine Modifikation des älteren S30V und kein weiterentwickelter oder gar optimierter S35VN. Die Geschichte der drei Stähle, ihre Vor- und Nachteile sowie die Gründe für den Wechsel zu S45VN hat Knife-Blog im Artikel zum Stahl S45VN zusammengetragen.

Für die Klingenbeschichtung des Formido verwendet Spartan Blades Tungsten-DLC im PVD-Verfahren. Um den Wald aus englischen Begriffen und Akronymen zu durchdringen, muss man ein wenig ausholen. DLC („Diamond like Carbon“) ist eine diamantähnliche Nanokompositbeschichtung aus Kohlenstoff, der in zwei allotropen Formen vorliegt (Diamantkristallstruktur und Graphitkristallstruktur). Um die Beschichtung härter und widerstandsfähiger zu machten, wird der Kohlenstoff zusätzlich mit dem Element Wolfram dotiert.

Mittels PVD-Verfahren werden die Klingen mit dem Kohlenstoff-Wolfram-Gemisch beschichtet. PVD („Physical Vapour Deposition“) ist eine Pulverbeschichtung, bei der das Pulver verdampft wird und sich mittels eines Reaktivgases an der zu beschichteten Oberfläche niederschlägt. Dabei entsteht eine nur wenige Mikrometer dicke Beschichtung von hoher Verschleißbeständigkeit mit hervorragenden Reibungs- und Antihafteigenschaften.

Klingenbeschichtungen mit Tungsten-DLC gehören zum Besten, was man für Geld kaufen kann. Im EDC-Alltag und selbst unter Einsatzbedingungen reibt sich die Beschichtung nicht ab und hält ein ganzes Messerleben lang. Neben der Version mit schwarzer Beschichtung wird das Messer auch in brauner Tarnfarbe (ZrN, Flat Dark Earth) angeboten.

Spartan Blades Formido b/w
Spartan Blades Formido

Spartan Blades härtet die Klinge des Formido auf 59 HRC (+/- 1) und opfert damit etwas Schnitthaltigkeit, um die Zähigkeit des Stahls zu erhalten. Dies fällt nicht negativ auf, denn durch den präzisen Anschliff der Klinge ist nicht nur das subjektive Schärfegefühl, sondern auch die reale Schneidleistung überdurchschnittlich. Die Klinge des Formido beeindruckt „out of the box“ mit giftiger Schärfe.

Mit einer Länge von 100 Millimetern bleibt die Drop-Point-Klinge des Formido deutlich unter der „Trageverbotsgrenze“ im deutschen Waffengesetz. Die Gesamtlänge des Messers beträgt 222 Millimeter, wovon etwa elf Zentimeter auf die nutzbare Grifflänge entfallen. Das ist deutlich mehr, als die meisten Neck Knives zur Verfügung stellen und nicht weniger als bei Fixed Blades dieser Größe typisch und üblich sind.

Ergonomisch ist das Formido gelungen. Der skelettierte, fünf Millimeter starke Griff füllt die Hand erstaunlich gut aus und gewährt sicheren Halt. Bei vielen skelettierten Messern sind ein paar Wicklungen Paracord unerlässlich, um eine bequeme Handlage zu erzeugen – das Formido gehört nicht in diese Gruppe. Im Gegenteil, Paracord verbessert die Handlage dieses Messers nicht und will auch optisch nicht recht zum Formido passen.

Firmengeschichte und Qualitätsstufen der Messer von Spartan Blades

2008 wurde Spartan Blades von Mark Carey und Curtis Iovito in Aberdeen, North Carolina, gegründet. Nach ihrer Dienstzeit beim Militär richteten die beiden Veteranen ihre Werkstatt in einer uralten Scheune ein, zeichneten zahllose Entwürfe und machten sich unverdrossen an die Herstellung von Messern. Heute residiert Spartan Blades in Southern Pines, NC, nahe dem großen Militärstützpunkt Fort Bragg.

Während viele kleine, ambitionierte Unternehmen sich in der Messerbranche nicht durchsetzen können und nach schwierigen Jahren wieder verschwinden, konnte Spartan Blades bereits im zweiten Jahr des Bestehens einen Paukenschlag landen. Auf der Blade Show 2010 gewann die damals noch völlig unbekannte Firma mit dem „Knife Collaboration of the Year“ Award einen der begehrten Preise.

Ausgezeichnet wurde das „Spartan/Harsey Model 1“, ein Fixed Blade mit knapp 19 Zentimeter langer Klinge aus CPM-S30V und lupenreinen Kampfmessergenen. Entwickelt wurde das Messer in Zusammenarbeit mit Altmeister William „Bill“ Harsey und Spartan Blades fertigte eine Kleinserie des Messers teilhandwerklich in der eigenen Werkstatt.

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Der Gewinn einer Kategorie auf der Blade Show sorgt in der Messerszene für die gleiche Popularität wie die Oscar-Verleihung (Academy Award) für einen Film. Über Nacht wurde Spartan Blades weltweit bekannt. Schon am nächsten Morgen standen Kunden, Händler und die internationale Fachpresse bei der kleinen Firma auf der Matte.

Das folgende Jahrzehnt war ebenso betriebsam wie erfolgreich. Spartan Blades stellte die ersten Folder Modelle vor, von denen der Harsey Folder 2016 und das Modell Kranos 2017 auf der Blade Show ausgezeichnet wurden.

2019 schloss sich Spartan Blades mit KA-Bar zur Pineland Cutlery Inc. zusammen. Offiziell ist die Kooperation ein Joint-Venture und keine Übernahme einer Firma durch eine andere. Spartan Blades fertigt seine Messer seit der Firmengründung ausschließlich in den USA mit eigenem Personal. Daran hat sich nach der Fusion mit KA-Bar nichts geändert, aber heute gehören diese „Elite-Grade-Knives“ zur „Gold-Class“.

Messer der Silber-Klasse (Pro Grade Knives) werden in den USA von KA-Bar produziert, dabei kann es sich um Modelle handeln, die von Spartan Blades entwickelt wurden. In der Bronze-Klasse (Field Grade Knives) sind alle Messermodelle zu finden, die im Ausland von Dienstleistern hergestellt werden.

Seit Gründung von Spartan Blades unterstützt die Firma Veteranen der US-Armee durch finanzielle oder materielle Zuwendungen und stellt außerdem Arbeitsplätze für ehemalige Soldaten zur Verfügung.

Zubehör: Kydex-Scheide

Die Kydex-Scheide allein wäre schon ein Grund, sich das Formido zuzulegen. Das Messer wird nicht in die Kydex-Scheide gesteckt, man lässt es hineingleiten. Ebenso leicht lässt es sich ziehen und dennoch sitzt das Formido völlig spiel- und klapperfrei. Die Ausformung für die Klinge ist so detailliert und präzise, dass man nicht an Handarbeit glauben möchte. Doch das eingeprägte „CLW“ Logo legt nahe, dass ein Bezug zu Werkstätten besteht, in denen Veteranen ein Zubrot zum Lebensunterhalt hinzuverdienen können.

Spartan Blades Formido mit Kydex-Scheide
Die Kydex-Scheide des Formido kann mit einer Gürtelschlaufe oder einem Teklok ausgestattet werden.

Die Gürtelschlaufe ist durch Lösen einer Schraube demontierbar wenn ein Teklok zum Einsatz kommen soll. Selbstverständlich sind die Montagelöcher so angeordnet, dass das Formido senkrecht, waagerecht oder schräg am Gürtel befestigt werden kann. Egal ob Materialqualität, Verarbeitung oder Passgenauigkeit, die Kydex-Scheide des Spartan Blades Formido setzt Maßstäbe und erzielt die Bestwertung.

Neckie oder Fixed Blade, EDC oder Backup?

Die Frage ist beim Formido nicht leicht und vor allem nicht allgemeingültig zu beantworten. Das Gewicht von 191 Gramm für die Kombination aus Messer und Kydex-Scheide spricht gegen eine dauerhafte Verwendung des Messers als Neck Knife. Das Gewicht mag Geschmackssache sein, die EDC- Qualitäten des Formido liegen dafür deutlich über denen gängiger Neckies. Egal welche Alltagsaufgabe ansteht, das Formido erledigt sie prompt. Als reines Backup-Messer ist das Formido ebenso überqualifiziert wie unterfordert.

Es ist ein Messer für den EDC- Alltag und kann selbst auf Survival-Trips einen Großteil der Arbeiten übernehmen. Egal ob um den Hals getragen, im Hosenbund steckend oder an der Ausrüstung befestigt, das Formido brilliert je nach Situation als erste Wahl oder als letzte Rettung. Passend zum Firmenlogo tragen viele Messer von Spartan Blades lateinische Namen. Formido ist die Personifikation des Terrors in der römischen und griechischen Mythologie.

Qualität, Fazit, Preis

Elite Grade. Da steckt der Anspruch drin, das man ein Messer anders, aber nicht besser machen kann. Optimale Qualität und keine Kompromisse beim praktischen Nutzen. Mark Carey und Curtis Iovito haben die Maximen der SOCOM zur Philosophie ihrer Firma gemacht.

Doch Top-Materialien, hohe Verarbeitungsqualität und teilhandwerkliche Fertigung ohne Dritte-Welt-Löhne schlagen sich im Preis der Produkte nieder. Gold-Class-Messer aus North Carolina gehören nicht nur qualitativ, sondern auch preislich zur Oberklasse und die Zahl der Kunden ist in diesem Marktsegment nicht übermäßig hoch. Durch den Zusammenschluss mit KA-Bar hat sich Spartan Blades die Möglichkeit erschlossen, mit den preisgünstigeren „Pro-Grade“ oder „Field-Grade“ Messern neue Kundengruppen zu erschließen.

Das Formido ist im europäischen Online-Handel kaum unter 300 Euro zu bekommen. In Deutschland variieren die Preise zwischen 310,- und 340,- Euro. Vermeintlich günstigere Preise bietet nur ein finnischer Anbieter – allerdings nur dann, wenn gerade kein Messer lieferbar ist. So macht man zwar keine Umsätze und verstößt auch nicht gegen Verträge mit den Herstellern, vergällt der Konkurrenz aber trotzdem das Geschäft. In einer idealen Welt würden Hersteller und Kunden um die Webseiten von Anbietern mit solch miesen Geschäftspraktiken einen großen Bogen schlagen.

Gut 300,- Euro für ein Fixed Blade mit zehn Zentimeter Klinge. Trotzdem vergibt Knife-Blog beim Preis-Leistungs-Verhältnis vier von fünf möglichen Sternen. Die Erklärung ist einfach: Messer von Spartan Blades im Allgemeinen und das Formido im Besonderen sind in ihrer Machart selten, die Qualität ist kaum zu toppen, der Hersteller verzichtet auf Arbeitsschritte in Niedriglohnländern, bezahlt faire Lizenzgebühren und ist sozial engagiert. All diese Punkte gehen in die Bewertung ein und relativieren die Zahl auf dem Preisschild.

Das Spartan Blades Formido ist ein Messer, das man gern zur Hand nimmt, gern an seinen Gürtel schnallt und das man gern vor Messerfreunden präsentiert. So erreicht es in der neuen Bewertungskategorie „Swag-Faktor“ eine Top-Wertung. Was es mit dem ominösen „Swag-Faktor“ auf sich hat, ist in den Bewertungsrichtlinien von Knife-Blog ausführlich erläutert.

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Technische Daten

  • Bauart: Fixed Blade mit skelettiertem Griff
  • Klingenlänge / -stärke: 100 mm / 5 mm
  • Gesamtlänge: 222 mm
  • Klingenstahl: CPM-S45VN
  • Zubehör: Kydex-Scheide, Paracord Lanyard
  • Gewicht ohne / mit Scheide: 138 g / 191 g

Bildnachweis: Titelbild von Spartan Blades, modifiziert von Knife-Blog.

Spartan Blades Formido
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Anschliff
Survival-Faktor
Swag-Faktor
Qualität
Preis-Leistung
4.7
Knife-Blog Wertung