Dass sich Großhändler spezielle Messermodelle von bekannten Herstellern zur exklusiven Vermarktung produzieren lassen, hat in der Messerwelt lange Tradition. Spyderco war eine der ersten Firmen, die sogenannte „Exclusive“ Modelle ausschließlich für amerikanische Handelshäuser oder Special-Editions für Mitglieder eines Forums hergestellt haben. Seltenheitswert haben Messer, die als Sondermodell für Leser einer Zeitschrift auf den Markt kommen. Nach dem Start mit teuren Oberligamodellen vor einigen Jahren hat das Messer Magazin nun ein Taschenmesser im Angebot, das nicht nur preislich interessant ist, sondern auch mit Material und Qualität punkten möchte.

Inhalt und Übersicht

Nein, hinter dem Namen STEELTAC verbirgt sich keine Firma, die Messer in eigenen Werkstätten herstellt. Auch wenn ältere Links im Internet auf „handgefertigte Messer aus Südafrika“ verweisen, sind diese Informationen heute nicht mehr gültig. Tatsächlich ist STEELTAC ein Handelsname und gehört mehr oder weniger dem Messer Magazin oder besser gesagt dem Herausgeber selbst. Auftraggeber ist die Steeltac GmbH aus Bad Aibling, gefertigt werden Messer mit diesem Signet von verschiedenen Lohnherstellern.

Lohnhersteller klingt abwertend, aber daran ist nichts Schlechtes zu finden. Fast alle Messermodelle, die einen Handelsnamen tragen, stammen aus der Produktion eines Dienstleisters. Dazu gehören auch die meisten Messer von Böker oder Herbertz.

Für ein Design mit Materialvorgabe werden Angebote eingeholt, Preise und Qualitäten verglichen. Am Ende geht der Auftrag an den Anbieter mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis.

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Heinr. Böker Baumwerk GmbH
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Wie die Nummerierung zu erkennen gibt, ist der aktuelle Folder nicht das erste Messer, das vom Wieland Verlag unter dem Namen STEELTAC auf den Markt gebracht wurde. Die Älteren werden sich an das STEELTAC Commando erinnern; der Flipper sollte 2007 als Semi-Custom am Markt positioniert werden. Das Messer wurde in Südafrika von André Thorburn in Kleinserie hergestellt, überzeugte mit erstklassiger Qualität, floppte aber trotzdem aufgrund seines Preises. Knapp 400 Euro war damals ein Betrag, den nur wenige Messerfans für ein Taschenmesser aus Serienproduktion auszugeben bereit waren.

Seinerzeit war der südafrikanische Messermacher in Deutschland so gut wie unbekannt und den meisten Messerfans bestenfalls als Zeitgenosse von Chris Reeve ein Begriff. Heute kosten selbst Großserienmesser aus China manchmal das Doppelte und ein Messer von Thorburn für 400 Euro wäre anno 2020 ein Schnäppchen zum Fingerablecken. Wie sich die Zeiten ändern…

STEELTAC No. 2

Einige Jahre war es ruhig um Messer mit dem STEELTAC Label, doch nach Eröffnung des verlagseigenen Webshops wurde die Idee wieder aufgegriffen. Aus den Erfahrungen mit hochpreisigen Messern haben die „Wielands“ gelernt und platzieren die STEELTAC Modelle nun im Budget Bereich.

Auch das neueste Modell mit der Bezeichnung STEELTAC No. 2 fällt in dieses Marktsegment. Statt einigen Hundert Euro muss der Messerfan nur einen 50 Euro Schein berappen. Auf der Materialliste tauchen trotzdem Canvas Micarta und der Klingenstahl Sandvik 14C28N auf. Die Zutaten machen neugierig.

STEELTAC No. 2, offen

Sandvik 14C28N ist ein Klingenstahl, der bei Budget Messern gehobener Qualität häufig auftaucht, da er gute Allround-Eigenschaften mitbringt. Neben vielen kleinen Messerherstellern in aller Welt setzen auch Real Steel, EnZo und viele französische Manufakturen den Stahl des schwedischen Herstellers regelmäßig ein. Der Name des Klingenstahls leitet sich vom Standort des Herstellers ab; die Firma ist in der Kleinstadt Sandviken, knapp 200 Kilometer nördlich von Stockholm beheimatet.

Der Vorgänger des Klingenstahls, bekannt als 14C28 ohne Beimischung von Stickstoff, gehörte bereits zu den brauchbaren Mittelklassestählen. Mit 0,11 Prozent Stickstoff wurde der Stahl auf den Einsatz bei Messerklingen optimiert und die Schnitthaltigkeit verbessert. 14C28N kann bei kurzen Klingen bis auf 62 HRC gehärtet werden, üblich sind Werte um 59 +/- 1 HRC. Der Stahl lässt sich mit Wassersteinen und unter „Feldbedingungen“ notfalls auch mit einfachen Schleifmitteln nachschärfen.

Namen wie einst beim „Commando“ soll es in Zukunft nicht mehr geben, heute werden die Messer vom Magazin nur noch schnöde durchnummeriert. Statt von einem bekannten Custom Maker werden die Messer von Serienproduzenten hergestellt; das STEELTAC No. 2 kommt aus den Fertigungshallen von QSP.

Mehrere Hersteller waren für die Realisierung des STEELTAC No. 2 beim MESSER MAGAZIN in der engeren Auswahl, doch manchmal haperte es an der Umsetzung der Grundidee, manchmal an der Kommunikation und manchmal schlicht an der Qualität von Material und Finish. Durch den Auswahlprozess zog sich der Planungsprozess um einige Monate in die Länge, bis QSP schließlich in allen Punkten überzeugen konnte.

In rechtlicher Grauzone

Wie gesagt, das STEELTAC No.2 ist eigentlich als Zweihandmesser mit Klingenarretierung konzipiert und tatsächlich für die meisten Menschen nur zweihändig zu öffnen. Damit würde das Messer die aktuellen gesetzlichen Auflagen hinsichtlich des Führens von Taschenmessern in der Öffentlichkeit erfüllen und wäre für Inhaber einer waffenrechtlichen Erlaubnis auch in Waffenverbotszonen legal zu führen. Die Details der letzten Waffengesetzänderung und die Ausnahmebestimmungen vom Trageverbot für Messer findet ihr im Artikel „Messerverbote und Waffenverbotszonen“.

An dieser Stelle muss man anmerken, dass es mit der Umsetzung der Änderung des Waffengesetzes auf kommunaler Ebene noch kräftig hapert. Die vom Gesetzgeber gewährten Ausnahmebestimmungen für das Tragen von Messern sind offenbar noch nicht bei allen Behördenleitern und ihren Vollzugsbeamten angekommen oder werden schlicht ignoriert.

Vor allem Berlin und einige Städte in Hessen und NRW lassen derzeit nur wenig Bereitschaft erkennen, die gesetzlich festgeschriebenen Ausnahmebestimmungen anzuerkennen.

Es wird wohl unangemessen viel Zeit kosten und mehrerer Gerichtsurteile bedürfen, um der Behördenwillkür Einhalt zu gebieten.

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Das STEELTAC No. 2 ist ein Folder mittlerer Größe und vereint das klassische Element des Nagelhaus mit einer zeitlosen, aber nicht langweiligen Form. Den Nagelhau könnte man als zusätzliches Feature betrachten, denn wirklich benötigt wird er nicht. Wer über ein wenig Fingerfertigkeit im Umgang mit Einhandmessern verfügt, kann die Klinge problemlos mit Daumen und Mittelfinger anheben und mit dem Daumen mühelos ins Lock befördern.

Diese Eigenschaft des STEELTAC No. 2 kann – je nach Sachkenntnis der kontrollierenden Beamten – den Messerbesitzer in Erklärungsnöte bringen.

Aufbau, Technik, Daten

Griffschalen aus Canvas Micarta auf Platinen aus Edelstahl bilden zusammen mit zwei Studs, Klingenachse und Klingenanschlag den Rahmen des Messers. Die Griffschalen sind eine Nuance kleiner als die Edelstahlplatinen, sodass sich optisch eine Art Umrandung ergibt. Auch haptisch macht sich die Abstufung bemerkbar und bewirkt eine Abrundung der Kanten. Dadurch schmiegt sich das STEELTAC No. 2 ohne Druckstellen bequem in die Hand.

Der Klingengang ist für ein Messer aus der Budget-Klasse überdurchschnittlich gut. Die Klinge läuft weich, gleichmäßig und ist beim Öffnen und Schließen gut kontrollierbar. Die mehrlagigen Washer aus Bronze funktionieren überraschend gut und lassen kein Verlangen nach einem Kugellager aufkommen. Obwohl Achsschraube und Klingenachse eher filigran anmuten, steht die Klinge perfekt zentriert. Die Konstruktion ist stabil: Radiales oder axiales Klingenspiel sind nicht festzustellen.

STEELTAC No. 2 mit Sandvik 14C28N Klinge

Die feine Struktur und die gleichmäßige Oberfläche der Stonewash-Klinge sind in dieser Preisklasse ein Hingucker.

Die tiefe Konturierung der Griffunterseite sorgt zusammen mit der leicht rauen Struktur der Micarta Griffschalen für komfortablen, sicheren Halt in der Hand.

Die klar hervortretende Struktur des Stoffs verleiht den Micarta Griffschalen ihre besondere Optik.

Die Klinge des STEELTAC No. 2 ist 77 Millimeter lang und mit 3,30 Millimetern Stärke für ein Taschenmesser dieser Größe solide dimensioniert. Bemerkenswert ist das Stonewash Finish, das eine sehr feine Struktur aufweist und völlig gleichmäßig ist. Die Klingenoberfläche sieht nicht nur gut aus, sie besitzt auch einige Widerstandskraft gegen Gebrauchsspuren. Die Klinge ist schmucklos und besitzt als einzige Lasergravur einen Hinweis auf die Stahlsorte.

Der Locking Liner steht beim neuen STEELTAC Messer optimal. Er überdeckt die Klingenwurzel komplett, ohne zu weit innen zu stehen. Die Entriegelung funktioniert ohne Gefummel oder Kraftaufwand. Der Locking Liner besitzt eine geriffelte Kante und steht leicht hervor.

Bei der Justage des STEELTAC No. 2 hat QSP einen ordentlichen Job gemacht; bei Handhabung und Ergonomie gibt es keine Kritikpunkte. Die Grifflänge von 10 Zentimetern stellt den Fingern rund 90 Millimeter Platz an der Griffunterseite zur Verfügung. Das reicht bei einer mittelgroßen Männerhand so eben aus, wobei der kleine Finger dazu neigt, Platz hinter dem Griffende zu finden.

Alltag und Fazit

Die Varianten bei der Klingenöffnung erlauben, die Klinge des STEELTAC No. 2 sowohl mit der rechten wie auch mit der linken Hand zu öffnen. Etwas Fingerfertigkeit vorausgesetzt. Der Taschenclip befindet sich – passend für Rechtshänder – an der rechten Griffseite. Bei einem Griff aus G-10 hätte man sicherlich auch die linke Griffschale mit Bohrungen für den Taschenclip versehen, aber bei Canvas Micarta hätten zusätzliche Bohrungen so hässlich ausgesehen, dass man darauf verzichtet hat.

Stichwort: Canvas Micarta. Dieser Werkstoff hat neben seinen optischen Qualitäten auch Vorteile hinsichtlich der haptischen Eigenschaften und dementsprechend eine stabile Fangemeinde unter den Messerfans.

Bei Messern aus dem Budget-Segment ist Canvas Micarta oft eine Gratwanderung und sieht nicht selten eher nach Opas Pantoffeln als nach hochwertigem Griffmaterial aus. Diesbezüglich kann für das STEELTAC No. 2 Entwarnung gegeben werden: Die Griffschalen aus Micarta können bei Material- und Bearbeitungsqualität überzeugen und würden auch an einem Messer zum dreifachen Preis eine gute Figur abgeben.

STEELTAC No. 2 mit Griffschalen aus Canvas Micarta

Im täglichen Gebrauch beweist sich der STEELTAC Folder als nützliches Werkzeug und erledigt alle EDC-Aufgaben mit Bravour. Man merkt dem Messer an, dass hinter dem Konzept die jahrelange Erfahrung von Messerprofis steckt. QSP hat gute Arbeit geleistet und ein Taschenmesser abgeliefert, dem man seinen günstigen Preis nicht anmerkt. Wer ein günstiges Arbeitsmesser sucht oder sich ohnehin am Liebsten in der Budget-Klasse bedient, erwirbt mit dem STEELTAC No. 2 ein rundum brauchbares Werkzeug ohne Schwächen.

Das nächste Messer mit STEELTAC Logo wirft bereits Schatten voraus. Nach dem kleinen Arbeitsmesser könnte ein Full Size Folder in taktischer Optik folgen. Man darf auf jeden Fall gespannt sein.

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STEELTAC No. 2 - Bewertung

Titelbild: iStock.com:Ellica_S, Composition: Knife-Blog